Liebeslieder der Völker (Volkslieder)

 


Deutsche Liebeslieder (Volkslieder)


Sammlung Büsching / von der Hagen (1807)


Inhaltsverzeichnis der Lieder:
 

 




Lied 3.
Liebesklage

Mein'n Jammer muß ich heute klagen,
Weil mich mein Schätzchen nicht mehr liebt;
Meine Schmerzen muß ich heute sagen,
Warum ich bin so sehr betrübt:
An diesem ist die Schuld allein,
Daß ich muß verlassen sein.

In diesem Kummer, den ich habe,
Er quälet mich den ganzen Tag;
Er geht mit mir bis zu dem Grabe:
Das ist ja eine schwere Plag';
Ach, dies ist eine schwere Pein,
Ja, schwerer, als der größte Stein.

Wem soll ich jetzt mein Elend klagen?
Wem soll ich jetzt vertraulich sein?
Wem darf ich jetzt was Heimlich's sagen?
Wem geb' ich jetzt das Herze mein?
Wem mach' ich jetzt mein Kompliment?
Wem reich' ich jetzo meine Händ'?

Nun, Himmel, du wirst alles wissen,
Dir ist ja alles wohl bekannt,
Warum ich meinen Schatz muß missen:
Ach, dieses ist ein schwerer Stand;
Ach, dieses kränket mich so sehr:
Ach, wenn ich nur gestorben wär'!
(S. 11-12)
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Lied 5.
Liebesgruß aus der Ferne

Sind wir geschieden,
Und ich muß leben ohne dich,
Gieb dich zufrieden,
Du bist mein einz'ges Licht.
Bleib mir beständig,
Treu, unabwendig:
Mein letzter Tropfen Blut,
Sei dir, mein Engel, gut.

Ich will indessen,
Mein Engel und mein Kind,
Dein nicht vergessen,
Du liegst mir in dem Sinn.
Die Zeit wird's fügen,
Daß mein Vergnügen,
Nach überstandner Pein,
Wird desto größer sein.

Weht, weht, ihr Winde,
Und bringt mir einen Gruß
Von meinem schönsten Kinde,
Darum ich trauren muß.
Küßt ihr die Wangen,
Sagt mein Verlangen,
Bringt ihr die Botschaft mein:
Ich leb' und sterbe dein.

Flieht, flieht, ihr Lerchen,
Ueber Berg' und über Thal,
Grüßt meine Schönste,
Viel hunderttausendmal;
Flieht in den Garten,
Thut meiner warten,
Allwo die Treue blüht,
Ich leb' und sterb' vergnügt.
(S. 14-15)
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Lied 6.
Der Jäger und das Mädchen

Es wollt' ein Jäger jagen,
Wohl in das Tannenholz;
Was begegn't ihm auf dem Wege?
Ein Mädchen und die war stolz.

"Wohin du hübsches Mädchen,
Wohin du Mädchen stolz?"
"Ich geh' zu meinem Vater,
Wohl in das Tannenholz."

"Geh' du zu deinem Vater,
Wohl in das Tannenholz,
Deine Ehre sollt du lassen,
Bei einem Jäger stolz."

"Eh' ich mein' Ehr' wollt' lassen,
Bei einem Jäger stolz,
Viel lieber wollt' ich meiden
Das Silber und rothe Gold."

Was zog er von seinem Finger?
Ein gold'nes Ringelein.
"Sieh' da, du hübsches Mädchen,
Das soll dein Denkmahl sein."

"Was soll ich mit dem Ringelein,
Wenn ich nicht dein kann werden?"
"Lege ihn in deinen Kasten,
Wohl in das Tannenholz."

"Der Kasten ist zugeschlossen,
Der Schlüssel ist verlohr'n;
Ich hab' in meinem Herzen,
Einen andern auserkohr'n."

"Hast du in deinem Herzen
Einen andern auserkohr'n,
Ei so mag sich Gott erbarmen,
Wenn ich deine werden kann."

Ich geh' nicht aus den Stegen,
Ich geh' nicht aus der Stadt,
Bis ich mein'n Schatz gesehen
Und ihn geküsset hab'.
(S. 16-18)
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Lied 10.
Sehnsucht nach Liebe

Schönstes Kind, zu deinen Füßen
Lieg' ich hier, wein' bitterlich.
Sollt' ich dich verlassen müssen,
Wär's die größte Pein für mich.
Lieber wollt' ich den Schluß fassen,
Und mein junges Leben lassen;
Denn von dir entfernt zu seyn,
Wär' für mich die größte Pein.

Gold und Silber, Meerkorallen,
Reichthum, Schätz' und Edelstein
Thun mir nicht so wohl gefallen,
Als du, Schönste, nur allein.
Die Leute reden, was sie wollen,
Du allein hast es sein sollen,
Nichts nimmt mir mein Herz so ein,
Als du, Schönste, nur allein.

Nachts, wenn ich die Ruh' zu wählen,
In mein Schlafgemach geh' ein,
Thut sich mir im Traum fürstellen
Dein geliebtes Konterfei:
Wie du redest, wie du lachest,
Eine süße Miene machest;
Auch stell' ich im Traum mir für,
Wie du, Schönste, schliefst bei mir.

Alles, was ich red' und denke,
Alles, alles ist von dir;
Wo ich nur mein Aug' hinlenke,
Stellt sich mir dein Bildniß für.
Kein Künstler ist auf der Erden,
Wird auch nicht erfunden werden,
Der dich, Schönste, malet ab,
Wie ich dich im Herzen hab'.

Schönster Schatz, sag', soll ich leben,
Sag', ob du mich liebest noch,
Oder mir willst Abschied geben; -
Dieses Wort entsetzt mich doch.
Lieben mußt du oder hassen,
Ein's von beiden mußt du lassen;
Schönster Schatz, ich stell' dir's frei:
Haß' mich oder bleib mir treu.
(S. 26-28)
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Lied 11.
Ade, mein Schatz

"Ade, mein Schatz! ich muß nun fort;
Ich muß dich meiden,
Von dir abscheiden;
An andern Ort." -

Schatz, gehst du denn so weit von mir? -
"Im Rosengarten
Will ich dein warten,
Im grünen Klee." -

"Darfst mein nicht warten, bin viel zu schlecht;
Frei' dir ein' Reiche,
Die deines Gleiche
Ist eben recht!" -

"Was frag' ich viel nach Geld und Gut?
Wenn ich nur habe,
Was mein Herz labe:
Wer's glauben thut." -

"Wer's glauben thut, der ist nicht hie,
Ist weggeritten,
Kommt morgen wieder,
Spät oder früh."

"Kommst du nicht wieder zu rechter Zeit,
So sind wir beide,
So sind wir beide,
Geschied'ne Leut'."
(S. 28-29)
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Lied 17.
Liebeslied

Der Winter ist ein scharfer Gast,
Das merk' ich an dem Tage.
Mein Lieb' gab mir ein Kränzelein,
Von Perlen fein,
Das sollt' ich lustiglichen tragen
All mein Tage.

Von Ostern gehn die Fasten aus,
So längern uns die Tage.
Mein Lieb' gab mir ein Unterpfand,
Zween Aermlein blank,
Darinne so sollt' ich mich rüsten,
Wo es mich lüste.

Hiernach kömmt uns die Sommerzeit,
Der Mai der bringt uns Blumen,
Er bringt uns Blümlein mancherlei,
Hold ist der Mai;
Ich hör' die Frau Nachtigall singen
Und springen.

Was acht' ich auf aller Waldvögelein Sang,
Auf aller Kläffer Zungen?
Läg' ich in meines Liebs Aermelein blank
Ich wüßt's ihm Dank;
Ich wollt' es mich nimmer verrühmen,
So er käme.

Der uns dies neue Liedlein sang,
Der hat gar wohl gesungen;
Es hat es gethan ein Jungfräulein,
Trank gerne Wein,
Sie war ihrem Freund auch getreue:
Es wird ihr nicht reuen.
(S. 42-44)
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Lied 18.
Der Wunsch

Wollte Gott, daß ich wär' ein Pferdlein klein,
Sehr lustig wollte ich traben,
Wohl über Berg, wohl über Thal,
Wohl über die grünen Heiden. -
Ach, Jungfrau, lass't mich unverschmäht,
Ich bin mein's Guts ein freier Held. -
Seht, lustig ließ' ich mich traben.

Wollte Gott, daß ich wär' ein Hündlein klein,
Sehr freundlich wollt' ich mich neigen zu ihr,
Sehr freundlich wollte ich scherzen,
Sehr freundlich spielte sie mit mir,
Und wie sie wollte so hätte sie mich:
Sie machte mich zu einem Narren.

Wollte Gott, daß ich wär' ein Kätzlein klein,
Und liefe zu ihren Füßen,
Sehr still so wollte ich schweigen.
Heimlich so wollte ich mausen,
Und springen wollt' ich vor die Schönste auf die Decke,
Und schlief' sie dann, ich wollte sie wecken;
Freundlich so wollte ich scherzen im Herzen.

Wollte Gott, daß ich wär' ein Vögelein klein,
Und säß' auf einem grünen Zweige,
Ich wollte ihr fliegen in's Herzens Grund,
Sie geliebet mir zu aller Stund
Ueber andere Jungfräulein alle.

Der uns dies neue Liedlein sang,
Der hat's sehr wohl gesungen;
Das haben gethan zwei Reuter gut,
Ein alter und ein junger.
Es stehet mancher hinter der Thür,
Es wäre wohl besser, blieb' er dafür,
Und brächt' sich nicht selber zu Schanden.
(S. 44-46)
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Lied 31.
Liebeslied

Ich hät mir ein Mädlein auserkoren,
Ich meint' sie wär' mir hold,
Und sollt' ich sie stehlen, wie ein Dieb;
Mein Herz wird freudenvoll
Sollt' ich sie schließen darein;
Darein wollt' ich sie schließen,
Sollt's aller Welt verdrießen,
So müßt' es dennoch sein.

Ich hät mir's auserwählet
Ein schönes Jungfräulein;
Zu ihr hat sich gesellet
Das junge Herze mein.
Hab' ihr mein'n Dienst geschworen,
Ein Jungfräulein, das mir wohl gefällt,
Darum hab' ich mir's auserwählt,
Zu eigen auserkoren.

Ich hät mir fürgenommen,
Wollt' ihr gedienet ha'n;
So ist der Unfall kommen,
Daß ich sie muß fahren la'n:
Ist all's ander'r Leute Schuld;
Darum thut es mich kränken nit.
Ich weiß wohl, daß sie mir Gutes gönnt,
Und daß ich hab ihr' Huld.

Sie mußt' mir Urlaub geben,
Sie hat's nit gern gethan,
Es war ihr doch nit eben,
Das kann ich wohl verstahn.
Die Liebe die was so groß,
Mit Armen weil sie mich umfing,
Da ich so traurig von ihr ging,
Viel Zähren sie vergoß.

Das thät sie zu mir sagen:
Feins Lieb biß wohlgemuth,
Denn du sollt nit verzagen,
Unser Sach' soll werden gut.
Willt du vertrauen mir,
So will ich dich, Herzlieb, nit la'n,
Und sollt' die Welt zu Scheitern gahn.
Deßgleichen sprach ich zu ihr.

Darauf bot sie mir ihre Hände,
Sie sprach: "Feins Lieb, fahr' hin;
Unser Sach' soll sich bald wenden;
Gott geb' dir steten Sinn,
Und hab' uns beide in Acht,
Daß uns kein' falsche Zung' verletzt."
Ein'n Kuß den bot sie mir zuletzt:
"Ade, zu guter Nacht."

Und wer ist, der dies Liedlein sang,
Von neuem gesungen hat?
Das hat gethan ein Schlosser
Zu Nördlingen in der Stadt;
Er trägt einen freien Muth;
Er hat's gar fein gesungen:
Zu der Lieb kunnt er nit kummen;
Er hofft es werd' bald gut.
(S. 76-79)
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Lied 34.
Minnelied

Unter der Linden,
In der Heide,
Da unser zweier Bette was,
Da möget ihr finden
Schöne beide,
Gebrochen Blumen und Gras,
Vor dem Walde in einem Thal:
Tandaradei! schöne sang die Nachtigall.

Ich kam gegangen
Zu der Aue,
Da war mein Friedel kommen eh;
Da ward ich empfangen,
Hehre Fraue!
Daß ich bin seelig immermeh.
Er küßte mich wohl tausend Stund:
Tandaradei! seht wie roth mir ist der Mund.

Da hat er gemachet
Also reiche
Von Blumen eine Betttestatt;
Deß' wird noch gelachet
Innigleiche;
Kommt jemand auf demselben Pfad':
An den Rosen er wohl mag
Tandaradei! merken, wo mir 's Haubet lag.

Daß er bei mir lage,
Wüßt' es jemand,
Und wollte Gott, so schämt ich mich.
Weß' er mit mir pflage,
Nimmer niemand
Befinde das, denn er und ich:
Und ein kleines Vögelein,
Tandaradei! das mag wohl getreue sein.
(S. 84-85)
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Lied 35.
Abschied

O Berlin, ich muß dich lassen,
O du wunderschöne Stadt!
Und darin da muß ich lassen
Meinen auserwählten Schatz.

Schönster Schatz du thust mich kränken
Tausendmal in einer Stund,
Wenn ich nur das Glück könnt' haben,
Dir zu küssen deinen Mund.

Zwar ich bin noch jung von Jahren,
Mir das Reisen wohl gefällt,
Etwas neues zu erfahren,
Wie es zugeht in der Welt.

Wir haben oft beisammen gesessen
Manche schöne halbe Nacht,
Manchen Schlaf haben wir vergessen,
Und die Zeit so zugebracht.

O ihr Wolken, gebet Wasser,
Daß ich weinen kann genug;
Meine Aeugelein sind nasser,
Nasser als der Donaufluß.

Mein Schatz, wenn du mir willst schreiben,
Schreibe mir ein Briefelein;
In den Brief, den du willst schreiben,
Drücke auch dein Herzchen ein.

Jetzt spann' ich mein' zwei Pistolen,
Thu vor Freuden zwei, drei Schuß,
Mein'm feins Liebchen zu gefallen,
Weil ich dich verlassen muß.
(S. 86-87)
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Lied 36.
Liebeslied

Ich habe mir eines erwählet,
Ein Schätzchen, das mir gefällt;
Ist hübsch und fein,
Von Tugend so rein;
Fein tapfer und ehrlich sich hält.

Die Leut' thun oftmals sagen,
Du hätt'st einen andern lieb:
Drum glaub' ich es nicht,
Bis daß es geschicht;
Mein Herze bleibt immer vergnügt.

Glaube nicht den falschen Zungen,
Die mir und dir nichts gönnen;
Bleib ehrlich und fromm,
Bis daß ich wiederkomm;
Drei Jahre gehen bald herum.

Und wenn ich dann wiederum komme,
Für Freuden mein Herze zerspringt:
Dein' Aeugelein klar,
Dein schwarzbraunes Haar,
Vergnügen mich tausend mal.
(S. 87-88)
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Lied 37.
Liebesbotschaft

"Schwing dich auf, Frau Nachtigall, geschwinde,
Vor meines Liebchen Fensterlein dich finde,
Sing' ihm das Lied, welches, ohn' Beschweren,
Wir erdacht mein'm Schatz zu Ruhm und Ehren." -

"Ich komm' her von eurer Schönen, Zarten,
Welche mich aus ihrem Rosengarten,
Sendet zu euch sammt einem Kranz geringe,
Den ich euch von ihrentwegen bringe."

"Glück und Heil sie wünschet von Herzensgrunde
Ihrem Schatz zu jeder Zeit und Stunde;
Ihr zartes Herze ist gar sehr besessen;
Sie kann ihres Liebchens nicht vergessen."

"Je länger je lieber heißt ein Blümelein,
Daraus hat sie gemacht das Ehrenkränzelein,
Augentrost ist darunter gemenget,
Vergißmeinnicht mit eingesprenget."

"Auch ist so viel Ehrenpreis darinnen;
So werdet ihr des Wohlgemuthes innen;
Der Kranzbügel ist mit Ehren gewunden,
Ein treues Herzelein hat ihn gebunden.

"Merkt noch mehr, was sie mir hat befohlen,
Das sag' ich euch ganz frei und unverhohlen:
Ohn' Antwort soll ich nicht wiederkommen,
Darum merkt wohl, was ihr von mir vernommen." -

"Fleißig hab' ich dein' Botschaft verstanden,
Antwort soll euch sein bei mir vorhanden.
Schwing' dich auf mit deinem zarten Gefieder,
Und grüße mir mein tausend Herzelein wieder."

"Nichts liebers hätte sie mir können schicken,
Dadurch sie thät' mein junges Herz erquicken,
Als das Kränzlein mit den schönen Blumen,
Die man sonsten selten thut bekommen."

"Ein Demat, ein Stein gar hart und theuer,
Welchen auch verzehren kann kein Feuer,
Ist kaum meinem Herzen zu vergleichen;
Doch thät es das Kränzelein erweichen."

"Von mir sag' dem allerschönsten Herzen
Eitel Freud' und Wonn' ohn' alle Schmerzen;
Thu' ihr für das Präsent großen Dank sagen;
Fröhlich bin ich, weil sie mir ist gewogen."

"Sprich, ich will ihr'r wieder nicht vergessen,
Ob ich mich gleich nicht kann hoch vermessen.
Schwing' dich auf, sag' ihrem rothen Mund,
Gute Nacht, Glück, Heil zu aller Stund."
(S. 89-91)
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Lied 38.
Die Amsel

Gestern Abends in der stillen Ruh'
Hört' ich in dem Wald' der Amsel zu;
Als ich nun da saß,
Meiner schier vergaß,
Kam mein Schatz und schmeichelt sich,
Um mich her und küßte mich.

"Ei du Schmeichler - sprach sie unerschreckt -
Wer hat dir mein'n Aufenthalt entdeckt.
Ja im grünen Wald,
Da ist mein Aufenthalt,
Wo ich zuvor in meinem Sinn
Ganz vergnügt gewesen bin."

Kommt daher und schmeichelt mir so schön.
Sie läßt ihre Treuheit zärtlich sehn,
Schmeichelt sich um mich,
Drückt' und küßte mich
Und schwur bei ihrer Lieb' allein,
Ewig mir getreu zu sein.

So viel Laub' an Busch und Linden ist,
So vielmal hat mich mein Schatz geküßt,
Ja ich muß gestehn,
Daß sonst nichts geschehn;
Die Amsel in dem Wald allein,
Könnte meine Zeugin sein.
(S. 92-93)
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Lied 40.
Die Liebesbotin

Frau Nachtigall, mach' dich bereit,
Der Tag bricht an, es ist doch Zeit!
Du sollt mein treuer Bote sein,
Wohl zu der Allerliebsten mein;

Die dein in ihrem Würzgärtelein
Thut warten mit groß Angst und Pein;
Manch heißer Seufzer ihr 'raus dringt,
Bis ihr von mir gut Botschaft bringst.

So mach' dich auf, säum' dich nicht lang,
Fahr' hin mit schön und fröhlichem Gesang,
Sprich ihr mein'n Gruß ins Herz hinein,
Sag', ich woll selbst bald bei ihr sein.

Sie wird dich heißen zu tausendmal
Willkommen sein, Frau Nachtigall,
Wird dir auch zeigen zur selben Stund'
Ihr treues Herz, mit Lieb' verwund't.

Durch Venus Pfeil ist es verletzt;
Drum du sie alles Leids ergetz',
Sag' daß sie ihren Unmuth lass' fall':
Richt's nur recht aus, Frau Nachtigall.
(S. 96-97)
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Lied 41.
Traum

Mir träumt' in einer Nacht gar spät,
Wie ich mein feins Lieb bei mir hät,
Thät mich freundlich umfangen,
Und sprach zu mir:
"Mein Schatz, zu dir
Trag' ich gar groß Verlangen."

Und ich vor Freud' demüthiglich
Hergegen wiederum zu ihr sprich:
"Ach Schatz, könntst du mir werden!
Denn dich allein,
Im Herzen mein,
Lieb' ich für all' auf Erden."

Darauf ihr'n schönen, rothen Mund
Bot sie mir her zur selben Stund;
Als ich mit ihr wollt' scherzen,
Erwachte ich,
Sie von mir wich:
Das macht mir Angst und Schmerzen.
(S. 97-98)
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Lied 43.
Schäfer und Schäferin

Dort an jenem Berge,
Wo jene Hütten steh'n,
Zur Schäfers Frauen,
Will ich hingeh'n;
Will mich verbinden
Und auch verbunden sein,
Ich thu' empfinden
Im Herzen Pein.

Da ich an den Berg kam,
Da blieb ich stehen fein,
Thät mich umsehen,
Nach der Schäf'rin mein;
Konnt' nichts erblicken,
Als nur das Hündlein klein,
Ich thät mich bücken,
Es bellte fein.

Von des Hündleins Bellen,
Erwacht die Schäf'rin mein,
Sie thät anrufen
Das Hündelein;
Sie wollte schelten,
Indem trat ich herfür,
Sie sprach vor Schrecken:
"Wer steht vor mir?"

"O! schönste Schäferin,
Ich bin ein Schäfersmann,
Thut nicht erschrecken,
Hört mich doch an;
Bin ganz alleine,
Der euch vergnügen kann,
Will helfen weiden
Schaaf' wie auch Lamm." -

"Brauch' keinen Gehülfen,
Leb' stets in Einsamkeit,
Das ist das beste
Bei Sommerszeit;
Auf meiner Laute
Spiel' ich das Liedchen fein,
Ihr Sorgen fliehet
Ihr macht mir Pein." -

"Laß die Sorgen fliehen,
O schönste Schäfrin mein,
Kupido schießet
Die Liebespfeil',
Schon in dein Herze,
Drum lass' ich nicht mehr ab,
Hier leg' ich nieder
Mein'n Hirtenstab."

Nun hab' ich funden,
Was mich vergnügen kann,
Jetzt ist verschwunden
Die dunkle Nacht,
Jetzt kommt der Morgen,
Die Sonne strahlet schon,
Drum flieht ihr Sorgen,
Mit Freud' davon.
(S. 99-101)
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Lied 47.
Ein Liebes-Reihen

Lieblich hat sich gesellet
Mein Herz, in kurzer Frist,
Zu ein'r die mir gefället,
Gott weiß wohl wer sie ist;
Sie liebet mich ganz inniglich
Die Allerliebste mein,
Mit Treuen ich sie mein'.

Wohl für des Maien Blüte,
Hab' ich mir auserkohr'n,
Sie erfreut mir mein Gemüthe,
Meinen Dienst hab' ich ihr geschwor'n;
Den will ich halten stetiglich,
Mit Willen ganz unterthan,
Dieweil ich das Leben ha'n.

Ich gleich' sie einem Engel,
Die Herzallerliebste mein,
Ihr Härlein kraus als ein Sprengel,
Ihr Mündlein roth als ein Rubein,
Zwei blanke Aermelein, die sind schmal,
Dazu ein rother Mund,
Der lachet zu aller Stund'.

Mit Venus Pfeilen durchschossen,
Das junge Herze mein;
Schönes Lieb, sei unverdrossen,
Setz' deinen Willen darein.
Gesegn' dich Gott, mein schön Lieb,
Ich soll und muß von dir,
Du gesiehst mich wieder schier.
(S. 122-123)
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Lied 48.
Der Ehetanz

Kein' größ're Freud',
Als wo zwei gleiche Herzen
Ein ander lieben beid',
Kein größer Leid,
Dann mit Undank und Schmerzen
Lieb haben, ohn' Bescheid.
Denn gleich und gleich,
Gesellt sich ohn' Scheuch
[Scheuch=Scheu]
Ungleich Gebräuch'
Trennen ein Reich;
Derhalben wohl
Ein jeder soll
Sein's Gleichen ihm erlesen,
Daß auch die Lieb' gleich steh'.
Denn bei ungleichem Wesen
Sind ungleich Sinn und Eh'.

Es schicken sich
Nicht gleich allerhand Blumen
Zusammen ordentlich,
Sondern man sieht,
Daß die zusammen kummen,
Die G'ruch und Farb' verpflicht't.
Dann so die ein'
Sollt' riechen fein,
Die and're sein
Stinkend ohn' Schein;
Da schänd't je ein's
Dem andern seins.
Also ist 's der Buhlschaft
Da muß 'ne Gleichheit sein
Und 'ne Anmuth zur Huldschaft,
Sonst kommts nicht überein.

Dann wo ist der,
So ein ungleich Paar Rinder
Kann zwingen ungefähr,
Daß es daher
Zieht gleich, kein's mehr noch minder?
Dem will ich folgen sehr.
Aber ich halt',
Daß man nicht bald
Find't, solcher Gestalt,
Ein'n der's verwalt'.
Also ist auch
In Lieb' der Brauch,
Da spannt man nicht zusammen
Zwei ungleich' Herzen nur,
Sondern die zusammen kamen,
Aus Anmuth der Natur.

Alsdann wird leicht
All's was sie sich fürnehmen,
Weil sich ihr G'müth vergleicht,
All Unwill fleucht,
Thut kein's sich's andern schämen,
Die Lieb' all' Fehl verstreicht,
Und keins rückt auf
Andern den Kauf,
Daß es zu Hauf'
Gezwungen lauf',
Sondern sie seind
Friedsam verfreund't,
Gedenken, daß sie beide
Gott so zusammen fügt,
Aus der Natur Bescheide,
Welche dann nicht betrügt.

Derhalben aus,
Was sich nicht recht vereint,
Es macht eng' das Haus;
Aber voraus
Ist Einigkeit das Kleinod,
Welch's macht, daß man wohl haus't.
Dann wie sollen, secht,
[secht=seht]
Zwei tanzen recht
So das ein' schlecht
Nicht folgen möcht?
Also wie soll,
Die Liebe steh'n wohl
So, daß ein sieht gen Norden,
Das andre sieht gen Westen
Wie Adler auf den Horsten.
Ein's schürt, das and're löscht.

Aber wie süß
Wo gleich mensurlich treten
Zur Melodei die Füß',
Dann ja gewiß,
Der Tanz der ist ein Schatten,
Wie Lieb und Eh' sein müß'.
Daß, wie der Schwang
Geht nach dem Klang',
Also ohn' Zwang
Ihr Herz auch gang,
Nach beider Will'
Gestimmt in Still'.
Wo dann sich ein's so stimmt,
Nach's andern Sinn und Brauch
Als dann der Spruch sich geziemt;
Was sich reimt, rühm' sich auch.

Drum hab' ich mir
Mein's Gleichen ein' erwählet;
Sie ist die Blum' und Zier
Und nur nach ihr,
Muß sein mein Herz gestellet,
Von nun an für und für.
Sie ist der Klang
Nach dem ich gang;
Sie ist der Gesang
Nach dem ich hang';
Sie ist die Lieb'
In der ich leb'.
Sie ist mein' Ruh' und Frieden,
In dem ich ruh' auf Erd'.
O Gott, gieb du ein'm jeden,
Daß ihm sein' Eva werd'.
(S. 124-129)
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Lied 49.
Hirtenlied

Schäferin, allerliebste Schäferin mein,
Komm', lass' uns treiben ein,
Die Nacht wird gleich da sein.
Ich bin allein in diesem großen Wald,
Kann mich ja nicht mehr erhalt:
Komm', Schäferin, komm' nur bald.
Treib' die Lämmer und die Schaaf',
Daß der Hund nicht bellen darf:
Treib' sie zusammen in der Still,
Denn es giebt der Wölf' gar viel.

Weiden wollen wir die Schäflein anheut,
Auf einer grünen Heid;
Sieh an die liebe Zeit!
Geh, laß uns treiben in das weite Feld
Und schlagen unser Zelt,
Wo es uns am besten gefällt,
Neben dem Wald' im grünen Thal,
Hören wir die Nachtigall,
Und bei diesem schönen Gesang,
Wird uns beiden die Zeit nicht lang.

Siehe, wie schön ist wohnen auf dem Feld!
Ja in der ganzen Welt
Mir besser nichts gefällt.
Will uns dann dürsten, so laufen wir zur Quell,
Gleich neben diesem Thal,
Da trinken wir einmal.
Kann dann etwas bessers sein,
Als wenn wir beide allein
Uns freuen in der Still?
Ich schön auf der Flöten spiel'.

Schönste Schäferin, komm nur her zu mir,
Und mach' mir bald Quartier;
Ich bin ja gern bei dir.
Fürcht' dich nicht vor meinem Hirtenstab,
Den ich in Händen hab',
Hilf treiben auf und ab.
War doch die Rahel die Schönste auf Erd',
Hat sie doch einen Schäfer begehrt;
Jakob, ihres Vaters Knecht,
War aus Abrahams Geschlecht.

David der König war auch ein Hirtenknab',
Der doch gesalbet war,
Von Samuel sogar.
Seine Psalmen haben solchen Klang,
Wird mir die Zeit zu lang,
Sing' ich einen Gesang.
Willst du denn nun schlafen, so lege dich nieder,
Sing' ich dir meine Schäferslieder,
Oder ergreif' die Feldschallmei:
Schönste Schäferin, schlaf' nur ein.
(S. 129-132)
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Lied 53.
Warnung

Ich habe mein Feinsliebchen
So lange nicht geseh'n,
So lange nicht geseh'n,
So lange nicht geseh'n.

Ich sah sie gestern Abend,
Ich sah sie gestern Abend,
Wohl an der Thüre steh'n,
Wohl an der Thüre steh'n.

Ich dacht' ich wollt' sie küssen,
Die Mutter sollt's nicht wissen;
Die Mutter ward's gewahr,
Daß jemand bei ihr war.

Ach Mädel willst du freien?
Das wird dich bald gereuen!
Gereuen wird es dich,
Daß du verlässest mich!

Wenn alle junge Mädelchen
Mit ihren bunten Kränzelchen
Wohl auf den Tanzboden gehn,
Wohl auf den Tanzboden gehn;

So mußt du armes Weibchen
Mit deinem zarten Leibchen,
Wohl an der Wiege steh'n,
Wohl an der Wiege steh'n! -

Und singen Lira Lämmchen,
Schlaf ein mein liebes Männchen,
Thu deine Aeuglein zu,
Thu deine Aeuglein zu.

Hätt'st du nicht eingelassen
Den Schreiber von der Straßen,
Den Schreiber von dem Schloß,
Den Schreiber von dem Schloß.

Ach, hätt' die Lieb' nicht so gebrannt,
So wär'n wir nicht so nah bekannt:
Das Feuer brennet sehr,
Die Liebe noch viel mehr!

Das Feuer kann man löschen
Die Liebe nicht vergessen;
Ja, nun und nimmermehr,
Ja, nun und nimmermehr! -
(S. 138-140)
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Lied 56.
Ueberschwänglichkeit der Liebe

Herzchen, mein Schätzchen, bist tausendmal mein,
Laß dir kein'n andern nicht lieber sein.
Kommt dir gleich einer, ist schöner als ich,
Herzchen, mein Schätzchen, gedenke an mich. -

Meine Augen die haben verloren ihren Schein,
Mein junges Herz hast du genommen ein;
Mein Freud' hat sich in Trauern verstellt,
Kann nicht lieb haben, als was mir jetzt gefällt.

Keine Rose so lieblich riechen kann,
Als wann zwei Lieberl beisammen stahn;
Kein Feuer und Glut brennt nicht so heiß,
Als heimliche Liebe, die niemand nicht weiß.

Man kann sie in keinen Kasten versperren,
Liebhaben in Ehren, kann niemand verwehren,
Und wann der Himmel wär' Papier,
Und jeder Stern könnt' schreiben hier,

Und schreiben die Nacht bis wieder an Tag,
Sie schreiben die Liebe kein Ende, ich sag.
Drum red' ich es frei, und bleibe dabei,
Daß treue Liebe das Beste stets sei.
(S. 146-147)
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Lied 58.
Jägerlied

Ich saß in einem grünen Wald
Und war so ganz allein,
Thät Wäldern und Feldern klagen
Die große Liebespein.

Der Wald erschallt und sprach gar bald,
Ich sollt zufrieden sein.
Ich sah in einem Augenblick
Mein tausend Schätzelein.

Amor thät jagen in dem Wald,
Und schaut' uns beide an;
Mit dem Liebespfeile schoß er bald,
Und setzt uns bald in Brand.

Was wir einander gaben da,
Das war je Kuß auf Kuß.
Ich sprach zu ihr: "Herzliebste mein,
Du hast erquickt mein' Brust."

Als nun das Lieben war vollbracht,
Nach Herzens Wunsch und Will',
Sprach sie zu mir: "Ach, Schönster mein,
Schweig du von diesem still."

Ich sprach zu ihr: "Ach, Schönste mein,
Sorg' du für dieses nicht;
Wer da liebet muß verschwiegen sein,
Das verlanget unsre Pflicht." -

Die grünen Wälder lachen ja,
Die Nachtigalle singt,
Des Sommers schönste Lust ist da:
Hobo und Flöte klingt.

Wer nun mit uns will lustig sein,
Der mache sich heran,
Und stimme mit uns fröhlich ein,
Es singe wer da kann.

Vivat! honette Kompagnie,
In stiller Einsamkeit:
Daß uns das Glück so lange blüh',
Als währet Stund' und Zeit.
(S. 150-151)
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Lied 60.
Liebespein

In dem Lieben
Steckt Betrüben,
Nur die frohe Zeit vergeht,
Wer dies Leiden
Sucht zu meiden,
Der in langer Freiheit steht.

Alle Tage
Mehrt sich Plage,
Und stöhrt unsre Lebensruh;
Alle Stunden
Sind gebunden
Mit Verdruß brings man sie zu.

Was ist Lieben? -
Sich betrüben! -
Ist stets, wie der Kranken Pein.
O wie weise,
Wer da leise
Gehet und mag sicher sein!

Lieb' erwecket
Lust und schmecket
Anfangs einem jeden gut;
Bald sich wendet,
Kurzweil endet,
Martert, daß es wehe thut.
(S. 155-156)
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Lied 68.
Das Röselein zum Lohne

Der Sommer fährt von hinnen,
Die Lüftlein sind worden kalt,
Mir liebt für alle mein' Sinnen
Ein Rös'lein, ist wohlgestalt't.
Wie möcht ich das erhaben,
Vor Reif, vor Schnee Frost?
Den Winter wollt' ich es tragen;
Verschwunden ist all' mein Klagen,
Wenn sie ist wohl behut't,
Vor manchem dummen Muth.
O! wie weh mir Scheiden thut,
Von meinem Rös'lein roth.

Ich sah' in grünen Auen,
Viel manches Rös'lein stehn!
Die lieblich war'n anzuschauen,
Von Farben gemalet schön,
Da sah ich unter ihn'n allen
Ein Rös'lein in dem Thal',
Das thät mir bas gefallen,
Die Schönste, mit reichem Schall',
Bei andern Rös'lein stehn.
Wie bald ich zu ihr saß,
Nieder ins grüne Gras,
Von dem Thau' da ward ich naß.

Der Thau der thät mich netzen,
Der Tröpflein manche Zahl;
Daran gedenk' mein Rös'lein roth.
Uns sang Frau Nachtigall;
Sie thät so lieblich singen,
Daß 's in dem Wald erhall.
Erst hub ich mich an zu dringen,
Wohl durch den Klee herspringen,
Mein' Hoffnung die war groß.
Erst eilt' ich fürhin bas,
Wo das mein Liebchen was,
Zu großen Freuden gefiel ihr das.

Weich' aus, du arger Winter,
Weich' kürzlich aus dem Land',
Mit deinem kalten Winde,
Davon verdorben bald
Die edeln Rös'lein alle,
Die auf dem Felde stehn!
Herwieder kommt uns der Maien,
Des sollen wir uns freuen,
Der Sommer fährt täglich daher.
Wär' ich mein's Buhlen gewährt,
All's das mein Herz begehrt,
Ich hätt' groß' Freud' auf dieser Erd'.

Ich kam vor ein' hoh' Veste,
Wie bald ich mich dazu kehrt',
Daß ich mein Feinslieb wüßte,
Das war meines Herzens Begehr.
Da fand ich sie alleine
An einer Zinnen stehn,
Mein Trauern das war kleine,
Die Schönste die ich meine.
Die Thor' wurd'n aufgethan,
Erst ward ich eingela'n
Und ward empfangen gar schon,
Das Fräulein ward mir zum Lohn.
(S. 170-173)
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Lied 71.
Mailied

Im kühlen Maien
Thun sich all' Ding erfreuen,
Die Blümlein auf dem Feld' sich auch verneuen,
Und singen die Maidlein in ihren Reihen:
Willkommen Maien!

Zwei liebende Herzen
Sind voller Freud' und Scherzen,
Vergessen alle Schmerzen.
Kupido blind,
Das gar listige Kind
Gesellt sich mit seinem Pfeil' geschwind.

Venus allwegen
Giebt dazu ihren Seegen,
Auf daß zwei Herzen sich thun in Liebe bewegen.

Wem nun dies Leben
Thut wohlgefallen eben,
Der soll sich ohne Verzug der Lieb' ergeben
Und mit den Maidlein singen im Reihen:
Willkommen, Maien!
(S. 179-180)
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Lied 77.
Serenate

Karadilla, schönstes Bild,
Hast du dich schon eingehüllt?
Hat die zarten Gliederlein,
Morpheus schon genommen ein?

Karadilla, schönste Kron',
Wachst du oder schläfst du schon?
Ist doch mit der Sternen Lauf
Luna kaum gezogen auf.

Karadilla, spar' die Ruh',
Höre meinem Singen zu,
Merk' doch auf, wie ich dich rühm'
Und erheb' mit meiner Stimm'.

Der Demanten hellem Schein
Gehn für dein' Aeugelein,
Purpurfarb dein rother Mund,
Daß er schöner nicht sein kunnt'.

Deine Lippen wie Korallen,
Deine Glieder allzumalen,
Auf das zierlichst' sind formirt
Und ganz wie ein Wachs possirt.

Marmor deinem Halse weicht,
Elfenbein den Zähnen gleicht,
Auch so lieblich ist dein Haar,
Daß kein Gold nicht schöner war.

Karadilla, sag' mir doch:
Wachst du oder schläfst du noch?
Und warum bist du so still,
Daß dein Mund nicht reden will?

Nun ich singe was ich will,
Karadilla, du bist still
Und läßt mich betrübet steh'n,
Noch betrübter von dir geh'n.

Karadilla, schönste Kron',
Schlaf gesund in deinem Thron,
Schlaf' bis alle Welt erwacht;
Karadill, zu guter Nacht! -
(S. 196-198)
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Lied 78.
Liebeslied

Schwarzbraunes Aeugelein,
Wo wendest du dich hin? -
Einen andern zu lieben
Mich aber zu betrüben,
Ach, schwarzbraunes Aeugelein,
Was hast du in deinem Sinn'?

Schönste, ach Schönste,
Deren Herz mit Liebe angefüllt,
Ich gehe nicht ehe von dannen,
Bis daß ich habe empfangen,
Einen warmen Kuß von dir,
O treues Herz.

Kuß auf Kuß,
Das schadet dir ja nicht,
Denn ein Kuß in Ehren
Ist jedermann erlaubt,
Und niemand hat auf Erden
Des Küssens sich beraubt.

Nun, Adieu, beschlossen,
Die Heirath ist gemacht.
Daß von dir muß scheiden,
Das bringt mir groß Leiden;
Adieu, zu tausendmal,
Adieu, zur guten Nacht.
(S. 198-199)
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Lied 80.
Jägerlied

Hör' an, verliebte Jägerin,
Mein's Herzens Lust, dein Diener ich bin;
Wenn dir's gefallt,
Geh' mit mir in den Wald,
Mein Herze kannst du fangen bald'.

Mein Herz hast du, o Schönste mein,
Aber geh' mit in den Wald hinein;
Eil' nur geschwind,
Schick' dich mein Kind,
Sag', wie du gegen mich gesinnt.

Mein Herz das brennt in Lieb' zu dir,
Weil du es so entzündt in mir.
Ich sag' es frei,
Gesteh's dabei,
Daß ich, mein Kind, dein eigen sei.

Sag' an, mein Engel, meine Lust,
Ist dir mein Seufzen nicht bewußt?
Ihr Thränen, rinnt
Zu meinem Kind,
Sagt, daß ich ihr noch treu gesinnt.

Doch aber, Allerschönste, mein,
Willst du nicht lindern meine Pein?
Sag' meine Schuld:
Ich bin dir huld:
Ach habe doch mit mir Geduld!

Mein Engel, ach! verzeih' es mir,
Hab' ich mich wo vergangen an dir.
Ach zürne nicht;
Du bist mein Licht;
Ich bleib' dir ewig treu verpflicht't.

Mein Herz soll ewig deine sein,
Drum lindre nun auch meine Pein.
Dies ist der Schluß,
Dies ist mein Kuß,
Eh' ich, mein Kind, jetzt scheiden muß.
(S. 201-203)
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Lied 83.
Liebeswunsch

Grüß' dich Gott, mein Mündelein roth,
Lebest du oder bist du todt,
Oder schläfst du, schön's Rös'lein roth?

Rös'lein roth und Veielein grün,
Schöne Jungfrau, wie seid ihr so kühn,
Oder leucht't euch die Sonne so schön?

Scheinet die Sonne, so leuchten die Stern',
Bei euch, schön's Lieb', so wär' ich gern,
Verhoff' ihr sollt mein eigen werden.

Werd't ihr mein eigen, so bin ich euch zu eigen,
Will euch mein'n Reichthum nicht verschweigen,
All' mein Kleinod will ich euch zeigen.

Silber und Gold geb' ich darum,
Daß ich ein feines braun's Mägdlein bekomm',
Die fein züchtig wär' und fromm.

Züchtig und fromm, fein freundlich dazu,
Hat sie die Tugend, so hat sie genug,
Giebt uns Gott sein'n Segen dazu.

Giebt uns Gott sein'n reichen Segen,
So wollen wir beide in Freuden leben,
Seinen Willen nicht widerstreben.

Ich weiß mir einen, der ist mein Freund,
Wiewohl er ist mein ärgster Feind,
Ein'n guten Abend wünsch ich ihm heint.

Ein'n guten Abend, ein' fröhliche Zeit,
Daß er mir bald sein Töchterlein geit
[geit=gibt]
Die mir mein junges Herz erfreut.

Giebt er mir's nicht, so erfreut er mich nicht,
Hat sie ein'n andern viel lieber als mich,
Giebt er mir sie nicht, so stürb' ich gewiß.

Sterb' ich dann, so bin ich todt,
Gräbt man mich in die Rös'lein roth;
Dafür behüt' mich der liebe Gott.

In die Rös'lein und in den Klee
Scheiden von Liebe, das thut weh';
Stürb' ich dann, so seh ich s' nicht meh.
[meh=mehr]

Soll ich dann so viel Tugend haben
Und mir mein schön's Jungfräulein versagen,
Eh' wollt ich mein Leben darüber wagen.

Schönes Jungfräulein
So saget mir's heint,
Wollt ihr nicht, so werd't ihr mein Feind.

Hab' ich euch doch kein Leid gethan,
So ich je gar nichts wissen kann,
Hab' ich euch doch nichts Uebels gethan.

Silber und Gold und Perlen weiß,
Sie leucht't wie ein Engel im Paradeis,
Silber und Gold und Perlen weiß. -

Wer ist's, der uns dies Liedlein sang?
Ein junger Student ist er genannt,
Zu Leipzig ist er wohl bekannt.

Er wünscht sein'm Buhlen ein' gute Nacht,
Die Lieb' hat ihn ums Leben bracht;
Ade, zu tausend guter Nacht! -
(S. 207-210)
_____



Lied 86.
Liebeslied

"Ich kann und mag nicht fröhlich sein;
Wenn alle Leute schlafen
So muß ich wachen,
Muß traurig sein." -

"Ach, Mädchen, du sollt nicht traurig sein;
Im Rosengarten
Will ich deiner warten,
Im grünen Klee." -

"Im grünen Klee sollt du nicht steh'n,
Frei dir ein' Reiche,
Frei deines Gleiche,
Die dir gefällt." -

"Nach Geld und Gut da tracht' ich nicht,
An Gottes Seegen
Ist alles gelegen;
Wer's glauben thut." -

"Wer's glauben thut, der ist nicht hier,
Er ist ein König,
Er ist ein Kaiser,
Er führt den Krieg."

Ach Gott, wer hat dies Lied erdacht?
Es haben's gesungen
Drei Jägersjungen,
Zu guter Nacht.
(S. 214-215)
_____



Lied 92.
Liebesliedchen

Ach, Herzchen schöne, eine lange Zeit
Ich hab' dich geliebt und um dich gefreit,
Soll es denn also sein verlor'n,
So wollt' daß ich nie wär' gebor'n,
Und hätte dich nicht auserkohr'n.

Ach, Herzchen schöne, wollt' Gott es wäre wahr,
Daß ich vor langer Zeit stünd' auf der Bahr'
Und wäre gegraben wohl mein Grab,
So wär' ich aller Marter ab,
Dieweil ich keinen Trost bei dir hab'.

Ach, Herzchen schöne, voll Uebermuth,
Verbind', schön's Liebchen, die Wunden roth,
Die durch Amor geschossen sein,
Gedenke, schön's Lieb, der Treue mein,
Errette mich von der Noth und Pein.

Ach, Herzchen schöne, wenn du es thust
Und drückst mich wiederum an deine Brust
Und nimmst mich wieder zu Gnaden an,
Die Zeit weil ich das Leben ha'n,
Nimmermehr ich dir's bezahlen kann.

Ach, Herzchen schöne, zu guter Nacht,
All' meine Rede nimm wohl in Acht,
Pflanz dir, schön's Lieb, ins Herz 'nein
Und lass mich dir befohlen sein,
Gedenk', schön's Lieb, in Bestem mein.
(S. 229-230)
_____



Lied 105.
Liebeslied

Ade, mein Schätzchen, zu aller Stund',
Es muß geschieden sein,
Gott befehl' ich dich mit Herz und Mund'
In'n Schutz der Engelein,
Daß sie dich bewahren vor Leid'
Bis kommt die liebe Zeit,
Die ich von Gott bitte Tag und Nacht,
Die unser beider Herz' erfreut.

Vor Trübsal kaum ich leben mag,
O du, mein' höchste Zier,
Ach weh, der traurigen Stund' und Tag,
Darin ich scheide vor dir,
Mein Herz leidet Noth und große Pein,
Es kann nicht fröhlich sein,
Bis ich wiederum sehen mag,
Dein rothes Mündelein.

Kein Stund auf Erd' vergehet ja nicht,
Ich thue gleich was ich thu',
So ist mein Herz zu dir gericht't,
An dich gedenke ich immerzu,
Das macht dein freundlich's Geberd',
Das ed'le Herze werth,
Möcht' ich nun wiederum bei dir sein,
Nicht's liebers ich begehrt'.

Klagen muß ich ohn' Unterlaß,
Ums zarte Liebelein.
Ach weh! ach weh! der Schmerzen groß,
Ach weh, das Leben mein.
Alle Freude ist nun dahin
Aus meinem Herzen und Sinn,
Nimmer kann ich so fröhlich sein,
Als ich gewesen bin.

Vergiß nicht mein, das Blümlein zart
Und nimm es wohl in acht,
Pflanz' es in deines Herzens Gart',
Gedenk' an mich Tag und Nacht,
Wie ich, Schön'slieb, an dich,
Mehr begehr' ich von dir nicht,
So bleib ich dein in Ewigkeit,
Davon bringt mich niemand nicht.

Mein einiger Schatz, meines Herzens Trost,
Nächst Gott in dieser Welt,
Du bist allein, die mir gefällt,
Ich hab' dich auserwähl't.
Mein Herz das schenke ich dir,
Desgleichen thu' auch mir.
Ade, zu tausend guter Nacht,
Gott helfe uns zusammen schier.
(S. 256-258)
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Lied 106.
Liebesklage

Willst du denn, Schönste, noch länger mich plagen
O wehe! der traurig betrübten Zeit!
Soll ich denn ferner zur Bürde nachtragen,
Was da im Herzen mir bringet nur Streit?
Der ich doch einzig mich dir hab' ergeben,
Treulich zu lieben im Tod' und im Leben.

Willt du dich meiner denn ganz nicht erbarmen,
Hast du ein Diamant felsenes Herz?
Soll'n denn die Grüfte des Todes umarmen
Mich und mir geben dort ewigen Schmerz?
Hab' ich doch jederzeit treulich geliebet,
Warum wird meine Seel' tödlich betrübet?

Hast du nicht deine Treu mir auch geschworen?
Oder bedenkest du dieses nun nicht,
Daß, so wahrhaft du wärest geboren,
Wolltest verbleiben mir treulich verpflicht't?
Aber nun willt du ein anders mir weisen,
Da du mein Leben zum Tod' willst hinreißen.

Sonne und Monde, die Sterne am Himmel
Und auch das dunkele Wolkengezelt,
Erde, Luft, Wasser und alles Gewimmel,
Was da nur lebet im Kreise der Welt,
Meine Beständigkeit werden bekennen,
Wann man mich zeitlich gestorben wird nennen.

Meine Beständigkeit will ich abmalen,
Daß die Nachkommenden denken an mich;
Merke, alleine mit blutigen Strahlen,
Wie so getreulich geliebet ich dich,
Denn ich mein Leben will selber abkürzen
Und mich mit Waffen zur Erden hinstürzen.

Wenn man mein'n Körper entseelet hat funden,
Bitt' ich, o Schönste, gedenke an mich,
Wenn man besiehet die blutigen Wunden,
Die so gar grausam und tödlichen Stich'
Die ich zur Probe der Liebe gegeben,
Die ich geführet im traurigen Leben.

Diesem nach will ich auch bei dir erscheinen,
Wenn du gedenkest du seiest allein,
Führen groß Jammer, groß Klagen und Weinen,
Welches soll täglich dein Trauerspiel sein;
Stetig und immerfort will ich auch schweben,
Sichtbar unsichtbarlich bei dir im Leben.

Wenn du gedenkest wo ruhig zu schlafen,
Siehe, so will ich auch bei dir dort sein,
Will dir viel Schreckniß und Elend verschaffen,
Will dir erwecken viel herzliche Pein;
Schläfest du etwa, so will ich dich wecken,
Wo du schon wachest, so will ich dich schrecken.

Warlich, du wirst die dann selber auch wählen,
Daß dir der grausam und grimmige Tod
Schenke was freiet von Aengsten und Qualen,
Daß er dich rette aus zeitlicher Noth,
Welches er endlich auch dir wird gewähren,
Wenn dir das Leben den Tod wird gebären.

Wenn nun dein Seelchen vom Leibe muß weichen
Und dir erblasset dein Mündelein roth,
Wenn dir die purpurnen Wangen erbleichen
Und du jetzt liegst erstarret und tod,
Siehe, so werd' ich mein Leiden versüßen,
Wenn ich dein Seelchen in Lüsten thu küssen.
(S. 259-262)
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Lied 108.
Blumenlust

Komm', mein Kind, wir wollen gehen
In den Garten jetzt hinein,
Wo die bunten Lilien stehen
Und die Rosenhütten sein;
Komm', da woll'n wir uns ergötzen
Und was kränkt beiseite setzen.

Folge mir, ich will dir zeigen,
Wo die schönste Rose blüht,
Wie sich ihre Stöcke neigen,
Wie der Tulipan aussieht,
Wann er von der warmen Sonnen,
Neue Kraft und Glanz gewonnen.

Brich, mein Herz, brich ab Narzissen,
Nimm dazu auch Rosmarin,
Weil sie uns so artig wissen
Zu erfrischen Herz und Sinn
Und gieb zu daß deine Blüthe
Mir erquicke mein Gemüthe.

Laß' die Lipp' und deine Wangen
Meine Blum' und Rose sein,
Daß ich diese mit Verlangen,
Nur zur Lust mag sammeln ein
Und dieselben so abbrechen,
Daß sie mich nicht mögen stechen.

Blümchen, das mein Herze liebet
Und in hoher Achtung hält,
Das mir neue Kräfte giebet,
Wenn mich Krankheit überfällt;
Du kannst mein Gemüth' ergänzen
Und mit deiner Zier bekränzen.

Blühe mir zu allen Zeiten,
Nur mit deiner Lieb' allein
Und laß deine Lieblichkeiten,
Mir ein grünes Gärtchen sein,
Drinn nach Lust ich möge graben
Und nur stets zu schaffen haben.
(S. 265-267)
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Lied 109.
Hirtenlied

"Sag mir, o schönste Schäf'rin mein,
Der Augen ed'le Zier:
Darf ich bei dir nicht kehren ein,
Als ein getreuer Hirt?
Ich steh' schon lang vor deiner Thür,
O Schäferin eröffne mir
Die Pfort, die Pfort, die Pfort." -

"Wer da? wer klopft an meine Thür?
Wer will zu mir herein?
Mein Hüttlein ich eröffne nicht,
Ich lasse niemand ein
Und wenn er auch der Schönste wär',
So macht er mir mein Herz nicht schwer;
Umsonst, umsonst, umsonst." -

"Die finstre Nacht hat mich verführt
Im Wald, mein trautes Kind,
Drum bitt' ich, schlagt's euch aus dem Sinn
Und macht mir auf geschwind;
Ich hab' mich allzeit aufgeführt,
Wie's einem treuen Hirt'n gebührt;
Allzeit, allzeit, allzeit."

"Ich komm' nicht her aus Liebsbegier,
Obgleich ihr liebenswerth,
Die finst're Nacht hat mich verführt,
Wie ihr habt vor gehört,
Weil ich kein Haus, kein' Hütt' mehr find',
Drum mach' nur auf, herzliebstes Kind;
Mach' auf, mach' auf, mach' auf." -

"So will ich aus Erbarmen dann
Erhören deine Bitt',
Die Pforte stehet offen schon,
Komm' nur in meine Hütt'.
Ach Schatz, wie seh' ich euch hier steh'n,
Wie tugendsam, wie zart und schön
Seid ihr, seid ihr, seid ihr!"

"Ach! wie war ich so unbedacht,
O edler schöner Hirt,
Daß ich nicht eh'r hab' aufgemacht,
Du hast mein Herz gerührt.
Komm 'nein, o schönster Schäfer mein,
Ich will allzeit dein eigen sein,
Ich will, ich will, ich will."

"O werther Schäfer, mach' dein Hütt'
Nur also bald bei mir;
So wahr ich leb' ich weich' kein'n Schritt,
Jetzund mehr ab von dir.
Mein Herz ist dein, o werther Hirt,
Bis es die Liebe machen wird,
Ein End', ein End', ein End'." -
(S. 267-269)
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Lied 112.
Die Ungetreue

Schöne Augen, schöne Strahlen,
Schöne rothe Wangen prahlen,
Schöne rothe Lippen,
Schöne Marmorklippen
Liebt mein Gesicht.

Unter diesen Schönen allen,
Thut mir eine nur gefallen;
Aber ihretwegen
Fesseln anzulegen,
Das thu' ich nicht.

Ich will stets in Freiheit bleiben,
Meine Zeit mit Lust vertreiben,
Auch in jungen Jahren,
Mein Herz wohl bewahren
Vor Liebesschmerz.

Wer kann denken, wie es schmerzet,
Wenn ein andrer mit ihr scherzet?
Mit den Augen zielen,
Mit den Lippen spielen,
Ist mein Verdruß.

Fahre hin, du falsche Seele!
Ich will mich um dich nicht quälen,
Willst du mich nicht lieben,
Sondern nur betrüben,
Bleib' wer du bist.

Jetzt hab' ich mir vorgenommen,
Nimmermehr zu dir zu kommen;
Denn du bist von Flandern,
Liebst einen um den andern:
Drum hass' ich dich.
(S. 274-276)
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Lied 116.
Liebe

Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß,
Als heimliche Liebe, von der niemand was weiß.

Keine Rose, keine Nelke kann blühen so schön,
Als wenn zwei verliebte Seelen so bei einander stehn.

Setze du mir einen Spiegel ins Herze hinein,
Damit du kannst sehen, wie treu ich es mein'.
(S. 282)
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Aus den Anmerkungen zu den einzelnen Liedern:

Lied 3: Fliegendes Blatt
Lied 5: Fliegendes Blatt aus Herrn Nikolais' Sammlung, woran die Melodie geheftet, von welcher derselbe aber nicht genau weiß, ob sie Volksweise oder nicht; doch glaubt er ersteres.
Lied 6: Fliegendes Blatt
Lied 10: Mündlich. Etwas anders, jedoch nur in einzelnen Ausdrücken, in Gräters Bragur II. 219. Lied und Melodie sind auch bei uns noch genugsam bekannt
Lied 11: Aus dem Frühlings Almanache, herausgegeben von F. H. Bothe (Berlin 1806, Bei Schüppel), S. 70. Dieses sowohl, wie die weiter unten folgenden drei andern stehen dort unter der Rubrik: alte Volkslieder und sind nach der mündlichen Versicherung des Herrn D. Bothe, sämmtlich von ihm nach dem Gesange aufgenommen. Eben so auch die uns handschriftlich mitgetheilten Melodien, durch ihn und Herrn K. W. Franz zu Quedlinburg. Ein ähnliches, doch in ganzen Strophen sehr abweichendes, hat Elwert S. 15. Wir geben es auch unter Nr. 86.
Lied 17 und 18: Aus dem Deutschen Museum 1780. Sept. S. 282., wo sie, unter der Ueberschrift: drei alte Lieder sc. von einem Ungenannten, aus einem geschriebenen Liederbuche des. sel. K. (?) mitgetheilt sind. Sprache und Orthographie deuten auf das sechzehnte Jahrhundert, und die Mundart neigt sich zur Niederdeutschen. Das zweite scheint nur Fragment eines Liedes zu sein. Es lautet:
Ach, Herzallerliebstes Mündlein roth!
Hilf mir, Allerliebste aus aller Noth,
Denn bei dir, Herzlieb, ist mir von Nöthen,
Verlangen wird mich sonsten tödten.
Hin und wieder sind beide etwas geändert, jedoch sind diese Veränderungen gering (v. H.). Ein mit Nr. 17. gleiches Lied findet sich im Wunderhorne S. 39. dieses hat eine Strophe mehr, die Strophen haben eine andere Ordnung und weichen auch, aber nicht sehr bedeutend, von dem unsern ab. Dort wird dies Lied unter den mündlich mitgetheilten genannt, scheint indessen doch aus dem Museum genommen zu sein, worauf auch die Lesart Dache für Tage, in der ersten Strophe, deutet. - Was Nr. 18. anbetrifft, so ist im Wunderhorne S. 379 ein mündlich aufgenommenes Lied, überschrieben: Gesellschaftslied, worin einige ähnliche Strophen, wiewohl auch in einer andern Ordnung, vorkommen. In dem kleinen feinen Almanache (Eyn feyner kleyner Almanach sc. von Nikolai Berlin und Stettin 1777. 78. 2 Jahrg. 12) Jahrg. I. S. 117. befindet sich gleichfalls ein Lied, welches, wie das eben erwähnte im Wunderhorne, anfängt: Wohl auf ihr Narren ziehet all' mit mir. Dieses Lied, zu welchem die Melodie vom Herrn Kapellmeister Reichard ist, nahm Herr Nikolai aus der in seiner Bibliothek befindlichen gedruckten Sammlung von Volksliedern, unter dem Titel: schöne Berghreyen, auffs new zusammen bracht mit außerleßnen Liedern; zu Nürnberg Trucks Hans Daubmann 1547. Der größte Theil der in dem feinen Alm. befindlichen Lieder rührt aus diesem Buche her, welches wir vom Herrn Nikolai erhalten haben. Es besteht aus 3 Theilen und ist in klein 8, enge und nach Art der Gesangbücher und Volkslieder gedruckt, bloß die Strophen abgesetzt und die Reime mit einem Striche bezeichnet. Der zweite und dritte Theil voran; der zuletzt gebundene Theil, dem das Titelblatt fehlt, ist, dem Schlusse nach zu urtheilen, wahrscheinlich der erste, da darin noch mehrere Lieder versprochen werden. -
In der Vorrede zum 2ten Jahrg. des feinen Alm. S. XV. erwähnt Herr Nikolai dieser Sammlung auch selbst, als Quelle der meisten Lieder. -
Das Lied in Wunderhorne weicht bedeutend von dem in feinen Alm. ab. So fehlt in letzterem gänzlich der Chor, der sich aber bei einem andern Liede Jahrg. I. S. 170. findet, welches aus der handschriftl. Mittheilung des Herrn Steinbart ist. Die erste, zweite, dritte Strophe sind, bis auf einzelne Abweichungen, gleich, zwischen der dritten und vierten im Wunderhorne, hat der feine Almanach noch eine, welche lautet:
Wollt' Gott ich wär ein klein's Hechtelein
Ein kleines Hechtelein.
Gar lieblich wollt' ich ihr fischen,
Unter ihren Tischen.
Dann folgt Strophe 4., dann Strophe 7. des Wunderhornes, sehr verändert, hierauf 6 und dann Strophe 5. Die letzte lautet:
Das Liedlein ist gesungen, mein'm schönen Buhlen,
Mein'm schönen Buhlen allein.
Wollt Gott ich sollt' ihr dienen allein,
Ihr steter Diener fein.
Lieb haben ohn' Dank,
Macht mir Zeit und Weil' lang.
Die folgenden Strophen des Wunderhornes fehlen gänzlich.
Welche Veränderungen dieses Lied im Munde des Volkes erlitten, zeigt die Vergleichung der drei verschiedenen Drucke, die ich hier, wegen Mangel des Raumes, nicht weiter verfolgen kann. Das ursprünglichste und unverdorbenste ist unstreitig das im feinen Almanach. - (B.)
Lied 31: Einzeln mit zwei andern zusammen gedruckt unter dem Titel: drei neue Lieder, das Erst, Ich hett mir ein Meidlein außerkorn. Das ander von zweyen unverschempten Hausmeyden, und ist im Spetenthon. Das dritt, Ach Gott wem soll ichs klagen, das heimlich leyden. Darunter ein Holzschnitt, worauf zwei Weiber mit Marktkörbchen stehen. Am Ende: gedruckt zu Nürnberg durch Christoph Gatknecht. - Ohne Jahrzahl. - Gräter ließ dieses Lied Bragur I. 360. in der alten Sprache und Orthographie, die auf's 16 Jahrhundert deuten, abdrucken, woraus wir es, nebst vorstehender Notiz entlehnt. Die beiden andern fand er der Mittheilung unwürdig. -
Lied 34: Von Walter von der Vogelweide, aus dem Anfange des 13ten Jahrhunderts. Manessische Sammlung Th. I. S. 113. Sp. 2.
Lied 35: Fliegendes Blatt. Im Wunderhorne S. 289. steht ähnliches Lied:
O Bremen, ich muß dich nun lassen sc.
Die zweite und dritte Strophe unsers Liedes fehlen dort ganz. Die vierte ist dort die zweite; Fünf, sechs, sieben fehlen ebenfalls. - So kommt auch im Wunderhorne S. 84, ein Lied vor, anfangend: Wenn ich geh' vor mir auf Weg und Straßen sc., wo die zweite Strophe völlig wie die vierte unseres Liedes ist, sonst aber im ganzen Liede keine weitere Spur von den übrigen Strophen.
Lied 36: Fliegendes Blatt
Lied 37: Aus demselben Bande in der Bibliothek des Herrn Hofraths Eschenburg, woraus Nr. 4 und noch einige andre mitgetheilt. Dies ist vom Jahre 1639, zusammen gedruckt mit zwei andern Liedern: Elendiglich mein' blühende Zeit ist verzehren sc. und: Wohlauf mein junges Herz, dir bringt sc.  Siehe auch darüber Koch's Kompendium der Deutschen Literatur-Gesch. (2 Bde. Verl. 1795. 98.) II. 99. 168.a.
Lied 38: Aus dem Munde des Volks in dem Ries aufgenommen und Grätern von einer Freundin mitgetheilt. Bragur II. 221. Die Aenderungen sind aus einem Süddeutschen fliegenden Blatte genommen, welches ich in Nürnberg erhalten. (B.)
Lied 40: Aus einer musikalischen Sammlung des Titels: XXX. Newer lieblicher Galliardt mit schönen lustigen Texten, so bey allerhand ehrlichen Gesellschaften, Gastereyen und anderem Wohlleben zur Frewde ganz bequem - - komponirt und publicirt von Nicolao Rosthio, F. S. Capellmeister zu Altenburg 1593. 2 Theile, in 4. Herr Hofrath Eschenburg machte dies Lied im Deutschen Museum 1776. Mai S. 402. zuerst bekannt, nebst noch einem Liede, welches im Wunderhorne S. 298. etwas verändert wieder gedruckt ist. In L. Meister's Beiträgen zur Geschichte der deutschen Sprache, London (Zürich) 1777 8. Bd. I. S. 318. ward es wieder abgedruckt und eben so in Eschenburg's Denkmälern sc. S. 456. - Vergleiche auch: Koch's Kompendium sc. Bd. I. S. 142. und Bd. II. S. 84. (H.)
Lied 41: Aus einer andern musikalischen Sammlung: Lustgarten Neuer Deutscher Gesäng, Balletti, Galliarden und Intraden, mit 4, 5, 6 und 8 Stimmen, komponirt durch Hans Leo Haßler von Nürnberg 1601. 4. Frühere Ausgaben desselben sind: Augsburg 1596. Nürnberg 1597 und 1600. Hieraus theilte Herr Hofrath Eschenburg im Deutschen Museum 1776. Mai S. 104., dies und noch zwei andere mit, und wiederholte dieselben in seinen Denkmälern sc. S. 457. Aus dem Museum entlehnte es Meister in seinen Beiträgen sc. Bd. I. S. 321. - Vergl. auch Koch Bd. I. 135. 142. und Bd. II. 85.
Lied 43: Fliegendes Blatt, aus dem nördlichen Deutschland
Lied 47: Aus dem kleinen feinen Almanach II. S. 5. Von Herrn Nikolai genommen, aus den Nr. 18. angeführten Berghreyen, wo es Th. I. Nr. 27. steht. Die Musik im seinen Almanache ist nicht die Volksmelodie, sondern vom Herrn Kapellmeister Reichard.
Lied 48: Aus Fischart's philosophischem Ehezuchtbüchlein sc. Straßburg bei Johann Carols 1614. S. 122. vorher heißt es: darumb kan ich das kunstlich und lehrreich Tanzliedlein, das etwan einem zu Hochzeitlichen Frewden durch J. F. G. M. gemacht worden, nicht underlassen hieher zusetzen: dieweil es eben die erstgedachte Lehr von Gleichheit der Eheleut, schön außstreichen, und ist in dem Thon deß Allemant d'amour Tanz gestellt. - Die Buchstaben J. F. G. M. bedeuten unstreitig Johann Fischert genannt Mentzer. -
Lied 49: Aus Bragur III. 281. wahrscheinlich aus derselben Sammlung, aus der Nr. 2.
Lied 53: Aus der musikalischen Zeitung für 1806. S. 746. wo auch die Musik dazu befindlich. Um zwei Strophen vermehrt aus einem fliegenden Blatte.
Lied 56: Aus dem Munde eines jungen Mädchens in Schwaben aufgenommen durch Gräter, Bragur I. 274. Vergl. die 1te Str. in Nr. 116. mit dem Ende der 3ten Str. in Nr. 56. u. die 2te mit dem Anfange der 3ten.
Lied 58: Fliegendes Blatt
Lied 60: Aus: Ungedruckte Reste alten Gesanges von Elwert. Marburg 1781. S. 29. In Adele's künstlicher Unordnung sc. (sieh die Bemerkung zu dem Gesange S. 376.) steht Bd. III. S. 176. so wie auch in Philanders von Sittewald wunderlichen Geschichten oder Strafschriften (Strasb. 1650. 8.) Th. I. S. 160. ein Lied, welches wahrscheinlich das ursprüngliche ist, und woraus das unsere entstanden. Es fängt an:
Was ist Lieben?
Sich betrüben sc.
Hierauf folgt die letzte Strophe unseres Liedes, dann folgen noch drei, die hier nicht enthalten sind, dagegen ist auch von Strophe 1 und 2 des vorliegenden, keine Spur zu finden.
Lied 68: Aus den Nr. 18 angeführten Berghreyen, Thl. I. Nr. 4. unter der Ueberschrift: ein schöner Reyen; der Sommer fährt von hinnen.
Lied 71: Aus der unter Nr. 41. angeführten musikalischen Sammlung. Die dort angeführten Zitate gelten auch für dieses Lied, ausgenommen Meister's Beiträge sc. in denen es sich nicht befindet.
Lied 77: Aus einem Liederbuche: Neu Weltliches Liederbüchlein, darin sich allerhand jetziger Zeit übliche lustige Lieder befinden. Allen Ehrbaren Jungen Gesellen und Züchtigen Jungfrawen, zu sonderbarem Gefallen zusammen getragen. Gedruckt in demselben Jahr, Alß man gerne lustig war. - Zusammen gebunden mit dem Fortunatus (Basel 1699) und dem Klaus Narren (1616). Der gleiche Druck dieser Bücher deutet darauf, daß sie aus derselben Druckerei sind, und unstreitig auch in derselben Zeit gedruckt; wahrscheinlich aus dem 18ten Jahrhundert mit falsch angegebenen Jahreszahlen. Das hier aufgenommene Lied, ist in dieser Sammlung das 56ste. Ein, diesem sehr ähnliches Lied befindet sich unter Nr. 20. ebendaselbst, wo aber der Name der besungenen Geliebten Charaballa ist.
Lied 78: Aus Elwert sc. S. 39. Von diesem Liede besitze ich indessen auch zwei fliegende Blätter, ein Nord- und ein Süd-Deutsches, beide abweichend von einander. Aus dem Süd-Deutschen Blatte ist die letzte Strophe hinzugekommen, die Elwert nicht hat und die im Nord-Deutschen anfängt:
Nun adieu Britania, bei dir hab ich's gewagt sc. Das Nord-Deutsche Blatt stimmt mit dem Elwertsschen Texte überein, das Süd-Deutsche hat mehrere Verschiedenheiten. Die längeren und kürzeren Strophen können nicht auffallen, da durch die leider uns unbekannte Melodie diese Verschiedenheit gewiß wieder ins Gleiche gebracht werden würde, durch Wiederholung eines Theils der Melodie. (B.)
Lied 80: Fliegendes Blatt
Lied 83: Siehe Nr. 4. [Nr. 4: Aus einem Bande in des Herrn Hofraths Eschenburg Bibliothek, den derselbe uns gütigst mitgetheilt hat. Es sind in diesem Bande in 8., außer mehreren geistlichen kleinen Schriften, neuschöne weltliche Lieder, von 1614-1650, viele auch ohne Jahreszahl. Zwei und zwei, bisweilen auch viere zusammen, eben so wie die Lieder 'gedruckt in diesem Jahre', die noch jetzt auf den Märkten verkauft werden. Dieses ist unter dem Jahre 1615 gedruckt, zusammen mit Nr. 83.]
Lied 86: Aus Elwert sc. S. 15. Vergl. hiermit Nr. 11. und die Anmerkung dazu
Lied 92: Aus dem Nr. 4. beschriebenen Bande in Herrn sc. Eschenburgs Bibliothek zusammen mit Nr. 87
Lied 105: Aus Eschenburgs Sammlung (S. Nr. 4) im Jahre 1645. mit zwei andern zusammen gedruckt. Das erste: Viel Trauren in meinem Herzen findet sc. und das zweite: Ach Gott, wo soll ich mein großes Leid sc.
Lied 106: Aus der Nr. 77 angeführten Liedersammlung, das vier und fünfzigste
Lied 108: Mit Nr. 106 aus derselben Sammlung das fünfzigste Lied
Lied 109: Bekannt als fliegendes Blatt, aber auch befindlich in dem fein. Alm. Jahrg. I. S. 45. Die dort mitgetheilte Melodie ist vom Herrn sc. Reichard
Lied 112: Fliegendes Blatt und mündlich, mit Melodie
Lied 116: Mündlich, nebst der Melodie mitgetheilt von unserm Freunde Herrn Schulze hieselbst.


Aus: Sammlung Deutscher Volkslieder
mit einem Anhange Flammländischer und Französischer
nebst Melodien
Herausgegeben durch Büsching und von der Hagen
Berlin bei Friedrich Braunes 1807





 


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