Liebeslieder der Völker (Volkslieder)

 


Rumänische Liebeslieder



Wie der Wald voll Sehnsuchtsweh ...

Wie der Wald voll Sehnsuchtsweh
Schreit nach seinem Reh,
Schreit voll Sehnsucht, ruft voll Schmerz
Nach dem jungen Lieb mein Herz.
Blätter spriessen, Blätter fallen,
Rehchen naget keins von allen.
Weh mir, was soll ich beginnen!
Kann der Sehnsucht nicht entrinnen,
Ruh' nicht für mein Herz gewinnen.
Fein geduldig, Herzchen, werde,
Wie die stets getretne Erde,
Bis dein blondes Liebchen hier
In das grüne Waldrevier
Mit dem Reh einst kehrt zu dir.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 2-3)
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Amoretten

Herz'ge Liebesboten singen,
Mit den leichten Vogelschwingen
Überall, traun, ein sie dringen,
Durch Gefilde, durch den Wald,
Wüstenei und Bergeshald'.
Und die grossen an den Wegen
Wie die Räuber stehn verwegen,
Doch auf allen Pfaden gar
Lauert schlau die kleine Schar.
Gehn durch Sumpf und bleiben rein,
Dringen bei den Burschen ein,
Schwimmen durch das Wasser dann,
Fallen junge Mädchen an,
Gehn durchs Feuer, schmelzen nie,
Nur noch frecher räubern sie.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 3-4)
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Vergänglichkeit

Grünes Blatt der Hasel fein!
Ging des Nachts im Mondenschein,
Sucht' ein Blümchen, lieblich gar,
Das mir wert wie keines war.
"Warum denn, mein Blümlein, sprich,
Seufzest du so bitterlich?"
"O wie sollt' ich," spricht's, "nicht klagen,
Kann das Herzeleid nicht tragen,
Bin erfüllt von bitt'rem Wehe,
Das ich, ach! so bald vergehe.
Blühe ja drei Tage nur,
Dann verwehet meine Spur;
Kaum hab' ich den Kelch erschlossen,
Kaum der Sonne Strahl genossen,
So umfängt, eh' ich's gedacht,
Unerbittlich mich die Nacht,
Und wo nun ich blühe, schaut
Dann dein Auge kahles Kraut".

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 4-5)
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Der Liebe Macht

I.
Mutter hat gesagt zu mir:
"Alle Übel heil' ich dir!"
Nicht kann sie von diesen zweien,
Lieb' und Tod, mich je befreien.


II.
O, Marie von Garbova!
Hast es wohl mir angethan,
Nie ich dich vergessen kann.
Denk' am Tage nur an dich,
Seh' des Nachts im Traume dich.


III.
Wehe mir, o welche Pein,
Konstantin, du Bruder mein;
Schlimm ist Fieberfrost, jedoch
Schlimmer ist die Liebe noch.
Fieberfrost durchschauert dich,
Lieb' betäubt dich sicherlich,
Facht dir Gluten an im Herzen,
Dass du rasend wirst vor Schmerzen.
Weh' mir, ihre Zaubermacht
Hat mich um die Ruh' gebracht,
In drei Tagen als gemacht!
Bin nun welk und kraftberaubt,
Wie die Eiche dichtbelaubt
Schnell erliegt dem eis'gen Nord,
Wie durch Feuer sie verdorrt.
Lieb' verzehrt mich, Bruder, schau,
Wie der Blüten frischen Tau
Und des Meeres Schaum so weiss
Zehren Sonnenstrahlen heiss.
Grab' ein kühles Grab, vom Schmerz
Heilst du so mein krankes Herz.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 7-8)
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Hass und Liebe

Wo der Hass je ein sich fand,
Da verdorret alles Land;
Wo die Liebe sich lässt nieder,
Grünet rings die Erde wieder.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 9)
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Lob der Geliebten


I.
Durch die Lande weit und breit
Zog ich, fand doch keine Maid,
Meinem Lieb an Schönheit gleich
Und wie sie an Liebe reich.


II.
Liebchen mit dem Goldhaar fein,
Dein Mund duftet süss wie Wein
Und dein Arm wie Rosmarein.
Perlen deine Zähne sind,
Krystall ist dein Mund, mein Kind.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 9)
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Liebessorgen

Eh' mir Lieb' kam in den Sinn,
Schlief ich, legt' ich nur mich hin.
Doch seit ich in Lieb' entbrannt,
Nimmer ich den Schlummer fand,
Stütz' den Kopf auf meine Hand,
Denk' ans Liebchen unverwandt.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 10)
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Freie Wahl

Nehm' zum Lieb, die mir gefällt,
Niemand frag' ich auf der Welt.
Nicht werd' ich die Eltern fragen,
Noch sie, die im Rate tagen,
Was die Herren auch beschliessen,
Will mein Liebchen herzen, küssen.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 10)
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Küsse mich

O mein Liebchen, küsse mich,
Sonst vor Sehnen sterbe ich,
Küsse mich, Herzliebchen mein,
Zu süss ist dein Mündchen klein.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 10)
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Liebesschmerz

Grünes Blatt vom schlimmen Kraut!
Armes Herz, was klagst du laut?
- Hab' geduldet lange Zeit,
Trag' um dich, Lieb, bittres Leid.
Soviel Wasser fliesst im Thal,
Thränen sind es allzumal,
Aller Regen, der geflossen,
Thränen sind's, die ich vergossen.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 11)
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Rate, Liebchen

Sag' mir, Liebchen, sage an,
Wenn mein Lieb es raten kann,
Wovon wird wohl gelb der Wald?
Was macht wohl den Burschen alt?
Waldeslaub verzehrt der Schnee
Und den Burschen Liebesweh.
Schneees Last macht gelb den Wald,
Krankes Herz macht Burschen alt.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 11)
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Die Turteltaube

Horch, die Turteltaube drüben,
O die Arme, wehe ihr!
Klagt, dass sie allein geblieben,
O die Arme, wehe ihr!
Traurig durch die Wildnis schwebend,
O die Arme, wehe ihr!
Ist sie tot vielmehr als lebend,
Seit ihr Täuber sie verstossen,
Will nicht andern zum Genossen,
Eilet durch den Wald so grün,
Doch es scheint, nicht sieht sie ihn.
Immer weiter will sie eilen,
Nicht auf grünen Zweigen weilen.
Hält die müde Schwinge Rast,
Ist's auf einem dürren Ast,
Lässt wohl auf dem Fels sie sinken,
Mag nicht essen, mag nicht trinken.
Sieht sie klares Wasser fliessen,
Trübt sie's nur mit ihren Füssen,
Und sieht sie den Jägersmann,
Vor sein Rohr just fliegt sie dann.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 12)
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Das Grab

Kam, wo ich geliebt so sehr,
Doch mein Lieb fand ich nicht mehr;
Schritt die Strasse still hinab,
Kam bald an ein frisches Grab.
Traurig tönt' des Windes Weise,
Und das Gras erschauert leise.
Weh' mir Armen, weh' mir Armen!
Möchte sich der Tod erbarmen,
Möchte man auch mich hinab
Senken in das stille Grab.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 13)
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Liebeslied

Weg auf Höhen und im Thal!
Trostlos wandr' ich überall,
Habe Rast und Ruhe nicht,
Noch Teil an der Sonne Licht.
Welch ein Los ist mir beschieden!
Freudlos muss ich, ach! hienieden
Fortan leben ohne Frieden.
Wandre nachts selbst ohne Rast
Durch den finstern Wald in Hast,
Dass erschreckt die Bäume stehen,
Wenn sie meine Thränen sehen;
Doch wohin den Schritt ich lenke,
Meiner Lieb' ich nur gedenke.
Weh! du Zauberblume schön,
Hätt' ich nimmer dich geseh'n,
Dass nicht fern vom Weg ich nur
Immer folgte deiner Spur!

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 13-14)
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Blau Blümelein

Blümelein, blau Blümelein,
Leiden unsrer Liebe dräun;
Denn die Welt möcht' gern uns trennen
Will uns uns're Lieb' nicht gönnen.
Alle schreien im Verein:
Eure Liebe darf nicht sein!
O, du einzig Lieb, so schön
Wie der Mond in Himmelshöh'n,
Mit dem Lilienangesicht,
Augen, wie der Himmel licht,
Würdest du dich trösten können,
Müsste ich von dir mich trennen?
Ach, wer zeigt ein Plätzchen mir,
Wo ich friedlich leb' mit dir?

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 14-15)
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Scheidestunde

Wohin gehst du, Liebster mein?
Warum lässt du mich allein?
Willst du dich nicht mein erbarmen?
Fühlst kein Mitleid mit mir Armen?
Kehre um, eh' wir uns scheiden,
Sieh mein Weinen, sieh mein Leiden.
Ich ertrag es nicht; mein Herz,
Ach, es bricht vor bitt'rem Schmerz.
Bleibe, Süsser, bleibe hier,
Bleibe, geh' nicht fort von mir!
Oder, kannst du nicht mehr weilen,
Lass mich, Liebster, mit dir eilen!

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 15-16)
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Das fallende Steinchen

Grünes Haselblättchen! Springe,
Steinchen, klinge, klinge,
Springe klingend du hernieder,
Dreh' dich, Steinchen, immer wieder.
Grünes Blatt vom Honigklee!
Liebchen seufz vor bitt'rem Weh,
Dass im Thal sie, auf den Höhen
Nimmer soll den Liebsten sehen,
Möchte' vor Herzeleid vergehen.
Grünes Haselblatt! Dahin
Wandert sie, schier wirr ihr Sinn;
Möchte sich ein Sträusschen winden,
Gras und Quecken wohl sich finden,
Röslein, ach! sind nicht zu binden!
Gänsedistelblättchen grün!
Klag' nicht, Liebste, hin ist hin,
Trockne deine Augenlieder;
Was entflohen, kehrt nicht wieder.
Spinnt man alte Fäden wieder!

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 16-17)
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Der Alt

Alt, du liebes Flüsschen mein,
Hemme doch die Quellen dein,
Lass aus Rasen meinen Füssen
Eine grüne Decke spriessen! -
Arger Alt, ich fluche dir!
Kommst so brausend ja zu mir,
Wälzest wie ein Drache dich,
Trennst von dem Geliebten mich.
Glätte deine wilden Wogen,
Komme sanfter doch gezogen,
Dass die Steinchen ich erspähe,
Und wenn ich hinübergehe,
Meinen Fuss nur netzen sehe!
Da ist Neica - nicht ist's Neica,
Nicht ist's Neica - arme Leica!
Wie begrüsste ich ihn hier,
Käm' mein Neica zu mir!
Sag' ihm Wind, er möge eilen,
Möge doch nicht länger weilen,
Ich vergeh' schier; unbestellt
Liege noch das Ackerfeld.
Komm' doch, Liebster, zu mir her,
Lass dein Lieb nicht harren mehr!
Die Basilie, Rosmarin
Sind verwelkt schon und dahin;
Ach, vor Herzeleid und Weh
Wie die Blume ich vergeh'.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 17-18)
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Die Zauberblume

Pfaffenkäppleins Blättchen grün!
Fünf an jedem Baum hier blüh'n.
Wo der Bäume höchste ragen,
Hör' den jungen Reiter sagen
Unter Seufzern, unter Klagen:
"O, ein Zauberröslein, traun,
Glaubt' ich hier am Quell zu schau'n;
Möchte wohl es glücklich finden,
Abends dann aufs Haupt mir binden,
Dass sein Zauber mich im Traum,
Die Geliebte lasse schau'n,
Und mir künd', ob mein sie denkt,
Ob ihr Herz sie andern schenkt.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 33)
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Lieder aus Bessarabien


Sehnsucht

Tag und Nacht die Stürme wehen,
Liebchen, Liebchen mein!
Möcht' vor Sehnsucht schier vergehen,
Liebchen, Liebchen mein!
Deine Hüte, kaum bedeckt,
Mir scheint sie wie neu gedeckt;
Deine Hüte, so verfallen,
Scheint die schönste mir vor allen.
Zeiget sich dein Häuschen mir,
Bricht mein armes Herze schier,
Wenn ich gar dich kommen seh,
Zuckt mein Herz in bitt'rem Weh!

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 35-36)
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Liebeskummer

Herzensblümchen, ach!
Nur noch einmal sag',
Was am Abend du
Mir geflüstert zu.
Was du sprachst zu mir,
Brach das Herz mir schier;
Sag' es noch einmal,
Ende so die Qual.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 36)
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Stilles Glück

Des Wachholders grünes Blättlein!
Beide sind wir fremd, mein Schätzlein,
Passen trefflich eins zum andern,
Wollen in den Wald drum wandern,
In den Wald so weit und grün,
Wo des Prutes Wellen zieh'n.
Bau'n ein Hüttchen klein und nett
Uns aus Mispelholz ein Bett.
Sind zum Schlummer wir bereit,
Hören wir von Zeit zu Zeit
Wohl der Hirten Horn erklingen,
Aus der Moldau zu uns dringen.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 38)
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Treue Liebe

Jonel, Geliebter mein,
Wie süss ist der Name dein!
Lebst du, will ich dich nur haben,
Stirbst du, will ich dich begraben.
Leg' dich dann zu Häupten mir,
Dass ich träume stets von dir.
Und an deinem Grabe stille
Schlummere, bis Gottes Wille
Von mir nimmt die ird'sche Hülle.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 38-39)
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Liebchens Wert

Grünes Blatt der Hasel fein!
Trefflich mögen Eltern sein,
Besser ist ein Schätzelein.
Sieht dich krank das schöne Kind,
Braut es Arzenei geschwind,
Bietet mit den Lippen gar
Sie in süssem Kuss dir dar.
Bist gesund du dann erwacht,
Drückt es dich, eh' du's gedacht,
Dass dir's Herz im Leibe lacht!

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 41)
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Ein grosses Herz

Lieb ist mir ein Mädchen schlank;
Leicht und zierlich ist ihr Gang,
Und mit anmutvollem Neigen
Schwingt sie feurig sich im Reigen.
Wo ihr leichtes Füsschen tritt,
Flammt das Gras bei jedem Schritt;
Wohin blickt ihr Augenpaar,
Flammen alle Herzen gar.
Lieb auch sind mir Mägdlein klein
Von Gestalt gar zart und fein,
Die sich auf die Zehen heben,
Wollen sie ein Küsschen geben.
So viel' sich mit Perlen schmücken,
Möcht' ich an mein Herze drücken!
Alle jungen Mägdlein hier
Scheinen duft'ge Blüten mir.
Wüsst' ich wie, möcht' alle traun
Ich im Kranze um mich schau'n,
Leben, sterben dann voll Lust
Eingewiegt an ihrer Brust.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 42)
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Sultana

Grünes Kressenblatt! Wohlan,
Sultana, sag an,
Hast du mir es angethan,
Sultana, sag an,
Dass ich nicht vergessen kann?
Sultana, sag an.
Schau von fern ich deine Hütte,
Zuckt mein Herz bei jedem Schritte.
Haselblatt am Halse dein
Schaffet mir gar arge Pein,
Und am Arm dein Haselblatt
Fast den Tod gebracht mir hat.
Mit den Zauberblättern du,
Liebchen, schau nicht andern zu,
Blick in meine Augen, Kind,
Blau, wie auch die deinen sind.
Jetzt ist es, mein Liebchen schön,
Zeit, zum Bienenstock zu geh'n,
Süssen Honig zu geniessen,
Süssen Liebesbund zu schliessen,
Aus dem frischen Quell zu trinken,
Liebend sich ans Herz zu sinken.

Dem Haselblatt wird Zauberkraft zugeschrieben

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 43-44)
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Das Liebchen vom Berge

Liebchen von den Bergeshöhen,
Liebchen, Liebchen komm!
In die Moldau lass uns gehen,
Liebchen, Liebchen komm!
Lass uns miteinander kosen,
Dass wir blühen wie zwei Rosen.
Komm, im Tanze schwing' ich dich,
Dass du feurig wirst wie ich.
Reizend bist du Lieb, fürwahr!
Und ich auch nicht übel gar.
Nichts soll trennen uns hinfür,
Eins sein wollen beide wir.
Eins an Leib und Seel' wir beiden,
Wie Ring und Finger nie sich scheiden.

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 44-45)
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Basilienkraut

"O Basilienkraut so grün,
Möchtest nie du wieder blüh'n!" -
- "Warum soll in künft'gen Tagen
Keine Maid beim Tanz mich tragen!" -
- "Möchtest, Rose du, vergehen,
Nie möcht' ich dich wieder sehen!"
- "Warum soll die Blüte mein
Nimmer schmücken Mägdlein fein?"
- "Du bist lebend, ich bin tot,
Hin ist meiner Wangen Rot."
- "Schliess' dich unserm Reigen an,
Wie Basilie blühst du dann;
Tanze, und auf deinen Wangen
Werden wieder Rosen prangen."

Übersetzt von A. Franken

Aus: Rumänische Volkslieder und Balladen
Im Versmasse der Originaldichtungen
übersetzt und erläutert von A. Franken
Danzig 1889 (S. 47-48)
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Aus der kleinen Walachei

Bleibst du Liebchen? Folgst du mir?
Soll ich fort, und bleibst du hier?
Eins von beiden wähle dir!

Willst du Schatz? erkläre dich;
Nimmst du mich? - verschmähst du mich?
Sieh! drei andre möchten mich.

Komm, mein Schatz, lass fort uns gehn;
Lass uns gehn und uns umsehn,
Wo wir können fortbestehn.

Schau, zu gross ist unser Ort;
Feinde wachsen fort und fort,
Und zu leben ist's nicht dort.

Stehn zusammen zwei und zwei,
Reden sie von uns ganz frei,
Wie das Glück zu stören sei.

Stehn wo drei und zwei und mehr,
Gleich geht über uns es her;
Mir und Dir sind Feind sie sehr.

Wie der Bär sehn sie uns an;
Insgeheim sinnt Jedermann,
Wie er uns verderben kann.

Weisst Du Liebchen, was ich mein?
Ich zieh' fort - bleib du, und wein'
Aus den schwarzen Aeugelein!

Auf den Grauen schnell und jung
Steig' ich auf, und renn' im Sprung
Im Gebirg nach Kimpolung.

Ins Gebirg üner Muschzell,
Durch die Prahova so schnell,
Dass mir nass wird nicht das Fell.

Trete drauf zum Liebchen ein,
Das, so lange ich noch klein,
Immer schon gewesen mein.

Bin kein Hund ja, der's vergisst,
Bin ein Bursche, der's zerküsst,
Weil's vor allen werth mir ist.

Übersetzt von Johann Karl Schuller (1794-1865)

Aus: Romänische Volkslieder
metrisch übersetzt und erläutert
von Johann Karl Schuller
Hermannstadt 1859 (S. 1-2)
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Bitte an den Mond

Sprächest Mond du auch so gerne,
Wie du wandelst nah und ferne,
Fragt' ich, Mond, dich: Hast im Gehen
Nicht den Liebsten du gesehen?

"Wenn ich ihn auch sah im Land,
Hab' ich ihn doch nicht erkannt."

Gar so leicht ist er zu kennen
An der Gürtelkette Klang,
Und an seiner Füsse Gang.

Übersetzt von Johann Karl Schuller (1794-1865)

Aus: Romänische Volkslieder
metrisch übersetzt und erläutert
von Johann Karl Schuller
Hermannstadt 1859 (S. 10)
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Liebesfieber

Fieberfrost ist schlimm, doch immer,
Mutter, ist die Liebe schlimmer.
Von dem Fieber machest du mich frei;
Für die Liebe fehlt die Arzenei.

Liebesfrost ist schlimm, doch immer,
Mutter, ist die Liebe schlimmer.
Hast du's Fieber, liegst im Bette du;
Liebe treibt herum dich ohne Ruh.

 Übersetzt von Johann Karl Schuller (1794-1865)

Aus: Romänische Volkslieder
metrisch übersetzt und erläutert
von Johann Karl Schuller
Hermannstadt 1859 (S. 11-12)
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