Achim von Arnim (1781-1831) - Liebesgedichte

Achim von Arnim

 

Achim von Arnim
(1781-1831)

 

Inhaltsverzeichnis der Gedichte:
 

 

 

DER DURSTIGE

Ach Gott, wie tät mir gut
Ein Kuß auf meinem Mund,
Die Lippe wär' nicht wund
Von Durst und heißer Glut:
Ich wäre dann gesund
Und ruhig lief mein Blut,
Ach Gott, wie tät mir gut
Ein Kuß auf ihrem Mund.

Die Liebe wär' dann aus,
Ich würde fleißig sein,
Es fiel mir manches ein,
Ich bliebe dann zu Haus,
Ich flieg' dem Leuchtwurm nach,
Ihn löscht kein Dunkel aus,
Es fliegt zu Liebchens Haus,
Wenn niemand drinnen wach.

Ach Gott, so muß ich hin
In jeder nächt'gen Stund',
Es wird schon allen kund,
Daß ich verliebet bin;
Ob ich geliebet bin,
Ach Gott, tu es mir kund,
Durch ihren schönen Mund,
Zu ihr muß ich jetzt hin.

Ach Gott, heut schließ mich ein
In ihre Lippen dicht,
Im nächtlichen Gesicht,
Sind sie wie Wellenschein,
Ach brennen heiß und licht,
Erlösche mich darein,
Es kann nicht anders sein
Und ich versag's mir nicht.
(S. 290-291)
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ERSTE LIEBE

Die erste Liebe
Ihr lieben Kind
Macht hell und trübe
Als wie der Wind,
Die erste Liebe,
Die ist so dumm,
Sie bleibt viel lieber
Ganz still und stumm.

Denn die geblendet
Die sind so dumm,
Ein Wörtchen redet
Und sie sind stumm,
Auf tausend Wegen,
Sie suchen sich,
Und sich begegnen,
Weg drehn sie sich.

Sie möchten wieder
Sich recht ansehn,
Und schlagen nieder
Die Augen schön,
Ihr wollt nicht lernen
Und seid nicht klug,
Sonst sagt ich gerne
Was Recht und Fug.

Da seht sie stehen
Bei einer Blum,
Und beide sehen
Danach sich um
Und beide lassen
Die Blume da,
Denn beide fassen
Zugleich danach

Die Köpfe stießen
Dabei zusamm
Und beide grüßen
Sich dann voll Scham:
Sie sehn zusammen
Der Sterne Lauf,
Und jede Flamme
Die zehrt sie auf.

Wo eingesperret
Die Nachtigall,
Sie singt und plärret
Ganz laut die Qual,
Er läßt sich fangen
Der Freund zu ihr,
Wer so gefangen
Ist freier hier.

Lernt von den Bienen
Im Blumenschoß,
Fröhlig Erkühnen
Führet sie bloß;
Lasset das Zieren
Eh ihr sie pflückt,
Jene schon führen
Honig entzückt.

Lehrte der Biber
Bauen ein Haus
Ach nur die Liebe
Füllet das Haus,
Lernt von den Tieren
Ihr Menschenkind,
Euch aufzuführen
Wie ihr gesinnt.

Gäb nicht die Liebe
Atem voll Klang
Frühling erhübe
Nimmer den Sang,
Lernt von den Vögeln
Saget warum
Hört ihr die Regeln
Bleibet doch stumm.

Die erste Liebe u.s.w.
(S. 356-358)
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Hier sitz ich
Und denke dein
Ganz allein,
Gern möcht ich
Gestöret sein!
Gott sieht mir an den Augen ab,
Was mir fehlt
Was mich quält
Und mildert es mit seiner Gab
Auszuhauchen, auszusprechen
Heißt dem Pfeil die Spitze brechen.
Ach ich kann mich nicht ergeben
Und vergeben kann ich nichts,
Ach ich sah den Mond wohl schweben
In dem lieben Auge Licht.
Als ich dir in's Aug gesehen,
Sah ich meine liebe, ferne Feindin stehen,
Die mich nicht leiden kann,
Die ich nicht lassen kann.
(S. 472)
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KALTE HÄNDE, WARMES HERZ

Kalte Hände, warmes Herz,
Hab ich wohl empfunden,
Nahe Tränen, fernen Schmerz
In den Abschiedstunden;
In der Hände letztem Druck
Froren sie zusammen;
Doch das Herz war heiß genug,
Löste sie in Flammen.

Kalt so fühl ich Deine Hand,
Noch in meiner liegen,
Und des Herzens heißen Brand
An mein Herz sich schmiegen:
Kalte Hände, warmes Herz
Mußt Du mir erhalten,
Keinem drück die Hand zum Scherz,
Daß nicht Herzen kalten.
(S. 785)
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LIEBESZWEIFEL

Ob ich liebe, möcht ich wissen!
Ruhest Du in meinen Armen
Sinkt Dein Auge ohn Erbarmen
Nieder auf das selge Kissen.
Wie bei Sonnenfinsternissen
Alle muntern Vögel schlafen
Also fühl ich mich entschlafen
Will Dein Aug mich nicht begrüßen.

Ob ich liebe, möcht ich wissen!
Bin ich ganz mit mir alleine
Nenne ich Dich stets die Meine
Und muß immer Dich vermissen,
Dem magnetschen Schlaf entrissen
Muß ich wie Dein Traumbild leben,
Die Gedanken, dir ergeben
Lockst Du ab zu fernen Küssen.
(S. 877)
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So bist du nicht verloren,
So warst du dennoch mein!
So bin ich nicht verloren,
So bin ich wieder dein!

Ich ging in mir verloren
Weit in die Welt hinein,
Ich ging mit tausend Toren
Und fand mich ganz allein.

Ich hatt’ den Weg verloren
In tiefer Nacht allein,
Da klangs mir vor den Ohren,
Im Aug ward Dämmerschein.

Es klang: Was du verloren,
Das ist der Glaub allein,
Die Liebe, treu beschworen,
Die wird auch ewig sein.

So stand ich vor den Toren
Und ging zu Liebchen ein,
Da hat sie neu beschworen,
Daß sie doch einzig mein.

Ich bin zum Glück geboren,
Und war in schwerer Pein,
Die Lieb hat mich erkoren
Aus einer Welt allein.

Ich bin wie neugeboren,
Von allem Leben rein,
Und was mir angeboren
Ist alles, alles Dein.
(S. 701-702)
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AN FRÄULEIN BETTINE BRENTANO

Wach auf du halbgeschlossne Blüt,
Zeig Dich in vollem Glanze,
Der Schmetterling ist rings bemüht
Und kitzelt Dich im Tanze,
Die Schäflein ziehn zur Weide bald
Einsiedler singen schon im Wald,
Du hältst die Blätter Dir vors Aug,
So schlafe nur, ich schlafe auch!

Ruh still, du rotbestäubte Frucht
Du schwebst und lebst auf Blättern,
Dich sucht das Reh in seiner Flucht,
Eichhörnlein zu dir klettern,
Es hebt sich die betaute Brust
Und alles ist Dir unbewußt,
Die ganze Luft wird busenwarm,
Wie ruhst du still auf meinem Arm.
Lud. Achim v. Arnim
(S. 508-509)
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Was hilft mir alles Denken,
Was hilft mir alles Sprechen,
Was hilft mir alles Tun!
Mein Liebchen will mich kränken
Und will das Herz mir brechen,
Ich darf nicht bei ihr ruhn.
(S. 946)
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LIEBESLIED

Was jagt mich,
So matt und müde?
Ich such dich
In meinem Liede,
Ich such dich
In meinem Jagen;
Hier muß ich
Die Buchen fragen.

Die Frage
Im Widerhalle
Wird Klage,
Daß Laub schon falle;
Es falle
Weil es ermattet,
Es walle,
Wenn es dir schattet,

Das Windspiel
Mit deinem Bande,
Vergißt Spiel
Und spürt im Sande;
Es legt sich
Mit seinem Munde,
Es hört dich,
Verliert die Kunde.

Es weint dann,
Wie Kinder weinen,
Und gräbt dann
Mit seinen Beinen;
Begräbt sich
Im tiefen Sande,
Begrabt mich
Im Heldenlande,

In weichen Armen
In stillem Kuß,
Zu lang mir Armen
Fehlt der Genuß.
Begrab mich
Und meine Lieder,
Bald komm ich
Und hol dich wieder.
(S. 699-700)
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Wie die Stunden rennen
Mir an ihrer Seit,
Auf der Zunge brennen
Lieb und Heimlichkeit;
Soll ich ihr bekennen,
Was im Herzen brennt?
Und wie soll ich nennen,
Was sie noch nicht kennt?

Herz sei doch zufrieden
Sie still anzusehn,
Würden wir geschieden
Müßtest du vergehn;
Schweige, noch hienieden
Ward es nicht so schön,
Daß in selgem Frieden
Zweie sich ansehn.

Wie die Stunden schleichen
Fern von ihr verbracht,
Gib ein einzig Zeichen
Sternenhelle Nacht,
Gib ein einzig Zeichen
Ob sie wiederliebt,
Frühling soll verstreichen
Und kein Zeichen gibt.

Und die Sterne lachen
Mich zum Hohne an,
Und der Mondennachen
Mir nicht helfen kann,
Ruhlos treibt der Nachen
Durch die Sterne hin,
Schiffer, du mußt wachen,
Schlafen wär Gewinn

Denn ich könnte träumen
Diese Welt so schön,
Säh zu selgen Räumen
In der Nacht Getön
Nachtigall auf Bäumen,
Dich versteh ich nun,
Willst das Feld nicht räumen,
Kannst darin nicht ruhn!

Ja die Welt wird öde,
Ja die Welt wird leer,
Morgengold so schnöde
Drückt mein Auge schwer,
Was beim Abendröten
Schien gewitternd her,
Noch beim Morgenröten
Macht die Luft so schwer.

Und ich saug mit Listen
Diese Schwüle ein
Mich ganz zu vergiften
In dem Feuerwein,
Will als Blitzstrahl rüsten
Mich mit Trotzes Schein,
Doch aus allen Lüften
Mehrt sich meine Pein

Meine Tränen rinnen,
Halte sie nicht mehr,
Wer kann es ersinnen,
Wo sie kommen her?
Kann ich mich besinnen,
Wo sie fließen hin,
Wenn mit leichten Sinnen
Ich bei ihr bald bin!
(S. 509-511)
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ABREISE DER GELIEBTEN

Wie lebt der Kranke noch sein Leben
Dem schon der Tod vorherverkündet,
Sie reist von hier, ich bin dem Tod gegeben
Ein Wurm sich so schon vor dem Tritte windet,
So lauft ihr Ameisen eh sich der Feind genahet,
Ihr fürchtet euch eh ihr Verwüstung sahet.

Wie Atmen wird ein süß Gewöhnen
Der Schlaf die bangen Sorgen lähmt,
Wie Sehnsucht weicht im Blick des Schönen,
Der Übermut sich vor der Weisheit schämt,
Nicht fester hängt die Pflanze an der Erde,
Als ich von deiner Nähe festumschlossen werde.

O dann wird mein Gebet erwachen,
Ich bin gestraft daß ich es oft versäumet,
Es schwebet über dir im Wolken Nachen,
Und meine Seele von dem Wege träumet:
Was soll ich weihen deinem Wiederkehren,
Den Wunsch den nur die Liebe kann gewähren.
(S. 452-453)
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Zuweilen tut mir das Herz so weh,
Als ob ich dich nie umschlungen,
Und wenn ich dann zum Himmel seh,
So hat mir das Ohr geklungen,
Was klingt im Ohr, was schlägt das Herz?
Das kommt von der Witterung
Der Himmel treibt im Herzen Scherz,
Und wer noch liebt ist jung.
(S. 941)
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Alle Gedichte aus: Achim von Arnim Werke in sechs Bänden
Herausgegeben von Roswitha Burwick, Jürgen Knaack, Paul Michael Lützeler, Renate Moering, Ulfert Ricklefs und Hermann F. Weiss Band 5: Gedichte Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1994


Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Achim_von_Arnim


 

 


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