Europäische Liebeslyrik

(in deutscher Übersetzung)

Edward Charles Halle (1846-1914) - Die Musik

 

 

Konstantin Nikolajewitsch Batjuschkow (1787-1855)

(In der Übersetzung von Karl Friedrich von der Borg)



Der Abschied

Auf seinen Säbelknopf sich lehnend,
Stand ein Husar in tiefem Gram,
Und sprach zu der Geliebten thränend,
Indem er Abschied nahm:

"O weine nicht, mein Kind! die Zähre,
Sie lindert nicht den herben Schmerz!
Ich schwör' es dir auf Bart und Ehre:
Stets bleibt dir treu mein Herz!

Unüberwindlich ist die Minne!
Sie wird mein Schild im Kampfe seyn:
Das Schwert in Händen, dich im Sinne, -
Was darf ich dann noch scheu'n?

O weine nicht, mein Kind! die Zähre,
Sie lindert nicht den herben Schmerz.
Und werd' ich untreu, dann - auf Ehre!
Trifft Strafe schnell mein Herz.

Dann mag mein treues Roß sich bäumen,
In's Feindeslager stürzen scheu,
Und im Gefechte sich entzäumen, -
Der Bügel reiß' entzwei!

Dann müsse mir das Schwert zersplittern
Beim Schwunge, faulem Holze gleich,
Und ich dir nah'n mit Furcht und Zittern,
Die Wange todtenbleich!" -

Doch nimmer bäumt des bösen Reiters
Getreues Roß sich wild und scheu,
Und nimmer bricht das Schwert des Streiters
Mit seiner Ehr' entzwei.

Doch er vergaß das Minnekosen
Und Liebchens Thränen Augenblicks,
Und brach im fremden Land die Rosen
Des neuen Minneglücks.

Und Liebchen in dem herben Schmerze -
Schwur einem Andern Lieb' und Treu!
Denn Eide sind den Schönen - Scherze,
Die Liebe - Spielerei!

Der Wechsel ist der Menschen Freude;
Die Treue floh die Erd' in Eil';
Und lachend schreibt Cupid die Eide
Auf Wasser mit dem Pfeil.
(S. 179-181)
_____



Die Liebe im Kahn

Luna schwimmt auf Stromes Spiegel,
Ringsum waltet Fried' und Ruh:
Sieh, da wehen Zephyrs Flügel
Plötzlich einen Kahn mir zu.

Drinnen sitzt ein schöner Knabe,
Führt das Steuer nur mit Noth.
"Armes Kind! du nah'st dem Grabe,
Wirst versinken mit dem Boot!" -

"Alle Kraft ist mir vergangen,
Hilf mir, guter Wandersmann!
Nimm das Steuer! und wir langen
Mählig in der Herberg' an." -

In dem Kahn saß ich geschwinde,
Denn voll Mitleid war mein Sinn;
Und der Wimpel schwoll im Winde,
Und wir flogen pfeilschnell hin.

Und wir schwammen längs dem Lande,
Nach der schnellen Fluthen Lauf;
Und zum Reihentanz am Strande
Sammeln Nymphen sich zu Hauf.

Fröhlich singen sie, und lachen,
Und mit Blumen uns bestreu'n;
Pfeilgeschwinde flog der Nachen ...
O des Schreckens, o der Pein! ...

Ich vergaß mich ... gar entsetzlich
Braus't der Sturm vom Meeresstrand;
Und auf einer Sandbank plötzlich
Borst mein Kahn ... der Knabe schwand!

Mich Bedrängten warfen Fluthen
Auf ein Felsenstück hinaus;
Ich war naß, - das Herz voll Gluthen:
Aus dem Graus in neuen Graus!

Ringsum irr' ich auf den Matten,
Suche rings der Nymphen Reih'n;
Doch ich seh' der Holden Schatten
Nur im süßen Traum allein.

Wandrer! ob's auch ruhig scheine,
Nicht den Kahn bestiegen! wißt:
Wellen trügen - und der Kleine
Ist ein Gott voll arger List!
(S. 243-245)
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Übersetzt von Karl Friedrich von der Borg (1794-1848)
Aus: Poetische Erzeugnisse der Russen
Ein Versuch von Friedrich von der Borg
Erster Band
Riga und Dorpat 1823
In der Hartmannschen Buchhandlung



 

 


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