Europäische Liebeslyrik

(in deutscher Übersetzung)

Edward Charles Halle (1846-1914) - Die Musik

 

 

Jan Michiel Dautzenberg (1808-1869)

(In der Übersetzung von Marie von Ploennies)



Rose und Schmetterling

Die Rosenknosp' entblühte,
Als bald der Mai entschwand,
Der Liebesstern erglühte
Sanft über'm Frühlingsland.

Da schaut aus Moos die Rose
Erröthend in die Rund,
Es tropfen aus Kelchesschoose
Viel Perlen in den Grund.

Und da im Mondlicht reine
So lachend hing die Ros',
Erglänzt in hellem Scheine
Ihr glühnder Purpurschoos.

Da schwebt auf jungen Schwingchen
Aus Mondenlicht hervor
Zur Ros' ein Schmetterlingchen,
Die er für sich erkor.

Er wähnt die Ros' sein Liebchen,
Küßt's Grübchen in der Wang,
Sich wehren gegen's Diebchen
Das kann die Ros' nicht lang.

Er stillet sein Verlangen
Und küßt sie glühendroth:
Sie . . . läßt das Köpfchen hangen,
Und . . . träumt von frühem Tod.
(S. 338-339)
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Die Blumen

Die Blumen spielen wundergern,
Wie junge Mädchen pflegen,
Kosen zusammen nah und fern
Und lächeln allerwegen.

Sie kosen mit dem Sonnenschein,
Und mit der Lüfte Schwellen,
Mit Quellen und mit Käferlein,
Gleichwie mit Spielgesellen.

Zog Käfer fort auf seiner Schwing,
Ist Bienchen weggeflogen,
Ruht unterm Strauch der Schmetterling,
Sinkt Nacht vom Himmelsbogen,

Dann beugen sie das schwache Haupt
Und nicken schläfrig nieder,
Und was die Liebe Schönes glaubt,
Sehn sie im Traume wieder.

Sie wachen; sehn kein Sternchen mehr,
Da schauern sie zusammen,
Die hellen Thränlein tropfen schwer,
Die in den Blicken schwammen.

Da glimmt und glistert Feld und Weid
Von Perlen und Karfunkeln,
Da ist kein Sträuchlein auf der Heid,
Das nicht mag herrlich funkeln.

Woher die Perlchen allzumal,
Ist klar nun wie die Sonne:
Geweint sind Blumenthränlein all
Im Traum der Liebeswonne.
(S. 339-340)
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Übersetzt von Marie von Ploennies (1826-1909)

Aus: Reise-Erinnerungen aus Belgien
Von Luise von Ploennies
Berlin Verlag von Dunker und Humblot 1845

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