Europäische Liebeslyrik

(in deutscher Übersetzung)

Edward Charles Halle (1846-1914) - Die Musik

 

 

Franz Kniaznin (1750-1807)

(In der Übersetzung von Heinrich Nitschmann)



Die zwei Linden

"Die zwei Linden an dem Flusse,
Wie sie schaun in stillem Gruße;
Wie sie sich mit ihren Zweigen
Sehnend zueinander neigen!

Warum trennt zu stetem Leide
Dieser Fluß so grausam beide?
Warum darf, so nah sie scheinen,
Niemals Liebe sie vereinen?"

Sprach verirrt Koryll, mit Sehnen
Denkend an sein Lieb Ismenen,
Und von seiner Herzenswunde
Gab ein tiefer Seufzer Kunde.
(S. 69)
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An Elmira

Wo, Elmira, magst du weilen,
Wem gehört dein süßes Denken?
Möchtest du mein Sehnen theilen,
Liebend dich in mich versenken!

Diese Wiesen, diese Haine
Sieht mein Gram in dunkelm Kleide:
Nur in deinem Strahlenscheine
Glänzt, Elmira, meine Freude.

Zephyr, eile nach den Fluren,
Die mein Morgenroth bescheinet,
Suche fern im Forst die Spuren,
Wo wir scheidend einst geweinet.

Wirst den Baum dort wiedersehen,
Jenen Zeugen unsrer Liebe,
Wo so oft mit sanftem Wehen
Du gefühlt die heißen Triebe,

Wenn sie harrend, hold erbebend,
Mein gedenkend hoch erglühte! -
Ueberbringe, zu ihr schwebend!
Was ich ihr von fern entbiete.

Flüstre, daß ich treu geblieben,
Daß ich meinen Schwur erneure,
Möge Flora so dich lieben,
Wie ich liebe sie, die Theure! - -

Er entflog, doch wo er rastet,
Bangt mir, daß der Leichte, Lose
Meiner Seufzer sich entlastet,
Haften bleibt an einer Rose.
(S. 69-70)
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übersetzt von Heinrich Nitschmann (1826-1905)

Aus: Der polnische Parnaß
Ausgewählte Dichtungen der Polen
Übersetzt von Heinrich Nitschmann
Nebst einem Abriß der polnischen Literaturgeschichte
und biographischen Nachrichten
Vierte sehr vermehrte Auflage
Leipzig F. A. Brockhaus 1875


 

 


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