Europäische Liebeslyrik

(in deutscher Übersetzung)

Edward Charles Halle (1846-1914) - Die Musik

 

 

Jan Kochanowski (1530-1584)

(In der Übersetzung von Spiridion Wukadinovic)



Selige Liebe

Grausame Ketten um mein Herz sich legen,
Doch schätz' ich es als Segen,
Daß in so schönem Netz ich bin gefangen:
Froh leb' ich, ob auch Sorgen mich umbangen,
Und als Genuß erscheinen
Will mir mein Seufzen, trotz der Leute Meinen.

Ihr Augen, wunderschöne,
Drin allen Liebreiz ich zu finden wähne,
O Stunde, hochbeglückte,
Da ich in eurem Netze mich verstrickte!
(S. 109)
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Treue Liebe

Wo du auch immer weilst, Gott schick' dir gute Stunde!
Dein war ich lebenslang, und dein geh' ich zugrunde.
So sah es Gott vorher seit je: zu meinem Glücke,
Da ich in dir mehr als in Hunderten erblicke.

Nicht nur, daß schöner du als andere geboren,
Doch hat auch deiner Züge Reiz in nichts verloren;
Und wie sich im Smaragd das Gold anmutig spiegelt,
Wird deiner Seele Adel durch den Leib besiegelt.

Wie glücklich wär' ich doch, könnt' ich so des genießen,
Was in dir besser ist, falls irrig nicht mein Schließen;
Doch wie im weiten Meer: wir müssen dorthin schwimmen,
Wohin der Wind uns trägt, nicht so wie wir bestimmen.

Doch sei's, daß Liebe selbst spinnt Träume in der Seele,
Oder willst du nicht, daß mich Zweifel an dir quäle.
Die Hoffnung süßt die Welt mir. Sollte sie mich trügen,
Verhüte Gott! Dem Tod wollt' lieber ich erliegen!
(S. 109-110)
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Scheiden

Schwer ist da solchermaßen Rat: nun heißt es scheiden
Und über diese Zeit Frohsinn und Laute meiden.
All mein vergnügter Sinn geht mit dir fort ins Weite,
Und niemand, der aus diesem Kerker mich befreite,
Bis ich nicht wiederseh' dich, schönste aller Frauen,
Was ihrer immer auch die Jetztzeit mag erschauen.

Schon hab' ich die Gesichter um mich her vergessen;
Dein holdes Antlitz ist dem Glanze gleichzumessen,
Der überm großen Meer die Frühe rot umrändert
Und sacht die finstre Nacht in Helligkeit verändert;
Vor dem die kleinern Sterne allgemach verblinken
Und heimlich harren, bis die Nacht wird niedersinken.

So stehst du mir vor Augen. Glücklich ist zu schätzen
Der Weg, auf dem sie wird den Fuß voll Anmut setzen;
Ich neid' euch, dichte Wälder, und euch Felsenhöhen,
Daß ihr vor mir noch werdet solche Wonne sehen
Und ihre holde Stimm' und lieben Worte höret,
Darnach mein armer Kopf in Sehnsucht sich verzehret.

Beglückte Heiterkeit, beglückt Beisammenleben!
Vergeblich wüßt' ich wohl mir andern Rat zu geben
Als: Laß dein traurig Herz im Hoffen nicht erlahmen;
In Hoffnung pflügt der Mensch, in Hoffnung streut er Samen.
Und du sei nicht so streng, noch laß mich damit büßen,
Daß ich dein schön Gesicht lang sollt' entbehren müssen.
(S. 110)
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Meiden

Nicht schlecht zuzeiten hehlen, was dich schmerzt im stillen,
Auf daß der Feind nicht merkt, daß er dich hat zu Willen;
Am besten aber gleich das Leid sich wegzuklagen
Und dem danklosen Herrn die Folgschaft aufzusagen.

Ich litt so viel, daß ich mich schäm' es zu bekennen,
Und mag mich füglich jeder einen Toren nennen,
Daß ich so lange Zeit mich ließ zum Narren halten,
Obwohl ich sah, wie wenig meine Dienste galten.

Zwar sucht' ich ihren Zorn durch Höflichkeit zu dämpfen
Und den versagten Dank durch Fassung zu bekämpfen:
Doch meine Höflichkeit und Fassung ward zuschanden,
Und ihr achtloser Sinn hat niemals mich verstanden.

Fahr wohl, unwirtlich Tor, voll Undank und voll Kälte!
Du weißt, wie oft ich kam, und wie mich Kummer quälte;
Mög' Spinnweb' dich umziehn und Schimmel dich verheeren
Und das treulose Schloß der schnöde Rost verzehren!
(S. 111)
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An Regina

Du meine Königin (wie dich dein Nam' auch nennt),
Da in vertrauter Zwiesprach mir nicht ist vergönnt
Mit dir zu plaudern, muß ich mit und wider Willen
Dem Briefe dies vertraun und meine Seele stillen
Auf irgendwelche Art, doch hoff' ich sonder Bangen,
Daß dir willkommen sein wird dies mein Unterfangen.
Glückselige Karte, dich wird sie mit ihren
Zierlichen Händen liebevoll berühren.
Dich wird mit holdem Auge sie betrachten,
Wonach wir anderen vergeblich schmachten.
Dich wird sie gar mit einem Kuß beglücken
Und hold auf dich die Rosenlippen drücken.
Oh, wenn sich doch der Mensch auf Zauberei verstünde,
Daß er sich könnte wandeln in sein Angebinde!
(S. 111-112)
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An Magdalena

Zeige dich mir, Magdalena, zeige deine Wangen,
Wangen, die wahrhaftig beide so wie Rosen prangen.
Zeig' das goldne Flatterhaar, laß deine Augen sehen,
Sternen gleich, die sich am schnellen Himmelskreise drehen.
Zeige deinen holden Mund in roter Lippen Hülle,
Voller Perlen, zeig' des Busens wohlgeformte Fülle
Und die Alabasterhand, darinnen du gefangen
Hältst mein Herz! - O ihr Gedanken, töricht, wahnbefangen!
Wes begehr ich? Worum steh' ich Unglücksmensch vermessen?
Auf dich blickend hab' ich allen meinen Halt vergessen,
Schweige stumm, geheime Flamme fährt durch meine Glieder,
In den Ohren klingt's und Nacht sinkt zwiefach auf die Lider.
(S. 112)
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Von Hanne

Hier ragt ein Berg, mit Bäumen dicht bedeckt,
Drunter sich eine grüne Wiese streckt.

Hier sprudelt eine Quelle, rein und klar,
Und beut dem Wandrer kühle Labung dar.

Hier weht ein Lüftchen, das aus Westen zieht,
Hier tönt der Nachtigall gefällig Lied.

Und doch - dies alles acht' ich keinen Deut,
Wenn mich nicht Hanne durch ihr Beisein freut.
(S. 112)
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Lob der Ehefrau

Dem ward im Kampf Ruhm durch den Arm beschieden,
Durch Rednerkunst und Herrschermacht im Frieden,
Doch schmückt das Weib den Weg nicht seines Lebens,
Wirkt er vergebens.

Der durch die Wirtschaft, der durch Dienst im Lande
Erwirbt sich Geld, und der im Kaufmannsstande,
Doch ist das Weib mit ihnen nicht im Bunde,
Geht all zugrunde.

Ein ehrlich Weib ist seines Mannes Zierde
Und wahrt am sichersten des Hauses Würde;
Sie lenkt's und ist dem Manne zweifelsohne
Des Hauptes Krone.

Sie weiß des Mannes Kummer abzuleiten
Und ein behaglich Heim ihm zu bereiten;
Sie stillt die Sorgen, die sein Haupt umflorten,
Mit süßen Worten.

Sie schenkt ihm Kinder, die dem Vater gleichen
Und zu besondrer Freude ihm gereichen;
Nicht lauern mehr Verwandte, daß er sterbe:
Lebt doch ein Erbe.

O dreimal glücklich, dem der Herr bescherte
Den Bund! Jedoch ein böser Ehgefährte
Nimmt alles fort, daß Sorgen dich umgeben
Durchs halbe Leben.
(S. 120)
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übersetzt von Spiridion Wukadinovic (1870-1938)

Aus: Jan Kochanowski Eine Auslese aus seinen Werken
Aus dem Polnischen übertragen von Sp. Wukadinovic
Wilhelm Gottlieb Korn Verlag Breslau 1937


 

 


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