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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798-1874)
O
glücklich, wer ein Herz gefunden!
1853
O glücklich, wer ein Herz gefunden,
Das nur in Liebe denkt und sinnt
Und mit der Liebe treu verbunden
Sein schönres Leben erst beginnt!
Wo liebend sich zwei Herzen einen,
Nur eins zu sein in Freud und Leid,
Da muß des Himmels Sonne scheinen
Und heiter lächeln jede Zeit.
Die Liebe, nur die Lieb ist Leben:
Kannst du dein Herz der Liebe weihn,
So hat dir Gott genug gegeben,
Heil dir! Die ganze Welt ist dein!
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Ja,
überselig hast du mich gemacht!
Der allerlängste Tag, er reicht nicht hin,
Und viel zu kurz ist jeder Traum der Nacht,
Zu denken, wie ich überselig bin.
Ich fühl's, um dieser Wonne ganz zu leben,
Muß Gott mir noch ein zweites Leben geben.
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Liebesleben
Oftmals lehnt sich der Verstand
Hin an meines Herzens Pforte,
Wie ein Lauscher an der Wand
Denkt er sich am rechten Orte.
Wie's ihm bangt nach jedem Ton,
Wie er lauscht mit spitzen Ohren!
Nichts als Rätsel sind sein Lohn,
All sein Mühen ist verloren.
O wie wüßt' er doch so gern,
Was die Liebe drinnen treibet!
Doch er steht ihr viel zu fern,
Lieb' ihm stets Geheimnis bleibet.
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Ich
liebe dich
Mir ist, als müßt' ich immer sagen:
Ich liebe dich,
Und mag nicht auszusprechen wagen:
Ich liebe dich.
Die Maienlüfte säuseln wieder,
Ich lausche hin,
Und alle Blütenzweige klagen:
Ich liebe dich.
Der Sang der Vögel ist erwachet,
Ich lausche hin,
Und alle Nachtigallen schlagen:
Ich liebe dich.
So frag' die Lüfte, frag' die Blumen,
Die Vögel all,
Vielleicht, daß sie für mich dir sagen:
Ich liebe dich.
Ich wandle fern von dir und habe
Nur einen Trost
In diesen schönen Frühlingstage:
Ich liebe dich.
_____
alle
Liebesgedichte
von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Gedichte aus: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Gedichte und
Lieder
Im Auftrag der Hoffmann von Fallersleben-Gesellschaft von Hermann
Wendebourg und Anneliese Gerbert
Hoffmann und Campe Verlag Hamburg 1974
folgende Gedichte:
O glücklich, wer ein Herz gefunden! (O glücklich, wer ein Herz
gefunden!)
Ja, überselig hast du mich gemacht!
Aus: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Auswahl in drei Teilen.
Hrsg. mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Augusta
Weldler-Steinberg.
Erster Teil Lyrische Gedichte. Zweiter Teil Zeitgedichte.
Gelegenheitsgedichte und Trinksprüche.
Georg Olms Verlag Hildesheim New York 1973 (Bongs Goldene
Klassiker-Bibliothek. Dem Nachdruck liegt das Exemplar der
Universitätsbibliothek Mainz zugrunde. Signatur: D 6314)
Mit Genehmigung der Stauffacher Verlags AG Zürich Schweiz. Nachdruck der
Ausgabe Berlin 1912)
folgende Gedichte:
Oftmals lehnt sich der Verstand
Mir ist, als müßt' ich immer sagen:
Biographie:
Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich, eigentlich August Heinrich
Hoffmann, (1798-1874), Schriftsteller. Er verfasste den Text der
deutschen Nationalhymne.
Hoffmann wurde am 2. April 1798 in Fallersleben (heute zu Wolfsburg)
geboren, studierte in Göttingen und Bonn. Zwischen 1823 und 1838 war er
als Bibliothekar an der Universität von Breslau (heute Wrocław, Polen)
tätig und hatte dort ab 1830 eine Professur für deutsche Sprache und
Literatur inne. 1842 wurde Hoffmann von Fallersleben aufgrund seiner
nationalliberalen Gesinnung, die er in seinen ironisch Unpolitische
Lieder (1840/41) betitelten Gedichten zum Ausdruck brachte, seines Amtes
enthoben und des Landes verwiesen. Zu den dort publizierten Gedichten
zählt auch Das Lied der Deutschen, das er 1841 während eines Aufenthalts
auf Helgoland, das damals zu Großbritannien gehörte, verfasst hatte.
Gesungen wurde der Text auf Joseph Haydns Kaiserhymne, die zugleich als
Melodie der Nationalhymne des kaiserlichen Österreich diente. Durch
Verordnung des Reichspräsidenten wurde der erste Vers des Liedes 1922
zur offiziellen deutschen Nationalhymne erklärt, 1950 trat der dritte
Vers („Einigkeit und Recht und Freiheit”) als Nationalhymne der
Bundesrepublik Deutschland an seine Stelle.
1848 wurde Hoffmann rehabilitiert und wirkte ab 1860 als Bibliothekar
des Prinzen Viktor zu Hohenlohe-Schillingsfürst auf Schloss Corvey bei
Höxter. Dort verfasste er den Zyklus der Vaterlandslieder (1871). Neben
seiner politischen Lyrik veröffentlichte er auch Lieder anderer
Provenienz, von denen vor allem die Kinderlieder bekannt wurden (Alle
Vögel sind schon da, Morgen kommt der Weihnachtsmann). Bei seinen
germanistischen Forschungen, die auch der alt- und
mittelniederländischen Literatur galten, stieß Hoffmann auf Fragmente
der Evangelien Otfrieds von Weissenburg und das Ludwigslied. 1842 war er
Mitherausgeber der Schlesischen Volkslieder. Er starb am 19. Januar 1874
auf Schloss Corvey, das heute zu Höxter gehört.
Aus: Encarta
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