Ludwig Foglar (1819-1889) - Liebesgedichte

 

 

Ludwig Foglar
(1819-1889)


Inhaltsverzeichnis der Gedichte:
 

 




Sie wartet!

Halboffen steht das Fensterlein,
Sie lugt durch grüne Ranken
In all' die blüh'nde Welt hinein,
Versunken in Gedanken.

Und ob er immer noch nicht kommt?
Ihr Auge scheint zu fragen -
Und weiß er nicht, daß mir nur frommt,
Mein Sehnen ihm zu sagen?

Geduldig hoffet sie und harrt
In Wehmuth und in Bangen -
Es ist, als wäre sie erstarrt
Im innigen Verlangen.

Doch endlich naht der Buhle dein:
"Was zögertest du Böser?"
Und es umfängt das Mütterlein
Den Allerwelterlöser.

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 34-35)

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Krone und Perle

"Von meiner Lieb' ein Zeichen
Begehrst Du, theurer Mann?
So nimm von meinen Reichen
Besitz und herrsche dann!"

"Die Krone nimm und trage
Sie lang mit Glück und Ruhm,
Sie freut mich erst am Tage,
Wo sie dein Eigenthum."

So sprach zu dem Vasallen
Die junge Königin,
Des Lenzes Düfte wallen
Ob der Beglückten hin.

Mit huldig süßem Neigen
Den Liebsten sie umflicht,
Daß er sein zaghaft' Schweigen
Erlösend endlich spricht:

"Dafür daß ich mein Leben
Um dich zum Kampfe trug
Hast du zuviel gegeben,
Und gabst doch nicht genug.

Nicht Scepter und nicht Krone
Mein Herz von dir begehrt -
Mir bangte vor dem Lohne,
Deß' nur Erles'ne werth.

Die Perle doch, die Eine,
Die deinen Busen schmückt,
Die unscheinbare, kleine -
Sie ist's, die mich beglückt.

Symbol ist sie und Zeichen
Deß', was du selber bist,
Der Lieb', die ohne Gleichen
Des Himmels sich vermißt!"

Holdseliges Erröthen
Umflog ein Angesicht
Deß' Zauber sich erhöhten
Im Brautstandmorgenlicht.

"Die Krone stand zu geben -
Die Perle werd' geraubt!"
Besiegt im Wiederstreben
Neigt lächelnd sie das Haupt.


Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 37-38)

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Gondellieder

I.
Hinaus, Venedig's schwarzer Schwan,
Hinaus zum Lido gleite,
Und nimm uns mit auf deiner Bahn,
Mich mit dem Kind zur Seite!

Wir bergen uns im niedern Dach,
Der Schiffer ist verschwiegen,
Du kannst, mein Lieb, dich allgemach
Ans Herz mir näher schmiegen.

Die Wogen gaukeln allerlei
Geheimnißvolle Dinge,
Es wirft der Mond sein Konterfei
In ihre weiten Ringe.

Der Schiffer summt ein Lied dazu
In wohlbekannten Lauten
Von stiller Nacht, von süßer Ruh,
Von liebenden Vertrauten.

Und hat vielleicht er uns gemeint,
Wir sind es gern zufrieden:
Wer hätte je das Glück verneint,
Das Götter ihm beschieden!


II.
Du hast um mich geschlungen
Den weißen, weichen Arm,
Du hältst mich eng und warm
In süßen Bann gezwungen.

Die schweigende Laguna
Verschlingt manch' leises Ach,
Das schwarze Gondeldach
Hemmt den Verrat der Luna.

Aufleuchten dann die Wellen
Es blitzt und glüht der Schaum,
Das Ruder streifet kaum
Die silbersprüh'nden Stellen.

Und unsrer Seelen Flammen
Vermälen sich dem Meer,
Sie schlagen wonneschwer
In Einen Brand zusammen.

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 138-139)

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Neapolitanisches Lied

Was der Wald ohne Bäume,
Was der Schlaf ohne Träume,
Was ohne Küste das Meer,
Oder der Baum von Blättern leer,
Was ohne Blumen der Rain,
Was ohne Vögel der Hain,
Was der Berg ohne Thal,
Und ohne Lichter der Saal,
Was ohne Schiffe der Strom,
Und ohne Altar der Dom,
Was ohne Anker das Boot,
Und ohne Wein das Brot,
Was die Schenke ohne Gast,
Und ein Wandern ohne Rast,
Das in dieser Erdenfrist
Ein Leben ohne Liebe ist.

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 152-153)

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Ständchen in Rom

Ein Minnesänger will ich sein,
Nichts mehr und auch nichts minder,
Ich lieb' es wenn den besten Wein
Kredenzen schöne Kinder.

Ein warmer Himmel d'rüber soll
Recht blau und goldig prangen
Und Früchte reifen süß und voll,
Wie frische Mädchenwangen.

Im Sturme sei nicht allzufern
Der sichre Friedenshafen
Und unter einem guten Stern
Laßt träumen uns und schlafen.

Ihr Götter! könnt Ihr solch ein Loos
Dem Sterblichen nicht bieten,
Dann sind in eures Himmels Schooß
Die Freuden selbst nur Mythen.

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 153-154)

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Unter den Sternen

Der Tag ist längst geschieden
Nun gehst auch du zur Ruh,
Ein Traum von Glück und Frieden
Schließt dir die Augen zu.
O könnt' ich ihn belauschen,
Ins tiefste Herz dir seh'n
Mit dir die Welt vertauschen
Und selig untergeh'n.
Doch bald kommt das Erwachen
Und du siehst dich allein,
Dein schwanker Lebensnachen
Wird ohne Führer sein.
Blick auf und hab' Erbarmen,
Gönn' ihm ein schönes Ziel:
Dir winkt in treuen Armen
Des Liebesglücks Asyl.


Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 197)

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Fata morgana

In frühster Morgenstunde
Wenn sichtbar noch mein Stern -
Die erste Wanderrunde
Ins Freie mach' ich gern.

Die Vöglein rings erwachen
Und flattern um den Teich,
Da lockt der kleine Nachen
Zum Wellenspiel mich gleich.

Der sabatstille Garten
Erblinkt von Morgenthau
Scheint selig zu erwarten
Die prächt'ge Sonnenschau.

Im Laube flüstern leise
Mir holde Geister zu:
Mach schnell dich auf die Reise
Zur Liebsten eile du!

Und durch die Lüfte flieg' ich
- Nur in Gedanken zwar -
Im Brautgemache schmieg' ich
Mich an den Hochaltar.

Die warmen Marmorkissen
Umloht ein Augenpaar:
In heil'gen Dämmernissen
Wird mir der Himmel klar.

Ein wonniges Verzeihen
Und fromm erneute Schuld -
Versöhnen und Entzweien
In Huld und in Geduld.

Der Tag wird heiß. Gesichte
Und Träume sind verweht -
Und hier nur, im Gedichte
Mein Glück verzeichnet steht.


Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 223-224)

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Neuer Minnesang

Nun lenk' ich heimwärts wieder
Den wandermüden Fuß,
Dir, Heimat meiner Lieder,
Dir biet' ich Gruß und Kuß.

O Liebe, gönne milde
Ein Plätzchen mir am Heerd,
Treu deinem süßen Bilde
War ich des Lohnes wert.

Nicht müßig will ich girren
Entfremdet ernster That,
Doch hab' ich satt das Irren,
Das Ernten ohne Saat.

Will streben wol und walten
Im ernsten Lebensspiel
Und mir vor Augen halten
Der Menschheit schönstes Ziel;

Doch dann in deinen Marken
O Liebe, will ich ruh'n,
Zu neuer Lust erstarken
Zu frischem, regem Thun;

Vergessen auf Minuten
Die Welt so bunt, so toll -
Und morgen weiter bluten,
So lang' die Adern voll.

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 224-225)

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Halbtraum

Aus jedem Laubesdunkel lauscht
Dein holdes Angesicht,
Und wenn es in den Zweigen rauscht,
Dein Wonnemund mir spricht.
Und fliegt ein Vöglein mir vorbei,
Sein Flügelschlag mich küßt,
Mir ist, als ob's dein Athem sei
Der frühlingswarm mich grüßt,
Und streckt der Baum die Aeste aus,
Mein' ich, es sei dein Arm,
Der mich umschlingend liebewarm
Geleitet in das Haus.
O laß die Täuschung allzulang
Nicht währen, zaub're mild
Was ich nur träum' erfüllungbang'
Zum wirklich schönen Bild.
Denn Traum und Ahnung streuen nur
Des Glückes junge Saat -
Erquickt will sein die grüne Flur,
Das Leben will die That!

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 229-230)

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Mut im Unmut

Ob es mir auch nie gelinge,
Dich mit Flammen zu versöhnen,
Die so sehr sie uns verletzen,
Doch uns immer mehr verschönen:
Ob du dich auch grollend, schmollend
Ab von deinem Dränger wendest,
Dennoch weiß ich, daß die Fehde
Du mit Friedensküssen endest:
Denn es ist das menschlich Schöne,
Das natürlich Freie, Wahre,
Das im Taumel des Entzückens
Ich dir selig offenbare.
Auf die Dauer nicht verläugnen
Wollen kannst du jene Rechte,
So die ew'ge Brücke bauen
Von Geschlechte zu Geschlechte.

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 230)

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Magische Kreise

Erinnerung, du milde,
Du holde Traumgestalt!
Es zwingt zu deinem Bilde
Mich liebliche Gewalt:
Ich folge gern und weile
An jedem Gruß und Kuß,
Der all' der Seele Theile
Versammelt im Genuß.
Es dämmert aus den Fernen
Der blauen Jugendzeit
Ein Kranz von hellen Sternen
Und winkt mir trostbereit.
Mit unsichtbaren Ranken
Die Seele wurzelt dort,
Aufblühend zu Gedanken
An manchem stillen Ort.
Doch was in tiefen Gründen
Des Herzens sich verhelt,
Vermag kein Laut zu künden
Im ganzen Kreis der Welt.
Die Ahnung nur zuweilen
Aufblizt - in Wink und Blick
Verrathend im Enteilen
Ein seliges Geschick:
Ein Baum, ein Stein sind Zeugen,
Ein Menschenangesicht;
Dem Wunder sich zu beugen
Verwehrt die Liebe nicht.
Wohl dir, wenn allerwegen
Ein Denkmal dich begrüßt,
In jedem Blätterregen
Ein Engelmund dich küßt!

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 231-232)

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Nachsommer

1.
Sinne, Seele, sinne,
Ob so reiche Minne
Jemals dir beschert?

Ob sie nicht erfüllte,
Ob sie nicht enthüllte
All', was du begehrt?

Sinne, Seele, sinne:
Ob dein Lenz beginne,
Ob du seiner wert?

Und dann bleib dem Lichte,
Lebend im Gedichte,
Selig zugekehrt.


2.
Priester komm und sprich mich frei:
Heiligste Abgötterei
Treib' ich nun seit Tag und Jahren;
Aber was die Reue sei -
Da so gern ich blieb dabei,
Hab' ich dadurch nie erfahren!
Ich erfuhr das Gegentheil:
All' der Erde schönstes Heil!
Denn vor Göttern ist es Tugend,
Wenn der Gaben dieser Welt
Lebensmutig, unverstellt
Sich erfreut die frische Jugend.


3.
Reizender mit jedem Tage
Seit ich dich im Herzen trage,
Lacht die Welt mir, Elfenkind!
Und mich dünkt, für ihre Blüte,
Ihre Schönheit, ihre Güte
War ich vordem taub und blind.

Erst seit mich dein Blick berührte,
Alle Glut zu Flammen schürte,
Fiel der Bann von Aug' und Mund;
Seit ich diesseits lieben lernte,
Und von jenseits mich entfernte,
Ward ich weise und gesund.


4.
Verwandelt hast du mich so sehr,
Ich selber kenne mich nicht mehr -
Wie hast du das begonnen?

Du ließest reifen bess're Saat,
Als sie gedeiht in Stadt und Staat,
An deines Auges Sonnen.


5.
Nächtens wandelnd durch die Büsche,
Durch die blüthenreichen,
Herz und Sinn ich mir erfrische
Und die Schmerzen weichen.

Würz'ge Düfte mir umkosen
Zärtlich Stirn und Wangen,
Ist mir doch, als ob die Rosen
Bräutlich mich umfangen.

Ist gewiß darunter Eine
Die mein Mädchen küßte,
Weil den Zauber sonst wohl Keine
Anzuthun mir wüßte!


6.
Belauschend deinen Schlummer möcht' ich gern
Dein Bett umschweben als getreuer Stern:
Beleuchten deinen Traum möcht' ich geheim,
Ins Herz dir legen künft'gen Glückes Keim;
Unsichtbar dir, dich sehen möcht' ich stets,
Dir folgen bis ins Amen des Gebets
Und erst wenn du begehrtest: Lieb' erschein!
Dir naht' ich bittend: laß mich bei dir sein!


7.
Zu segeln früh am Morgen
Hinaus ins weite Meer,
Das Herz von lieben Sorgen
Und Sorgenliebe schwer;

Mit Wind und Wellen streiten
In heißer Leidenschaft
Und endlich heimgeleiten
Gesundheit doch und Kraft:

Dies wär des Trugs, der Mühe
Des Erdenlebens wert -
Des Herzens gold'ne Frühe
Kein ander Heil begehrt.


8.
Das Tagewerk beginnt, das Traumgebild zerrinnt:
Nun heißt's besonnen sein, hinweg Gedankenwein!
Hinweg Empfindungbrot, herbei Vernunftgebot!
Wie klug die Feder prahlt und wie sie Ziffern malt,
Sie malt, so wahr ich sterb', Erwerb, Erwerb, Erwerb!
Wie ist die Seele weit von all' der Thätigkeit,
Da gibt's Verzicht und Lohn, doch sie weiß Nichts davon,
Sie flüchtet' längst hinaus und wallt von Haus zu Haus
Bis ihr Asyl sie fand, wo an der Liebe Hand
Die Muse aufersteht und Welten segnen geht.


9.
Von Wolkenflören trüb' und grau
Der Himmel rings so weit ich schau,
Der kalte Wind bläht mein Gewand
Und mir erstarren Herz und Hand.
Ich aber wand're unverzagt,
Voll Hoffnung, daß es endlich tagt,
Daß wenigstens ein kleiner Stern
Mir leuchte wenn auch kühl und fern,
Auf daß ich nicht der Dunkelheit
Des Grabs verfalle vor der Zeit -
Denn noch ist Alles nicht vollbracht,
Was mir die Erde zugedacht
An Leben, Lust und Herrlichkeit,
An Höllenqual und Herzeleid.
Ich fühl' es, daß noch Manches fehlt,
Bis mich zu Tode freut und quält
Der räthselhafte Daseinstraum,
Den ich, als wär' es gestern kaum,
Zu träumen erst begonnen hab'
Und träumen will noch übers Grab.

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 232-237)
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Heimliche Bitte

Vergib, daß ich dich lieben muß!
Bin ich verliebt nicht minder,
So klag' d'rob an nur deinen Kuß;
Hat der mir eingestanden mehr,
Als du gewollt enthüllen,
So kränke dich darum nicht sehr.
Wir ändern nicht der Lieb' Gesetz,
Die Rechte wie die Pflichten,
D'rein wir versponnen, wie im Netz.

Das strickt sich um uns fester nur,
Je mehr wir daran zerren -
So will's der Geist in der Natur.
Und ahn'st du nicht, wer mich's gelehrt
Mit selig schönem Zwingen,
Daß ich, begehrend, ward begehrt?
Du selber bist es: zweifle nicht,
Und laß es dir verkünden:
Durch dich die Gottheit zu mir spricht!
Bedürfniß adelt zum Genuß
Die Harmonie der Seelen -
Vergib, daß ich dich lieben muß!

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 237-238)

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Bekehrung

Des Freiseins götterlosem Wahn
Schreib' ich die Fehde nieder:
Die Zweifel hab' ich abgethan
Und glauben will ich wieder:

An Einen Gott, der leibt und lebt
Im holden Götzenbilde,
Das stets vor meiner Seele schwebt
Allmächtig durch die Milde;

An heilige Dreieinigkeit
Von Liebe, Wein und Liedern,
Die Kirche, welche ohne Streit
Fortlebt in ihren Gliedern -

An einen Himmel endlich gar
Wie glaub' ich endlich gerne
Seitdem ich selbst darinnen war
Im Vollglanz seiner Sterne.

Da ich nun so strenggläubig bin
Muß ich auch selig werden -
Doch geb' ich leicht das Jenseits hin,
Wenn selig schon auf Erden.

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 238-239)

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Minnesprüche

Ihr predigt die Verkündigung,
Des Weltgerichts, o Blendniß!
Ich singe die Entsündigung
Der Welt durch die Erkenntniß.

Auch unsrer Herzen Blume wird ihren Spätherbst seh'n,
Sie wird wie alles Schöne und Herrliche vergeh'n.
Um dies nur zu den Göttern mein heißes Flehen glüht:
Laßt nicht die Lieb' verwelken, bevor sie voll geblüht!

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 239)

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Wunder über Wunder

Einst reizte mich's, die Welt zu seh'n,
Sie wandernd zu durcheilen,
An Einem Ort nun bleib' ich steh'n,
Kann nie genug verweilen.

Einst lechzet' ich nach Ruhm, wie sehr!
Nach wolkenhohen Flügen -
Nun frag' ich nicht nach Beifall mehr,
Kann Einer ich genügen.

Einst kümmerten mich Tag und Nacht
Der Menschheit ew'ge Fehden -
Nun bin ich darauf nur bedacht,
Was mir zwei Augen reden.

Und kurz, einst war ich toll und krank
Nun bin ich froh genesen
Und dieses Wunder ich verdank'
Dem kindlichsten der Wesen.

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 239-240)

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Rosenlied

Die Rose sprach, da sie entfaltet sich:
Warum begehrst du denn allein nur mich?
Sind minder schön die andern Blumen all?
Von ihnen trennt dich ja kein Heckenwall -
Sie blühen, duften, prangen ja gleich mir
Und manche blickt verlangend wohl nach dir!

Ich aber küß' die Rose heißer noch:
Du bist von Allen mir die Schönste doch.
Wenn Andrer Duft und Farbe mich entzückt,
Ein Hauch von dir, o Rose, mich beglückt!
Sonst weiß ich dir zu sagen keinen Grund
Als daß du, Rose! taugst mir gut zu Mund,
Und weil von dir ein Wall mich trennt
Mein Wunsch nur heißer nach dir brennt;
Begehren muß ich dich, weil du mein Heil,
Weil du mir fehlst, von meinem Ich ein Theil!

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 240)

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Seitdem!

Du wandtest mir den Rücken zu
Und ließest mich alleine steh'n
Seitdem bist du mir nicht mehr du
Und ohne Wunsch kann ich dich seh'n.

Seitdem ist's todesstill in mir
Und wahrlich! ich begreif' es kaum,
Daß so viel Glück, das kam von dir,
Hatt' je in meinem Herzen Raum.

Des Tages Schönheit wird mir klar
Seitdem ich leb' in tiefer Nacht -
Nun weiß ich erst, wie reich ich war,
Seit du mich bettelarm gemacht!

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 241)

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Nachtwache

Verrauscht ist alle Lebensflut,
Die laute Stadt im Schlafe ruht.
Empfang mich nun, mein Kämmerlein,
Du ladest mich so traulich ein:
Aus jedem Winkel, jeder Wand
Winkt mir ein Friedensunterpfand,
Ein grüner Zweig, ein Buch, ein Bild,
Beredsam alles, freundlich mild
Zu mir von guter Stunde spricht,
Schon Märchen nur, Gesicht, Gedicht.
Lebendig wird es rings umher
Nicht länger ist die Stube leer.
Mit lieben Menschen füllet sich
Der Raum und Alle grüßen mich
Mit Worten, die nur ich versteh,
Mit Mienen, die auch ich nur seh -
Doch Einer nach dem Andern nimmt
Bald Abschied, ach mein Licht verglimmt.
Ein liebstes Wesen bleibt allein
Will Nächtens mein Genosse sein,
Es schwillt sein holder Wonnemund
Und so vergeht uns Stund um Stund
Vertraulich schmiegt sich Leib an Leib
Und Eines werden Mann und Weib
Zu kurz wird uns die lange Nacht
Und eh' der Morgen auferwacht,
Da hat ein Jedes still beklagt:
Wie viel wir uns noch nicht gesagt!
Ein Sonnenbliz - und es ist Tag.
O, wer das Licht nun lieben mag!
Verscheucht ist alles, Lieb' und Glück,
Die Täuschung schwindet Stück für Stück.
Ich kann's nicht glauben, daß allein
Ich bin im öden Kämmerlein.
Das Fenster öffn' ich und es weht
Zum Garten hin mein Frühgebet:
Bist, Himmel, du erfüllungsleer
Laß mich erwachen nimmermehr!

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 241-242)

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Morgengruß

Fünf Uhr früh, die Sonne im Entfalten,
Vögel jubeln und bethaut der Garten prangt
Fernes Lieb! Dich mag umfangen halten
Sanfter Schlaf, indeß mein Herze wachend bangt.

An dein Lager tritt die Mutter lauschend
Deinem Athemzug im jüngsten Morgentraum.
Käm doch ich, mit ihr die Stelle tauschend,
Dein Erwachen ich erwartet' länger kaum!


Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 244)

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Was fehlt

Sie bat mich, an sie zu glauben,
An ihre Liebe so rein -
Versprach mir gebratene Tauben
Und alten feurigen Wein.

Ich habe mich eingefunden
Der Liebsten zu Lieb und Trost,
Erklärte ihr unumwunden:
"Mein Kind! sehr gut ist die Kost.

Malerisch braun ist der Braten,
Der Wein ist gesund und echt,
Die Torte ist köstlich geraten
Und auch der Kaffee ist nicht schlecht.

Du hältst, was du versprochen
In Fleisch und Mehl und Schmalz -
An Einem nur hat es gebrochen:
Am edlen attischen Salz."


Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 244-245)

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Segensverkündigung

Verstand ich recht?
War's nicht mein selbstisch Herz,
Das mir der Täuschung bösen Scherz
Anzauberte? O bitte, sprecht
Ihr Lippen, sonst so wonnereich
Und macht mich sel'gen Göttern gleich
Mit Einem Wort!
Sie öffnen sich, doch sprechen nicht
Sie lächeln nur - und Morgenlicht
Umzittert den geweihten Ort
Mit der Verheißung sanfter Glut -
Ich weiß genug und nun ist's gut.
Dir aber muß,
Du holde Segenspenderin,
Die Ahnung beben durch den Sinn,
Daß mein du wirst in diesem Kuß,
Der in dich nahm
Hinüber ganz die Seele mein,
Indeß, wie könnt es anders sein,
Die deine mir entgegenkam!

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 245-246)

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Briefe

1.
Verwische mit der Thräne
Des Freundes Brief und Siegel,
Doch nicht zu schließen wähne
Der Schmerzerinn'rung Riegel.

Ich wecke dich und schleiche
Auch fern in deine Seele,
Ich weiß, daß in dem Reiche
Mein Platz mir niemals fehle.

Wohl hemm' ich nicht dein Jagen
Nach deinem Ideale -
Denn du ersehnst das Tagen
Im hellsten Sonnenstrale.

Doch weiß ich, was uns bindet
Mit liebemilden Ketten,
Was Jeder von uns findet
An heil'ger Vorzeit Stätten:

Dort treffen wir uns wieder
Zu manchen bangen Zeiten
Im Schall bekannter Lieder
Aus mondbeglänzten Weiten.


2.
Ich möchte dich umgeben mit aller Herrlichkeit,
Womit das Erdenleben sich schmükt zur Blütezeit;
Ich möchte dir verwandeln in Wonne jede Pein,
Die unscheinbar verstolen sich schleichet bei dir ein:
Ich möchte rauhe Pfade dir ebnen lind und weich.
Dir zaubern jede Stunde an Segenswundern reich
Und doch! wenn ich's vermöchte, was frommte Alles dir?
Kann ich dich nicht befreien vom schlimmsten Gast, von mir;
Kann ich den Bann nicht lösen, der lähmt den frohen Mut
Und der auf unsern Seelen wie ein Verhängniß ruht.
Geduld! Auch dies will reifen, es reift, eh' wir's gedacht,
Vielleicht nur allzuschnelle, schon morgen, über Nacht.
Mir graut vor dem, was folget, wenn gestern nicht mehr heut
Wenn Keines von uns Beiden sich mehr auf Morgen freut.
Uns wäre dann wohl besser, wir blieben unerweckt
Im nächsten Morgenrote vom ew'gen Mohn bedeckt.

Aus: Freudvoll & Leidvoll Neue Gedichte
von Ludwig Foglar
Leipzig Verlag von Heinrich Matthes 1867 (S. 246-248)

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Wallfahrt

Zu einem Grabe einsam und fern
Mach' ich die Wallfahrt oft und gern,
Es ist dort ein Liebchen begraben.
Ein schönes Liebchen, nur jammerschad',
Die reizende Schöne, ein Bild ohne Gnad',
Gar niemals umschlungen zu haben!
Doch lieb' ich die Schöne, denn schön war sie doch,
Ich seh' sie - in manchen Träumen noch,
Und kann sie auch nimmer vergessen!
Was würd' es mir nützen, wenn sie noch lebt',
Wie sehr ich auch brünstig ihr nachgestrebt,
Ich hätte sie dennoch niemals besessen;
Denn ach! die hier schlummert, die ich schier
Mit eigenen Händen begraben hier -
Das war - von Welt und Leben
Mein Ideal - nur eben!

Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 9)

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Minnelied

Vergelt' Dir's Gott viel tausendmal,
Du wunderholdes Kind!
Du führst mich über Berg und Thal,
Weil ich vor Liebe blind.

Und sagst Du auch: Es rauscht der Bach,
Es singt die Nachtigall!
So sprech' ich Dir's wohl fleißig nach,
Doch hör' nichts von dem All'.

Ich höre, was Du redest nur
Und bin vor Liebe taub -
Und folg' ich blindlings Deiner Spur,
Ist's, weil ich an Dich glaub'!

D'rum führe mich, und so ist's gut,
Wie Du es willst und magst -
Sobald Du nur mit Leib und Blut
Dich all' mein eigen sagst.

Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 42)

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So voll von Dir

Als ich nach Dir begehrte
In heißer Jugendhast,
Kannt' ich von Deinem Werthe
Kaum noch die Hälfte fast.

Und als ich Dich besessen,
Kam Glückes Uebermaß -
Wie konnt' ich da ermessen,
Was ich an Dir besaß?

Erst jetzt, wo ich beginne
Ganz zu erkennen Dich
Und wo ich mich besinne,
Wie wenig ich Dir glich,

Bin Deiner Liebeswonne
So voll ich, holde Frau!
Wie von der Morgensonne
Der reinste Tropfen Thau.

Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 43)

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Flitterwochen

Es soll nur gleich auf Reisen geh'n
Ein neuvermältes Paar,
Ihm muß die Welt ja offen steh'n
Verklärt und wunderbar.

Beglückte Lieb', ein rosig Kind
Macht grünen, was noch kahl
Und, für die düstern Schatten blind,
Sieht sie nur Schmuck und Strahl.

Die Fremde schaut sie heiter an
In absichtloser Lust -
Verbunden werden Weib und Mann,
Natur, an deiner Brust!

Und weil sie beide, selig mild,
Ausströmen Freudigkeit -
So nehmen sie ein lachend Bild
Vom All' für alle Zeit.

Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 44)

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Hochzeit

Es brechen die jungen Keime
Hervor aus Erstarrung und Nacht
Und junge Lieder und Reime
Entquillen des Herzens Schacht.

Aufathmet zu freudigem Leben
Der Leib und die Seele zugleich:
Es ist ein Wiegen und Schweben
Durch ein verzaubertes Reich.

Die Erde bebet vor Wonne,
Es naht ja liebevoll traut,
Verkündet vom Herolde: Sonne,
Der Bräutigam Lenz seiner Braut.

Wir aber betrachten die Beiden
In dankbeseligter Ruh';
Denn all' ihr Glück und Leiden
Durchleben ja ich und Du!


Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 46)

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Auch ein Freiheitslied

Du hast all' mein Denken und Sinnen
Gefangen so ganz und gar:
Ich weiß nicht, wie es beginnen,
Um selber zu werden mir klar.

Du herrschest im Träumen und Wachen
Mir in der Brust unbedingt -
Und das Gewirr' Aller Sprachen
Melodisch Dein Name durchklingt.

So möcht' ich bald jubeln, bald klagen,
Daß all' meine Selbstheit erliegt -
Und will meine Ketten nicht tragen
Und bin doch so gerne besiegt!

Sie werden beim Worte mich fassen,
Das ich beschworen als Mann -
Den Freiheitskampf muß ich lassen,
Wenn Dich ich lieb', o Tyrann!

Doch werden sie bald mich beneiden,
Wenn ich sie darüber belehr':
Wie süß diese Herrschaft uns Beiden
Und wie das Alleinsein so schwer!

O gib mir mein Sinnen und Denken
Ja nimmer und nimmer zurück -
Du darfst mir die Freiheit nicht schenken,
Willst Du nicht verschenken mein Glück!

Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 50-51)

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Sonnenblicke

Die Sonne blinkt so freundlich
In's trauliche Gemach
Und ruft in unsern Herzen
Des Dankes Lerchen wach.

Da regt sich und belebt sich
Rings um uns Alles bald:
Wie mit den hundert Stimmen
Ein morgenrother Wald.

Und doch - in diesem Raume
Lebt nichts - als wir allein
Umglänzt von uns'rem Schutzgeist,
Dem gold'nen Sonnenschein.

Wie froh, wie reich, wie selig
Macht warmer Maientag,
Wenn ihm entgegenharret
Der Liebe Herzensschlag!

Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 52)

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Die Uhr

Von Sammt und Seide ist Dein Kleid,
Du trägst viel köstliches Geschmeid',
Du Lieblichste der Frauen!
In Einem nur bist Du zurück,
Ja, Eines fehlt - zu Deinem Glück,
Ist nicht an Dir zu schauen;

Indeß der Mann, der nach der Zeit
Mißt selber die Glückseligkeit,
Wird stets es haben müssen:
Das ist der schönsten Freude Spur:
Du trägst und - brauchst auch keine - Uhr,
Kommst doch zurecht - zum Küssen!

Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 53)

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Eine Pause

Der Abend versprühte die letzten Rosen,
Die Nachtigall schmetterte durch den Hain,
Da kam unter zärtlichem Flüstern und Kosen
Ein Menschenpaar gewandelt herein.

Der Jüngling küßte die Wonnethränen
Vom Auge der bangen Jungfrau fort -
Es war wohl eine von jenen Scenen,
Für welche zu arm ist jedes Wort!

Das mocht' auch vielleicht die Nachtigall meinen;
Denn plötzlich war verstummt ihr Gesang -
Allein es währte die Pause der Reinen,
Verschämten - nicht allzulang!


Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 61)

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Der alte Spielmann

Dort sitzt er vor dem Thore
Der alten Kaiserstadt,
Der Bettler mit der Orgel,
Die Hand vom Drehen matt.

Noch wie vor zwanzig Jahren
Dreht er das alte Lied:
Für ihn - an Lied und Leben
Gab's keinen Unterschied.

Er saß an selber Stelle
Und werkelte sein Brod,
Als ich vorüber stürmte
Im Jugendmorgenroth.

Vor ihm am Arm der Liebsten
Ich oftmal stille stand,
Vor diesem blinden Zeugen
Wir drückten uns die Hand,

Und hatten ihm die Gabe
Wohl dreifach heut' gebracht
Und schritten selig weiter
Durch Wintersturm und Nacht.

So hat der alte Spielmann
Sich selber unbewußt
Durchlebt mit uns gemeinsam
Ein Stück voll Liebeslust.

Ehrwürdig ist das Unglück,
Das stille Duldung lehrt -
Uns ist der blinde Bettler
Wohl zehnfach lieb und werth.

Die alten Melodien
Aus dem verstimmten Schrein
Sind Sphärenharmonien
Wohl nur für uns allein -

Und sitzt er eines Morgens
Nicht mehr an jenem Thor,
Ist's als ob den Vertrauten
Ein Liebespaar verlor.

Wenn an der leeren Stelle
Wir dann vorübergeh'n,
Wird seliges Erinnern
Die alte Orgel dreh'n.

Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 67-68)

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Minnedienst

Zu Meißen an der Elbe hochrauschte Sang und Klang,
Ringsum das Volk frohlockte - denn es war Kirmesgang.
An Kampfspiel und an Tänzen die Jugend sich erfreut,
Indeß das reif're Alter den Künstlern Kränze beut.
Dort sich in stiller Laube, am grünen Bergesrand
Ein Paar echt deutscher Männer vergnügt zusammenfand:
Zwei Schüler jenes Dichters, des Heinrich Frauenlob -
Indeß um sie die Dämm'rung schon duft'ge Schleier wob.
Sie streiten, wer von Beiden in Worten und in That
Dem Minnedienst der Frauen zumeist gehuldigt hat.
Der Eine sagt, er wand're zu Fuß viel Meilen weit,
Um einen Blick zu haschen nur in Verborgenheit.
Der And're meint, er singe der Herrin Lob und Preis,
Daß alle Welt von ihrer Schönheit und Tugend weiß.
Der Erste meint, er sehe ihr Bild sogar - im Wein
Und wünsche sich, der Kuchen, den sie verzehrt, zu sein.
Der Zweite sagt, für Frauen er manche Lanze brach
Und seine Liebesreime - die zält ihm Niemand nach.
Der Erste meint, er minne die Herrin sein so sehr,
Daß auf der Stell' er tränke - ihr laues Fußbad leer.
Der Zweite wird zum Priester des Götzendienstes gar
Und bringet ihr als Opfer - sein blutend' Herze dar!
Indeß sie nun so stritten, von Wein und Wortkampf warm,
Kam frisch hereingeschritten mit ernst verschränktem Arm
Ihr vielgeehrter Meister, Herr Heinrich Frauenlob -
Sie füllten ihm den Becher, den er begeistert hob:
Ihr Freunde, sprach er heiter, wohl ist es recht und Fug
Daß Ihr die Frauen lobet, doch ist das nicht genug -
Ihr müßt auch also leben und also streben gern,
Daß Euch die Frauen loben - Euch huld'gen nah und fern!
Denn dieses ist der echte, der rechte Frauenlob,
Den selbst das Lob der Frauen laut freudevoll erhob!
Die Schüler und der Meister verstanden sich sogleich
Und wirklich ward ihr Leben an schönstem Lohne reich.
Wir aber wohl beherz'gen die Lehre ungetrübt,
Die uns das Mittelalter mit dieser Fabel gibt:
Auch wir denn wollen leben und also streben heiß,
Daß uns die Frauen loben - und wenn auch nur ganz leis'.

Aus: Still und Bewegt
Neuere Gedichte von Ludwig Foglar
Prag Carl Bellmann's Verlag 1859 (S. 167-168)

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Ständchen

Schau! es röthen sich die Hügel
Und der Tag geht still davon,
Mit des Abends leisem Flügel
Laura! naht dein Sänger schon.

Alle Sterne kehren wieder,
Alles flüstert Liebgesang.
Zaudre nicht, und steige nieder,
Zieh' mit mir das Thal entlang.

Ob auch alle Menschen feindlich
Uns'rer Liebe, still erglüht,
Zaud're nicht, und schlinge freundlich
Küsse in mein Abendlied.

Alle Leiden, alle Thränen
Sterben in dem süßen Schmerz;
Zaud're nicht! dein göttlich Sehnen
Auszuströmen in mein Herz.

Schau! des Mondes Blicke leuchten
Durch die wundervolle Nacht,
Laß dein sanftes Auge leuchten,
Laura! komm! dein Sänger wacht.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841
(S. 15)
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Hirten-Lied

Wenn ich oft still am Hügel saß,
Da wünscht' ich mir wohl dies und das,
Und dacht', ob mir bei Glanz und Ehre
Nicht doch um Vieles besser wäre?
Da mocht' ich gern ein König sein,
Und nennte viele Länder mein! -
Doch eben sah ich hin zur Erde -
Wie friedlich lag da meine Heerde!
Ich fragte, ob so froh und frei,
Wie mein's, des Königs Leben sei?

Doch wollt' ich einem Helden gleich,
Im Siege zieh'n durch Stadt und Reich! -
Da fiel mein Blick zur kahlen Zinne
Der sagendüstern Burgruine,
Da ward wohl manches tapfre Schwert
Im Kerkergrab von Rost verzehrt!
Ich nahm den Stab von meiner Seiten,
Vergaß darob die Herrlichkeiten,
Und fragte, ob so froh und frei,
Wie mein, des Helden Loos wohl sei?

Ich bin der Freiheit munterer Sohn,
Und ihr Gesang ist meine Lehre,
Der Myrtenzweig ist meine Kron',
Und mein Gebet ist meine Ehre.
Das Thal, das ist mein Königthum,
Der Hügel ist mein Herrscherthron,
Die Liebe ist mein Heldenthum -
Mein Siegtriumph - ihr süßer Lohn!


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 36-37)

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Vom See

a.
Ich kam von nebelgrauer Höh'
Herab zum morgenkühlen See,
Am grünen Waldgehege
Ward's tausendstimmig rege,
Es glüht der Hain, die Segel winkt,
Die blaue Welle lustig blinkt -
Nur ich mit meinem Leide,
Stand traurig in der Freude.

Und frag' ich mich, warum so still!
Ich selber mir's verhehlen will:
"Trägt mich der Kahn hinüber,
Bringt er mich je herüber?"


b.
Nichts seh' ich mehr, nichts hör' ich mehr,
Als Himmel nur und Wogen,
Ein blauer Rand nur ferneher
Scheint gränzend umgezogen.

Und ohne Weil und ohne Ruh,
Wogt auf und ab die Welle,
Und wogt in Ewigkeit so zu
Und findet keine Stelle.

Und nicht ihr Ziel, und nicht ihr Land,
Und nicht die klare Quelle,
Die sie in's Weite ausgesandt
O arme Lebenswelle!


c.
So endlos und so hehr und groß,
Wie jetzt der See vor meinem Blick;
So liegt mein Lieben namenlos,
Vor Dir in jedem Augenblick.

Da ist kein Ende, kein Beginn,
Und nimmer Ruh, und nimmer Rast,
Und niemals weiß ich, wo mein Sinn
Von Dir im Leben ward erfaßt.

Wie dort die dunkelrothe Flut
Dem Himmel in die Arme fließt,
Und märchenhaft die Abendglut
Sich dürstend in die Wogen gießt.

So sinkt mein Herz dem Deinen nach,
Mein Lieben ist begränz't in Dir;
So sinkt Dein Herz dem meinen nach,
Und findet wieder sich in mir!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 67-69)

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Wie so schön! als noch an Deiner Seite
Wunsch und Streben in mir stille stand,
Als noch Du mein einziges Geleite,
Und mein Führer Deine liebe Hand.

Ach so wards seitdem mir niemals wieder,
Wo ich fern von Dir mich hab' verweilt
Denn es hat mich üb'rall immer wieder
Lautes Sehnsuchtsweh nach Dir ereilt.

Alle Wege, die mich Dir entführen
Klage ich ob meinen Leiden an,
Und mir ist, als müßt' ich Dich verlieren,
Noch einmal auf jeder neuen Bahn.

Nimmer ward ich froh des Wechsellebens,
Das im Wandern öfter mich erfreut,
Alles fand ich, nur sucht' ich vergebens
Deine Hand, dein liebendes Geleit!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 70)

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Nimm hin das Blatt,
Das ich dir sende,
An meiner Statt
In deine Hände,
Und denk dabei
Daß ich es sei,
Und hör' es an
Bei seinen Fragen,
Und sieh' es an
Bei seinen Klagen,
Und denk' dabei,
Daß ich es sei.
Und bringt es Gruß
Und Liebeskunde
Bring' es im Kuß,
Zu Deinem Munde,
Und denk' dabei
Daß ich es sei!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 71-72)

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Mit dir, bei Dir blieb wol zurück
Ein Theil von meinem Leben,
Doch ich beklag nur mein Geschick, -
Und habe dir vergeben.

Du denkst vielleicht nicht mehr die Zeit,
Die dich an mich gegeben
Doch ich gedenk' in Ewigkeit -
Und habe dir vergeben.

Du findest wohl die Plätzchen kaum,
Die noch von Liedern beben,
Ich finde sie in jedem Traum -
Und habe Dir vergeben.

Mein Bild ging dir wol längst vorbey
Wie leichter Wolken Schweben, -
Doch ich war deinem hold und treu, -
Und habe dir vergeben.

Einst findest Du den Hügel nicht,
Der sich ob mir wird heben,
Du wendest stumm dein Angesicht -
Und ich hab' Dir vergeben.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 73)

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Wo find ich dich, mein Herz?
Seit dem du jüngst so tief empfunden,
Hab' ich dich selbst noch nicht gefunden;
Sinnst du dem Lenze nach?

Sinnst nicht dem Lenze nach,
Der ist dir ach! gar bald genommen,
Wer weiß, ob er wird wiederkommen?
Bist bei den Blumen wol?

Auch bei den Blumen nicht!
Die dauern andern Himmelsstrichen,
Den Deinen sind sie bald verblichen.
Horchst du dem Quellenspiel?

Horchst du dem Quellenspiel,
Denn in den klaren Wasserscheiben
Mitunter falbe Blätter treiben.
Entzückt dich Musenklang?

Nein auch nicht Musenklang!
Die lassen ja nur im Vertrauen
Und kurze Stunden sich beschauen;
So bist du denn bei ihr?

Ja wol, du bist bei ihr!
Was frag ich doch? Auf welchen Wegen,
Käm' ich umsonst nicht dir entgegen?
Da find' ich dich, mein Herz!


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 78-79)

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O sähest Du das Herz mir bluten,
Daß ich so lange fern Dir war,
Es wurden Stunden die Minuten,
Die Stunde - ach! sie ward zum Jahr.

Den Blumen fehlten Farb' und Düfte,
Der Wald war todt, das Thal war leer,
Und lautlos die durchschwärmten Lüfte,
Kein Liebchen klang mir freundlich mehr.

Ich möcht' es weiter Dir erzählen,
Wie mir so weh' - als fern ich Dir,
Doch will die Thrän' sich leise stehlen,
Aus meinem bangen Blick herfür.

Da werd' ich stumm bei dieser Sprache,
Sie redet gar zu deutlich schon,
Sagt sie doch Alles, - diese Sprache,
Ob ihr auch fehlt der schwächste Ton.

Und dieser zarte Schmerzensbote,
Der mehr enthüllt, als Schrift und Wort,
Der meinem tiefsten Leben drohte,
Hat ach! so oft mein Aug' umflort.

O laß das Herz nicht wieder bluten,
Sey ihm nicht fern, wie einst es war.
Dann werden Stunden zu Minuten,
Und eine Stunde wird das Jahr.

Dann hat die Blume Glanz und Düfte,
Und Wald und Thale sind nicht leer,
Und Jubel schallt mir durch die Lüfte,
Die Lust verstummt mir nimmermehr.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 79-80)

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Ob jetzt mein Fuß recht munter schreitet,
Ob er dahin ermüdet schleicht,
Ob er von Dir, zu Dir geleitet,
Er hat Dich nie erreicht.

Und weil Dir nichts von allen andern
Belebten Erdenwesen gleicht,
So starb die Zuversicht im Wandern,
Und hat Dich nie erreicht.

Von all' den Boten, die ich sandte,
Kam Einer nahe Dir vielleicht,
Doch weil auch er sich wieder wandte,
Hat er Dich nicht erreicht.

Es ist das Lied das ich vermeine,
Das nie von meiner Sehnsucht schweigt,
Doch kam auch dieß zurück - alleine,
Und hat Dich nicht erreicht.

Es muß ein Flor sich um Dich senken,
Weil selbst im Traum Dir Alles weicht,
Und so hat nur mein stilles Denken,
Gar einzig Dich erreicht.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 80-81)

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Einigung

Ewig verschlungen
Also mit Dir,
Seelendurchdrungen
In Dich zu flieh'n.

Sterbend zu hangen
Noch an dem Blick,
Ha! welch Verlangen
Glühet im Kuß!

Dürstend und nimmer,
Nimmer gestillt,
Sehnend und nimmer,
Nimmer erfüllt!

Wie sich die Wellen
Jagen im Fluß,
Thränen vom Himmel,
Strömen im Kuß!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 81-82)

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Was ich singe

Als ich ihm näher war getreten,
Dem Lebensbild, so schön und reich,
Da riß mich's hin zum stummen Beten,
Zum andachtsvollen Sinnen gleich.

Und das Gebet, das ward zum Liede,
So wardsr Du, Gott, mein erstes Lied,
D'rum werd' ich nie des Preisens müde
Weil Du doch warst - mein erstes Lied.

Ich trat hinaus, es dort zu singen,
Zur üppig grünen Blumenflur,
Da klang es, statt nur Dir zu klingen,
Gleich Deiner Tochter, der Natur!

Und weiter ging ich leicht umdüstert,
Und blickt' zuweilen himmelwärts,
Und nun, als käm's von dort geflüstert,
Nun sang ich meiner Liebe Schmerz.

Da sang ich sie, sing' sie nur immer,
Die Seele einhaucht jedem Ton -
Dem Dunklen - Licht, dem Lichten - Schimmer,
Und meinem Herzen - süßen Lohn.

Und inniger ist noch mein Beten,
Das Gott ich bring' auf grüner Flur,
Bin liebend näher ihm getreten, -
Mein Lieben ist ja Andacht nur!


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 82-83)

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Begegnung

Der Wanderer geht betrübt vorbei,
An seiner Liebsten Haus;
Am Pförtchen harrt sie bang und treu,
Winkt Liebesgruß hinaus:

"Leb' wohl! wann kehrst du wieder heim?
Aus weiter weiter Fern'?
Wie ging ich doch mit Dir so gern!
Wär' überall bei Dir daheim!"

""Wenn's wieder blumig wird im Hain,
Das Nebelgrau zerstiebt,
Und Alles blüht und Alles liebt,
Dann bin, will's Gott, ich wieder Dein!""

Sie sinkt ihm an die treue Brust,
Die Thrän' erstickt im Kuß,
Doch denkt im Taumel er der Lust,
Daß er an's Scheiden muß.

""Und sei der Küsse Letzter dieß,
Im Herzen bleibst Du mir;
Ich Dir, Du mir, ich Dir!
Und sei der Küsse Letzter dieß!""


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 89)

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Aus der Ferne

Wann denkst Du mein?
Wenn wunderherrlich aufgeblüht,
Im reichsten Frühlingsglanz,
Die Erde Dir entgegenglüht?

Wann denkst Du mein?
So oft ein wehmuthsvolles Lied,
Durch frohen Stundentanz,
Mit Sturmesmacht zu Dir hinzieht?

Denkst Du wohl mein?
Wenn laute Freude Dich umschließt?
Wenn Jubelharmonie
Beglückend auf Dich niederfließt?

Wann denkst Du mein?
Am frühen Tag, in später Nacht,
Schließt sich Dein Auge nie?
Bevor Dein Herz an mich gedacht?


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 90)

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Echo

Oft tönt mein Lied von Felsenknauf
In's stille Thal hinein,
Dann blick ich froh zum Himmel auf,
Und denke wieder dein!
Und sing von Lieb' und Jugendlust,
Wie's eben lebt in meiner Brust.

Die Berge frag ich: liebt sie mich?
Das Echo hallet: - Dich,
Und weiter frag' ich: Denkt sie mein?
Das Echo hallet: Dein.
Doch wüßt' ich schönres Echo mir,
Wär' ich selbander dort bei dir.

Wird mir ein Laut von Liebe wach,
Der freudig mich erhebt -
Tönt's hell in Deinem Herzen nach
Viel tausendfach belebt,
Und was ich oft so rein empfunden,
Bei dir hatt' ich's zuerst gefunden.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 93-94)

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Ferne Nähe

Ich bin Dir nah, ich bin bei Dir!
Ob es auch Berg und Strom verneinen,
Die scheidend zwischen uns sich drängen;
Mein Wunsch will sich an Luft und Welle hängen,
Um Dir im Lied sich zu vereinen.

Ich bin Dir nah, ich bin bei Dir!
In Sturmesflucht, auf Wetterschwingen,
Nach Ost und West und Nord und Süden,
Folgt Dir mein Geist, kann nie ermüden,
Er muß zu Dir im Liede dringen. -

Ich bin Dir nah', ich bin bei Dir!
Wo Zeit und Raum zu Nichts zerstieben!
Die Trennungswand, sie wird zur Brücke,
Worüber des Gedankens Blicke,
Mein Sehnen tragen und mein Lieben!


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 115)

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Eindruck

Mit dem Stab' will Einen Namen,
Ich mir zeichnen in den Schnee;
Denn erblick ich Ihren Namen,
Träum' ich mich in Ihrer Näh'!

Doch da stürzen Wetterflüge,
Ueber's kahle Feld daher,
Und verweh'n die theuren Züge,
In dem weißen Flockenmeer -

Zeichne Ihren Namen wieder
In die glatte Fläche ein -
Doch da thaut der Lenz hernieder,
Schmilzt den Schnee vom Namen rein.

Aber will in's Herz mir schreiben
Ihren Namen süß und lieb -
Dort wird er wohl stehen bleiben
Wo er schon so lange blieb?


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 118)

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Letzte Heimkehr

Wieder stand ich an der Pforte
Und sie ward mir aufgethan;
Denn ich frug mit fleh'ndem Worte
Mich um die Verlassne an.

Doch der Garten und die Laube
Standen kahl und wie versteint,
Hie und da hing eine Traube,
Wie ein Thränchen hingeweint.

Traurig stand die kleine Hütte
Wie ein Eremitengrab,
Und um seines Daches Mitte
Wallt Cypressenlaub hinab.

Wilde Blumen an den Wänden,
Streckten aus die welke Hand,
An der Zweige fahlen Enden
Hing des Herbstes Florgewand.

Fremde Stimmen, fremde Mienen,
Forschten nicht mein Sehnen aus;
Denn das Haus stand wie Ruinen,
Seit die Liebste zog hinaus!

Nimmer will ich wiederkehren,
Nur nach Ihren Pfaden späh'n,
Und mein Hoffen einzig nähren
Am entzückten Wiederseh'n.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 143-144)

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An Sie!

Laß Dir entgegen mich immerdar flieh'n,
Dir, o Liebe! laß mich begegnen!
Und, in der Du mir nahtest, die Stunde
Jene Stunde will ich mir segnen.

Dich will ich singen, Dir will ich glüh'n,
Weil Du erweckt mich und mich erhoben.
Stets in mein Lied, wie ernst es auch töne,
Sei mir auch Du, o Liebe! gewoben.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 149)

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Aus!

Aus, ihr Schmerzen!
Aus, und nimmermehr getrübt
Mir den Sommertag im Herzen,
Aus ihr Schmerzen! denn ich bin geliebt.

Fort ihr Thränen!
Mir vom tiefen Leid erpreßt,
Die vom ungestillten Sehnen
Meinen frohen Blick genäßt.

Fort, du Bangen!
Das mich gleich dem schwanken Rohr
Zittern machte im Verlangen.
Fort! aus meiner freud'gen Brust hervor!

Fort! du Wehmuth,
Die so brünstig mich umfing,
Wenn ich mit des Zweifels Demuth
Einsam durch die jungen Fluren ging.

Aus, ihr Schmerzen!
Die so mächtig ihr getrübt
Mir den Frühlingstag im Herzen.
Aus, ihr Schmerzen! denn ich bin geliebt!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 149-150)

_____



Wunsch

Daß ich Dir's sagen könnte
Umfassend, wahr und klar,
Was mich in Deiner Nähe
Durchbebt so wunderbar.

Ich möchte mich vergleichen
Mit einem Saitenspiel,
Durch das ein Engel hauchet
Ein namenlos Gefühl.

Es schwindet, wie vergessen
Mein ganzes Dasein hin,
Um herrlich zu erstehen
Aus diesem Erdruin.

Dann dünkt mich, ich gehöre
In eine and're Welt,
Und Du wärst zum Geleite
Allein mir beigesellt.

Dann möcht' ich zu Dir reden,
Und Alles Dir vertrau'n,
Und kann doch nichts, als schweigen -
Und Dir in's Antlitz schau'n.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 150-151)

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Erkennen

Als Dich mein Auge fand
Im ersten Lenz des Lebens,
Als Dich mein Herz erkannt,
Du Preisbild meines Strebens,
Da ward der ahnungsschwere Traum mir klar,
Ich sah - und war Dein Eigen ganz und gar.

Jetzt wußt ich endlich mir zu deuten
Der treuen Schwalbe Wiederkehr,
Ihr sehnsuchtmüdes Flügelspreiten
Wenn übers Meer sie schwebt daher.
Die fremden Lüfte Leid ihr schufen -
Und heim hat Liebe sie gerufen.

Und weil es Dir nicht schwer
Solch Lieben zu erwidern,
Gab's traulichen Verkehr
In gleichgehaltnen Liedern.
Was ich gefühlt, es blieb nicht ungenannt!
Als Dich mein Auge fand, hat Dich mein Herz erkannt.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 153)

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Besorgniß

So hättest Du so bald vergessen?
Und blieb es Deinem Herzen fremd?
Wie mein Entzücken unermessen,
Der Strom der Freude ungehemmt,
Mein tiefstes Fühlen unnennbar,
Wie selbst ein Kind der Lust ich war:

Als Du, es traulich zu gestehen,
Im frommen Sinne nicht verschmäht,
Daß Du's erwidernd angesehen,
Was stummberedt mein Auge fleht,
Daß mein' und Deiner Seele Flammen
In Eine Lohe flieh'n zusammen.

Hast Du vergeßen? wie entrungen
Der Sinne leeren Wahngebild
Sich meine Seele aufgeschwungen
Zu Deiner Liebe himmlisch mild?
Vergißt Du, wie von Dir durchgeistet,
Ich, Deiner Würd'ges nur geleistet?

Es glich mein Dasein, mild verworren,
Des Wand'rers Tritt im Wüstensand,
Da geht die tiefste Spur verloren,
Wenn d'rüber streift des Sturmes Hand.
Wohin? wohin? wer mag's erklären?
Wem sollt' ich damals angehören?

Doch als nun Du mir winkst von Weiten,
Da blieb nicht länger ohne Spur
Mein unermüdlich Weiterschreiten,
Ich lebt' für Dich und um Dich nur.
Du warst mein Lied, mein Wiederkehren,
Mein Ziel, mein Wollen, mein Begehren!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 153-155)

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Vergänglich

Ich kann ihn kaum gewahren
Des Glückes flücht'gen Glanz,
Der Freuden wunderbaren
Halb aufgelös'ten Kranz.

Denn mit der Abendsonne
Von Purpurgold umglüht,
Die kurzgeträumte Wonne
Der Wolke gleich, entflieht.

Die herbe Trennungs-Zähre
Aus Deinem Aug' geweint -
Und dort im Sonnenmeere
Die Wolke, roth  bescheint.

Die sind so nah Verwandte,
Und Wehmuth heißt ihr Band,
Nur die, dort ungenannte
In mir schon Sprache fand.

Im innigsten Verlangen,
In Liebeslenzbeginn
Im traulichsten Umfangen
Flieht schon die Stunde hin.

Und wie von theuren Lieben
Ein letztes "Lebewohl" -
Ist eines mir geblieben!
Erinn'rung, leidenvoll.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 155-156)

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Gemeinsam

Mit Dir mich fort empor zu ringen
Aus diesem leeren Leben,
Wie sich zwei Palmen fest umschlingen
Mit immergrünen Reben.

Die Kronen frei emporgehoben -
Den Fuß im dürren Sande,
Den Blätterschmuck von Licht umwoben,
Die Wurzel tief im Lande.

So möcht ich sie mit Dir verträumen
Die kurzen Blütentage.
Nichts blieb von uns in diesen Räumen
Als eine Liebessage.

Für Dich, die göttlichsten der Triebe,
Und Dich nur stets im Munde,
Mit Dir vom ersten Keim der Liebe
Bis zur Verklärungsstunde!

Das Leiden mir, nur mir allein,
Und Dir des Serafs Freude!
Entzücken Dir, so oft ich weine -
Doch Liebe - für uns beide.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 157-158)

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Gruß

Du zartes Bild des Friedens, das mich grüßte,
Als ich mit meinem Selbst im Kampfe lag,
Das mir die Klage weg von meinem Munde küßte,
Und Zweifelsnacht erhellt zum Glaubenstag.

Von Deinem reinsten Strahl emporgehalten
Drängt freier noch mein Blick dem Lichte zu.
Von Dir geschirmt vor irdischen Gewalten
Umzaubert mich des Himmels Seelenruh'!

Dich bringen stets mir wieder die Gedanken,
Und jeder Morgen bringt Dich glanzerneut,
Dann flieht mein Geist mit Dir aus allen Schranken,
Und seine Fesseln sinken, fluchtverstreut.

Mir ahnt, als wär es dann erst nicht vergebens,
Daß ich in Dir mich fand, Du Dich in mir.
Mir ahnt im Lebensend', Beginn des Lebens,
Denn was verlischt in mir, flammt fort in Dir.

Mein Lieben lebt und weiß von keinem Ende,
Noch aus dem Schutt der Welten flammt es fort,
Und wenn es dann auch noch vereinsamt stände -
Es wüßte wohl Dich aufzufinden - dort.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 158-159)

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Herbstviolen

1.
Blumen, Zweige, kann ich nicht mehr spenden,
Alle, die mir sproßten, sind verwelkt,
Doch will ich Dir eine And're spenden
Die im Leben nimmermehr wird enden -
Meiner Liebe zarte Herzensblüte.

Willst Du sie mit schonungsvollen Händen
Brechen von dem Zweig, zu Dir geneigt?
Fremde Strahlen könnten leicht sie blenden
Darum will sie nur zu Dir sich wenden,
Und stirbt nur mit Deinem Leben ab.


2.
Arme Sprache! die's nicht voll kann reden,
Was ich für Dich fühl' in heißer Brust,
Scheu und kraftlos drängt das Wort zurück,
Kann nicht künden, was mir tiefbewußt.

Auch die Blumen trauern, halbentblättert,
Und verduften ungekanntes Weh',
Keiner fragt, was sie geblüht, geduftet,
Ist er nur entzückt von ihrer Näh'.

Und die Nachtigall in weichen Liedern
Klagt mir leise nach des Schmerzes Ruf,
Doch kein Wort, kein Sang kann es zergliedern,
Was mir klar bewußt
In der tiefen Brust!


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 159-160)

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Mein Alles

Was der Frühling jeder Zone,
Was die Blüte jedem Strauch,
Was die Harmonie dem Tone,
Was dem Vöglein Liederbrauch -
Das bist Du mir!

Was dem Tage seine Sonne
Und was Stern' und Mond der Nacht,
Was der Andacht - Betens Wonne,
Was dem Herrscher - Weltenmacht, -
Das bist Du mir!

Mit Dir preis' ich meine Lenze,
Mit Dir freut die Blume mich,
Mit Dir schlingen frohe Tänze,
Lied und Klang durch's Leben sich -
Nicht ohne Dich!

Mit Dir jauchze ich den Tagen
Und den Nächten Hymnen zu.
Mit Dir möcht ich Alles wagen -
Ging' mit Dir dem Grabe zu -
Nicht ohne Dich!

Mehr noch als ein Held im Ruhme
Weckst Du Thaten und Verehrung.
Du bist, was dem Heiligthume
Seine herrlichste Verklärung -
Das bist Du mir,
Ich bin's in Dir!


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 160-161)

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Treue

Ich folge Dir, so wie der Tag
Dem Purpurtritt der Sonne,
So folg' ich ohne Ziel und Frag'
Dem Lichtstrahl meiner Sonne.

Ich folge Dir, wie Lüftehauch,
Den lichten Wolkenbahnen,
Und ging Dein Pfad noch weiter auch,
Ich folge Deinen Fahnen.

Ich folge Dir, wie lustgedrängt
Dem Bächlein seine Quelle.
So bin ich immer hingelenkt
An Deine theure Stelle.

Ich folge Dir, wie auch die Nacht
Des Abends Dämm'rungsweben,
Ich folge Dir durch Tag und Nacht -
Und ging es aus dem Leben.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 164)

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Wiederfinden

Die Nachtigall, sie war entfernt,
Der Frühling lockt sie wieder;
Was Neues hat sie nicht gelernt -
Singt alte, liebe Lieder!
Göthe

Du warst mir einzig auserkoren,
Im ersten Lenz besang ich dich -
Doch als mein Hoffen war verloren,
Mir auch die Freude mit entwich!
Da war'n die Blüten rings entfallen -
Ich sah den Himmel nicht mehr blau,
Und spurlos war mein düst'res Wallen
In grüner, sangentzückter Au;
Die Sommernacht war unbesternt -
Die Nachtigall, sie war entfernt!

Und so entrissen, immer trüber,
Verhallte fern ihr süsser Sang.
Sie zog so gern nach Süden über;
Denn wieder bringt sie Heimathsdrang
Bald hat sie drüben ausgeflötet,
Wo sie mit ihrem Schmerz verweilt,
In Liedern hat sie ihn getödtet,
Sie ringt nach Sangeslust und eilt,
Wohin mit schmeichelndem Gefieder
Der Frühling lockt sie wieder!

Was wirst du Lenz! ihm Neues bieten,
Dem Herzen, nur an sie gewöhnt?
Wenn sie nicht unter deinen Blüten,
So warst du ihm umsonst ersehnt.
Als ihre Tritte mich umwehten,
Da erst erkannt es deinen Ruf,
Es lernte ahnen, lernte beten,
Als sie ihm seine Psyche schuf,
Die war mit ihr, als sie entfernt -
Was Neues hat sie nicht gelernt!

Die Geister haben sich gefunden,
Als hätte nichts sie je getrennt,
Ihr göttlich Leben, schmerzentbunden,
In einer einz'gen Flamm' entbrennt. -
Die Blume findet so im Lenze
Der ersten Keime flücht'ge Spur,
Der Wellen silberhelle Tänze,
Erneu'n sich auf der alten Flur,
Die Nachtigall, - sie flötet wieder -
Singt alte, liebe Lieder.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 165-167)

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Ihr Auge

Nicht fürder mehr zum Glanz der Nächte
Will ich um Tröstungsbalsam fleh'n,
Nicht mehr zum stillen Sterngeflechte -
Nur in Dein Auge will ich seh'n.

Es dringt so traute, süße Rede
Von Deinem Auge in mein Herz,
Es schweigt der Zweifel bitt're Fehde
Und Alles schweiget - erdenwärts.

Und doch - wie Jubelharmonien
Verklärter Geister rauscht es mir,
Der Schmerz verstummt, die Thränen fliehen,
Es stirbt die letzteste Begier.

Und wie nach einem Gnadenorte
Geh' ich zu Deinem Anblick aus.
Dein Auge ist mir 'ne Himmelspforte,
Du selbst mein liebstes Gotteshaus.

Durch meiner Tage kahle Wüste
Blühst du mir - ein Oasenland,
Doch, wenn ich kaum es erst begrüßte,
Winkt fort mich eine streng're Hand.

So schau ich in Dein treues Auge,
Bis es sich schließt, von mir belauscht,
Bis ich zugleich mit dir enttauche
Wo beiden Eine Lethe rauscht.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 167-168)

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Verkehr

Dein Aug' hab ich verstanden,
Eh' mir's dein Mund gesagt:
Warum, als wir uns fanden,
Du, mich zu schaun, gezagt?

So klar lag vor der Seele
Und doch so unbewußt,
Was ich Dir scheu verhehle,
Von hoher Liebeslust.

Die Sterne können trügen,
Dein Auge kann es nicht,
Und kann dein Auge lügen,
So lügt es - wenn es bricht.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 168-169)

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Liebesglaube

Es war Dein erster heil'ger Eid,
Der Blick, der mir gegolten.
Da war für mich kein Weh, kein Leid,
So weit die Sonnen rollten.

Ich hört' nur Dich und Deinen Schwur,
Und nichts sonst von den Welten,
Und solche süße Sprache nur
Konnt' ich allein vergelten.

Und schweigt sie einst, so schweig ich auch,
Des Eid's bist Du entbunden,
Sie schweigt ja nur im letzten Hauch,
Der Deiner Brust entwunden.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 169)

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Vor Ihrem Bild

1.
Das sollte Sie, die unbeschreiblich, seyn?
Das ihrer Formen zarte Gränzen?
Der Locken Füll', der Augen Zauberschein?
Das - ihrer Lippen Purpurglänzen.

O arme Kunst! wie weit bliebst du zurück;
Da du das Göttliche wollt'st wagen -
O laß das Bild - dem Leben einen Blick!
Und an dir selbst mußt du verzagen!

Wo ist der Glieder lenzenthauchter Bau?
Ist Dir der Griffel da entfallen? -
Unmöglich war's, du sahst es wohl genau,
Und lies'st vom Schleier sie umwallen.

Der weichen Lilien Rosencolorit -
Kein Farbentausch bracht' es zu Stande
Deßwegen bargest du auch dieses mit
Im leichtumfaltenden Gewande!

Wo ist die Stirn, die Seelenadel strahlt?
Und wo? ach wo? des Auges Sprache?
Den Einen Zoll nur hat die Kunst bezahlt,
Daß sie der Schönsten - ähnlich mache.

Ins Herz hab ich Ihr Bild getragen mir
So treu, wie keines noch gelungen -
Und habe seitdem immer nur von Ihr
Geahnt, gelebt, geträumt, gesungen.


2.
Wie siehst du, stummes Bild? so kalt mich an,
Und doch mag ich dich nimmer missen,
Es will, wenn ich an dir verweilen kann,
Sich Trost in meine Brust ergießen.

Die Schatten todter Stunde, Geistern gleich,
Geh'n leise mahnend mir vorüber
Und hallen Grabeshymnen, schmerzlich weich
Auf ihrem Pfade mit herüber.

Still weinend lauscht die Seele ihnen nach
Und möcht' die Flieh'nden gern erreilen,
Weil manche süße Rückerinnerung sprach -
Doch nichts bewegt sie zu verweilen!

Mir ist das Bild so werth, weil Dich es zeigt
Wie's alles ist, was von dir redet.
Und ist nicht jedes Denken Dir geneigt?
Weil alles doch - von dir nur redet!


3.
Wohl besitz ich dich, du todtes Bild:
Deines Anschau'ns bin ich ganz erfüllt.
Könnt' ich Schöpferkräfte doch gebrauchen,
Leben wollt' ich in die Farben hauchen,
Denn zu denken, du seyst Einzig mein
Ist des Herzens Sehnsuchtslust allein.

Mein, ja mein und nimmer mir entrissen,
Deines Lebens Stunden zu versüßen!
Nichts, als nur dein Wollen zu beachten:
Meiner Kräfte allumfassend Trachten!
Mein! und Alles dir zur Lust zu wenden
Froh beginnen und noch froher enden!

Dankend bei des Morgens Auferstehen
Mir dein sanftes Auge winken sehen
Und des Dankes und der Freude Thränen
Jauchzend dann und stolz mein Werk zu nennen
Mein! und nichts zu meiner Sorge machen,
Nichts als deines Athemzuges nur zu wachen.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 169-172)

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Ueberall Sie

Ich lese deinen Namen
In jedem Blattgeäder, -
Es rauschen deinen Namen,
Der Mühle laute Räder.

Ich lese deinen Namen,
In hellen Wolkenzügen -
Ich höre deinen Namen,
In wilden Donnerflügen.

Ich lese deinen Namen,
In allen Bücherzeilen
Ich höre deinen Namen,
Wenn Winterstürme heulen.

Ich lese deinen Namen,
In Sonnen und in Sternen
Ich rufe deinen Namen,
Selbst über Grabesfernen.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 172-173)

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Am Scheidewege

Da geht sie hin
Und mit ihr all mein Glück.
Ich rufe sie, ich winke sie
Umsonst zurück!

Da geht sie hin!
So sinkt der Sonne Bild
Ins grenzenlose Meer hinab,
So heh'r und mild.

Da geht sie hin,
Als wär's auf immerdar!
Noch strahlt mir ihrer Augen Paar
So wunderbar.

Da geht sie hin,
Und ihrer Wiederkehr
Harrt hoffnungslos mein Herz
Nicht mehr!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 173-174)

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Andenken

Ich denk an dich
Herzinniglich
Mit namenlosem Sehnen.
Die Sprache möcht'
Es sagen recht -
Und kann dir's doch nicht nennen.

Wenn ich hinaus
Ins Weltgebraus
Mit düsterm Auge sehe -
Dann tröstets mich,
Denk' ich an Dich,
Mir ist nicht mehr so wehe.

Der Tag erstirbt
Die Grille zirpt,
An dich mich neu zu mahnen
Und auch die Pracht
Der stillen Nacht
Läßt träumend mich dich ahnen.

Dein theures Bild
Lebt treu und mild
Wohin ich nur mich wende.
Ich denk an dich
Herzinniglich
Bis an mein Lebensende.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 174-175)

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Bewußtsein

Nun weiß ich endlich doch, wonach
So stürmisch ging mein Sehnen,
Ich weiß, wo mein Gedanke lag,
Ich weiß, woher die Thränen!

Ein Herz, wie deines ging mir ab
Ein solches wollt' ich finden,
Und diesem, oder meinem Grab
Wollt ich mich nur verbinden.

Du müßtest leben, ward mir klar,
Ich ahnte deine Nähe
Drum ging ich hoffend immerdar,
Mit meinem süßen Wehe.

Und als ich in dein Aug' nun sah,
In jenen ersten Stunden,
Da fühlt' ich erst, du warst mir nah,
Bevor ich dich gefunden.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 175)

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Ihre Briefe

Wandl' ich in des Gartens Räumen,
Von des Herbstes Frost durchweht,
Flattern von den alten Bäumen
Falbe Blätter rings herab.

Fallen her in meine Hände,
Drin'n ein trauter Brief von Ihr;
Und mein Traum, er ist zu Ende,
Der mich eben trug zu Ihr.

Denn wie mich die welken Blätter
Jetzt vom Sinnen aufgeschreckt,
Künden sie mir wilde Wetter,
Blitzesflug und Wolkennacht.

Scheinen mich daran zu machen,
Was ein Sturm entführen kann.
Und ich muß betrübter ahnen
Meines Glück's Vergänglichkeit.

Doch die Zeilen auf und nieder
Eilt mein Auge nimmermatt,
Und ich lese immer wieder
Was mir sagt das theure Blatt.

Welken wird dieß Blatt mir nimmer
Weil es fort im Herzen lebt,
Was da glüht, da glühet immer,
Wird von keinem Sturm verweht!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 176-177)

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Nach der Ferne

"Ich laß Sie grüßen!"
O Vöglein über meinem Haupt,
O sag, daß ihr Getreuer
An jene letzten Schwüre glaubt.

Dieß bring ihr zu und sänkst du todt
Auch hin zu ihren Füßen:
"Ich laß sie grüßen!"

Und du, o Bächlein! unter mir
Benetz daheim die Blumen,
Und wenn sie kommt, dann flüstre ihr:
"Er läßt dich grüßen!"

Du Abendlust! umsäusle sie
Mit unsrer Minne-Sprache
Bekannter Melodie:
"Ich laß' sie grüßen!"

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 177-178)

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Perlen

1.
Am wüsten Meeresstrand,
Im heißen tiefen Sand,
Sucht' lang ich ein vermißt' Juwel;
Wohl lagen Flitter da,
Wohin das Aug' nur sah,
Nicht mein verlornes Kronjuwel,
Wie ich auch forschte sehr,
Ich fand es nimmermehr.
Doch einst in trauerschwarzer Nacht,
Bei hohem Wellendrang,
Im wilden Sturmessang -
Hat Perlen mir die Fluth gebracht.

Das Leben war der Strand,
An dem ich forschend stand -
Die Perlen waren - Thränen doch,
Die Liebe das Juwel,
Ich such' die Ferne immer noch.


2.
Laß die Perlen, laß sie immer
Dir am Hals sich schmiegen,
Daß der Thränen Quellenschimmer
Niemals mög' versiegen.

Hab' die Perlen liebgewonnen,
Seit sie dich verschönen,
Weil ich nicht dem Schmerz entronnen,
Will mich ihm versöhnen.


3.
War eine Perle jüngst der Schnur entrollt
- Dem Aug' mag so die Thrän' entfallen! _
Ich hob sie auf. Was ich damit gewollt?
Mit dieser Perle, dir entfallen?

Sie mein zu nennen, wünchst' ich sehnlich mir,
Ich wankte, sie zurückzugeben.
Ich mußte doch - was konntest du dafür,
So gab ich sie - mit Wiederstreben.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 179-180)

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An Sie

Seh' ich an dem Hals, dem schönen
Perlenschnüre dir gereiht,
Glaub' ich oft, es sey'n die Thränen,
Die du meinem Schmerz geweiht.

Und die nun, mein Leid zu höhnen,
Sind an deiner Brust versteint;
Soll zu denken mich gewöhnen,
Daß mich dir kein Band vereint.

Und die tröstungsvollen Thränen
Zwing' ich in das Herz zurück,
Wo sie still sind hergekommen.

Doch wo sie zuerst entglommen,
In den schmerzumflorten Blick,
Treten sie mit neuem Sehnen.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 181-182)

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Letztes Scheiden

Wenn einst an mir mit kalten Händen,
Sich der Versöhner hat verweilt,
Und sich umsonst, ihn abzuwenden,
Mein letzter Odemzug beeilt.

Dann will ich noch ein Liedchen singen,
Ein Lied voll lebensvollem Drang,
Dazu lass' ich die Harfe klingen,
Geleit' zu meinem letzten Gang.

Und wills nicht geh'n mit Sang und Spielen
Weil matt die Hülle, gar zu matt,
So wird die Hand zur Feder fühlen,
Zu schreiben noch an Sie ein Blatt:

Der Liebsten Lebewohl zu sagen,
Und Trosteswort und Liebesgruß -
Doch will die Hand den Dienst versagen;
Weil sie so bald erstarren muß;

Dann soll mein letzter Blick verkünden,
Daß ich die Liebe nimm mit mir!
Selbst wo des Lebens Quellen münden,
Fließt Alles Eines Strom's zu Ihr.

Wohl dünkt mich, ohne Dich zu scheiden,
Der Heimgang, ach! doch gar zu schwer;
Doch ist's das Letzte meiner Leiden,
Und mich erwartet keines mehr.

Bald wird der Nebelflor sich theilen,
Der um die weite Erde fällt;
Wohlan! muß ich Dir schon enteilen:
So leb' dann wohl, du schöne Welt.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 182-183)

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Später Wunsch

Unter Scherzen, unter Spielen,
Flog mein Kindesleben hin,
Nun erst darf ich Liebe fühlen,
Da ich älter worden bin.

Und nun muß ich sie entbehren
Da ich sie erkennen soll,
Darf nicht weiter mehr begehren,
Wo's mich hindrängt sehnsuchtsvoll.

Ach! da möchte ich doch lieber,
Gleich dem Kind bewußtlos sein,
Nimmer, nimmer seh'n hinüber,
Nach der Liebe Träumerei'n.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 183-184)

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Stäte Nähe

Ich trag Dein Bild mit mir
Durch all mein Wanderleben,
Und Dein gedenk' ich für und für,
Seit dem ich Dir ergeben.

Ich trag Dein Bild mit mir,
Ins Herz mir tief gegraben,
Bist doch Du selbst die schönste Zier,
Von Deinen Liebesgaben.

Ich trag Dein Bild mit mir,
Mit treuer Sehnsuchtsklage,
Durch meiner Jugend Lenzrevier,
Durch Herbst und Wintertage.

Ich trag Dein Bild mit mir,
Unsterblich und erhaben,
Und will es einzig nur mit Dir -
Auf immerdar begraben.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841
(S. 184-185)
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Zauber der Liebe

Könnt' ich vergessen all mein Leben,
Wär's mir nur Fackel und Gedicht -
Dein Bild wird doch empor sich heben,
Wie durch die Nacht des Aufgangs Licht,
Wie durch die Nacht ein Meteor -
Ringt sich dein leuchtend Bild hervor.

Und wie die Eiche, sturmumwettert,
Kühn ragt hinan mit stolzer Kraft -
Jetzt eingesunken und entblättert,
Doch ihrem Boden unentrafft -
So reißt mein Glaube, göttlich groß,
Drin Bild aus der Vernichtung los.

Dein Bild, wie auch von Nacht umzogen
All' üb'rall flammend stehen bleibt, -
Wie vom erloschenen Regenbogen,
Ein Aetherstreif zum Himmel stäubt!
Und vom Ruin der Globenwelt
Führt es den Pfad mich tagerhellt.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 185)

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Umwandlung

Ich haßte sie, in grimmig bitt'rer Fehde,
Um die der Haufe der Gemeinen kriecht -
Da fand ich dich - und vor der süßen Rede,
Schwand aller Streit - ich haßte länger nicht.

Und Alle, die in Ruhm und Glanz erhoben,
So weit vor mir, beneidete ich sehr -
Da fand ich dich - und Alles war verstoben,
Denn ich beneid'te keinen länger mehr.

Mich hatte das Geschick wohl hart geschlagen,
Mit mancher Trübsal, Drängniß und Verlust -
Da fand ich dich - wie konnt' ich nun verzagen?
Da ich so hohen Glückes mir bewußt?


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 186)

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Rastlose Liebe

Neue Liebe - neues Leben.
Wenn es wieder Frühling wird,
Wenn's mit allgewalt'gem Streben,
Keimend an die Sonne dringt.

Neue Liebe - neues Leben,
Schwärmt im Nachtigallen Ruf.
Was der Herbst hindangegeben,
Bringt der nächste May vielleicht.

Neue Liebe - neues Leben,
Strömt ins Herz, wie Mayenlicht,
Neues Leben, neue Liebe -
Doch die Erste ist es nicht.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 186-187)

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Im Augenblicke

Nicht um die Zeit zu kürzen,
Die karge Lebensfrist,
Nur um sie mir zu würzen,
Sei, Freude! mir gegrüßt!

Ach! könnt' ich fest dich bannen,
Du süßer Augenblick!
Und niemals mehr von dannen
Entlassen dich zurück!

Ich web'te Cloto's Faden
Zur schönsten Ewigkeit,
Von Segen überladen
Und Wonnetrunkenheit.

Als wir zuletzt uns trafen,
Im Liebesübermaaß -
Der Kummer war entschlafen,
Das Leid sich selbst vergaß.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 187-188)

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Huldigung

An jenem Lebensmayenmorgen,
Als ich zum Erstenmal dich sah -
Ich fasse nicht wie mir geschah,
Daß ich so anders bin geworden.

Was mir ein Frohngesetz geschienen,
Ein zweck- und leblos Walten nur,
Im Zauberwechsel der Natur -
Ist jetzt mir Bild, Musik und Sprache.

Ich lernt' im eignen Wunsch verstehen,
Was mir mit Farbe, Duft und Klang
An die entzückten Sinne drang,
Und heilig war mir dieß Begegnen.

Ich durfte kühn nach dir verlangen
Wo Alles liebt, nicht ungeliebt -
So kam es, daß ich Dich geliebt,
So viel, doch ungenannt im Liede.

Zum Weg nach Einem schönen Ziele
Hast du mich sanft zurückgeführt -
Und so, vor Allen, Dir gebührt;
Mein Lieben, Achten und Verehren.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 188-189)

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Glosse

Tema
Wehre nicht der Lieb' im Lebenslenze,
Die so gern ein zartes Herz beschleicht,
Und der Jugend ihre schönsten Kränze
Und die süßesten der Küsse reicht.
Carl Lappe

Wahrlich nicht zu klein für dein Bestreben,
Ist die Liebe, die so süß verletzt,
Was du ihm magst nehmen und was geben, -
Nimmer wird die einzige ersetzt.

Du bist für sie, sie für dich erkoren,
Und die beiden scheide keine Gränze,
Laß den Augenblick ja! unverloren:
Wehre nicht der Lieb' im Lebenslenze.

Wenn sie dann am Scheidewege stehen,
Deiner Träume flüchtige Wahngestalten,
Da nur kommen, um mit Hohn zu gehen,
Und nur scheinbar ausgehalten. -

Da ist sie's, die stolz der eig'nen Strahlen,
Nicht vor fremdem falschen Glanz erbleicht,
Die nur wählt und liebt nach eigenen Wahlen,
Die so gern ein zartes Herz beschleicht.

Die verewigend in Alle, Alle Wesen
Streuet Freudenfunken, Liebesbrand -
- Denn dort ist sie nimmer noch gewesen,
Wo man sagt und klagt, das sie entschwand. -

Und dem Greise schlingt sie, wie dem Kinde,
Lichte Stunden in der Jahre Tänze,
Und Verzeihung um das Haupt der Sünde,
Und der Jugend ihre schönsten Kränze.

Nicht der Gottverwandten Freundin wehren,
Und nicht ihr entsagen kannst du wollen,
Auch wird auf dein willkührlos Begehren,
Nie ihr göttlich Bild sich dir entrollen.

Ungerufen, laß sie nur gewähren,
Daß ihr Frühlingshauch dein Herz erweicht,
Daß ihr Rosenmund verlöscht die Zähren,
Und die süßesten der Küsse reicht.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 189-190)

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Schneerosen

Schmeichelnd wallten deine Locken,
Um mein glühend Angesicht,
Und mein Blut gerieth in Stocken,
Traf mich deiner Augen Licht.

Doch nun bleichten deine Rosen,
Wie des Herbstes leichtes Grün;
Denn es nahm die Dauerlosen,
Der so kurze Sommer hin.

Und ich denke oft im Winter,
Jenem Frühlingsglauben nach,
Den so bald ein unverdienter,
Gränzenloser Schmerz zerbrach.

Wie erfrorne Blumen jagen,
Wild die Flocken hin und her,
Gerne möcht' ich sie befragen;
Was denn nur ihr Treiben wär?

Diesen Flocken ähnlich, drangen
Meine Wünsche einst zu dir,
Und als Du sie aufgefangen -
Blieben leere Tropfen dir.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 191)

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Heimliche Liebe

Tage gab es, wo Dir Alles galt,
Was nur Herzen je empfanden,
Was nur je im Lied von Liebe hallt' -
Und du hast es nicht verstanden!

Der Gedanke und die Leidenschaft,
Schlummerten in deinen Banden,
Und veredelten in solcher Haft -
Und du hast es nicht verstanden!

Gleich dem Segler, trieb mein Lebensschiff,
Nach des Morgens Sonnenlanden,
Wo dein leuchtend Bild hinüberrief -
Und du hast es nicht verstanden.

Einsam in dem gränzenlosen Meer,
Wird's an einer Wüste stranden,
Und du hörst der Liebe Ruf nicht mehr;
Denn du hast ihn nie verstanden.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 192)

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Ihre Schleife

Hier die Schleife, die du hingegeben,
- Zarter Minne süßen Zoll -
Ohne Pfand kann Liebe leben
In der Brust von dir so voll.

Selber eine rosenfarb'ge Schleife
Schläng' sich meine Liebe gern'
Um dich, gleich dem bunten Irisreife
An des Regenhimmels Fern'.

Könnt' mit Worten ich mein Lieben nennen,
Nennt' ich sie ein solches Band,
Dies ist nimmermehr von dir zu trennen,
Seit ich's also um dich wand.

Nur sind dieses Bandes zarte Fäden
Blos vom schwachen Stoff gewebt -
Doch was die Gedanken von dir reden, -
Ewig mir im Herzen lebt.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 192-193)

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Zuversicht

Wenn sich mein Bild vor deine Seele drängt,
Und du nicht säumst, es hin zu dir zu winken -
Bedenk', daß mich kein Zweifel mehr beengt,
Die all' in deiner Liebe Meer versinken.

Dort ruh'n sie, tiefer, denn im Ozean,
Und d'rüber hin mir deine Grüße lächeln,
Wie über blauem Schimmerwogenplan
Des Sommerabends duft'ge Hauche fächeln.

Umfange dort sie ew'ge Flutennacht,
Wie den Korallenriff im feuchten Grund
Und breche sich des starren Lebens Macht -
Gibt mir nur Liebe noch dein Auge kund.

Und sei es weiter nichts, als nur ein Traum,
So laß mich nie aus ihm erwachen;
Walhalla's Pforte, erst erschlossen kaum,
Der Tag eilt, wieder zu zumachen.

Und war's ein Wahn, von Dir geliebt zu sein -
Er hat die stumme Lust zum Lied geschaffen,
Des Lebens Nacht in Morgendämmerschein -
Und also soll ihn nichts mir mehr entraffen.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 193-194)

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Seliger Tod

Wenn du mir in trunk'nen Küssen
Treu dein ganzes Herz gestanden
Und in solchem Augenblicke
Ich an meine Brust dich drücke -
Dann in so geliebten Banden
Könnt' ich Welt und Dasein missen.

Ungenannt und unermessen
Schwillt ein Weltall mir im Busen
Und mein Glauben, Ahnen, Hoffen
Liegt erfüllt da, klar und offen,
Und das Weh' im heißen Busen
Ausgelöscht, dahin, vergessen.

Cherubshymnen hör' ich schallen
Und die Wolkenharfen klingen;
Mein und Dein vergeistigt Wesen
Will in Harmonie sich lösen
Ach! dürft' ich sofort mich schwingen,
Um nie mehr zurückzufallen!


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 194-195)

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Versöhnung

Mit mir selbst in trotz'ger Fehde
Hatt' ich mein Geschick verhöhnt -
Aber Deines Blickes stumme Rede
Hat mich wieder mit mir ausgesöhnt,

Und so dank' ich Deinem Blicke,
Daß ich wieder beten kann -
Liebe! wenn ich's einst vergeß' im Glücke -
Sieh Du so mich wieder an.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 195-196)

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Freie Liebe

Ich suchte nicht, ich forschte nicht,
In Liebe Dir zu leben,
Ich bat und schwur und flehte nicht -
Du hast Dich mir gegeben.

So neigt zur lenzerwachten Flur
Sich hin der junge Morgen,
Sie röthet lieblicher sich nur
Vor ihm noch halb verborgen.

Und so empfängt die stille See
Das Tagsgestirn im Niedergang,
Es schweigt, erglüht von seiner Näh'
Der Welle lauter Widerklang.

Ich fühlte selbst, wie unbewußt,
Was Du mir nie gestanden,
Ja, freier wogte noch die Brust
In Deines Geistes Banden.

Ich forschte nicht, ich suchte nicht,
Im Wort es Dir zu sagen,
Es liegt im frohen Angesicht
Mein Herz Dir aufzuschlagen.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 196-197)

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An Ihrem Clavier

O sprich! von wannen diese Harmonien?
Die Du entzauberst stummen Tasten,
Ich möchte fest sie bannen, in mich ziehen,
So gierig, wie mein Herz sie faßten.

Ein jeder Ton sagt mehr, als Worte können
Wenn Deine Seele Du hineingehaucht,
Ich bleibe stumm gebannt, als ob Sirenen
Mit Wundersang mich in die Flut getaucht.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 197-198)

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Einsame Klage

Man hat so gern von seinen Lieben,
Wenn sie uns längst verloren,
Ein theures Angedenken -
Und mir ist nichts von Dir geblieben!

Ach! mir ist nichts von Dir geblieben.
Wie Du mir warst verloren,
Als nur das Angedenken
Und dies mein unerkanntes Lieben.

Auch nicht ein Wort aus deinem Munde,
Nicht Locken, Bild und Bänder
Die mich mit Trost erinnern
An jene bittre Trennungsstunde.

Auf meiner weiten Wanderrunde
Konnt' ich kein Plätzchen finden,
Wohin von Deiner Liebe,
Mir käme herzlich frohe Kunde.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 198)

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Kommen und Gehen

Im Auge Lust, im Herzen Ruh'
So trat ich vor Dich hin,
Ich lächelte und sang dazu
Mit kindlich frohem Sinn.

Da schlugst Du Deine Augen auf -
Ein glühend Sonnenpaar -
Ach! wie da im Sekundenlauf
Mein Fried' zu Ende war.

Kein fröhlich Lied gelang mir mehr
Kein Lächeln, keine Lust. -
Ich ging von Dir, so trennungsschwer
Den Dorn in meiner Brust.

Ich sah Dich nicht in langer Zeit
Und glaubte mich geheilt,
Doch hat seit dem in Ewigkeit
Der Schmerz an mir verweilt.

Und wie ich kam und wie ich ging
Dir war es einerlei,
Du sah'st, wie ich an Dir noch hing
Und bliebst doch stumm dabei.

Das Aug' bethränt, im Herzen Weh
So trat ich vor Dich hin -
Ach! daß ich nie aus Deiner Näh'
Mit Trost geschieden bin.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 199-200)

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Letzte Treue

Wie schmerzlich auch das Scheiden
Vom Leben einst mir wird,
Wird doch von manchen Freuden
Mein Herz noch sanft berührt.

Was liebend ich umschlungen
Und was mich einst betrübt,
An mir, vom Leid durchdrungen
Die letzte Treue übt.

Zwar steht am Sterbebette
Kein Freund im tiefen Schmerz,
Noch sucht die Trauerstätte
Ein zärtlich liebend Herz.

Nur frischgebroch'ne Kränze
Und Zweige, grünbelaubt,
Als Boten künft'ger Lenze
Umfah'n mein bleiches Haupt.

Und nun die letzten Thränen
Vom Morgenroth geweint
Begleiten still mein Sehnen,
Das ihnen mich vereint.

Und nur die letzten Lieder
Die nehm' ich noch mit mir,
Dann sing' ich keine wieder
Und schweige für und für.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 200-201)

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Ihre Blumen

Wohl Dir! daß unter Deinen Händen
Die zarte Blüte noch gedeiht,
Die Dir bei jedem Frühlingswenden
Die stillverschwieg'ne Liebe weiht.

Noch pflegst Du sie mit süßen Sorgen
Als ob der Geber selbst es wär,
Du weißt, in Blumen ist verborgen
Die schöne Deutung, inhaltsschwer.

So hab' ich Dir mein Herz verpfändet
Und lös' es auch wohl nimmer aus;
Denn als ich es von Dir gewendet,
Bracht' ich's nur schmerzender nach Haus.

Nun gab ich's liebender dem Deinen,
Daß es zur reichsten Blüte reift
Ein göttlich Loos wird sie vereinen -
Wenn Zeit die Hülle niederstreift.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 204)

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Ihr Glück

Mein Frühling war gekommen -
Mein Frühling ist dahin!
Du hast ihn mir genommen,
In Deinem Wandelsinn.

Im Sommer stand ich eben
Und liebte wieder Dich -
Da gingst Du aus dem Leben
Und ließ'st alleine mich.

Was wird der Herbst mir bringen,
Wenn er nicht Dich mehr hat?
Was soll ich noch erringen,
Von Lieb an Deiner Statt?

Nun muß ich Winter leiden,
Der wird gar arm und kalt -
Ach lebtest Du in Freuden
Ich würde niemals alt.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 205)

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Ich hatte Dich gemeint

Wenn junge Flatterrosen
Das Morgenroth bescheint,
Und um ihr Glanzentfalten,
Mit frühlingsfrohem Kosen
Die linden Lüfte wallten -
Da hab' ich Dich gemeint!

Ich und die Rose waren
Gar manchen Lenz vereint -
Sie prangt in freien Lüften -
Ich sang von Frühlingsjahren
Von Blumenglanz und Düften -
Und hatte Dich gemeint!

Da muß der Winter kommen -
Nun hab' ich viel geweint,
Um all' das Dauerlose,
Das er von mir genommen -
Um meine erste Rose -
Da hab' ich Dich gemeint!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 205-206)

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Nur denke mein!

Freue Dich der jungen Blüte
Laß die Lenze hold Dir sein,
Aber nur Dein Herz behüte -
Aber nur gedenke mein!

Freue Dich der Wonnetage,
Milder Luft im Sonnenschein,
Aller Wesen Frohsinn trage -
Aber nur gedenke mein!

Freu' Dich selbst der düstern Weisen,
Die Dich einzig und allein,
Durch mein ganzes Leben preisen -
Aber nur gedenke mein!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 206-207)

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Auch Du

Und auch Du hast mich verlassen,
Meiner Jugend Schattenbild!
Wie Gestirne auch erblassen,
Erst so hell und glanzerfüllt.

Ach! so hell und glanzerfüllt,
Warst Du damals mir erschienen
Was sie jetzt so trüb verhüllt,
Deine freundlich lieben Mienen?

Solche traute liebe Mienen,
Fliehen jetzt Dein Angesicht -
Und ich seh' so oft nach ihnen
Und ich fand sie immer nicht.

Und ich fand sie immer nicht,
Seit sie treulos fort gezogen,
War'n sie Traum nur und Gedicht?
Und sind jenem gleich zerflogen?

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 207-208)

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Verständniß

Als Du mit dem ersten Blicke
Liebevoll mich angeschaut,
Hatt' ich gleich im Gegenblicke
Alles Alles Dir vertraut.

Auf mein stummbered'tes Schweigen
Hat ich Anfangs wohl gebaut -
Doch kaum durftest Du Dich zeigen,
Hatt' ich Alles Dir vertraut.

All' mein Denken klar und offen,
Alle Wünsche leis' erregt,
All mein erst und letztes Hoffen,
Hab' ich vor Dir hingelegt.

Als Du einst mit jenem Blicke,
Liebend auf mich hingeschaut,
Und mit allem Seelenglücke
Dich mir heimlich angetraut.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 208)

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Und ich kann es nie vergelten!

Wie ein Flammengruß von Oben,
Aus den kaum geahnten Welten,
Hat Dein Lieben mich erhoben -
Und ich kann Dir's nie vergelten.

Frei mit seraphleichten Schwingen,
Nach dem Land, dem tagerhellten,
Ließest Du mich jubelnd dringen -
Und ich kann Dir's nie vergelten!

Doch berauschten mich Gedanken,
Und die Götterkräfte fehlten -
Ach! dann ließest Du mich schwanken -
Und ich kann Dir's nie vergelten.

Nun war ich zurückgekommen,
Von dem Flug nach Traumeswelten,
Dich auch hat der Traum genommen -
Und ich kann Dir's nie vergelten!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 209)

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Seit ich Dich verlor

Nichts hab' ich zu verlieren,
Seit dem ich Dich verlor:
Die Sterne, die mich führen,
Sie leuchten, wie zuvor.

Die alten Bäume grünen,
Die junge Blüte keimt,
Der Bach in Gräserdünnen
Vom neuen Frühling träumt.

Der Lerche frohe Weise
Klingt wieder jauchzend an,
Die Erde rollt die Gleise
Auf der gewohnten Bahn,

Doch all die Zeichen führen,
Zur Endschaft wie zuvor -
Nichts hab' ich zu verlieren,
Seit dem ich Dich verlor!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 209-210)

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Letzter Verlust

Ich kann's nicht auszusprechen wagen,
Was mir das Herz zerreißt,
Es will die Sprache mir versagen,
Gedanke, Wort und Geist.

Ich hab' so treu an Dir gehangen,
Durch alle Wechselzeit,
Und nun soll Liebe und Verlangen,
Zerflieh'n in Ewigkeit!

Du warst so herrlich mir erschienen,
Im ersten Lebensgruß,
Aus Deinen engelholden Mienen,
Sog ich der Freude Fluß.

Und nun, ach nun ist er versieget,
Und trocknet langsam ab,
Und all mein Hoffen d'rinnen lieget
Versunken, wie im Grab.

Ich bin gebannt an seine Küste,
So todt und öd und leer,
Mein Herz ist selber eine Wüste,
Umspült vom lauten Meer.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 210-211)

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Verlorne Thränen

Gib mir die Thränen wieder,
Daß ich sie weinen kann;
Denn fallen sie hernieder,
Das sieh't, wie Trost, sich an.

Nun hab' ich keine Thränen,
Nicht diesen Trost einmal,
Für all dieß heiße Sehnen,
Für all die Todesqual.

Ein Kind möcht' ich beneiden,
Wenn ich es weinen seh',
Das kann an Thränen weiden,
Sein unbewußtes Weh.

Und mir sind sie verronnen,
Mein Herz ist wie versiegt;
Denn was es All' gewonnen,
Verwelkt darniederliegt.

Gib mir die Thränen wieder,
Und ihren Trost allein,
Dann fallen sie darnieder,
Und glüh'n wie Sonnenschein.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 211-212)

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Nach dem Scheiden

Ob Du noch glücklich bist?
Dieß Eine möcht' ich wissen:
Seit Du mir wardst entrissen!
Ob Du wohl glücklich bist?

Und wenn Du doch es wär'st -
Nichts weiter sollt' ich sagen
Von Leid und Tod und Klagen,
Wann Du nur glücklich bist!

Doch nein! Du bist es nicht,
Und kannst's auf dieser Erden
Wohl schwerlich jemals werden;
Denn ich bin's auch ja nicht!

Wir könnten's beiden sein,
Im götterfrohen Frieden -
Doch weil wir nun geschieden,
So können wir's nie sein!


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 212-213)

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Ihr Abschied

Als mein Wollen stolz obsiegte,
Als mein Herz nur sie empfand -
Als mit süßem Widerstand
Sie sich traulich an mich schmiegte.

Fester hielt sie mich umfangen,
Als die Stunde näher kam,
Die mit herbem Trennungsgram
Tauscht gestilltestes Verlangen.

Ach! ich konnt' es nicht verneinen,
Was so tief mein Inn'res barg,
War ich sonst an Thränen karg,
Jetzt konnt' ich gar kindlich weinen.

Und der Strom der Zärtlichkeiten
Glich dem Ihren einzig nur,
Als die Glocke an der Uhr
Mahnte - an das Weiterschreiten.

Scheidensweh, und Wiedersehen,
Einten sich im letzten Kuß.
Schmerzlich, lautlos war ihr Gruß -
Sah sie mich von dannen gehen.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 214-215)

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Im Oktober

Sieh' noch schwanken an den Zweigen,
Falbe Blätter ringsherum,
Doch die Zweige schon sich neigen,
Matt und an Gesängen stumm.

An den Frühling mahnet Alles
Der von uns zog längst davon,
Der Demant des Wasserfalles,
Und der Quelle Flüsterton.

Und der lieben gold'nen Sonne
Wundervoller klarer Glanz,
Und als wär's des Orient's Zone -
Dort der Berge blauer Kranz.

Doch das Alles wird zerstieben
Ueber Eine kurze Nacht,
Dann ist übrig nichts geblieben,
Von der ganzen Erdenpracht.

Aber in dem Jahr der Liebe,
Sind die Zeiten alle gleich,
Immer schön, wie auch so trübe -
Und an Frühling überreich.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 215-216)

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Trost

Wohl mit Wehmuth, wohl mit Lied,
Denk' ich an die Scheidestunde:
Doch es lindert sanft die Wunde,
Eines Denkens Innigkeit,
Denn sie hat um mich geweint!

Für der Lieb' verlornen Schatz,
Wenn die besten Stunden schwinden,
Könnt' ich nirgend Tröstung finden
Gäb' mir Eines nicht Ersatz:
Denn sie hat um mich geweint!

Mag ich gehen aus der Welt,
Wo uns weite Lande trennen -
Werd' ich mir doch sagen können
Frei und froh und unentstellt:
"Sieh'! sie hat um Dich geweint!"


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 216-217)

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Wer hätte das gedacht?

Du hast des Geistes schwache Funken
Vom stillen Schwärmereifer trunken
Zum hellen Brande angefacht -
Wer hätte das gedacht?

Ich sog aus Deinen Demantblicken
Das überschwenglichste Entzücken,
Hinüber in des Busens Nacht -
Wer hätte das gedacht?

Des Blickes Stralen sind verglommen,
Von mir ist alles Heil genommen,
Das mir ihr Leuchten einst gebracht -
Wer hätte das gedacht?

Ich liebte Dich, wie Du's auf Erden
Wohl schwerlich konntest jemals werden -
Du hast zu Leid mein Glück gemacht -
Wer hätte das gedacht?

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 218-219)

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Das hast Du nie gethan

Ich liebte dich, so heiß und treu,
Als man nur irgend lieben kann,
Um dich gab ich den Frieden frei -
Das hast du nie gethan!

Für dich setzt ich der Jugend Lust
Und alle Freuden dran,
Gab Dir nur Raum in dieser Brust -
Das hast du nie gethan!

Dein Wunsch war meine heil'ge Pflicht
Und alles Andre Kinderwahn,
Und alles Andre sucht' ich nicht -
Das hast du nie gethan!

Des Lebens unerkanntes Ziel
Knüpft' ich an Deines liebend an
Beseligt im Gedankenspiel -
Das hast du nie gethan!

Ich seh um mich auf die so schön
Zurückgelegte Bahn,
Die läßt zerstörtes Glück mich seh'n -
Und das - hast du gethan!

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 219-220)

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Mit einem Buche

O möchtest Du, so hell und klar,
Wie in den stummen Zeilen -
Auch so in meinem Herzen lesen:
Daß Dein es ist und längst schon war,
Bei Dir nur möchte weilen -
Daß nur in dir noch lebt mein Wesen.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 220)

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Dahin

Losgerissen nun von meiner Brust,
Göttertraum, der Liebe Lust,
Losgerissen und mir ach! verschwunden
Kurzes Glück in jenen ersten Stunden

Wie aus heitrem Blau der Sommernacht
Sich die Sternenschnuppe, unbewacht,
Los vom Himmel ringt und niederfährt
Leicht und noch von Trübung unversehrt. -

Aber wenn die Erde sie begrüßt
Schnell in Aetherduft zerfließt,
So entrungen meiner Brust
Erster Liebe Götterlust!

Aus der Seele mir entsprossen -
- Wie im Aetherhauch zerflossen -
Losgerissen und verschwunden
Und ach! nimmermehr gefunden.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 221)

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Über's Jahr

Falbe Blätter, nackte Reiser
Auf bethauten Halmen Frost,
In den Wipfeln wird es leiser,
Wo kein grüner Keim mehr sproßt.

Seh' ich wieder neu sich kränzen
Dieser Bäume kahles Haupt?
Wieder können Strahlen glänzen
In den Wellen, eisberaubt?

Alles wird sich neu beleben
Wird im Leben neu verjüngt,
Wer doch kann den Zweifel heben:
Ob's mir neue Liebe bringt?

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 221-222)

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Und Du kannst es nicht gewähren!

Himmelsruhe, süßen Frieden
Sollte mich Dein Lieben lehren -
Doch er war mir nicht beschieden;
Denn Du kannst es nicht gewähren!

Und ich sollt' in späten Tagen
Keinen frommen Trost entbehren -
Doch dem muß ich wohl entsagen;
Denn Du kannst es nicht gewähren!

All Dein Wunsch und Dein Verlangen
Sollte einzig mir gehören,
Doch Du siehst mein ängstlich Bangen;
Und Du kannst es nicht gewähren.

Mit der Hoffnung Schmeichellauten
Wollt' ich so mein Herz bethören -
Doch bald flohen die Vertrauten;
Und Du kannst sie nicht gewähren!

Sieh', wenn dann zum letzten Male
Wird der Tag mir wiederkehren
Reich' mir Du die bitt're Schale -
Das wirst Du mir doch gewähren?

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 222-223)

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Letzte Bitte

Es eilt die flüchtige Sekunde
Den Lüften gleich, vom Hauch bewegt,
Wer weiß, wo dann die nächste Stunde
Uns beide scheidend hinverschlägt!

Drum laß mich Dir's noch Einmal sagen,
Was ich Dir froh und ungetrübt
So oft gelobt in bessern Tagen,
Als Du mich heißer noch geliebt!

Daß ich noch Deiner will gedenken
Wenn ich gestorben für Dein Herz,
Wenn Dich erneute Bande lenken
Und mich die meinen himmelwärts.

Nimm so der Treue ewig Zeichen,
In Deine Seele still hinein -
Und kann die Bitte Dich erreichen -
So denk' es soll die Letzte seyn!


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 223-224)

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Meine Sonne

Ach! wie wär' des Lebens Glut und Leuchten
Dunkelflammend matt und düster,
Wenn nicht Glanz ihm Deine Blicke reichten,
Spurlos hallte, wie vom Sturm vertragen
Meiner Lieder Klanggeflüster,
Könnten sie von keiner Liebe sagen.

Und des Herzens grabesstumme Leere
Könnten nichts als Leid erfüllen,
Und die einsam hingeweinte Zähre
Müßt' in meines Daseyns Nacht versinken,
In Vergessenheit mich hüllen -
Wolltest Du nicht an den Tag mich winken.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 224)

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Meine Treue

So treu und rastlos, wie zur Sonnenhöhe
Des Adlers kühner Fittig auf sich schwingt -
So unermüdet meine Sehnsucht dringt
Nach seinem Sonnenbild in Deine Nähe.

Der Sonne gleich, ob sie auch untergehe,
Man weiß, daß sie der Morgen wiederbringt.
So fest vertrau' ich Dir und unbedingt -
Und im Vertrauen stirbt der Trennung Wehe.

Ein Leuchtthurm durch des Lebens Jammernächte
Flammt Deiner Liebe Vesta - Glut hinaus,
Und winkt dem Schiffer in den sichern Port.

O daß kein Sturm jetzt neue Wogen brächte,
Den Kahn verschlagend fern im Wetterbraus!
"Dir nach! Dir nach!" so steur' ich muthig fort.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841
(S. 230-231)
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Gruß

Ich hatte nimmermehr von Dir gelassen,
Die Trennung war ein Trennen bloß der Glieder,
Die Seele fand zur Seel' auch fern sich wieder,
Einander neubelebend zu umfassen.

Das Lied ward nun der Liebesgrußgesandte
Und so, für mich, nimm zarten Gruß der Lieder.
Wohl lieber stieg ich selbst zum Thale nieder
In das mir theure, innig anverwandte!

Doch lebt ja mein geheimstes Seyn und Werden
Mein Jetzt, mein Einst im Liede ganz allein -
Wie dieß mich zeigt, so möcht' ich Dir erscheinen,

Und zeigt es mich nicht wie von dieser Erden,
Laß mich nur Deinem Geist willkommen sein -
Und meine Grüße seien auch die Deinen!


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 231)

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Momentan

Als ich im Scheiden Dir am Hals gelegen,
Der Sprache Laut vom Thränenquell erstickt -
Hab' ich vertrauend zu Dir aufgeblickt,
Und fand im Aug' den lichten Strahlensegen.

Ich fühlt' ihn an des Herzens bangen Schlägen
War todbetrübt, doch unnennbar entzückt,
Die leidenstarre Brust so lenzerquickt,
Wie dürstend Grün nach lauem Sommerregen.

Als so mein Herz an Deinem Herzen ruhte,
Schien sich ein Aetherband um uns zu winden,
Das uns auch ferne treu zusammenhält,

In einer solchen friedlichen Minute
Mit Dir Ein Hauch, Ein Geist und Ein Empfinden -
Wie ging' ich da so gerne aus der Welt.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 232)

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Vergeben

Vergieb' Du mir, wenn ich von Dir gegangen,
Und ohne mich Dir wieder zu versöhnen.
Heut kam ich, unsern Frieden zu versöhnen,
Ich lese ihn in Deines Blicks Verlangen.

Du zürnst und höher glühen Deine Wangen,
Doch nicht vom Zorn, - vom stillentflammten Sehnen,
Und kaum hält die zurückgepreßten Thränen
Der Ernst des schönen Auges noch gefangen.

Ich bin wohl besser, als ich ging, gekommen,
So wirst versöhnt Du wieder auf mich nehmen,
Und liebender geliebt mir angehören,

Denn wenn aus meinem Dasein Du genommen,
Wer sollte dann die wilden Stürme zähmen,
Die ohne Dich, mein Heiligstes zerstören?


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 233-234)

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Traumerinnerung

Noch schwelgt mein Herz in jenen ersten Stunden
Und es vergöttlicht sich darinn mein Wesen,
Denk ich daran, wie's doch so schön gewesen -
Als Du in Träumen noch mir zart verbunden.

Nichts Gleiches dem, hat je mein Herz empfunden,
Ersatz war nicht im Guten nicht im Bösen,
Seit ich nicht mehr in Deinem Blick gelesen,
Seit ich mich schmerzlich von Dir losgewunden.

Vergebens alles Forschen, alles Wissen,
Und alles Denken schloß mit Deinem Nahmen;
Denn jedes Andere schlang Vergessenheit,

Und jede Kraft, die nicht für Dich befließen -
Wie konnte sie gar bald den Geist erlahmen,
Der nur für Dich zu sinnen stets bereit.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 234)

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Abgeschiedenheit

Du fragst, ob sich Entfernte können lieben?
Und fragst Du nicht die eigenen Gedanken,
Die sich so sanft an meine Nähe ranken,
Der sie, gar heiß erwiedert, treu geblieben?

Dein Herz entfaltet sich in reinsten Trieben,
Und meines auch hat solche Dir zu danken,
Ob nah, ob fern, es kann doch nimmer wanken -
Dein leuchtend Nahmensbild steht dort geschrieben.

So strahlt zur Blume auch die ferne Sonne
Bescheint und pflegt von dort die Heißgeliebte,
Als wäre sie die Nächste ihrem Reich -

So lieb' ich Dich mit lebensreicher Wonne
Und nur die Trennung war's, die mich betrübte -
Sonst sei mein Herz dem Deinen einzig gleich -

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 234-235)

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Erwiederung

Wie ich entzückter, heißer Dir soll danken
Für Liebesgruß in Worten und in Mienen,
Wie ich so holde Gaben soll verdienen,
Beschäftigt mir die wechselnden Gedanken.

Frey lebt der Geist in so geliebten Schranken -
Ihn rief's empor aus schmerzlich trübem Sinnen,
Es ruft und reißt den Willen zum Beginnen,
Und er beschließt, um nimmermehr zu wanken.

Wenn es ein Menschenleben gäb' zu theilen,
Um eines Andern freundliche Sekunden
Auf reiche Wonnejahre auszudehnen -

Dann nähme ich mein eignes ohn' Verweilen,
Und wären's Jahre oder kurze Stunden -
Ich gäb' mein Ganzes Dir, und frei von Thränen.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 236)

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Wiedervereinigung

Du konntest wol in meinem Herzen lesen,
Als ich mich jüngst entschlossen, Dich zu meiden,
Denn als ich sah Dein tiefverhehltes Leiden,
War auch Entschluß und Wille nichts gewesen.

Mein Zweifel schwand im glücklichsten Vergessen,
Wie konnt' ich mich an Deinem Kummer weiden?
Gar im Versöhnen, wen mocht' ich beneiden
Wär' noch so hoch sein Glück und unermessen.

An meinem trüben Lebenshorizonte
Führst Du im sanften morgenrothen Scheine
Den sonnigsten der Tage mir herauf.

Der Geist des goldenen Zeitenalters thronte,
Mit uns'rer Lust im innigsten Vereine,
Und gab der Sinne flüchtig Leben auf.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 246-237)

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Bardite

Die Barden zogen fort vor grauen Zeiten,
Um in den kühnsten allerschönsten Weisen
Der Liebsten Treu' und Schönheit hoch zu preisen
Und ihr Gesang zog mit nach allen Weiten.

So sollst auch Du in Liede mich geleiten,
Dein Lob soll's künden rings in allen Kreisen,
Die Schönste soll mit Deinem Namen heißen,
Und Lieder will ich auf den Pfad Dir breiten.

Ich brauche mich darinn wohl nicht zu nennen,
Wer anders könnte so sein zart' Empfinden
In Liebesblüten dir entgegenstreu'n?

Vielleicht wirst Du den treuen Sänger kennen
Aus seinem Lied heraus die Seele finden -
Und der Begegnung Dich recht innig freu'n.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 237-238)

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An ihr Bild

Dich hat mein früh'ster Traum mir schon gezeiget -
Da dacht ich dein, um nie dich zu vergessen,
So wahr, als hätt' ich einst schon dich besessen
Und frag' ich noch, warum mein Herz nicht schweiget?

Es kann ja doch, wohin es auch sich neiget,
Nur um Verlornes meinen Blick mir nässen,
Und will zurück es seine Klagen pressen -
Alsdann sein Drang, wie Flut zum Himmel steiget.

Als mir's gelang, mich selber zu erkennen,
Das nie empfund'ne mählig mir zu deuten
Schon da hab ich, Geliebte! dich erkannt.

Jetzt fand ich dich, darf dich mein Eigen nennen,
Nicht forschen mehr umsonst in öden Weiten -
Und doch, ich bin aus deinem Arm gebannt.


Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 238)

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Vorwurf

Ich kann nicht mehr zurück die Pfade finden,
Die mich so schnell und froh dir nah gebracht,
Denn Alles hinter mir umhüllet Nacht,
Und die hell aufgeflammten Zeichen schwinden.

Und Funken, die um dich nur zu ergründen
Zu Bränden hat mein Genius angefacht,
Versinken auch zu des Vergessens Schacht,
Um nimmer ihre Gluten zu entzünden.

Und nun ich angelangt am heiß ersehnten Ziele,
Ists deinem Herzen kaum noch mehr bewußt
Daß du den Waller einst zu dir beschieden.

Vielleicht war's eines deiner Jugendspiele
Daß also du mit leichtvergess'ner Lust -
Aus meinem Leben nahmst den ersten Frieden.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 239)

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Ewiger Verlust

Die Wünsche sandt' ich aus nach allen Wegen
Um in des Lebens unbekannten Gründen
Ersatz für dich, Verlorne! aufzufinden -
Doch nirgends tratst dem Wunsche du entgegen.

Das Herz blieb still und mochte wohl erwägen,
Wohin der Sehnsucht reine Quellen münden,
Doch wollte sich kein Friede ihm verbinden,
Und jenes Leid war längst ihm überlegen.

Es blieben mir von all' dem reichen Erbe,
Das ich von schönern Zeiten überkam
Nur noch die Thränen, die das Auge netzen,

Ich wiederhol' es mir, so oft der Gram
Mich übereilt und jenes Wort, das herbe:
Was Liebe nimmt, kann Liebe nur ersetzen.

Aus: Cypressen Dichtungen von Ludwig Foglar
Wien im Verlag des Jos. St. v. Hirschfeld 1841 (S. 240-241)

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Biographie:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Foglar



 

 


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