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Hermann von Gilm
(1812-1864)
Schlingt dein Arm sich um
den meinen,
Drück' ich deine Hand so lind,
Dann, Geliebte, will mir's scheinen
Ich sei wiederum ein Kind.
Und ich könne wieder beten,
Meiner stolzen Freiheit satt,
Könne keine Blume treten
Weil sie eine Seele hat.
Und die Kette sei zerrissen,
Die an Raum und Zeit mich band,
Und dein Auge sei mein Wissen
Und dein Herz mein Vaterland.
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Ein Veilchen blühte still
verborgen,
Da fliegt ein Schmetterling vorbei
Und setzt sich fern, sitzt bang voll Sorgen,
Das Veilchen grüßt: "Recht guten Morgen!"
Und frägt, warum er traurig sei.
"Ich komm' herauf von jener Heide,
Da sind sie alle schön geschmückt
Mit Gold auf ihrem Flügelkleide –
Den stolzen Blumen ihre Freunde -,
Nur mich hat keine angeblickt.
"Ich hab' kein Gold auf meinem Flügel,
Es hat's der Mond, der Sterne Licht,
Es hat's der Baum auf jedem Hügel,
Es hat's der Bach auf seinem Spiegel; -
Nur ich bin arm, ich hab' es nicht!"
Doch bei der ersten Sterne Schimmer
Lag er beim Veilchen duftberauscht,
Und diese Eine Nacht hätt' nimmer
Um all' des Goldes Glanz und Flimmer
Der arme Falter eingetauscht.
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Du sollst mir bei den
Sternen nichts versprechen,
Die haben jede Lüge noch verschwiegen,
Nicht bei den Göttern, die den Meineid rächen –
So lang sie selber nicht im Staube liegen;
Nicht bei des Busen's ungestümen Fliegen;
Nicht bei des Auges reichen Thränenbächen,
Die stolze Woge kann zusammenbrechen
Und jene süße Quelle kann versiegen.
Auf diese Veilchen schwör' mir deine Liebe,
Die du mir in ein Epheublatt gewunden,
Und die noch diese Nacht verwelken werden;
Doch jedes Jahr bringt einen Lenz auf Erden,
Dein Wort ist so in Veilchenduft gebunden,
Daß dich der Meineid aus dem Frühling triebe.
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Allerseelen
Stell' auf den Tisch die duftende Reseden,
Die letzten rothen Astern trag' herbei
Und laß uns wieder von der Liebe reden
Wie einst im Mai.
Gieb mir die Hand, daß ich sie heimlich drücke,
Und wenn man's sieht, mir ist es einerlei;
Gieb mir nur einen deiner süßen Blicke
Wie einst im Mai.
Es blüht und funkelt heut' auf jedem Grabe,
Ein Tag im Jahre ist den Todten frei;
Komm' an mein Herz, daß ich dich wieder habe,
Wie einst im Mai.
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alle Liebesgedichte
von Hermann von Gilm
Gedichte aus: Ausgewählte Dichtungen von Hermann von Gilm
Herausgegeben von Arnold von der Passer
Leipzig Verlag von A.G. Liebeskind 1889
Biographie:
Gilm zu Rosenegg, Hermann von, 1. 11. 1812 Innsbruck - 31. 5. 1864
Linz/Do., Sohn e. Gerichtsassessors, Gymnas. Feldkirch und Innsbruck, 1830
Stud. Jura ebda., 1836 Rechtspraktikant im Staatsdienst, an verschiedenen
Tiroler Kreisämtern: 1840 Schwaz/Inn, 1843 Bruneck, 1845 Rovereto; 1847
Konzeptspraktikant der Hofkanzlei Wien, 1850
im Innenministerium, 1854 Statthaltereisekretär in Linz, 1856 Leiter des
Präsidialbüros ebda. - Lyriker mit volksnaher, sentimental-eleg. Natur-
und zarter Liebeslyrik (›Stell auf den Tisch die duftenden Reseden‹), oft
weich und empfindsam-melancholisch; dagegen scharfe, schwungvolle polit.
Gedichte; zog sich wegen s. antiklerikal. ›Jesuitenlieder‹ Verfolgungen
zu. Auch Dramatiker, geistreicher Plauderer und
Theaterkritiker.
WERKE: Tiroler Schützenleben, G. 1863; Gedichte, II 1864 f. (Nachtrag
1868); Ausgewählte Dichtungen, hg. A. v. d. Passer 1889; Gedichte,
Gesamtausg. hg. R. Greinz 1895; Familien- und Freundesbriefe, hg. M.
Necker 1912.
Aus: Autorenlexikon: Gilm zu Rosenegg, Hermann von, S. 1. Digitale
Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur
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