Robert Hamerling (1830-1889) - Liebesgedichte

Robert Hamerling

 

Robert Hamerling
(1830-1889)

 

 

Ach wüsstest du


Ach wüsstest du, wie schön du bist,
Dann könnt'st du nicht so grausam sein;
Dann ahntest du, wie gross die Pein,
Wie gross nach dir mein Sehnen ist.

Dann hättest du mich längst geküsst
Aus Mitleid, soll's nicht Liebe sein.
Ach, ahntest du, wie gross die Pein,
Ach wüsstest du, wie schön du bist!

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Wunder


Deute mir den süßen Zauber,
Der die Frauenlippe würzt:
Daß uns ihre Glutberührung
In ein Meer von Wonne stürzt?

Solchem Wunder nachzuspüren
Ist so fromm, als wie des Seins
Ew'gem Grunde nachzugrübeln:
Alle Wunder sind nur eins.

Heilig ist dies Weltenwunder,
Wo ihr's packt, an jedem Ort,
Und die großen Rätsel alle
Löst ein einzig Zauberwort.

©

 

Du


Noch zarter, als die ich dir sang, die Lieder,
Noch süsser als ein Kuss, von dir gegeben,
Ist jenes holde Du, mein süsses Leben!
Das traulich zwischen uns geht hin und wieder.

Ein Vöglein scheint es mir im Glanzgefieder,
Dess gold'ne Schwingen leise zu mir streben:
Mein Ohr berührt's in wunderholdem Schweben,
Und lässt zuletzt sich mir im Herzen nieder.

Zu künden das Geheimnis ganz, das süsse,
Versuchten wir mit Worten leeren Schalles:
Nun fanden wir den sprechendsten der Grüsse.

Was braucht es noch des Reims und Silbenfalles?
Was selbst der Liebesblicke, Thränen, Küsse?
Mit einem Wörtchen sagen wir uns Alles.

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alle Liebesgedichte
von Robert Hamerling

 

 

 

Gedichte aus: Robert Hamerling Ein Sangesgruss vom Strande der Adria Verlag F.H. Schimpff Triest 1857

folgende Gedichte:
Ach wüsstest du, wie schön du bist (Ach wüsstest du)
Deute mir den süßen Zauber (Wunder)

Aus: Robert Hamerling Sinnen und Minnen. Ein Liederbuch
Verlag Rober & Markgraf Prag 1859

folgendes Gedicht:
Noch zarter, als die ich dir sang, die Lieder (Du)


Biographie:
Hamerling, Robert (eig. Rupert Johann Hammerling), 24. 3. 1830 Kirchberg am Walde/Niederösterr. - 13. 7. 1889 im Stiftinghaus b. Graz, Sohn e. armen Webers; 1840 Untergymnas. des Zisterzienserstifts Zwettl, 1844 Schottengymnas. Wien, 1848 Stud. Sprachen, Philos., Gesch. und Medizin ebda.; diente bei der Revolution 1848 in der 'Akadem. Legion'; Aushilfslehrer für klass. Sprachen 1852 in Wien, 1853 in Graz; 1854 Prof. am Gymnas. Cilli, 1855-66 in Triest; Herbst 1866 wegen chron. Magen- und Darmleiden pensioniert, seither in Graz. - Klassizist. Epigone von zeitbedingter Wirkung durch den farbenprächtigen Sensualismus und die pomphafte Rhetorik s. Sprache. In Akademismus, Formstreben und Schönheitstrunkenheit dem Münchner Kreis und der Kunst H. Makarts nahestehend, doch stärker von Antithesen geprägt und zur Dekadenz neigend. Theatral.-phantasiereiche Versepik mit philos.-grübler. Zügen, doch leidenschaftl., überhitztem und unwahrem Pathos. Dekorativ-sentimentale Bildungs- und Gedankenlyrik. Professorenroman. Dramen und nationale Satiren wirkungslos. Übs. aus dem Ital. (Leopardi 1866).
WERKE: Venus im Exil, G. 1858; Ein Schwanenlied der Romantik, G. 1862; Die sieben Todsünden, Orat. 1863; Ahasverus in Rom, Ep. 1866 (n. 1967); Der König von Sion, E. 1869; Danton und Robespierre, Tr. 1871; Aspasia, R. III
1876; Amor und Psyche, Ep. 1881; Homunculus, Ep. 1888; Stationen meiner Lebenspilgerschaft, Aut. 1889. - SW, hg. M. M. Rabenlechner XVI 1911; Ungedruckte Briefe, hg. J. Böck-Gnadenau IV 1897-1901.
Aus: Autorenlexikon: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur

 

 


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