Arno Holz (1863-1929) - Liebesgedichte

Arno Holz

 

Arno Holz
(1863-1929)

 

Inhaltsverzeichnis der Gedichte:
 

 

ERFÜLLUNG


Dann
losch das Licht,
und
durch die Stille,
fiebernd, verlangend, erwartungsbang,
nur noch:
unser zitternder Herzschlag!
Trunken ... stammelnd,
meine
Lippen ... süß dein ... Aufschrei!
Seligkeit!

...............

Im
Garten, frühauf, pfiff ein Vogel, von tausend Gräsern troff der Tau,
der
ganze Himmel ... stand in Rosen.
Lieber! ... Liebe!

Und
wieder:
Kuß ... auf ... Kuß!

Und
nichts als ... wir, nichts ... als wir!
....................

Was
kann die Welt,
an Glück, an Glanz, an
Rausch,
an Wonne, an
Taumel,
Erdenlust ... und ... Herrlichkeit,
uns ... jetzt noch ... schenken ... uns jetzt ... noch
bieten ... uns jetzt noch ... bringen?!
(S. 277-278)

_____
 

 

SCHWERE TRENNUNG


Du gingst.

Die
Blätter ... fallen.

In blaue ... Dämmerung ... sinkt das Tal.

Ich
starre in ... die ... steigenden
Nebel.

...............

Da,
einmal noch, aus der
Ferne,
weht ... dein ... Tuch.
Grüße!! Grüße!!
Ich strecke, sehnsüchtig, die Arme.

..............

Vorbei.

Aus den
hohen, steilen,
stumm wie versteint dastehenden
Silberpappeln
schreien die Stare ... in den ... Sonnenuntergang!
(S. 281-282)

_____

 

 

JÄHES ERWACHEN


Ein Tag ... ohne dich ist ... kein Tag!

Die
Stunden ... kriechen.
Alles ... öde ... alles
leer!

Noch ... nachts,
mitten zwischen zwei Träumen, die mich in deine Arme
wiegen, plötzlich:
Ich
schrecke auf!

Mit
... zitterndem ...
Herzen!
Liegst du ... jetzt wach?
Sehnst du ... dich ... nach mir?
Riefst
du ... mich ?

Schwarze, schwere, regungslose,
nur
durch das
jagende, fiebernde, pochende
Pulsen meines
Bluts
durchhämmerte
Stille!

...............

Fern ... von mir ... fern
bist ... du,
fern!
(S. 282-283)

_____

 

 

EINST!


Einst … werde ich und … einst
wirst Du nicht
sein.

Gib mir die
Hand!

Noch
scheint und eint
uns Sonnenschein; licht
liegt das
Land.

Ferne
Dunkelheit
lauert … Trübsal … trauert,
Einsamkeit
kauert

Gib mir … gib mir
die
Hand!
(S. 377-378)

_____

 

 

VON FREIER HÖHE


Ich ... weiß.
Oft
wars nur ein Lachen, ein Handdruck von dir,
oder
ein Härchen, ein bloßes Härchen, das dir der Wind lose ins Genick
geweht,
und all mein Blut gährte gleich auf, und all mein
Herz schlug ... nach dir!
Dich
haben, dich halten,
dich
halten. . . und ... haben,
ganz und ... nackt, ganz ... und nackt!

Und
heute, heute,
zum
ersten ... Mal,
unten
am
blaublink, unten am blaublank, unten am blauflink
silberwellchenzitterigen,
silberwellchenflitterigen, silberwellchenglitterigen,
abgelegen,
sanftgeschwungen, wiesenwaldeinsam
runden,
sommerlauen, sommerwarmen, sommerlinden
See,
glanzglitzernd im Mittag,
zwischen lichten,
spielenden, tief hangenden
Weiden, Weißerlen und Blütenkolbenschilf
von
freier,
luftiger, thymianduftiger
Hügelkammhöhe,
heute,
plötzlich, plötzlich,
sah
ich ... dich
so.

Ganz ... und nackt! Ganz und ... nackt!
Ganz ... und ... nackt!
Und ... mein ... Herz
stand still.
Wunschlos.
Vor ... Glück.

Und
es war keine Welt mehr,
nichts, nichts,
nichts!
Es ... war
nur noch ... Sonne! ... Nur noch Sonne! Nur noch
Sonne!

So
schön ... warst ... du!
(S. 276-277)

_____

 

 

ABKLANG


Ich
bin … ein
Stern.

Ich
… glänze …
Traurig … flehend,
tränenbleich,
hebst du … zu mir dein … Gesicht.

Deine
Hände … weinen.
»Tröste mich!«

Ich
… glänze …
Alle meine Strahlen
zittern
in
dein … Herz!
(S. 311-312)

_____

 

 

MORGENDLICHER ROSENSTRAUSS


Ich
trat in mein Zimmer.
Die
Fenster ... standen ... weit auf,
draußen
schien die Sonne.

Wie
wunderbar:

Aus
tiefsattem, köstlichstem,
noch
taublätterigem, noch tauleuchttropfigem, noch tauglitzerigem
Dunkelglanzgrün,
flimmernd, schimmernd, glimmernd,
mitten
im
schattenkühlen, ebenerdigen, weinrebenumkletterhangenen
Gartenhausraum,
Rosen!

Ein
ganzer
großer, wundervoller,
prachtender, prahlender, prangender,
strahlender,
stolz-stattlicher
Strauß!

Weiße, gelbe, lichtnußbraune,
rote,
zarte, blasse, rührend sanftrosaknospende,
fast
mystisch,
schwarzblau, samtschwer
schillernde
und
feuerigst, traumhaft, rauschherrlichst
lodernde
aus wildem, aus
üppigstem, aus prunkendstem
Orange!

................

Langsam,
zauberisch ... wie ... mich bannend,
zog es mich
näher.

Ah,
wie das herzduftete! ... Ah ... wie das seelendurchfrohte!
Ah,
wie das
wohl ... tat!

Und
ich stellte das
Glas,
behutsam, sorglich, vorsichtig,
andächtig, versunken,
wieder ... auf ... meinen
alten,
buchenen, konzeptpapierbedeckten, tintenfleckenüberkleckten,
simpelen
Schreibtisch.

Du ... Süße! ... Du ... Liebe! ... Du
Gute!

.................

Dort
steht es nun,
buntblitzerig, farbenüberfunkelt, märchentrautschön;
labespendet
seinen berückenden, erquickungsendet seinen beglückenden,
troststreut
seinen vielfältig feinen, seinen mannigfaltig reinen, seinen
durchmengt, durchmischt,
verschwenderisch
un-
vergleichbaren,
lauteren, wonniglichen, lieblichen,
makellosen,
morgenfrühen, morgenfreudigen, morgenfrischen
Balsamruch;

und in alles, was ich dichte, und in alles, was ich denke, und in
alles, was ich
sinne, trachte,
arbeite,
erträume und erstrebe,
glänzt jetzt sein reicher, haucht jetzt sein weicher, fließt jetzt
sein holder, sein voller, sein
beseligender
Schein!

(S. 279-281)

_____

 

 

APHRODITE


In
einem alten,
wirrdick
verwilderten, irrdicht verwachsenen,
flirrblink
verwucherten,
fontänenverstummten, terrassenverwitterten,
balustradendurchbröckelten
Taxuslabyrinth,
unter
einem seligen
Blaufirmament, in das es von roten Tulpen brennt,
auf
einem kleinen,
barocken,
von
Putten
umgetzten, graugrünbemoosten, girlandenumnetzten,
lustparkverschönenden, hügelchenkrönenden
Sandstein-Perlschnur-Sockelrund,
stehe ich nackt,
aus
bleichem ... Marmor.

Meine zagen Fingerspitzen
tasten
über ... meine
Brüste.
...............

Mich ... schuf Korinth ... mich
lobpries Pindar;
ich
sah das Meer!

Auf ragendem Gipfel, vom
steilsten Fels,
hoch
über einem
sprühblinkernd, sprühblänkernd, sprühflinkernd
blendenden
Flachdächergewirr,
dunkelen Granatgärten, silberigen Ölbaumhainen, lichtgrünen
Weingehängen,
glitzernden, welligen, fernverwogenden Feldern, blauenden,
bergigen, sanftrundkuppigen
Wäldern,
aus Myrten, aus Lorbeeren, aus
schattenden
weitästigen, breitkronigen
Feigen,
prachtprunkfriesig, prachtprunkgiebelig, prachtprunksimsig,
landhinweit
schimmerte, glanzgleißte, flimmerte
mein
Heiligtum.

Festliche Mengen,
rosenbekränzt,
entflammte, enthüllte,
entgürtete,
schlankgliederige, rankgliederige
Jünglinge und Jungfrauen,
im
Tanzschritt,
umschwärmten,
umfrohlockten, umjauchzjubelten
meine von Veilchen, meine von Krokus, meine von Iris, meine von
Primeln, meine von
Adonis-,
Anemonen- und Tamarisken-
Blüten
überstreuten, überprangten,
überschütteten,
von orphischen Hymnen umsungenen, von
weißen Tauben
umkreisten, umschwebten,
umflatterten
Altäre!

Umklungen
von
Flöten, von Weihrauch
umdampft,
mit
buntem Byssus behängt,
zwischen
vergoldeten Säulen,
lächelnd,
lilienbusig, langschenkelig,
blütenschneehüftig, narzissennabelig,
zartrosig, blauäugig,
ährenblond,
leuchtete ich ... über ... ganz Griechenland!
...............

Tückische, grausame, neidische
Ananke!

Aus
meinen
frommen, freudigen, feuerigen,
mutigen, mannhaften,
kühnen,
beherzten, stürmischen, kampfharten
Helden,
Streitern und Kriegern
wurden
kalte, finstere,
frostige, fischblütige, fintenpfiffige,
undankbare, abtrünnige,
sardonische, ironische, sophistische, rabulistische,
pedantische
Wortklauber, Silbenspalter,
Eiferer, Zweifeler
und
Philosophen;

auf
ferner, fremder,
kahlgrauer, wüster, düsterer
Schädelstätte,
jählings,
kohlschwarz, scheußlichst,
blutbespritzt,
hob sich ... ein Kreuz:
der
farbigste, heiterste, fröhlichste
Götterhimmel
zersprang!

Meine letzte Priesterin,
mir
zu Füßen,
mitleidslos, wutschnaubend, haßgiftschäumend, fühllos,
mit
schmutzigen, gierigen,
krallenlangspitznägeligen
Knochenfingern,
mitten ... in ... meinen
verwaisten,
verödeten, verschändeten
Hallen,
boslustwürgten, boslustdrosselten,
boslusterstickmeuchelten
hagere,
fanatische, zölibatische, ekstatische,
magere,
kamelshaarkuttige, geißelhiebnarbige
Nazarener;
ungeheuere, unermeßliche,
ungezählte
Barbarenhorden,
aus allen Weltweiten, aus allen Weltenden, aus allen
Weltecken,
jahrhundertelang,
immer wieder neue, immer wieder andere, immer wieder
blutwüstwildere,
blutwüstgrausigere, blutwüstgrimmigere,
berannten, stürmten, schleiften, stürzten, brandschatzten
meine Stadt,
schlugen mein Land, mordeten mein
Volk!
................

Tausend Jahre,
unter verkohltem Gebälk, unter zermürbeltem Schutt, unter
zerborstenen, versunkenen, zerstümmelten
Tempeltrümmern,
lag ich ... in ... schwarzer
Erde.

Zwischen
schlanken, hohen,
blaßsilberigen, purpurbraunköpfigen, zierblinkdornigen
Mariendisteln,
im
Abendschein,
glauäugig, wulsthörnig,
keckhufig
kletterweideten
Ziegen;
über mein weltabseits
einsames, vergessenes, blühendes
Grab
bliesen Hirten.

Tausend Jahre
war ich
tot.
.................

Heute
scheint die Sonne, der Himmel lacht,
ich
... lebe! ...

Auf
meine Schultern, durch gezacktes Laub,
goldwarm, goldrund, goldweich
fallen
schwebschwanke, webwanke,
bebblanke
Tupfen.
Meine Augen,
blickschwer, blickhohl, blickleer,
weit
geöffnet,
starren auf ein stilles, spähen auf ein stummes, staunen auf ein
grünes,
steinstufenumbordetes,
von
roten Traumfischen
durchglommenes, lotoskronenüberschwommenes,
ab und zu hauchleis überzittertes, ab und zu zartleicht
überflittertes, ab und zu
sanftlindfein
krauswellchenübergnitterglittertes
Wasser.

In
breiten, dunkelen ... überhängenden
Kastanienblättern
spiegelringelt, spiegelkringelt,
spiegelspielt
sein
... Licht! ...
(S. 553-558)

_____

 

 

VERLIEBTE MINIATUR


In
ihrem verschlissenen Musselinkleidchen,
das ihr
so
allerliebst, reizendst und ehrpusselig steht,
drauf
rote Herzen als Blumen blühn, und das zu ihrem Brautabend schon
die Großmutter trug,
sitzt,
über ihr
Nähzeug gebückt,
die kleine Madonna mit den strahlenden Goldscheiteln.
Der
Flieder,
durchs offene Fenster,
duftet.
Ein Augenaufschlag:
Willst du mich küssen? Komm!
Dann senkt sie wieder blitzschnell die Wimpern.
(S. 272)

_____

 

 

SANFT HINVERSCHMELZENDES LARGO


Mein … Glück? … Mein
Glück?

Mein Glück
ist ein spielendes Blatt im Sommerwind,
der
leichte,
flüchtige, zierliche
Schatten,
mit
dem mich, zwitschernd, die Schwalbe streift,
das
letzte, fernhochschwebend stille,
reglos
schimmernde,
flimmernde, glimmernde
Purpurwölkchen,
das
nach einem leuchtend langen, schönen, golden klaren Sonnentag,
in
einem zarten,
lichten,
himmlisch überirdischen Blaßgrün,
schwindend, scheidend,
selig
versinkt!
(S. 346-347)

_____

 

 

TIEFE MAINACHT


So
süß ... wob ... die
Nacht!
Unter
den dunkelen Kastanien ... gegen die mondhelle Wand,
lehntest
du
mit geschlossenen ... Augen im Schatten.
Wir ... küßten uns ... nicht.
Unser Schweigen
sagte ... uns ... alles.
(S. 275)

_____

 

 

LEIDLÖSENDES TRIO


Über die Welt hin … ziehen die Wolken.
Grün durch die Wälder
fließt
ihr Licht.

Herz, vergiß!

In
stiller Sonne
webt linderndster Zauber,
unter wehenden Blumen blüht tausend
Trost.

Vergiß! Vergiß!

Aus fernem Grund pfeift, horch, ein Vogel.

Er
singt sein Lied.
Das
Lied … vom
Glück!
(S. 314)

_____

 

 

JUBELNDE WIEDERAUFERSTEHUNG


Unter
Blumen, nach meiner
Flöte,
arkadisch, oreadisch,
sinnberauschend, sinnbetörend, sinnbestrickend
zärtlich,
einschmeichelnd, feuerig, hinreißend,
verführerisch,
südsonne-umblinkert, südsonne-umflinkert, südsonne-
umglanzt
tanzt
eine ... nackte
Zirkassierin!

Ihre
Brüste ... zittern!
Strahlend runde, liebessieche,
schwarzwimperige, wollustbrennende, violenholde
Sternaugen,
die
berücken;
zarte, willfährige,
schwellend süße, zutrauliche, lechzend rote
Granatlippen,
die
lächeln;
sanfte, samtene,
sehnend
anmutige, weitgebreitete,
schneeige, volle, weichgeschwungene
Narzissenarme,
die
locken!
Ihre in schmucken, ihre in zieren, ihre in
schmalen, hochverschnürten,
feinst
verriemselten,
silbersohligen, silberschnalligen
Purpursandalen,
in
rhythmischem Gleichmaß, in kühnfreiem Frohtakt,
lieblich, leichtflink
sich
hebenden, federnden, schwebenden
Füße
reigendrehen sich,
ringschreiten ... und ... springgleiten;
ihre
ranken, stolzüppigen, schlanken
Hüften,
sich
schwingend, sich schwenkend,
sich
schaukelnd,
wiegen sich, schmiegen
sich, biegen sich;
der
große,
schmachtende, prunkende, prachtende,
bacchanale,
eiovale, funkelprahle
Blutrubin
in
ihrem
selig gleißenden, alles
verheißenden,
nichts verbergenden, nichts
verhehlenden, nichts verhüllenden
Gürtelgehände
sprühlichtert, glühflimmert
und
flackerflammt!
Meine entzückten Blicke,
trunken,
baden in ihrer blendend weißen, wühlen in ihrer sengend heißen,
schwelgen in ihrer
schimmernd herrlichen, unvergleichlichen,
hehren, erhabenen,
makellosen, blühenden, vollendeten,
göttlich,
halkyonisch, hesperidisch
leuchtenden,
lachladenden, ladlachenden
Gliederpracht!

Das
goldene Haar ... das ... edele Haupt,
der
grünblaue, stirnschattende, grünglaue
Kranz!
.................

Wie
leer, wie öd,
wie
grämlich
grau,
wie traurig trüb, wie
elend trostlos,
gestern
noch,
lag mir ... die Welt!
Über dicht verschneiten Fichten dämmerte der Winterhimmel;
um meine einsam, um meine abseits, um meine
freudlos
toten Tage,
kreischend,
krächzend, heischend, ächzend,
düster
kreisten häßlich plumpe
Vögel,
flügelschlagend;
mein ... Sinn schwieg ... bang ... mein Herz ... war
krank!

Da
plötzlich,
überrauschtaumelnd, überzauberwonnend,
überglückgnadend,
durch
meine dunkelste
Nacht
loderten
deine ... Rosen!
Blau
blitzt das Meer; ich bin ein
Grieche;
schwarze Lorbeeren recken sich glitzernd,
um uns ... ins Licht!
(S. 399-402)

_____

 

Alle Gedichte aus: Arno Holz Werke Band I. (Phantasus I, II)
Luchterhand Verlag Neuwied am Rhein, Berlin-Spandau 1961


Biographie:
Holz, Arno, Pseudonym Hans Volkmar, (1863-1929), Schriftsteller. Von Lew Tolstoj und Émile Zola beeinflusst, ist er einer der bedeutendsten Wegbereiter und Vertreter des deutschen Naturalismus.

Holz wurde am 26. April 1863 in Rastenburg geboren. 1875 übersiedelte er nach Berlin, wo er, als freier Schriftsteller in Schönhausen lebend, mit den Anfängen der Berliner Moderne in Berührung kam und in der Großstadtatmosphäre sein Thema fand. Nach einigen Gedichtbänden Mitte der achtziger Jahre – darunter Klinginsherz (1883) und Das Buch der Zeit (1886) – veröffentlichte er mit seinem Freund Johannes Schlaf unter dem gemeinsamen Pseudonym Bjarne P. Holmsen die Prosaskizze Papa Hamlet (1889) und das Drama Die Familie Selicke (1890). Hierbei etablierte Holz einen „konsequenten Naturalismus", der auf exakte Milieuschilderung unter Einbeziehung auch umgangssprachlicher Elemente abzielte. Seine theoretische Grundlage formulierte er in Die Kunst, ihr Wesen und ihre Gesetze (1891/92) Als Schlaf sich dem Impressionismus zuwandte, kam es zum Bruch. Das bereits 1886 verfasste mythische Langgedicht Phantasus (2 Bde., 1898/99) über einen dahindämmernden, hungernden Berliner Dichter ist einer von Holz’ zentralen Texten; ausgehend von der Dichtung Walt Whitmans sollte hier, durch das Bewusstsein des Dichters geformt, eine totale, alles in sich aufnehmende Lyrik entstehen („Das ,letzte Geheimnis’ der Phantasuskomposition besteht im Wesentlichen darin, daß ich mich unaufhörlich in die heterogensten Dinge und Gestalten zerlege"). Gemeinsam mit weiteren reimlosen Gedichten, die ihre Struktur von einem inneren Rhythmus her beziehen wollen, wurde Phantasus später (1924/25) in eine dreibändige Gesamtausgabe aufgenommen. Erst in den sechziger Jahren dann kamen zusätzlich drei Bände aus dem Nachlass heraus.

Mit Lieder auf einer alten Laute (1903, 1904 erweitert unter dem Titel Dafnis) schuf Holz ein parodistisches Werk, das mit den sprachlichen Mitteln der Barocklyrik die Engstirnigkeit des Kleinbürgertums karikiert. Die darauf folgende Tragikomödie Traumulus (1905, mit seinem Jugendfreund Oskar Jerschke) wurde später verfilmt. Holz starb am 26. Oktober 1929 in Berlin. Weitere Werke sind die Gedichtbände Buch der Zeit. Lieder eines Modernen (1886) und Der geschundene Pegasus (1892), die Literatursatire Die Blechschmiede (1902) sowie die Dramen Sozialaristokraten (1896), Sonnenfinsternis (1908) und Ignorabimus (1913). 1924 veröffentlichte Holz seine Erinnerungen unter dem Titel Kindheitsparadies.
Aus: Encarta

 

 


zurück zum Dichter-Verzeichnis

zurück zur Startseite