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Auguste Hyrtl
(1818-1901)
Dem Gatten
Wenn du auf dieser Erde
Betrübt und einsam bist,
Und das Gewühl der Menschen
Für dich zu drückend ist,
Dann komm zur Schlummerstätte,
Wo ruht, was lebensmüd,
Und dort, an meinem Grabe,
Auch dir der Friede blüht.
Dann mußt du mir erzählen,
Wenn dir ein Leid gescheh'n,
Ich werde deinen Kummer
Und deinen Schmerz versteh'n.
Und wenn dir fort die Thräne
Der Abendwind geküßt,
So denk', daß meine Seele
In deiner Nähe ist.
Du geh'st dann still nach Hause,
Beim hellen Sternenschein.
Und unter meinen Blumen
Träum' ich von dir - allein.
(S. 216)
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Mein Leben liegt im Abendschein
Mein Leben liegt im Abendschein,
Es sinkt die Sonne tiefer nieder,
Und nicht mehr lang, so geh' auch ich
Dahin, wo keines kehret wieder.
Im Nebel liegt der Kindheit Glück,
Der Jungfrau Sehnen ward begraben,
Des Weibes heiße Wünsche hab'
Zum Teil ich auch dahin getragen.
Ein Stern nur, er hält still noch Wacht
Mit seinem hellen Zauber-Scheine,
Der Stern der Lieb' in seiner Pracht,
Ihn hielt ich fest im Herzensschreine.
Barmherzigkeit gab ich dazu,
Und Nächstenliebe ließ ich walten.
So wahrte ich des Herzens Ruh',
Und hab' auch frohen Sinn behalten.
Und wenn es heißt, jetzt ist es aus,
Heut mußt du noch von dannen gehen,
So werd' ich sagen: wie du willst,
Dein Wille, Herr, er mag geschehen.
Nur wahre mir mein Liebstes treu,
Ich leg' an deine Brust es nieder;
Und wenn dann seine Stunde schlägt,
So sehen wir ja doch uns wieder.
So senk' dich tiefer Abend nun,
Ich hab' mein Teil an Freud und Schmerzen,
Ich geh' getrost ans letzte Ziel,
Die Liebe wahrend treu im Herzen.
(S. 217)
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Gedichte
aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen
Poesie-Album zeitgenössischer Dichterinnen
Von Karl Schrattenthal
Mit zwölf Porträts in Lichtdruck
Stuttgart 1888
Biographie:
Hyrtl, Auguste, geb. v. Gaffron, Wien-Perchtoldsdorf, am 22. Februar
1817 in Braunschweig als Tochter eines Majors geboren, vermählte sie
sich mit dem später berühmt gewordenen Anatomen Josef Hyrtl. Ihre
zahlreichen, in den verschiedenen Zeitschriften des In- und Auslandes
veröffentlichten lyrischen Dichtungen sind in zwei Bänden gesammelt und
herausgegeben.
- Gedichte 2 Bdchn. (1875) 1880
aus: Lexikon
deutscher Frauen der Feder.
Eine Zusammenstellung der seit dem Jahre 1840 erschienene Werke
weiblicher Autoren, nebst Biographieen der lebenden und einem
Verzeichnis der Pseudonyme. Hrsg. von Sophie Pataky
Berlin 1898
Porträt von Auguste Hyrtl siehe:
http://scopeq.cc.univie.ac.at/query/detail.aspx?ID=14121
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