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Nikolaus Lenau
(1802-1850)
Frage nicht
Wie sehr ich dein, soll ich dir sagen?
Ich weiß es nicht, und will nicht fragen;
Mein Herz behalte seine Kunde,
Wie tief es dein im Grunde.
O still! ich möchte sonst erschrecken,
Könnt' ich die Stelle nicht entdecken,
Die unzerstört für Gott verbliebe
Beim Tode deiner Liebe.
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Stumme Liebe
Ließe doch ein hold Geschick
Mich in deinen Zaubernähen,
Mich in deinem Wonneblick
Still verglühen und vergehen;
Wie das fromme Lampenlicht
Sterbend glüht in stummer Wonne
Vor dem schönen Angesicht
Dieser himmlischen Madonne! -
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Meine Rose
Dem holden Lenzgeschmeide,
Der Rose, meiner Freude,
Die schon gebeugt und blasser
Vom heißen Strahl der Sonnen,
Reich' ich den Becher Wasser
Aus dunklem, tiefen Bronnen.
Du Rose meines Herzens!
Vom stillen Strahl des Schmerzens
Bist du gebeugt und blasser.
Ich möchte dir zu Füßen,
Wie dieser Blume Wasser,
Still meine Seele gießen!
Könnt ich dann auch nicht sehen
Dich freudig auferstehen.
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Scheideblick
Als ein unergründlich Wonnemeer
Strahlte mir dein tiefer Seelenblick;
Scheiden mußt' ich ohne Wiederkehr,
Und ich habe scheidend all mein Glück
Still versenkt in dieses tiefe Meer.
alle
Liebesgedichte
von Nikolaus Lenau
Gedichte aus:
Nikolaus Lenau Werke und Briefe.
Historisch-kritische Gesamtausgabe. Herausgegeben im Auftrag der
Internationalen Lenau-Gesellschaft
Band 1: Gedichte bis 1834
Band 2: Neuere Gedichte und lyrische Nachlese
Wien 1995; Hrsg. von Antal Madl, Deuticke Klett-Cotta
Biographie:
Lenau, Nikolaus, eigentlich Nikolaus Niembsch Edler von Strehlenau
(1802-1850), österreichischer Schriftsteller des Biedermeier. In seiner
melancholisch-schwermütigen Dichtung nutzte er Naturmetaphern zur
Darstellung menschlicher Verzweiflung und Zerrissenheit.
Nikolaus Lenau wurde am 13. August 1802 im ungarischen Csatád (dem
heutigen Lenauheim in Rumänien) geboren. In Wien und Preßburg (dem
heutigen Bratislava) studierte er Jura und Medizin. Seit 1821 betätigte er
sich auch dichterisch, wobei er sich deutlich vom elegischen Ton des
Balladendichters Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1748-1776) und Friedrich
Gottlieb Klopstocks inspirieren ließ. Schon früh artikulierte sich sein
unruhig-instabiles Temperament, das ihn aus seinen Studien zunehmend in
das Umfeld der Wiener Literaten, darunter Franz Grillparzer und Ferdinand
Raimund (1790-1836), fliehen ließ. 1830 versetzte eine Erbschaft Lenau in
die Lage, seine Zeit völlig dem Schreiben zu widmen. Seine erste
Veröffentlichung mit dem schlichten Titel Gedichte erfolgte 1832, ein Jahr
nachdem er auf der Suche nach einem „anderen Dasein" mit der schwäbischen
Dichterschule um Ludwig Uhland und Gustav Schwab in Kontakt gekommen war.
Rastlos getrieben, bereiste Lenau zwischen 1832 und 1833 Amerika
(„vielleicht geht mir in der neuen Welt zugleich eine neue Poesie auf")
und wurde bei seiner Rückkehr von dem plötzlichen Erfolg seiner
Publikation überrascht. 1838 folgten Neuere Gedichte. Nach einer
unglücklichen Liebesbeziehung zu Sophie von Löwenthal brach Lenau 1844
physisch wie psychisch zusammen. Fortan verbrachte er sein Leben in
psychiatrischen Heilanstalten. Er starb am 22. August 1850 in Oberdöbling
bei Wien.
Neben seinen Gedichtbänden schuf Lenau groß angelegte episch-dramatische
Dichtungen, die zum Teil Stoffe der Weltliteratur adaptierten. Dazu gehört
der als Fragment aus dem Nachlass herausgegebene Don Juan (1851), das der
gleichnamigen „Tondichtung" von Richard Strauss (1889) als Basis diente.
Des Weiteren schrieb Lenau das bewusst als Gegenstück zu Goethe
konzipierte episch-dramatische Gedicht Faust (1836, siehe Faust),
Savonarola (1837) und Die Albigenser (1842).
Aus: Encarta
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