Hermann Löns (1866-1914) - Liebesgedichte

Hermann Löns

 

Hermann Löns
(1866-1914)

 

 

Alle Birken grünen ...


Alle Birken grünen in Moor und Heid,
Jeder Brahmbusch leuchtet wie Gold,
Alle Heidlerchen dudeln vor Fröhlichkeit,
Jeder Birkhahn kullert und tollt.

Meine Augen, die gehen wohl hin und her
Auf dem schwarzen, weißflockigen Moor,
Auf dem braunen, grünschäumenden Heidemeer
Und schweben zum Himmel empor.

Zum Blauhimmel hin, wo ein Wölkchen zieht
Wie ein Wollgrasflöckchen so leicht,
Und mein Herz, es singt sein leises Lied,
Das auf zum Himmel steigt.

Ein leises Lied, ein stilles Lied
Ein Lied, so fein und lind,
Wie ein Wölkchen, das über die Bläue zieht,
Wie ein Wollgrasflöckchen im Wind.

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Wiesengras


Das Wiesengras ist lang und weich,
Die Sonne flammt und glüht,
Um rote Disteln zittert die Luft,
Die ganze Wiese blüht.

Wie Wachen, stark und scharf bewehrt,
Die Disteln uns umblühn,
Weich ist und lang das Wiesengras
Und deine Lippen glühn.

Deine glühenden Lippen zittern leicht,
Wie Blumenblätter im Wind,
Deine Lippen, die viel roter noch
Wie die roten Blumen sind.

Ich sehe die roten Blumen nicht,
Ich sehe dich nur an
Und küsse deinen roten Mund,
Solange ich küssen kann.

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Über die Heide ...


Über die Heide sind wir gegangen,
Und die Heide war blütenleer,
Goldene Käfer flogen schimmernd
Auf dem Sande vor uns her.

Alle Fuhrenzweige blühten,
Und die Heidelerche sang
Aus der wolkenlosen Höhe
Süß zu unserm Heidegang.

Einen Busch von goldenem Ginster
Hieltest du in deiner Hand,
Den ich an dem Hünengrabe
Zur Erinnerung dir band.

Zur Erinnerung an die Stunde,
Die in uns noch lange glüht,
Wenn an deinem Ginsterstrauße
Alle Blumen sind verblüht.

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Surrogat


O küsse mich, dein Küssen ist
So süß fast wie des Todes Kuß,
Bei deinem leisen Kuß vergißt
Mein Herz, daß es noch schlagen muß.

O küß und küß mich immerzu,
Bei deinem warmen, lieben Kuß
Vergesse ich, wie einst die Ruh
Des Grabes mich beglücken muß.

©


 

 

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von Hermann Löns

 

 

Gedichte aus: Hermann Löns Sämtliche Werke in acht Bänden. Hrsg. von Friedrich Castelle / erster Band Hesse & Becker Verlag Leipzig 1923


Biographie:
Löns, Hermann (Ps. Fritz von der Leine), geb. 29. 8. 1866 Kulm/Westpr. - gest. 26. 9. 1914 b. Loivre vor Reims; Sohn e. Gymnasiallehrers; väterlicherseits aus westfäl. Bauerngeschlecht, mütterlicherseits aus westfäl. Apothekerfamilie; kam früh nach Deutsch-Krone; Schule in Münster/Westf.; Stud. Naturwiss. und Medizin Münster, Greifswald und Göttingen ohne Abschluß; 1891 Redakteur in der Pfalz, 1893-1902 am ›Hannoverschen Anzeiger‹, redigierte gleichzeitig 1898-1901 die Zs. ›Niedersachsen‹; trat 1902 von der kath. zur protestant. Kirche über; teilte s. unstetes Leben zwischen Zeitung und Jagd; 1902-1904 Schriftleiter der ›Hannoverschen Allgemeinen Zeitung‹, 1904-07 am ›Hannoverschen Tageblatt‹, 1907-09 an der ›Schaumburg-Lippischen Landeszeitung‹ i. Bückeburg; scheiterte in zwei Ehen, 1912-1914 freier Schriftsteller in Hannover; längere Zeit in Österreich, der Schweiz und dem niederländ. Grenzgebiet; meldete sich 1914 freiwillig an die Front, fiel beim ersten dt. Sturmangriff auf Reims. In der Lüneburger Heide begraben. - Dichter der Lüneburger Heide von starker Stimmungskraft. Bedeutend vor allem durch s. elementare, genaue Beobachtung der Natur; einer der frühesten und besten dt. Tierschilderer. S. oft düsteren, spukhaften u. stark sinnl. Romane werden von dem tiefsinn.-hintergründ. Wesen der niedersächs. Bauern bestimmt. S. volksliednahe Lyrik und s. Balladen fanden bes. in der Jugendbewegung weite Verbreitung, häufige Vertonung.
Aus: Autorenlexikon: Löns, Hermann, S. 2. Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur

 

 


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