Das Liebes-Poetische Manuskript N° 21

O heilige, geliebte, süße Labe ...

Dichterinnen 12. - 16. Jh. - Männer-Porträts 15.- 16. Jh.


Filippino Lippi (1457-1504)
Porträt eines Jünglings
 


Beatritz Gräfin von Dia
(um 1160)


 
Ob ich nicht will, ich muß es dennoch singen,
Ihn klag' ich an, dem all mein Sinnen eigen;
Das Herz, um das ich muß in Liebe ringen,
Will sich in Gnade nicht noch Güte neigen.
Was blüht mein Leib, was frommt des Geistes Flug,
Wenn Geist und Schönheit mich verraten zeigen,
Der Häßlichen zur Kränkung noch genug?

Das ist mein Trost, daß meine Treu' geblieben,
Wie einz'ger Lieb' sie jemals nur entstiegen,
- Nich mocht' Seguin Valensa treuer lieben -
Fast freu' ich mich, in Lieb' dich zu besiegen.
Der Liebste doch, der Beste bleibst mir du.
Du willst nur mir erzwungne Kälte lügen
Und neigst dich allen andern gütig zu.

Mir diesen Stolz! ich kann es nimmer fassen,
Und billig geht mein Herz darum in Klagen,
Wie du um fremde Liebe mich verlassen,
Was immer sie auch bieten mocht' und sagen.
Gedenk' der Zeit, da deine Lieb' und Huld
Noch mein begehrte, Gott magst du befragen,
Da es nun anders, ob das meine Schuld.

Dein adlig Herz, so reich an milder Güte
Und hohem Wert, hält bannend mich gefangen.
Wenn nah', wenn fern in Lieb' ein Herz erglühte,
Ich zweifle nicht, um deines müßt' es bangen.
Doch kennst du wohl - der Frauen bist du kund -
Der Allertreusten Sehnen und Verlangen:
Es ruft dir süß der alten Liebe Bund.

Stolz ist mein Stamm, und adlig ist mein Sinnen,
Schön ist mein Leib, und mehr als Leibesschöne
Ist meine Treu'; mein Bote trägt mein Minnen
Im Lied zu dir, daß es dein Herz versöhne,
Zu fragen dich, warum, Geliebter mein,
Ich dich verlor, ob Übermut mich höhne,
Ob ich auf immer soll verlassen sein.

Und nun, mein Lied, ins Herz ihm sorglich töne:
Der Hochmut trügt, und manchem bracht' er Pein.



 


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Übersicht

Nachgedichtet von Hermann Spanuth (1900)

Gedicht aus: Geschichte der Französischen Literatur
von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart
Von Prof. Dr. Hermann Suchier
und Prof. Dr. Adolf Birch-Hirschfeld.
Zweite, neubearbeitete und vermehrte Auflage
Erster Band
Leipzig und Wien 1913
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Vida:
"Die Gräfin von Dia war die Ehefrau Guillems de Peitieus, eine schöne und gute Dame,
und sie verliebte sich in Herrn Raembaut d'Aurenga
und machte viele gute Lieder über ihn, wie ihr hier sehen und hören können werdet."

zitiert aus:
Angelica Rieger - Trobairitz
Der Beitrag der Frau in der altokzitanischen höfischen Lyrik
Edition des Gesamtkorpus
Max Niemeyer Verlag Tübingen 1991
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Biographie: http://de.wikipedia.org/wiki/Beatriz_de_Dia

 


 



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