Heinrich Mühlpfort (1639-1681) - Liebesgedichte

 



Heinrich Mühlpfort
(1639-1681)


Inhaltsverzeichnis der Gedichte:
 

 

 




Hochzeit - Lieder

1.
Hier müssen frische Myrten stehn /
Mein Fuß soll izt auf Rosen gehn;
Das Glücke will mir selber betten /
Denn die / so meine Seele liebt /
Und der mein Herze sich ergiebt /
Bind mich mit allzuschönen Ketten.

2.
Sie zeigt die Schätze ihrer Gunst
In gleicher Gluth in gleicher Brunst:
Ihr Blick entdecket die Gedancken.
Hier leg ich meine Freyheit hin /
Weil ich ihr Liebs-Gefangner bin.
Ihr Wille setzt mir Ziel und Schrancken.

3.
Der Frühling ihrer besten Zeit
Voll Anmuth voller Lieblichkeit.
Gibt meinen Geistern neues Leben.
Ich seh‘ auf ihrer Wangen Rund
In dem so schönen Zucker-Mund
Der Gratien leibhafftig schweben.

4.
Komm Schönste meiner Seelen Licht
Laß mich aus meinem Angesicht
Des Herzens wahre Meynung lesen.
Ich weiß von deiner edlen Treu /
Daß ihr nichts vorzuziehen sey.
Noch jemals etwas gleich gewesen.

5.
Du bist mein Stern mein Paradeiß /
Und was ich nicht zu nennen weiß /
Der Kern und Außzug meiner Seele /
Es soll in diesem Leib und Blut
Stets brennen meine Liebes-Gluth
Biß zu der schwarzen Grabes Höle.

6.
Laß uns / weil es der Himmel schafft /
Der Jugend voller Blüth und Safft /
Der Liebe Nectar-Strohm geniessen
Den Bund / der uns zusammen fügt
Und beyder Herz und Sinn vergnügt /
Besigelt ein empfindlich Küssen.
(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 7-8)
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Ein anders

1.
Zeugt Sternen / zeugt von meinen Lichten Flammen /
Ich pflag zuvor die Liebe zu verdammen /
Das Wort / dazu mein Mund schien ungeübt /
Bricht izt heraus: Ich bin / ich bin verliebt.

2.
Die hohe Macht / so über mich geschlossen /
Und meinem Blut die Regung eingegossen /
Kan / wie ein Feur nicht länger heimlich seyn /
Sie weist der Welt den reinen Glanz und Schein.

3.
Zwar was ich mir zum Grundstein auserwehlet /
Soll Tugend seyn / mit der ich mich vermählet:
Ein edler Geist / ein Treu-verbundner Muth /
Beständigkeit mein Schmuck und höchstes Gut.

4.
In diesem Brand wil ich unendlich leuchten /
Aurora mag das frische Graß befeuchten /
Die braune Nacht das matte Feld bethaun /
Man soll mich doch stets unverändert schaun.

5.
Und fühl ich gleich Cupido deine Stricke /
Mein Fuß und Herz weicht nimmermehr zurücke.
Ich weiß ja wol / was GOtt und Glück verbindt /
Daß da der Mensch Lust und Vergnügung findt.

6.
Komm / Liebster / komm: Mein Herze steht dir offen /
Was kan ich mehr auf dieser Erden hoffen /
Als wenn dem Schluß der Himmel unterschreibt /
Daß mir dein Herz zum Unterpfande bleibt.

7.
Und solt ich nicht dir meine Gluth bekennen?
Du weist das Feur / in dem wir müssen brennen /
Kein irdisch Dampff / kein Nebel hält es ein /
Es sucht die Höh‘ den Sternen gleich zu seyn.

8.
Mehr: will uns doch die Ariadne weichen /
Der meine Treu in allem sich soll gleichen:
Und legt uns doch der Fürst der güldnen Rey /
Die Strahlen-Kron der Berenice bey.

9.
Brennt Sterne / brennt / Dolmetscher unser Sinnen /
Last eure Glut nicht diese Nacht zerrinnen /
Das stete Licht / der unentsunckne Schein /
Muß izt ein Bild von unsrer Liebe seyn.

(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 8-9)
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Ein anders

1.
Ich bin vergnügt / dein schöner Rosen-Mund
Hat meinen Geist und Seele recht erquicket.
Dein Kuß macht mir des Herzens Meynung kund /
Und gleicher Trieb hat meine Seel entzücket.
Ich sage diß / du hast nun obgesiegt;
Ich bin vergnügt.

2.
Ich bin vergnügt / dein Herz erquickend Kuß
Begegnet stets der Gegenwart der Seele /
Eh‘ diese noch zurücke lauffen muß
Wart meiner schon in der Corallen-Höle.
Ich fühle wol / woran mir alles ligt /
Ich bin vergnügt.

3.
Ich bin vergnügt / dein heisser Kuß entdeckt /
Wie treu du liebst! wie redlich deine Flammen!
Es brennt ein Feur / das im Verborgnen steckt /
Biß endlich schlägt die lichte Loh zusammen:
So auch ein Herz / das alles überwiegt /
Ich bin vergnügt.

4.
Ich bin vergnügt / in deinem süssen Kuß‘
Hab ich noch mehr als Ambrosin geschmecket /
Es ist fürwahr der Anmuth Uberfluß.
Ein Aufboth / der stets neue Lust erwecket.
Ein ander denckt / ob er dergleichen kriegt /
Ich bin vergnügt.

5.
Ich bin vergnügt / und ruh in deiner Schoß /
Hyelle Schatz und Sammelplatz der Freuden /
Die Liebe macht mich aller Sorgen loß.
Ich will bey dir in nichts als Rosen weiden /
Und sage stets / weil es der Himmel fügt /
Ich bin vergnügt.

(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 9-10)
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Ein anders

1.
Beständigkeit / wenn alles bricht /
Hemmt doch getreue Liebe nicht /
Sie schenckt zu letzte Kronen.
Wer Tugend zu dem Grundstein legt /
Den will sie auch belohnen /
Die bleibt mir in das Herz geprägt.
Die ists / die einzig mich erfreut /
Beständigkeit.

2.
Beständigkeit / ach schöner Sieg!
Wann der Begierden Kampff und Krieg
Muß gänzlich sich ergeben!
Du Herrscherin bezwingst den Tod /
Und wenn schon unser Leben
Geräth in Kummer / Angst und Noth /
Stellst du doch uns zu der Seit /
Beständigkeit.

3.
Beständigkeit / vertrauter Schatz /
Soll stets in meiner Seele Platz /
Und Oberhand behalten.
Den Himmel / der sonst alles fügt /
Den laß ich drüber walten.
Nichts hat mich auf der Welt vergnügt /
Als du / du Hoffnung meiner Zeit /
Beständigkeit /

4.
Beständigkeit / die macht mich fro /
Nun ich dich / werthste / sehe so
Dergleichen Kleinod tragen.
Was einzig unsre Liebe ziert /
Davon der Neid muß sagen /
Ist daß sie Sieges-Palmen führt /
Die durch viel Proben eingeweyht /
Beständigkeit.

5.
Beständigkeit / mein höchstes Gut
Ein treues Herz ein gleicher Muth
Soll ewig dir verbleiben.
Hyelle Perle keuscher Zucht
Die Sternen unterschreiben
Den Schluß bewährte Liebe Frucht.
Es siegt nunmehr / trotz allem Neid.
Beständigkeit.
(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 10-11)
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Ein anders

1.
Mein auserwählter Schatz / vertrauter Perlemuth /
Die mir der Himmel izt schenckt zu dem höchsten Gut /
Und unsern Liebes-Bund geneiget unterschreibt /
Der auch trotz Noth und Tod beständig ist und bleibt.

2.
Mein Herze hat ja längst zum Opffer dir gebrennt /
So hat dein schönes Aug' auch meine Brunst gekennt /
Nun hat den Opffer-Tisch die Venus selbst bereit /
Umb den der Hymen auch die Liebes-Rosen streut.

3.
Die Sternen sehn erfreut der Seelen Bündnüß an /
Und werffen grösser Licht von dem Saphirnen Plan /
Die angenehme Nacht sagt neue Freuden zu /
Und ruffet dir und mir / Herzliebste / zu der Ruh.

4.
Dein holdes Angesicht gewährt der Himmel mir /
Ich achte nicht die Sonn und aller Sternen Zier /
Ein recht-verliebter Blick / den mir dein Herz entdeckt /
Hat mehr Empfindlichkeit und Lust bey mir erweckt.

5.
Ihr Buhler / jener Zeit / seyd nichtig hier geschätzt /
Die offt ein leerer Traum und Sinnen-Bild ergetzt:
Mir legt der Himmel selbst die Perlemuth izt bey /
Und flecht umb unser Haupt den Kranz von Lieb und Treu.

6.
Wie seelig acht ich mich / mein Kind / bey dir zu seyn /
Ein Kuß von deinem Mund ist ja mein Nectar-Wein!
Der zarten Armen Band / so dich und mich verstrickt /
Hat Zunder heisser Lust dem Herzen eingedrückt.

7.
Die Worte fehlen mir / mein Engel und mein Licht /
Du weist daß Liebenden Beredsamkeit gebricht /
Zu melden diese Glut / so mir das Blut erhitzt /
Zu nennen diesen Brand / in dem die Seele schwizt.

8.
Mein Trost auf dieser Welt und Freundin der nichts gleich /
Die Venus ladet mich heut in ihr Wollust-Reich /
Sie wird bey solchem Mahl die beste Wirthin seyn /
Und mit liebreicher Kost Herz und Gemüth erfreuen.

9.
Komm schönste Perlemuth / mein Herze klopfft nach dir /
Wie eine Uhr sonst schlägt / voll Hoffen / voll Begier.
Es hat Leander nicht die Hero so umbfast /
Als ich dich küssen will du höchst-verlangter Gast.

(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 13-14)
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Braut-Lied

1.
Mein auserwählter Schatz / der du mich hast entzündet
Durch deiner Augen Pracht /
Nun kommt die süsse Nacht /
So beyder Herz und Seel‘ in reiner Treu verbindet /
Und unsrer Liebe Licht und Schein
Heist nunmehr unauslöschlich seyn.

2.
Der Frühling rühme sich mit seiner Blumen-Prangen /
Und Venus ziehe für /
Der Rosen Purpur-Zier /
Mir blüht der Anmuth-May auf deinen holden Wangen /
Und was behäglich ist und heist /
Gewähret mir dein edler Geist.

3.
Die Sternen sprühen selbst mit ihren goldnen Flammen /
Glut unsern Funcken zu /
Biß daß die süsse Ruh
In wahrer Seelen-Lust / uns fügen wird zusammen /
Und ein verbündlich Liebes-Kuß
Besigelt unsern Heyrath-Schluß.

4.
Mein Engel gibstu doch mit Wincken zu verstehen /
Daß in nicht mindrer Glut /
Entbrannt dein treues Blut /
Und eilt mit gleichem Sinn das Bündnüs einzugehen /
O komm / O komm / verzeuch doch nicht /
Mein Augen-Trost / mein Seelen-Licht!

5.
Es sind die Regungen in unser Blut geschrieben /
Der muß ein Marmelstein
Und kalter Felsen seyn /
Der was sonst Liebens werth / nicht fähig ist zu lieben.
Und seine ganze Lebens-Zeit
Verkehrt in bittrer Einsamkeit.

6.
Nein / deine Freundlichkeit / die Demuth / diese Sitten /
Die theure Scham und Zucht /
Der wahren Tugend Frucht /
Die haben / liebstes Kind / mein Herze so bestritten /
Daß du für allem Gut und Geld /
Mein einzig Schatz bist auf der Welt.

7.
Was aber säum' ich / dich in meinen Arm zu schliessen /
Dictynna sieht und wacht
Zu unsrer Hochzeit-Nacht /
Wünscht durch den Silberblick uns ein vergnügt Geniessen /
Der Sternen Fackeln ruffen zu /
Diß Paar das leb' in Lust und Ruh.

(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 14-15)
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Bey Ubergebung seines Herzens

Nimm Clytie zu dem Geschencke
Mein Herze / weil mir Geld gebricht /
Du siehst / daß ich auff Liebe dencke /
Die aller Schätze Schatz und Licht;
Und weil ich leben
Muß unter dir /
So will ich geben
Zur Pflicht-Gebühr
Mein Herze hier.
Erschrick nicht / das es so erzittert /
Und sich in deinen Händen rührt /
Die Brunst / von der ein Herze wütert
Das Liebesflammen in sich führt /
Wird heller brennen /
Bey dir mein Kind /
Daß man kan kennen /
Wie wir entzündt
In Liebe sind.

Verwundre nicht die grosse Hitze
Die sich in meinem Herzen regt.
Empfind ich doch der Schönheit Blitze
Wormit mich stets dein Auge schlägt.
Wilst du verdammen /
Die linde Glut /
Da ich doch Flammen
Nehr in dem Blut
Ganz wohlgemuth.

Du sprichst / der Schnee an meinen Händen
Zerschmelzt von diesem Herzens-Brand.
Er hat mir Adern / Marck und Lenden /
Ja selbst das Leben umbgewandt.
Wie eine Kerze
Sich selbst verzehrt /
So ist mein Herze
In Staub und Erd
Durch diß gekehrt.

Nur Clytie du must nicht meynen /
Daß du solst iedem zeigen an /
Wie ich mein Herze zu dem deinen
Hab aus verliebtem Sinn gethan.
Daß diß Geschencke
Man an das Ohr
Gleich Perlen hencke /
Kommt / wie ein Mor
Mir seltsam vor.

Laß andre Diamanten haben /
Du trägst ein Kleinod das mehr wehrt.
Gold / Silber sind des Glückes Gaben.
Die Liebe wid nur mit beschwehrt.
Die Zeit zerreibet
Der Perlen Zier /
Mein Herze bleibet
In Liebs-Begier
Verpflichtet dir.

Gilt doch dein Mund mehr als Corallen /
Die Lippen mehr als ein Rubin.
Kein Demant kan mir so gefallen /
Als deine Augen wenn sie blühn.
Du bist mein Leben /
Mein höchstes Gut
Der ich gegeben
In treuer Hut /
Geist / Herz und Blut.
(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 15-17)
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An die Augen der Liebsten
Aria

Ihr schönen Augen ihr /
Ich fühle Gluth /
Und eure Wunder Zier
Erhitzt mein Blut.
Die angenehme Freundlichkeit /
So süsse Blicke streut /
Macht mich erfreut.
Ihr Fackeln meiner Seel
Ich bin entbrannt /
Aus eurer schwarzen Höhl
Und Diamant /
Komt mir der süsse Gegenschein
Daß ich verliebt muß seyn /
In meiner Pein.
Ihr Flammen meiner Lust /
Wie brennt ihr so?
Wie macht ihr meine Brust
So herzlich froh!
Leitsterne in das Paradeiß /
Eur so geliebtes Weiß /
Das macht mir heiß
Strahlt Kerzen in der Nacht /
Weißt mir die Bahn.
Ich bin ja eurer Pracht
Ganz unterthan.
Die Sonne muß sich nicht entziehn /
Sonst wird mein Leben fliehn /
Und ganz verblühn.
Ach küßt ich diesen Strahl
In heisser Brunst /
Der mir theils schencket Quahl
Theils süsse Gunst;
Ich schwöre daß ich sterbe so /
Und bin in eurer Loh /
Von Herzen froh.
(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 18-19)
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Uber die Kaltsinnigkeit der Liebsten

Dunckle Hölen / finstre Schatten /
Meine Lebens Auffenthalt /
Wüste Felder / stille Matten /
Einsam und verschwiegner Wald /
Könnt ihr auch die Seuffzer zehlen /
Die ich täglich abgeschickt /
Wenn mein Herz mit neuem Quählen
Ein beschwerlich Leyd gedruckt.
Ach ihr Zeugen meiner Schmerzen /
Sagt doch kühnlich was ihr wißt;
Und ihr hellen Sternen-Kerzen /
Suchet wo der Ursprung ist.
Anemonens edle Tugend
Die mein Abgott ist und heist /
Macht / daß Liebe meine Jugend
An die stärcksten Ketten schleust.
Keine hat mich können binden /
Aber dieser Nymfen Zier
Wuste mich bald zu entzünden /
Da sie doch nicht günstig mir.
Ihr sittsamen Geberden
Haben nicht genommen ein /
Daß ich ihr verpflicht must werden /
Weil die Geister in mir seyn.
Noch verlacht die Anemone
Mich / daß ich verliebet bin /
Da sie doch die Lebens-Krone
Tag und Nacht mir ligt im Sinn.
Was ich in Gedancken führe
Ist von ihrer Schönheit Pracht.
Wenn ich früh vom Schlaf mich rühre /
Hab ich schon an sie gedacht.
Soll ich denn nun Flammen leiden
Da sie nichts als kaltes Eiß.
Blut das kan den Demant scheiden;
Aber wenn mein Todes-Schweis /
Gleich auff allen Gliedern sässe /
Glaub ich doch nicht / daß ihr Sinn
Lieb und Hulden mir zumässe /
Sondern liesse mich dahin.
Anemone Zeit bricht Eisen
Und zermalmt den Marmelstein.
Willst du dich stets so erweisen
Und wie Stahl und Felsen seyn?
Kan dich nicht mein Flehn erweichen
Das unendlich zu dir schreyt /
Ey so muß ich nur verbleichen
In der besten Blüthe-Zeit.
Doch betrachte daß auf Erden /
So wie ich dich treu geliebt /
Du nicht kanst geliebet werden:
Und ob mich das Glück betrübt /
Ey so soll beständig lieben
Mit mir noch zu Grabe gehn /
Und daß ich umb dich geblieben /
Soll in allen Büchern stehn.

(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 19-20)
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An die versagte Liebste

Darff ich nicht meine Freyheit haben
In der zuvor mein Geist geprangt?
Ist denn der freye Muth begraben?
Hat meine Lieb ihr End erlangt;
Daß sie muß in des Kerckers Nacht
Verlieren Zierde / Glanz und Pracht.
Gefangne hoffen frey zu werden;
Ich weiß von keiner Rettung nicht.
Es lebt kein Mensch auf dieser Erden /
Dem es so sehr an Trost gebricht.
Die Liebe die mich erst ergetzt /
Hat nun ihr Schwerdt auf mich gewetzt.
Jezt muß ich schwere Ketten tragen /
Da ich zuvor in Kronen gieng.
Was ist noch übrig als verzagen;
Das Leben schätz ich selbst gering /
Und wünsche noch viel Noth und Pein
Des Grabes lieber Gast zu seyn.
Ist mir versagt in deinen Armen /
Mein allerschönstes Kind zu ruhn?
So wirst du dich doch noch erbarmen
Mir diesen letzten Dienst zu thun /
Daß du nimmst meinen Schatten an /
Der sonsten nirgends ruhen kan.
Gedencke / was ich schon erlitten /
Weil Himmel / Glück und Zeit mein Feind:
Wie ich umb deine Gunst gestritten /
Die mir nunmehr nicht hold erscheint.
Du kanst und sollst nicht meine seyn /
Wie bitter geht mir dieses ein.
Und weil ich dich nicht soll besitzen /
So such ich meinen eignen Tod /
Der wird mein gutes Recht beschützen /
Wie du mich hast gebracht in Noth.
Ich hasse nun das Tage-Licht /
Dieweil ich dich darff sehen nicht.

(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 22-23)
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Aus dem Scaliger

Ihr Honig-Macherinnen /
Und Blumen Samlerinnen /
Und Thau Einleserinnen /
Die ihr euch last gelüsten /
Von Hyblens süssen Brüsten /
Das Balsam-Kraut zu rauben /
Die ihr Hymattus Trauben /
Und gelbe Saffran Gaben /
Im Frühling denckt zu haben /
Sucht ihr denn bunte Rosen /
Violen und Zeitlosen?
Es lachet euch zum Ruhme /
Die Lilg' und Ringelblume /
Und andre Lenzen Bilder /
Die Venus im Gefilder /
In einem Kreiß geschlossen /
Und fruchtbar hat begossen /
Was wolt ihr lange summen /
Und in Einöden brummen?
Es möcht euch zarte Kleinen /
Ein rauher Blick bescheinen /
Und Caurus durch sein Rasen /
In Wüsteneyen blasen.
Seht ihr das weisse Pflaster /
Des Halses Alabaster /
Die Gläser-reine Hügel;
Hier stellet eur Geflügel.
Schaut an der Rose Schimmer /
Wie sie besafftet immer /
In hellen Flammen glänzet /
Und doppelt schön bekränzet.
Die funckelnden Corallen /
Der schwesterlichen Ballen
Und Purpur-rothen Klippen /
Der süß-geschwollnen Lippen.
Hier sauget / raubt und klaubet.
Sonst wer den Honig raubet /
Und diesen Fluß will lecken /
Den wird dein Gifft anstecken.
Ein Gifft das mich verführet /
Das mir den Tod gebieret /
Da ich noch nichts gespüret /
Und auch noch nichts berühret.
Wie wird es dem ergehen /
Der sich will unterstehen
Zu küssen ihre Höhen?
(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 23-24)
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Liebes-Wurm

Nun frische Myrten sich umb seine Scheitel winden /
Nun ihm die Juno hat das Braut-Bett aufgesetzt /
So soll sich / werther Freund / auch unsre Pflicht hier finden /
Und bringen ein solch Lied das Herz und Seel' ergetzt.
Zwar wenn Cupido nur die Feder wolte führen /
Und jede Gratie in jeder Zeile stehn /
Es sollt' ein solcher Klang ihm das Geblüte rühren /
Das aller Adern Puls weit stärcker würde gehn.
Alleine Venus ist sehr karg mit ihren Gaben /
Sie flöst uns nicht den Thau verliebter Reden ein;
Die Anmuths-volle Schaar der nackten Flügel-Knaben
Will uns in diesem Werck gar nicht behülflich seyn.
Wir dencken hin und her die Schuldigkeit zu leisten /
Und solches Sinnen macht in dem Gehirne Sturm;
Doch endlich schliessen so einhellig fast die meisten /
Es sey dem Bräutigam geschenckt ein 1. Liebes-Wurm.
Der 2. heist die Liebe kalt / ein ander nennt sie Feuer /
Dem ist sie ein Magnet / und jenem Gall und Gifft:
Wir sagen daß die Lieb' ein schönes Ungeheuer /
Ein angenehmer Wurm / der nichts als Freude stift.
Der Mensch ist selbst ein Wurm / und soll nicht 3. Würmer hecken?
Jedwedes Glied das ist mit Würmen angefüllt /
Und in dem 4. Herzen selbst da werden Würme stecken;
Welch Momus ist nu da / der unsern Lehrsatz schilt?
Die Sappho wäre wol von Felsen nicht gesprungen /
Leander durch die Fluth geschwummen bey der Nacht /
Es hätte nicht ein Schwerdt der Dido Brust durchdrungen /
Und Venus den Adon zu einem Gott gemacht /
Wenn nicht ein Liebes-Wurm ihr Herze so durchwühlet /
Welch Mensch lebt auf der Welt von diesen Zügen frey?
Man sieht wie die Natur schon in den Kindern spielet /
Und wie der Jugend Lenz voll solcher Gauckeley.
Der Wurm 5. wächst mit der Zeit / wie Blumen mit den  Tagen /
Die erste Witterung entspringt in dem 6. Gehirn.
Man mag die Aerzte nur umb klares Zeugnüß fragen /
Er sitzt im Vordertheil und meistens an der Stirn.
Denn wird der Mensch verwirrt / denn straucheln die  Gedancken;
So oft ein schönes Bild sich nur den Augen weist /
So laufft Witz und Vernunfft aus den gesetzten Schrancken /
Denn foltert erst der Wurm den Liebs-gefangnen Geist.
Das Frauenzimmer kan hierüber witzig sprechen /
Es kennt den starcken Trieb / ders Gegentheil entrückt /
Wenn so viel Seuffzer aus den matten Herzen brechen /
Und man nach einem Kuß viel tausend Wünsche schickt.
Die Pein die wird geklagt den Monden und den Sternen /
Daß derer Einfluß doch der Göttin Herz erweich /
Und daß ihr hold Gesicht sich wolle nicht entfernen /
Sonst führe man verblast hin in der Parcen Reich.
So tummelt sich der Wurm / denn sinckt er in die 7. Augen /
Da laufft man in der Stadt die Gassen auf und ab /
Sucht Psyllen / die das Gift sind mächtig auszusaugen /
Setzt / kriegt man nicht Gehör / oft weiter seinen Stab.
Und weil die Augen sonst die Führer in dem Lieben /
So ists nit Wunderns werth / daß sich der Wurm hier zeigt.
Er kan der Buhler Herz erfreuen und betrüben /
Nachdem er sich gekrümmt auf Schlangen-Weise neigt.
Er sitzt auch im 8. Gehör; denn wenn die Chloris singet /
Und ihr Sirenen-Klang bezaubert Herz und Ohr /
Wer mercket nicht alsbald / daß hier der Wurm erst springet/
Und Salamandern gleich mit Flammen bricht hervor /
Wenn er das hohe Schloß des Hauptes so durchkrochen /
Und allen Uberfluß der Anmuth hat erregt /
So fällt er auf die 9. Zung' und hält da gute Wochen /
Weil Venus ihm Confect und Marcipan aufträgt.
Die Schalen sind Rubin / so von der Liebsten Munde /
Holdseeligst ausgehölt in schöner Ordnung stehn.
So bald der Seiger nur schlägt die bestimmte Stunde /
So wird der Wurm entzückt aufs Spiel der Freuden gehn.
Der Liebe Schwefel-Holz / 10. den Kuß / hat erst entdecket
Ein Wurm / wie uns der Mund der grauen Zeiten sagt.
Denn als ein Bienenstich die Leßbia beflecket /
Und sie umb Hülf und Rath die Weisen ausgefragt /
Ward ihr der Männer Mund zur Arztney vorgeschrieben.
Dann wann der Zungen Wurm im küssen so vermischt /
Hat er die Seelen selbst auf diesen Platz getrieben /
Wo auf dem Lust-Corall der Liebe Nectar jischt.
Hier machet offt der Wurm ein Wetter der Begierden /
Wenn er von Lieb entbrannt die Zucker-Rosen bricht.
Nachdem er sich ergetzt in des Gesichtes Zierden /
So übt er seine Macht / haucht / züngelt / beist und sticht /
Daß die Empfindlichkeit durchdringend muß empfinden /
Wie aller Regungen Urheber ist ein Wurm;
Wie er den ersten Grund der Adern kan ergründen /
Fährt tieffer als ein Thal und höher als ein Thurm.
Deß Lebens in Begrif / das Herze bleibt nicht sicher /
Da hält der Liebes-Wurm die schönste Rennebahn;
Wenn er da einquatirt / durchfrist er keine Bücher /
Denckt wie er weiter nur sich immer wühlen kan.
Die 11. Lunge hebt er auf / daß nicht die Krafft gebreche /
Wenn er die 12. Leber schon hat in den Brand gesteckt /
Daß seinen Vorsatz nicht des Miltzes Unruh schwäche /
Hat in die 13. Nieren sich er ausgedöhnt gestreckt.
Wenn dann die Glieder in dem Leibe so zerrittet
Das Eingeweide von dem Wühlen wird durchbohrt.
Wird bey des 14. Nabels Schluß der Wurm erst  ausgeschüttet /
Da er sich wesendlich weist am benimmten Ort.
Herr Bräutigam / ihn muß diß Wesen nicht erschrecken /
Daß man den Liebes-Wurm so starck bey Menschen spürt;
Wir wollen ihm dabey die Heimlichkeit entdecken /
Daß auch der Liebes-Wurm das Frauenzimmer schürt.
Mund / Auge / Naß und Ohr sind eben mit besämet;
Doch wohnt er sonderlich auf ihrer Lilgen-Brust /
Wenn offt das Mädgen sich zum allerhöchsten schämet /
So denckt es / Wurm / ach Wurm! mein schaffe mir doch  Lust.
Noch mehr; der 15. Bauch-Wurm ist bey ihnen ganz  gemeine /
Sein Kützeln achten sie oft für ihr höchstes Gut.
Nicht Schätze / Perl' und Geld / des Morgenlandes Steine
Ergetzen / wie der Wurm / das Zunder-reiche Blut.
Sein Wesen wissen sie nach Kunst gar hoch zu heben;
Ja daß kein Wetter nicht von aussen ihn bestreicht /
So werden sie ihm Platz tieff in der Mitten geben /
Und tragen ihn gar gern mehr schwer als gar zu leicht /
Es ist ihm nun entdeckt / Herr Bräutigam / die Sache
Und beyder Herzen sind im lieben angeflammt;
Itzt fragt sichs / wie er sich recht angenehme mache /
Wie er mit einem Wurm erfüll' sein liebes-Ampt.
Es giebet 16. rauche Würm; und will er einen schencken?
Es wachsen lange 17. Würm und ungeheuer groß.
An 18. tausend-füssige will man itzt nicht gedencken.
Er geb ihr einen Wurm den 19. Wunder-Wurm in Schos.
Die Jungfern werden wol ob diesem Wort erstarren /
Erwägen daß ein Wurm sey ein abscheulich Thier /
Und schliessen: Halten uns die Männer denn vor Narren /
Daß sie ein Abentheur deß Wurms uns tragen für.
Alleine nur Gedult / Herr Bräutigam / unverzaget /
So bald er seiner Braut eröffnet den Verstand /
Gewiß; daß ihr der Wurm / der Wunder-Wurm behaget /
Ob sie zu ersten gleich sich von ihm weggewandt.
Sie wird begieriger darnach ihn in sich schliessen;
Denn was dem Jungfern-Volck beliebt / das hebt es auf.
Sie wird die Lebens-Zeit ihr so damit versüssen /
Gedencken / daß ein Jahr sey einer Stunde Lauf:
Bevor / wenn sie vermerckt / daß nicht wie Scorpionen /
Nicht wie Tarantula / nicht wie ein Crocodil /
Wie Schlangen / die gehörnt / in diesen Wäldern wohnen /
Ihr Liebes-Wurm sich weist / dem sie so trefflich will.
Diß Ungeziefer hat Gifft / Stachel zu verletzen /
Ist wild und auch von Art dem Menschen hefftig feind /
Hergegen dieser Wurm kan nichts als nur ergetzen /
Ist sonder Gall und Gift ein auserwählter Freund.
Ich weiß / die Liebste wird ihn 20. Seiden-Wurm nur nennen/
Wenn er mit Wollust sie zum öfftern überspinnt /
Bedencken was es sey / wenn in dem höchsten Brennen /
Von ihrem lieben Wurm die Milch der Anmuth rinnt.
Man saget ins gemein 21. Johannes-Würmlein schimmern;
Ach der October-Wurm plitzt in das Herz hinein!
Sie schleust ihm auf / er ist willkommen in den Zimmern /
Und soll auff ewig nun ihr liebster Gold-Wurm seyn.
Wen so die Liebe führt / daß sie von dem Gehirne
Biß auf den 22. Mittel-Punct glückseelig zeigt die Bahn /
Derselbe trägt mit recht den Kranz umb seine Stirne /
Und Hymen zündet ihm die Hochzeit-Fackeln an.
Wir haben hier gescherzt / er mag noch besser scherzen /
Hochwerther Bräutigam / mit seiner liebsten Braut:
Ein Scherzen das da fleust aus treu-verbundnen Herzen /
Wird mit geneigtem Aug' und Urtheil angeschaut.
Er krümle so verliebt / daß künfftig Würmle kommen /
Daß auch die Nachwelt spricht / sie seyn viel Goldes wehrt /
So werden Wespen nicht umb seine Rosen summen /
Und sein Gelücke wird von keinem Neid beschwehrt.
(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 24-28)
 


Anmerckungen.
Weil auf allen Hochzeiten die Venus und Cupido herhalten müssen / so ist auf etwas neues gesonnen worden. Und obwol die Verse nichts verstecktes haben / so sind doch zu Verstärckung angezogener Meynungen folgende Anmerckungen nöthig.

1. Daß sowol die Griechischen und Lateinischen / als auch andere ausländische Poeten die Liebe mit einem Wurm in ihren Schrifften verglichen / ist am Tage / und bedarf keiner fernern Weitläufigkeit.
2. Hier sind gleichfalls die Poeten zu lesen / so ihre Liebes-Neigungen anmuthig verglichen und beschrieben.
3. Daß in allen Gliedern des menschlichen Leibes Würmer gefunden werden / haben nunmehr Welt-berühmte Medici sattsam erwiesen / unter denen Schenckis, Bartholinus, Rhodius, Jonstonus, Mozonius und andere.
4. Daß in dem Herzen Würme gefunden werden / bezeuget Schenck, und führet Exempel in seine Observ. an F. 296. Ingleiche Zvving. in Theat. Vitae humanae p. 352 Gabelech Cent. 3. Fol. 3. Sowol in Pericardio als sinistro cordis ventriculo. Paulus a Castro in M.S.
5. Von der Generation der Würmer disputiret überaus schön Hieronymus Capivaccius in Pract. Med. L. 3. C.14.
6. Würmer im Gehirn hat Bartholinus selbst vermerckt Hist. Anatom. Cent. 1.
7. In den Augen besiehe Amatum Lusitanum Cent. 7.
8. Von den Ohrenwürmern schlage auf Avicen. und den Orivasium.
9. Daß unter der Zunge Würmer gefunden sind worden / erzehlet Schenck in Observat. Ja es hat Augustus Hauptmann Dresdensis und des berühmten D. Christiani Langii Prof. Lips. familiaris ein Sendschreiben an den Athanasium Kircherum de Viva mortis imagine geschrieben / undstatuiret, der Tod sey ein Wurm / und habe ihn bey einem Sterbenden unter der Zunge sitzen gesehen.
10. Besiehe hiervon den berühmten Griechen Achillem Tatium hin und wieder: Longum Sophistam in seinen Liebes-Gesprächen / Aristaenetum in seinen Liebes-Schreiben.
11. 12. Von der Lunge sagt Alcatab. Von der Leber Schenck. L. 3 f 452.
13. Von den Nieren-Würmen Hippocrates, und aus den Neuen Schenckius L. 3 f 509. Daß lange Würmer aus den Nieren gekrochen / bejaher Hollerius de Morb. Intest.
14. De verme Umbilicali. V. Camerar. Sylloge Memorab. Cent. 12. Borell. Cent. 1. Obs. 40. Salmuth. Cent. 2. Obs. 61.
15. Von Bauch-Würmern V. Zvving. Theat. vitae hum. p. 353. in gleichem von Rücken-Würmern Borell. Cent. 1. Obs. 80.
16. Von rauhen Würmern hat jetzt gedachter Borellius ein Exempel Cent. 2. Observat. 70.
17. Von Würmern ungeheurer Länge und Breite sind aufzuschlagen Amatus Cent. 6. C. 74. Forest. L. 21. Obs. 36. Schenckius L.3. F. 410, Tulpius Observat. L. 2 C. 42.
18. Vom tausendfüssigen Ohren-Wurm ließ Ruland, Cent. 10.c.82.
19. Von Wunderwürmern schlage auf des Matthiae Moronii Directorium Medico-Practicum.
20. Deß Seiden-Wurms Ruhm hat mit unvergleichlich schönen Versen Hieronymus Vida beschrieben.
21. Von diesen besiehe Michaelis Gehleri absonderliches Lob.
22. De Lumbrico ex inguine prodeunte Tulpius L.3.Obs. C. 12.
Es könten viel schöne und merckwürdige Historien nachgesetzt werden / wenn es die Zeit leiden wolte. Die wenige Autoritates sind nur zu Behauptung des Thematis angezogen.
(aus: Teutsche Gedichte Vermischte Gedichte S. 28-29)

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Auf die Anmuth der schönen Cyndaris

Ach schönste Cyndaris! ich fühle deinen Brand /
Den deiner Augen Licht mir heimlich zugesandt /
Ich weiß nicht wie mir war / als ich den Blitz empfand /
Der aus dem Diamant der Sternen kam gerannt.
Vergieb mir schönstes Kind / ich küsse deine Hand /
Den Silber reinen Schnee / das Wollenweiche Pfand /
Das mir die Liebe hat gewogen zugewandt /
Als ich zum ersten mal dein Angesicht erkannt.
Du Seele keuscher Zucht / nicht nur in unsern Land /
Es weiß die ganze Welt der Nord und Ostenstrand /
Des Ursprungs Göttligkeit / und deinen Tugendstand /
Der Haare lichtes Gold / wird meiner Seelen Band /
Gibst du mir einen Kuß / so ist es Alekant /
Der mir das Leben bringt / so ohne dich verschwand.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 112-113)
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An Megalinden

Ich habe mich verliebt in eine solche Zier /
Die Gegenliebe gibt / doch wann ich sie gesehen /
So werd ich halb erblast / mein Singen und mein Flehen /
Wie groß es sonsten ist / das kommt gar nicht zu ihr /
Doch ihre Lieblichkeit / kommt meinen Augen für /
Und läst mich fort für fort / in den Gedancken stehen /
Daß ich Sie lieben soll: wohlan! es sey geschehen /
Ich bleibe dir verpflicht / der Schluß beliebet mir.
Komm Megalinde komm / ist schon dein Angesichte
In Zorn und Haß verkehrt / so weiß ich daß dein Herz
In wahren Flammen glüht / und treibet einen Scherz /
Der vieler Leute Wahn / und Hoffnung / macht zu nichte.
Schwebt deine Gunst und Brunst / nicht eben auf der Stirne /
So sitzt die Liebe doch im Herzen / und Gehirne.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 114-115)
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Er liebet noch

Ich solte nun einmahl die Liebe lassen stehn /
Und mich nach rothem Gold / und grossem Gut umschauen /
So will und mag ich nicht den leichten Wellen trauen /
Doch aber soll mein Wunsch nach hohen Ehren gehn
Und tieffer Wissenschafft: ich will ein neu Athen,
In meinem engen Kopff / durch kluge Kunst aufbauen /
Der Schluß der sey gemacht: bald fängt mir an zu grauen /
Die Liebe kommt und spricht: diß wird dich nicht erhöhn /
Was denn? weg eitle Lieb! es bleibt mein fester Schluß /
Ach aber nur umsonst: Sie kommt mit Flammen wieder /
Und fahret wie ein Blitz / durch mein Gebein und Glieder /
So daß ich wie zuvor / inbrünstig lieben muß.
Es hilfft mich weiter nichts / als wenn dein rother Mund /
O schönste Flavie! dem meinen ist vergunt.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 115)
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Die Augen

Verliebte Seelen kommt / und schaut die Strahlen an /
Die unser Liebes-Feuer / wie hitze / von sich streuet /
Wird nicht ob diesem Glanz / ein kranckes Herz erfreuet?
Bricht unser Leitstern nicht / den Buhlern ihre Bahn?
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 115)
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Die Lippen

Ihr rühmt ihr Augen euch / als hätt ihr viel gethan /
Wird nicht auf unser Au die Wollust abgemeyet?
Wie offte habt ihr nicht mit Zorn und Rach gedreuet?
Wir sagen daß ohn uns man nicht recht lieben kan.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 115)
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Die Brüste

Was soll ein schlechter Blick doch vor Vergnügung bringen?
Und kan ein schneller Kuß der Liebe Bau-Grund seyn?
Wer sucht für Blick und Kuß nicht mehr den Lilgen Schein
Der unsre doppel Lust pflegt zierlich zu umringen:
Wir sind es die trotz Aug und Lippen können geben
Den Halbgestorbnen ein wieder neues Leben.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 116)
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Verliebte Gedancken

1.
Solt ich doch meine Gedancken nur zeigen /
Der / die mich ersten darinnen verwirrt.
Seuffzer und Blicke die würden nicht schweigen /
Sondern bekennen / wie ich mich verirrt.
Alles mein Hoffen mein Trachten und Thun /
Muß nur auf diesen Gedancken beruhn.

2.
Wie ich noch Ruh im Gemüthe kan haben /
Weil mir die Liebe die Sinnen bestrickt /
Sylviens himmlische Tugend und Gaben /
Machen mir meine Gedancken entzückt /
Ihre hellleuchtende Schönheit und Zucht /
Wird von mir täglich durch Wünsche besucht.

3.
Scheinet mir endlich das Glücke gewogen /
Daß ich die himmlische Schöne kan sehn /
Werden mir Leben und Geister entzogen /
Ich muß der Göttin demüthiglich flehn /
Daß Sie mir wider gibt / was Sie geraubt /
Und nur ein einziges Blickgen erlaubt.

4.
Bin ich entfernet / so sitz ich in Schmerzen /
Henge den Kopff / und beseuffze mein Glück /
Das mich läst meine Gedancken verscherzen /
Und schickt dieselben ganz leer mir zurück.
Wann ich auf alle Vergnügung gedacht /
Wird mir die traurige Zeitung gebracht:

5.
Sylvia, wolle von Liebe nichts wissen /
Sylvia liebe die Tugend nur bloß
Könne nichts anders im Herzen beschliessen /
Tugend die setz uns den Himmel in Schoß /
Weiter so sey ihr der Einsamkeit Lust /
Mehr als verliebte Gedancken bewust.

6.
O weh mir armen! ich muß doch noch sterben /
Himmel und Erde die sind mir zu klein /
Werd ich nicht ihre Genaden erwerben /
Die mir mein Hoffen auf dieser Welt seyn /
Ach so vergeh ich in endlicher Noth /
Sylvia ist ja mein Leben und Tod.

7.
Wann ich den Himmel der Stirne betrachte /
Und die zwey Sternen der Augen beschau /
Wunder / daß mir nicht die Seele verschmachte /
Doch von der Wangen holdseeligsten Au /
Wehet mich wieder ein Westenwind an /
Der mein Verlangen ersättigen kan.

8.
Purpurne Lippen / Blutrothe Corallen /
Zieren des Mundes verriegelte Thür /
Laß ich bißweilen ein Seuffzerlein fallen /
Ach so verreist es nur einig nach ihr /
Aber die Sylvia bleibet wie Stahl /
Lässet mich schwitzen in Jammer und Qul.

9.
Edelste Schöne / du Blume der Jugend /
Sonne der Anmuth / und Liebe der Welt /
Welche zum Muster vortrefflichster Tugend /
Meiner Gedancken und Sinnen gestelt /
Sylvia, schaffe nach hauffigem Leid /
Deinem verpflichtetem Knechte doch Freud.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 121-123)
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Er offenbahret seine Liebe

1.
Ja / liebstes Kind / ich bin dir wohlgewogen /
Weil Scham und Zucht sind bey dir eingezogen /
Ich sag es frey / was ich vor nie gewust /
Mein Herze / Schatz! klopfft unter deiner Brust.

2.
Der Jugend Glanz bezwang mich dich zu lieben /
Es war die Treu / dir an die Stirn geschrieben /
So dacht ich auch es muß ein schöner Geist /
In so ein schönes Hauß seyn eingereist.

3.
Wo sich zu erst die Liebe hat entsponnen /
Das ist von mir noch nicht recht ausgesonnen /
Die Eigenschafft der Seelen traff bald ein /
Mein Wunsch war Lieb / und auch verliebt zu seyn.

4.
Ich fühle Glut / in jeden Adern kriechen /
So offt ich nur von deinem Glanz gewichen /
Die Nacht erfand ein solches Ebenbild /
Das so wie du mit Schönheit angefüllt.

5.
Ich gieng mit dir im Schatten untern Bäumen /
Ich küste dich in den gewünschten Träumen /
Doch / wolt ich dich / was näher zu mir ziehn /
So war dein Fuß bemühet zu entfliehn.

6.
Nun lieb ich frey / du bist die liebste Seele
So lang ein Geist wohnt in der Liebes-Höle /
Du bist mein Schatz / weit über Gut und Geld /
Du bist mein bester Trost auf dieser Welt.

7.
Versichre dich / daß ich getreu will bleiben /
Und keinen Scherz / durch falsche Worte / treiben /
Die wahre Lieb / ist Gegen-Liebe werth /
Wohl dem / dem Sie der Himmel hat beschert.

8.
Nimm dieses Lied / zum Pfande / meiner Pflichten /
Biß ich vermag was liebliches zu tichten /
So soll dein Lob so hoch erhaben stehn /
Als Sonn und Mond / in ihrem Kreyse gehn.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 123-124)
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An Rosemund

Mein Herze / Rosemund! ligt nun in deinen Händen /
Du kanst ihm süsse Ruh / und gleiche Qual zu senden /
Du schöne Richterin / wirst hier dein Urtheil fällen /
Und den geneigten Spruch auf Gegen-Liebe stellen.
Wer wolte / Rosemund! nit deine Schönheit preisen /
Und deren Göttlichkeit geflissne Dienst erweisen /
Du bist die edle Blum / und kanst die andre Nympfen /
Durch deine Wunderpracht / und Anmuths-Gaben schimpfen.
Dein Name klinget mir so zärtlich in den Ohren /
Es scheint als wärest du zur Tröstung mir gebohren /
Die Geister regen sich / das Blut springt in den Röhren /
Wann ich die Rosemund die Schönste soll verehren /
Aus deinen Augen bricht ein Blitz in lichten Gluten /
Wann meiner Augen Schein sich dämpft in trüben Fluten /
Du bist der helle Tag / ich bin im finstern Schatten /
Wie darff sich nun die Nacht mit Stern und Sonne gatten?
Doch macht die Liebe gleich / was sonst nit zuvergleichen /
Kan Sie bey deiner Zier Gewogenheit erreichen /
So bleibt die Rosemund mein Glanz mein Licht mein Himmel /
Der nimmt den Geist von mir / wann mich verzehrt der Schimmel.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 124-125)
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An eben dieselbe

1.
Rosemund! wie kan es seyn?
Schönheit muß Verehrer finden /
Und der Augen Sternen-Schein /
Wird ein munter Herz entzünden.

2.
Meiner guldnen Freyheit Stand /
Will zur Knechtschafft sich bekennen /
Du hast mich ganz umgewand /
Durch dein angenehmes Brennen.

3.
Spielen deine Flammen so /
Daß Sie Marck und Bein verzehren /
Und wirst du nicht Stolze froh /
Wann wir Glut im Blut ernehren?

4.
Deine Augen klag ich an /
Und der Blicke Lieblichkeiten /
Die mich von der Tugend Plan /
Zu der Liebe Rennplatz leiten.

5.
Erstlich war ich nicht verwund /
Biß die Brunst hat Gunst gefunden /
Denn bin ich O Rosemund!
Von der Liebe Macht gebunden.

6.
Alles was ich denck und thu /
Ist mein Kind auf dich gestellet /
Wann ich wache oder ruh /
So bin ich dir zugesellet.

7.
Dir vertrau ich ganz mein Herz /
Liebste Freundin unter allen /
Und ich sag es ohne Scherz /
Daß du mir stets wohlgefallen.

8.
Trotz dem jenen der da wehrt /
Und verbeut ein eifrig Lieben /
Eh soll ihn ein blanckes Schwerdt
Jagen mit gewissen Hieben.

9.
Deinet wegen Rosemund!
Woll ich Frost und Hitze leiden /
Und ich bin vor dich zur Stund /
Willig aus der Welt zu scheiden.

10.
Nimm die Hand voll Jahre hin /
Die voll frischer Jugend blühen /
Und laß deinen treuen Sinn /
In der Gegen-Liebe glühen.

11.
So verlach ich Neid und Zeit /
Und verbleibe dir gewogen
Weil der Sonnen Heiterkeit
Mahlt den blauen Himmelsbogen.
(aus: Poetischer Gedichte  Ander Theil S. 125-127)
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Nacht-Lied an Anemonen

1.
Der Tag nimmt Abschied von der Erden /
Und Finsternus bedeckt das Feld /
Die Sonne eilet mit den Pferden /
Zur Thetis blauen Wasser-Zelt /
Der Nächte Schmuck / die Sterne / brennen /
Und geben ihren Glanz zu kennen.

2.
Der Laute wohlberedte Saiten /
Erwecken neue Lust in mir /
Ich kan die Herzbeweglichkeiten
Von meiner Anemonen Zier /
Nicht ganz und gar den Lüfften schencken /
Und in Vergessenheit versencken.

3.
Wiewohl kein Geist in Liebe schwebet /
Der nicht von ihrem Glanz verstrickt /
Kein Blutstropf in den Adern lebet /
Den nicht die Freundlichkeit entzückt /
Die mit der Schönheit sich verschworen /
Und ihren Sitz da auserkohren.

4.
Ach könnt ein jeder Thon erzehlen.
Die Seuffzer / so bey stiller Nacht
Den Wettstreit mit den Schmerzen wählen /
Und wie die Seele fast verschmacht /
Daß Sie nicht Anemonens Blicke
Ziehn von der Toden-Grufft zurücke.

5.
Ach Anemon ich frier ich / schwitze /
Ich brenn von Liebe lichter-loh /
Ach lasse deiner Augen Blitze /
Mich Sterbenden noch machen froh /
Dein Angesicht kan mir das Leben /
Und auch den Sterbe-Kittel geben.

6.
Kein Stern am Himmel wird verschweigen /
Mein Sehnen nach der Anemon,
Und die Diana soll bezeugen /
Wie ich dich meiner Seelen Krohn /
Im Wercken / Wincken Mund und Sinnen /
Muß täglich mehrers lieb gewinnen.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 127-128)
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Nacht-Lied an Charimenen

1.
Gewünschte Nacht / dein Einsamkeit /
Beweget die Geflissenheit /
Ein Lied zu opffern Charimenen /
Der Monden selbsten steht verliebt /
Kein Stern im Himmel ist betrübt /
Zu Ehren dieser schönsten Schönen.

2.
Gewünschte Nacht! beglücke mich /
Daß Charimene zeiget sich /
Und gönnet meinem Thon die Ohren /
Ich werde wohl halbschüchternd stehn /
Wenn ich seh diesen Blitz aufgehn /
Den ihrer Augen Licht gebohren.

3.
Gewünschte Nacht! Ihr Angesicht /
Ist heller als der Lichter Licht /
Die durch ein guldnes Wincken spielen /
Denn diese zieren dein Gewand /
Jen‘ aber streuen Glut und Brand /
Den man muß in der Seele fühlen.

4.
Gewünschte Nacht! und hell gesternnt /
Wo sich die Schöne nicht entfernt /
So wird der Monden auch erbleichen /
Er schämet sich vor ihrem Glanz /
Und ändert seine Farbe ganz /
Weil er nicht kan die Zier erreichen.

5.
Gewünschte Nacht! und stille Ruh /
Schafft daß Sie höret günstig zu /
Die auserwehlte Charimene /
Sie wird die Pflicht-Schuld nicht verschmähn
Die Ihr zu Ehren ist geschehn /
In diesem nächtlichen Gethöne.

6.
Gewünschte Nacht! es will die Zeit /
Daß man auch die Gelegenheit /
In acht zunehmen künftlich wisse.
Denn Charimene will nun ruhn /
Und beyder Augen Licht zuthun /
Eh ich noch den Gesang beschliesse.

7.
Gewünschte Nacht! dieweil ich soll
Abscheiden / so entschlaffen wohl
Der Charimenen zarte Glieder /
Doch wünsch ich daß ein Traum auch ihr
Entwerffe meine Dienstbegier /
Die ich gesetzt in Klang und Lieder.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 128-130)
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Nacht-Lied an Roselinde

1.
Ihr Sternen die ihr Wächter seyd /
Bey dunckel-stiller Einsamkeit /
Last eure Fackeln heller schimmern /
Bekrönt den Schatten dieser Nacht /
Mit eurer guldnen Strahlen Pracht /
Aus den Safirnen Himmels-Zimmern.

2.
Nun sich die ganze Welt gestreckt /
Und Sie des Schlaffes Fliegel deckt /
Die Flüsse stehn / und ruhn die Winde /
Erwacht mein Herze voll Begier /
Und singet vor der tauben Thür /
Erschein / erschein O Roselinde.

3.
Dann / kan ich deiner Augen Licht /
Das auch durch alle Nächte bricht /
Als meinen Leitstern nicht erblicken /
So werd ich ganz verlassen stehn /
Verirrt in meinem Trauren gehn /
Und heisse Seuffzer nach dir schicken.

4.
Der Jugend May und Rosen-Schein /
Der zarten Glieder Helffenbein /
Dein Geist / der meinem gänzlich gleichet /
Sind Funcken die in meinem Blut /
Aufblasen die getreue Glut /
Von der das Herze nimmer weichet.

5.
Wie? irr ich? oder höret schon /
Die Roselinde meinen Thon /
Der durch die stillen Lüffte spielet /
Ach ja! die Blitze ihrer Zier /
Die brechen häuffig itzt herfür /
So daß den Brand die Seele fühlet.

6.
Ich seh der Sternen güldne Schaar /
Doch deiner Augen Sonnenklar /
Schlägt auch des Monden Silber nieder /
Es steht Diana halb erblast /
Daß du ein ewig Feuer hast /
Und Sie muß ihres geben wieder.

7.
Verwirff O Roselinde nicht /
Der unbefleckten Liebe Pflicht /
Die dich bey steter Nacht begrüsset /
So vielder hellen Sterne Zahl /
So vielmahl tausend Tausendmahl /
Sey auch von mir mein Kind geküsset.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 132-133)
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Nacht-Lied an Perlemuth

1.
Nun kommt die gewünschte Zeit /
Perlemuth! mein ander Leben /
Daß ich in Zufriedenheit /
Mit dir kan vergnüget schweben.

2.
Schau die keusche Delie,
Weist die Silberblassen Wangen /
Und kommt über Lufft und See /
In dem lichten Schmuck gegangen.

3.
Alle Sternen wünschen mir /
Durch ein güldnes Wincken / Liebe /
Und des Himmels Lust-Saffir /
Wallt im heissen Liebestriebe.

4.
Doch / wann deiner Augen Glanz /
Mir genädig ist erschienen /
Perlemuth! so bin ich ganz
Hochverpflichtet / dir zu dienen /

5.
Dunckle Nächte Finsterkeit /
Soll nicht meinen Vorsatz brechen /
Und die Dienstgeflissenheit /
Wird noch Sturm noch Wetter schwächen.

6.
Siehe für der stummen Thür
Will ich deine Ankunfft hoffen /
Laß der eiffrigen Begier /
Deiner Schönheit Pforten offen.

7.
Denn so küß ich deinen Mund /
Und bekenne Brunst und Flammen /
Weil es mir bey dir vergunt /
Und du Sie nicht kanst verdammen.

8.
Schatz! nimm den beseelten Kuß /
Zu der Liebe Pfand und Zeichen /
Und gedencke / daß ich muß
Ausser deinem Trost erbleichen.

9.
Laß mich doch in deinem Arm /
Sattsame Vergnügung finden /
Mache die Begierden warm /
Die sich wegen dir entzünden.

10.
Recht die Lippen eingeschrenckt /
Und die Seelen tief vermischet /
Wie ein Reb am Reben hengt /
Werde dieser Kuß erfrischet.

11.
Liebste Seele / Perlemuth /
Liebe so / ich bin verbunden /
Du mein Schatz und höchstes Gut /
Hast getreues Blut gefunden.

12.
Mehr läst mir die Zeit nicht zu /
Ich beküsse dich zu letzte.
Aber denck in deiner Ruh /
Wie ich mich mit dir ergötzte.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 134-135)
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Bey Uberreichung eines Blumen-Strausses

Schönste nimm die Blumen an /
Die dein Liebster dir gebrochen /
Und weil vor dem Gartenplan
Ihnen deine Brust versprochen /
So beliebe doch den Strauß /
Laß die Blumen Sterne werden /
Hebe sie ins Himmels Hauß /
Von dem Bette ihrer Erden.
Nunmehr soll auf deiner Brust
Rundformirten Kugeln blühen /
Was vor uns die Garten-Lust
Pflegt im Frühling aufzuziehen.
Diese Rose schämt sich zwar /
Daß Sie zwischen zweyen Brüsten /
Die von aller Schönheit klar /
Soll nach Liebsgedeyen nisten.
Wie wird doch die Lilge blaß /
Daß sie den Schneeweissen Hügel /
Perlemuthens Wollust-Naß /
Hält durch windge Flügel.
Dieses ist der Liebe Platz /
Der wie Marmor aussen blincket /
Und inwendig an den Schatz /
Heiß entbrandte Flammen flincket.
Andrer Schnee / der ist sonst kalt /
Dieser brennt im höchsten frieren /
Und die Blumen werden bald
Den gewohnten Glanz verlieren.
Nimm den zarten Uberzug /
Der gepaarten Herzgen abe /
So trägst du mit gutem Fug /
Roß-und Lilgen-Blüth zu Grabe
Der annehmliche Crystall /
Sprüht die heissen Liebes Funcken /
Und hat durch der Wunder Fall /
Frost und Glut zugleich gezwungen.
Dieser Alabaster deckt
Ein sanfftmüthigs Liebes Herze /
Und in ihm ist aufgesteckt
Der Begierden Opffer-Kerze.
Können Blumen nicht bestehn /
So will ich mich selbst dir geben /
Und muß ich in Asch vergehn /
Leb ich doch bey dir mein Leben.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 136-137)
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An die erzürnte Perlemuth als Er einen Kuß
von ihr genommen

1.
Erzürnte Perlemuth / was hab ich dann verbrochen?
Daß du auf lauter Pein /
Die Augen richtest ein?
Und hast mir deine Gunst und Gnad nun abgesprochen.
Bedencke was dein Sinn itzt thut /
Erzürnte Perlemuth.

2.
Erzürnte Perlemuth / hat dich ein Kuß betrübet?
Der von den Lippen floß /
Und neue Krafft eingoß /
Dem Herzen / so da war biß an den Tod verliebet /
So bist du mir nicht grün und gut /
Erzürnte Perlemuth.

3.
Erzürnte Perlemuth / wie kan ich dich versöhnen /
Dein Haß wird mir zu schwer /
Ich kan ja nimmermehr
Seyn gänzlich ausgethan / von Perlemuth der Schönen /
Mir schwindet Leben Geist und Blut /
Erzürnte Perlemuth.

4.
Erzürnte Perlemuth / sieh deinen Knecht hier ligen /
Erhelle dein Gesicht /
Und laß den Armen nicht /
Die Sanfftmuth deiner Zier und Freundlichkeit betriegen /
Es fliest der herben Thränen Fluth /
Erzürnte Perlemuth.

5.
Erzürnte Perlemuth / mein Mund soll Straffe leiden /
Er wisse keinen Kuß /
Und schöpffe nun Verdruß /
Vor jene Lust und abgeraubte Wollust-Freuden
Behalte du nur Liebes-Glut /
Erzürnte Perlemuth.

6.
Erzürnte Perlemuth / ich muß darneben sagen /
Wie aller Menschheit bloß /
Mich in der Götter Schoß /
Der sanfftbeseelte Kuß / und linde Biß getragen /
Nun bin ich deine scharffe Ruth /
Erzürnte Perlemuth.

7.
Erzürnte Perlemuth / wir haben uns verbunden /
Durch wahrer Freundschafft Band /
Verdamme nicht den Brand /
Den du in meinem Kuß so übel hast empfunden /
So nenn ich dich mein höchstes Gut /
Versöhnte Perlemuth.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 139-140)
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An Melinden als Sie geschworen Sie wolte sich
nicht weiter küssen lassen

1.
Ach verstockte Seele!
Schau des Grabes-Höle /
Nimmet mich noch an /
Weil ich sonst nicht kan /
Deiner Lust Gestalt /
Süssen Aufenthalt /
Haben / eh ich werde kalt.

2.
Bist du denn von Steinen?
Daß dir nicht mein Weinen
Rührt das harte Herz /
Labet dich der Schmerz?
Der mein Leben drückt /
Weil mir ist entrückt /
Was ich vor in Lieb erblickt.

3.
Soll ich deine Wangen /
Weiter nicht umfangen?
Ist dein Rosenmund /
Mir nicht mehr vergunt?
Und hat Straff und Pein /
Vor gewogen seyn /
Deinen Geist genommen ein?

4.
Eiserne Melinde.
Was ich jetzt empfinde /
Vor gehäuffte Quahl /
Das weiß Berg und Thal /
Deiner Schönheit Zier /
Wecket auf in mir /
Täglich neue Liebs-Begier.

5.
Denck in jener Stunden /
Da ich dich gefunden /
In den Schlaff gesetzt /
Wie werd ich ergötzt /
Als einen süsser Kuß /
Mich mit Uberfluß /
Tränckte bey dem Ankunfftsgruß.

6.
Wie ich deine Brüste /
Höchst vergnüglich küste /
Wie ich liebes Kind /
Ganz auf dich entzündt /
Aller Menschheit bloß /
Und von Sorgen loß /
Suchte deinen Anmuths-Schoß.

7.
O! der guldnen Zeiten /
Die mich da erfreuten /
O! der trüben Noth /
Die mich itzt macht todt /
Da ich weiter nicht /
Darff dein Angesicht
Ehren durch der Küsse Pflicht.

8.
Was wilstu dich schämen
Einen Kuß zu nehmen
Von dem jenen hin /
Dessen treuer Sinn /
Dir ja jederzeit /
In Verschwiegenheit /
Ist zu allem Dienst geweyht.

9.
Es soll niemand wissen /
Daß wir beyd uns küssen /
Ausser ich und du /
Sprich doch ja darzu /
Und laß es geschehn /
Daß mein sehnlich Flehn /
Mag ein gutes Ende sehn.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 141-143)
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Er Liebet noch

1.
Wo bleibet dann nun mein Versprechen /
Das ich so heilig nechst gethan /
Ihr keuschen Musen solt das rächen /
Daß ich schon von der Tugendbahn
Auf die Melinde bin geschritten /
Und ihrentwegen Glut erlitten.

2.
Ich hörte süsse Seiten klingen /
Der linde Thon bezwang den Geist /
Daß er vor Freuden muste springen /
Und war schier aus sich selbst gereist /
Er suchte mit Melinden wieder
Die abgelegten Liebes-Lieder.

3.
Die Harmonie bezwang mein Herze /
Und sanck so zärtlich in das Ohr /
Der Liebe angeflammte Kerze
Die brach in heller Glut hervor /
Ich ließ den ernsten Vorsatz fallen /
Auf der beliebten Music Schallen.

4.
Sie kan ja recht frölich machen /
Daß wir dem Himmel ähnlich seyn /
Das können ihre Wunder-Sachen
Verrichten einzig und allein /
Ich weiß nicht wo ich mich soll lassen /
Wann jemand will die Laute fassen.

5.
Dann kommet auch die Lust geschlichen /
Die ich so offte weggebannt /
Gedencke ich / ich sey ihr entwichen /
So hat sie mich schon angespannt /
Dann wallt das Blut / dann weiß das Herze /
Von keiner Angst und herben Schmerze.

6.
Melinde deine Lieblichkeiten
Bethören mir fast Seel und Sinn /
Die himlischen Vollkommenheiten
Die reiffen von mir selbst mich hin /
Dein Bildnus kommt mir nie aus Augen /
Es kan mir Marck und Blut aussaugen.

7.
Die süssen Reden und Geberden /
Des holden Ganges Hurtigkeit /
Treibt meine Flammen Von der Erden /
Wann sie der Liebe Glut ausstreut /
Die Blicke reitzen zu der Liebe /
Und sind der Liebe Gegen-Triebe.

8.
Ich lasse Welt und Bücher stehen /
Ich werffe Geld und Gut von mir /
Wenn ich mag zu Melinden gehen
Und hören wie sie das Clavier,
Durch ein beweglichs rühren zwinget /
Und drinn mit zarter Stimme singet.

9.
Das weisse Paar der Künstler-Hände /
Beweiset da sein Meister-Stück /
Es laufft und eilet ausser Ende /
Bald forne für / bald hin zurück /
Und sucht das reineste Gethöne /
So wunderlieblich und so schöne.

10.
Ich will dir gerne Lieder schreiben /
Melinde! nur beseele Sie /
Es wird wohl ewig darbey bleiben /
Daß die berühmte Poesie
Vom Singen ihre Geister nehme /
Und sich zu dessen Laut bequeme.

11.
Wir wollen so die Sorgen tödten /
Melinde / spiele mir mein Lied /
Und zehle mich zu den Poeten /
Die sich um deine Gunst bemüht.
Verschönre deine Herrlichkeiten /
Mit Liedern und gestimmten Seiten.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 143-145)
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An seine Liebste

Der Sonnen lichter Glanz muß deinen Augen weichen /
Die guldne Lippen sind noch rother als das Blut /
Die Wangen können sich den schönsten Aepfeln gleichen /
Der Mund zerschwillet nicht wann Er viel Worte thut.
Ihr viel beweget diß / mich aber mehr für allen /
Daß in den Augen / Mund / und Wangen Schönheit wohnt.
Wem woltest du dann nicht du schönes Kind gefallen /
Und deine Zierlichkeit die wird mit Ruhm belohnt.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 146)
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Auf eben dieselbe
[Auff die Brüste seiner Liebsten]

Du schöner Wunder-Ort / darauf sich Venus setzet /
An dem Cupido selbst die stumpfen Pfeile wetzet /
Um den die Freundligkeit mit liechten Füssen springt /
Durch dessen Adern nichts als süsser Nectar dringt.
Diß hab ich angeschaut: O Zunder! meiner Schmerzen /
Mir treuft aus Ungedult der Reim von meinem Herzen:
Wiewohl dem Pindus gleicht der stolzen Brüste Schein /
So kan ich doch alhier nicht der Apollo seyn.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 147)
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Sechstinne

Das Haar
Wir fangen Geist und Seel / und leben doch verschräncket /
In steter Dienstbarkeit / der Schmuck so an uns hencket /
Ist vieler Buhler Netz / wenn jetzt die Locke träncket
Ein süsser Himmelstau / und uns die Freyheit schencket /
Daß man sich Kerckerloß um beyde Brüste schwencket /
Und das erstarrend Aug / als wie ins Grab versencket.

Die Augen
Hat jemahls unsre Glut ein schwarzes Haar versencket?
Hat unsre Sonnen je der Locken Nacht verschräncket?
Nein / wo der helle Strahl von Diamanten hencket /
Da quillt der Liebe-Brunn / der tausend Herzen träncket /
Wir haben sterbenden das Leben offt geschencket /
Wenn unser reitzend Blitz die Sieges-Fahn geschwencket.


Die Wangen
Hier ist der Rosen Feld / wo sich Cupido schwencket /
Und Lilgen um sich streut. Adon liegt hier versencket /
Im Grabe voller Lust / das nie kein Dorn verschräncket.
Seht doch wie die Corall an Perlen Muscheln hencket.
Wie uns die Venus selbst mit ihrem Nectar träncket /
Und unsrer Anmuth Schnee / der Liebe Purpur schencket.

Die Lippen
Den Köcher voller Pfeil hat Venus uns geschencket /
Und / ist es Wunderns werth / das unsre Glut sich schwencket /
Biß an der Sternen Dach / hier liegt ein Brand versencket /
Der ewig Zunder gibt / der mit Rubin umschräncket /
Die feuchte Süssigkeit / wenn Mund an Munde hencket /
Und die vergnügte Seel mit Perlen Säfften träncket.

Der Halß
Seht meine Perlen an / die Venus selbst geträncket /
In ihrer Liebes Schoß. Seht wie sie mir geschencket
Das reinste Helffenbein / und wie der West sich schwencket
Um meinen zarten Schnee / darinn er sich versencket /
Mitbringend alle Lust. Die heisse Brunst umschräncket
Deß Alabasters Zier / an der die Liebe hencket.

Die Brüste
Diß schwesterliche Paar / das voll von Flammen hencket /
Von aussen jedes Herz mit Liebes-Oele träncket /
Inwendig aber Feur als wie ein Aetna schencket /
Da doch das Schneegebürg sich von dem Athem schwencket /
Und wider von dem West die Seuffzer nidersencket /
Hält alle Lieb und Lust in seinen Kreiß verschrencket.

Nachklang der Sechstinne
Der Haare schönes Gold / der Augen-Lichter Brand /
Der Wangen Paradiß / der Lippen Himmel-Wein /
Hat mit des Halses Zier ohn allen Zwang bekannt /
Daß auf den Brüsten soll der Liebe Ruhstatt seyn.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 148-150)
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Ein verliebter redet seine an allen
Schönheiten vollkommene Liebste an

1.
Hab ich dein beseeltes Bild /
Selber in mein Herz gedrücket /
Ist die Liebe schon erfüllt /
Eh ich ihre Quell erblicket /
Darff die Einigung der Seelen
Länger nicht der Mund verhölen.

2.
Ich bekenne Flamm und Glut /
Von den Strahlen deiner Gnaden /
Solte mein entbrandtes Blut /
Sich in Thränen länger Baden?
Da doch die Bequemlichkeiten /
Mir die Wirckungs-Krafft zuleiten.

3.
Innerliche Neigung trifft
Die Gemeinschafft der Gemüther /
Und der Sternen Beyfall stifft /
Daß ich diese Himmels-Güter /
Mag bescheidentlich geniessen /
Wo ich eiffrig bin beflissen.

4.
Göttin auf der Unter-Welt /
Kern von den Einsamlichkeiten /
So die Schönheit in sich hält /
Soll ich Armer mit dir streiten?
Nein! ich lege Pfeil und Flitze /
Vor den Thron der lichten Blitze.

5.
Ohnmacht rührt mein kranckes Herz /
Die Bewegung hat mich troffen /
Doch läst der empfangne Schmerz /
Endlich noch Erbarmung hoffen /
Und die Heilung wird vollführet /
Wann ich deine Gunst gespühret.

6.
Deine Seele kan noch wohl
Einen Theil dem meinen schencken /
Und wo ich genesen soll /
Must du mich mit Säfften träncken /
Die von deinen Mund-Corallen /
Trieffend / Perlemuth! abfallen.

7.
Mische doch den Liebestranck /
Durch der Küsse Süssigkeiten /
Ewig soll mein Mund auf Danck /
Seine Lippen zubereiten /
Flösse mir die Arztney-Flüsse
Ein durch Geisterreiche Küsse.

8.
So erlang ich Zier und Glanz /
Der dem Angesicht entgangen /
Und die Brunst vermehrt sich ganz /
In dem sehnlichen Verlangen /
Das gewidmet deiner Tugend /
Bey dem Aufwachs frischer Jugend.

9.
Liebste Lebensbringerin /
Nimm zur Danckbarkeit das Leben /
Von des jenen Händen hin /
Der sich will zugleich mitgeben /
Und in steten Diensten sterben /
Wann er deine Gunst kan erben.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 150-152)
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Hier der verborgnen Wald / die Hölen mit den Quellen /
Aus den die durstig Erd ein frisches Wasser trinckt /
Hier / da die Lüffte sich zum Jungfer-Volck gesellen /
Die Lüffte / deren Hauch von schwancken Bäumen sinckt /
Da Aepffel ohne Müh anfallen von den Zweigen /
Mit dünnen Roth gefärbt / gleichwie die Brüste sind /
O Schöne wann Sie sich in etwas zitternd zeigen /
Wann sie ein sanffter Schwal in runde Circkel bindt.
Hier komm mein Leben her / sieh! wie die Lorbeerblätter /
Mit ihrem kühlen Frisch uns eine Herberg seyn.
Sieh wie die helle Quell bey lichtem Sonnen-Wetter /
Aus dem bemosten Hauß / die reinen Wässerlein
Mit solcher Anmuth geust / daß durch ihr lindes rinnen /
Und rauschen einen Schlaff in unser Augen bracht /
Der Herz / Seel / und Gemüth / und alles kan gewinnen /
Der durch ein solches Bild mein Leben zweiffelnd macht.
Der Athem / der da steigt aus den entschlossnen Höhen /
Und heimlich von der Brust mit tausend Seuffzern fleust /
Läst einen schnellen Brand durch Marck und Adern gehen /
Den meine Seele trinckt / und häuffig in sich geust.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 152-153)
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Aus dem Lateinischen

In Virifugam

So rein ist nicht der Schnee / als deine reine Sitten /
Du schreibst der Keuschheit selbst Zucht und Gesetze für /
Mich wunderts / daß du kanst auch der Natur gebieten /
Dein Geist trägt Pallas-Witz / dein Leib der Venus Zier.
Und dannoch wilstu gar des Ehstands Labsal hassen /
Dein Aug erkühnt sich nie die Männer anzusehn /
Du scheinst zwar im Gemüth der Wollust Thun zu lassen /
Nur wenn du Kinder bringst / was ist dann da geschehn?
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 153)
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In Juliam

Nechst hat mich Julia mit glattem Schnee geschmissen /
Ich dachte nimmermehr daß Feur im Schnee versteckt /
Bald sah ich Flamm und Strahl aus diesem Schneball schiessen /
Da doch nichts kälter ist als was der Schnee bedeckt.
Ach Julia! mein Herz ist in den Brand geleget /
Vom Schnee den deine Hand nach mir geworffen hat /
Welch Ort ist frey von List / die stets die Liebe heget /
Nun in gefrorner Flut die Flammen findet statt.
Ach Julia! du kanst wohl meine Flammen dämpffen /
Zwar nicht mit hartem Eiß / und leichten Flocken-Schnee /
Laß deine Liebesglut mit meiner Liebe kämpffen /
So lescht den lichten Brand auch nicht die weite See.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 154)
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Bulnea Vina Venus. & c.

Bad / Lieben / und der Wein verderben unsern Leib /
Und diesen macht belebt / Wein / Baden und ein Weib.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 154)
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Der Liebe Frucht sey ganz verflucht

Hier steht die Feder still / und saget gute Nacht /
Mein Herze mag nicht mehr an Lieb und Wollust dencken /
Ich hasse dieses Thun / mit den verdammten Räncken /
Die manchen Helden-Geist / in das Verderben bracht.
Die Hand wie schwach sie ist / soll nun was bessers  schreiben /
Und etwas Wichtiges der Nach-Welt einverleiben.
Geht Liebste / wie ihr nur den Namen je gehabt /
Aus meinen Reimen weg / ich will nichts von Euch wissen /
Mein Sinn ist nicht / wie vor / auf Uppigkeit beflissen /
Ich hasse was mich sonst so überaus gelabt.
Denn wenn ich alle Zier und Schönheit recht bedencke /
So find ich weiter nichts / als daß ich mich nur kräncke.
Was sind die schönen Haar / als Fesseln unsrer Seel /
Und ihr geflochtnes Gold / verstrickt die muntern Sinnen /
Der Stirnen weisser Schnee muß schwinden und zerrinnen /
Die Augen glänzen nicht / wann Sie die Grabes-Höl
In finstre Nacht versteckt: wo bleibt ihr süsses Wincken?
Wann beyder Lichter Glanz im Sterben muß versincken /
Die Wangen sind ein Feld / das unter Rosen auch /
Gespitzte Dörner trägt / die Lippen sind nicht reine /
Ihr Anmuth / die besteht auf angestrichnem Scheine.
Bey schönsten Blumen wächst offt ein vergiffter Strauch.
Die Kehle wann sie noch so lieblich hat gesungen /
Wird doch vom Angstgeschrey der Sünden überzwungen.
Der Brüste Zärtlichkeit und sanffter Liebes-Schwal /
Bezaubert zwar den Geist / und die verwegnen Hände /
So ist die Schoß ein Grab / und aller Wollust Ende.
Die prächtige Gestalt / verändert / wie ein Ball
Sich in der Lufft umkehrt / auch ihre Lieblichkeiten /
Und ist ein Schatten-Werck / und Gaukeley der Zeiten.
Was hab ich nun darvon / von dieser schnöden Lust?
Ob mich die Chloris liebt / und Salibene küsset /
Ob mir die Cynthia der Sorgen Pein versüsset /
Und ob Asterie mich drücket an die Brust.
Indessen geht die Zeit / und fleucht hin mit den Jahren /
Indem wir weder Kunst / noch Wissenschafft erfahren.
Nein werthste Poesie / du must die heilge Glut /
Nicht auf ein irrdisch Feur / und eitle Flammen lencken /
Gedencke was dir hat der Himmel wollen schencken /
Wie so verschwerderisch sein Segen mit dir thut.
Der Sinnen Göttlichkeit soll Sonnenhöher steigen /
Und sich nicht nach dem Schlamm des tollen Pöfels neigen.
Geht geile Sängerin / ich hör euch nicht mehr an /
Hat wo der Jugend Muth ein lüstern Lied geschrieben /
So ist es auch daselbst verdorben / und geblieben /
Dieweil ein solcher Reim nicht lange leben kan.
Es sey darmit gethan / ihr offtgepriesne Nympfen /
Ich will drum euren Glanz und Schönheit nicht verschimpffen.
Die lange Nacht bedeckt / was offt bey stiller Nacht /
Im Blühen frischer Jahr / und bester Zeit geschehen.
Ich habe was geliebt / und vielmal was gesehen /
Worüber mancher hat ein groß Geräusch gemacht.
Manch Lied von meiner Hand wird noch gesungen werden /
Wann dieser Leib erstarrt / und faulet in der Erden.
Diß wird ja meinen Geist auch in der Grufft erfreuen /
Wann die / und jene / noch von den Gedichten saget /
Die Liebe hat erdacht / wann man nach Reimen fraget /
Die das Gedächtnus noch auch in der Grufft verneun.
Im übrigen so sey die Lust hiemit beschlossen /
Es bleibe / was einmahl die Feder ausgegossen /
Nun muß ein grösser Werck / die Sinnen treiben an.
Ich hoff ihr Clarien! von euch noch Ruhm zu haben /
Wann in Vergessenheit ein ander ligt begraben /
Und hat nichts rühmliches die Lebens-Zeit gethan.
Nein! ein gelehrtes Buch das kan nicht untergehen /
Es gibt dem Tichter Ehr / und bleibt mit Lob bestehen.
(aus: Poetischer Gedichte Ander Theil S. 154-158)
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Aus: Heinrich Mühlpfort: Teutsche Gedichte Poetischer Gedichte Ander Theil.
Neudruck der Ausgabe Breslau und Frankfurt am Main 1686/87.
Herausgegeben und eingeleitet von Heinz Entner. Keip
Verlag Frankfurt am Main 1991
(Texte der Frühen Neuzeit. Neudrucke nach Beständen
und in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Wroclaw / Breslau)


siehe auch Teil 1



 

 


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