Orientalischer Liebesgarten
(Ausgewählte Gedichte)
|
|
Unbekannte türkische Dichter Von deinem Reize wollte ... Von deinem Reize wollte reden der dichtende Verstand, Da fiel er in ein Meer des Staunens und die Besinnung schwand. Die Perle dieses Verses endlich aufgriff er in der Fluth; Die legt anitzt der Aufgetauchte in deine schöne Hand. _____ Eine Riesenmuschel ist die Welt, Die als einzige Perle dich enthält. _____ Ob mir ohne Rast mein Ende droht, Ewig ist mein Auge hell und heiter. Beissen mich die Lockenschlangen todt, Blüh'n an meinem Grabe Lebenskräuter; Küsse sind's, die tilgen alle Noth Und so leb' ich immer, immer weiter. _____ Es gaukeln die Gedanken mir, an Künsten reich, An deiner Lockenringe Zier, Seiltänzern gleich. _____ Ungütiges Geschick, wie viel gibst du dem Herzen des Begehrens! Und schreit zu dir das flammende; welch eine Karge des Gewährens! _____ Verzicht', o Herz, auf Rettung, dich wagend in der Liebe Meer, Denn tausend Nachen schwimmen zertrümmert am Gestad' umher. _____ Umarmst du nicht, so bist du schön; jedoch Umarmst du mich, so bist du schöner noch. _____ Wer kein geliebtes Wesen in seine heissen Arme schleusst, Der ist, so viel er prahle, ein Körper ohne Seel' und Geist. _____ Es hat das Schicksal, wie es scheint, nichts Anderes in der Welt zu thun, Als dass es treue Herzen trennt, die selig an einander ruh'n. _____ Untersuche meinen armen Kopf! Denn es scheint, als sei es hier nicht richtig. Alles, Alles scheint mir ohne Werth; Und nur eine liebe Locke wichtig. _____ Eifersüchtig schwillt der Mond, sieht er unserm Kusse zu, Kommt nach einem Monat erst wieder in die Ruh'. (übersetzt von Georg Friedrich Daumer 1800-1875) |
Gedicht aus: Der poetische Orient
in metrischen Übersetzungen deutscher Dichter
mit Einleitungen und Anmerkungen
herausgegeben von Heinrich Jolowicz [1816-1875]
Zweite veränderte Ausgabe Leipzig
Verlag von Otto Wigand 1856 (S. 604-605)