Orientalischer Liebesgarten
(Ausgewählte Gedichte)
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Derwisch Abd-er-rahman (Mitte des 17. Jh.s) Viel Thränen sind geflossen Viel Thränen sind geflossen Wohl über mein Angesicht: In Strömen hab' ich sie vergossen - Die Holde kümmert es nicht. Wie wertvolle Perlen drangen Meines Mundes Worte hervor; Sie hielt sie nicht würdig zu prangen Als Zierden an ihrem Ohr. Mein Klagen sollt', wenn sie schliefe, Sie wecken zur Mitternacht; Doch wenn sie auch wacht', und ich riefe, Sie wacht nicht für mich, wenn sie wacht. Ich rede, wie zu einem Briefe, Und mit versiegeltem Mund; Doch mein Weh' - des Schweigens Tiefe Macht mehr als Klagen es kund. Nicht können der Liebe Ähren, Auf dürrem Boden gedeih'n. In meiner Wüste sich nähren Kann der Salamander allein. Ach, nicht dem geliebten Weibe Entsagt' ich, als sie mich mied; Die Seele aus meinem Leibe, Sie ist es, die von mir schied. Rahman wünscht nur zu empfangen Die Herzenstraute zum Lohn, Wenn Gnade fand sein Verlangen An des Allmächtigen Thron. (übersetzt von Anton Eduard Wollheim da Fonseca 1810-1884) |
Gedicht aus: Die Lieder aller Völker und Zeiten
aus 75 fremden Sprachen in metrischen deutschen
Übersetzungen und sorgfältiger Auswahl
Zusammengestellt und herausgegeben von Hans Grabow
Hamburg Verlag von G. Kramer 1887 (S. 266-267)