August Graf von Platen (1796-1835) - Liebesgedichte

August von Platen

 

August Graf von Platen
(1796-1835)

 

Tristan

Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ist dem Tode schon anheimgegeben,
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen,
Und doch wird er vor dem Tode beben,
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen!

Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
Denn ein Tor nur kann auf Erden hoffen,
Zu genügen einem solchen Triebe:
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!

Ach, er möchte wie ein Quell versiechen,
Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen,
Und den Tod aus jeder Blume riechen:
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!

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Schön wie der Tag und lieblich wie der Morgen,
Mit edler Stirn, mit Augen voll von Treue,
An Jahren jung und reizend wie das Neue,
So fand ich dich, so fand ich meine Sorgen.

O wär ich schon an deiner Brust geborgen,
Wo ich mich sammle, wenn ich mich zerstreue!
O wäre schon bezwungen diese Scheue,
Die unsern Bund vertagt von heut auf morgen!

Was fliehst du mich? Vermagst du mich zu hassen?
Was quälst du so durch deiner Huld Verschweigung
Den Liebevollen, der sich fühlt verlassen?

Beim ersten Zeichen deiner künft'gen Neigung
Wird eine bange Wonne mich erfassen,
Wie einen Fürsten bei der Thronbesteigung.

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Des Glückes Gunst wird nur durch dich vergeben,
Schön ist die Rose nur, von dir gebrochen,
Und ein Gedicht nur schön, von dir gesprochen.
Tot ist die Welt, du bist allein am Leben.

In diesen Lauben, die sich hold verweben,
Wird ohne dich mir jeder Tag zu Wochen,
Und dieser Wein, den warme Sonnen kochen,
Kann nur aus deiner Hand ein Herz beleben.

Von dir geschieden, trenn ich mich vom Glücke,
Das Schönste dient mir nur, mich zu zerstreuen,
Das Größte füllt mir kaum des Innern Lücke.

Doch drückst du mich an deine Brust, den Treuen,
Dann kehrt die Welt in meine Brust zurücke,
Und am Geringsten kann ich mich erfreuen.

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alle Liebesgedichte
von August Graf von Platen

 


Gedichte aus: August von Platen Werke in zwei Bänden Band I Lyrik Hrsg. von Kurt Wölfel und Jürgen Link; Band I: Nach der Ausgabe letzter Hand und der historisch-kritischen Ausgabe. Winkler Verlag München 1982


Biographie:
Platen, Karl August Georg Graf, eigentlich Karl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermünde, (1796-1835), Schriftsteller.

Platen wurde als Sohn eines verarmten protestantischen Adeligen in Ansbach geboren, war als Knabe Kadett und Page am königlich bayerischen Hof in München und nahm 1814/15 als Leutnant am Frankreichfeldzug gegen Napoleon teil. Von 1818 bis 1826 studierte er in Würzburg und Erlangen Sprachen und Literatur. Über sein von Hypochondrie und selbstquälerischen homoerotischen Empfindungen überschattetes Leben legen die seit 1813 geführten Tagebücher (2 Bde., 1896-1900) Zeugnis ab. Entgegen den Zeittrends romantischer Formauflösung bzw. politischer Tagesschriftstellerei huldigte Platen einem elitären Schönheitskult. Seine Lyrik ist geprägt von der meisterlichen Beherrschung anspruchsvoller Formen und Metren, was in den Bänden Ghaselen (1821), Lyrische Blätter (1821), Sonette aus Venedig (1825) und Gedichte (1828) zum Ausdruck kommt. Mit der Literaturkomödie Die verhängnißvolle Gabel (1826) und als Balladendichter – u. a. Das Grab im Busento – konnte Platen seine größten Publikumserfolge verbuchen. 1826 ging er ins freiwillige Exil nach Italien; die antikisierende Dichtung der italienischen Zeit wurde bereits von seinen Zeitgenossen, namentlich von Heinrich Heine, als epigonal-klassizistisch empfunden. Dennoch wirkte sein Ästhetizismus über den George-Kreis und das Fin de siècle bis zu Thomas Mann, was etwa in dessen Novelle Tod in Venedig zum Ausdruck kommt.

Weniger Berücksichtigung fanden in der Platen-Rezeption die politisch-satirischen Züge seiner späten republikanischen Dichtungen – etwa Polenlieder (1839) – und sein radikaler philosophischer Desillusionismus in der Vorläuferschaft Arthur Schopenhauers und Friedrich Nietzsches. Platen starb am 5. Dezember 1835 in Syrakus.
Aus: Encarta
 

 


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