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Robert Prutz
(1816-1872)
Gesetz der Liebe
Wenn du dein Herz der Liebe willst ergeben,
So acht' auf Eins: daß es sich völlig giebt
Und ungetheilt; es lebt nur, wer da liebt,
Drum klingt so ähnlich lieben auch und leben.
Drum wenn du liebst, so habe nichts daneben,
Woran dein Herz noch hängt; die Welt zerstiebt
Der Seele, die sich innigst weiß geliebt,
Und welche selbst in Liebe will verschweben.
Wer aber unter des Geliebten Küssen
Noch ängstlich seitwärts nach den Leuten schielt,
Was sie wol meinen, denken, sagen müssen,
Der ist, wie fromm er sich auch sonst verhielt,
Rebell zuwider göttlichen Beschlüssen,
Und eitel Täuschung ist, was er erzielt.
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Liebe
Was die Liebe kann begehren,
Liebe darf es frei gewähren.
Was von Liebe ward verschuldet,
Gern von Liebe wird's geduldet.
Alles Fehlen, alles Irren,
Liebe weiß es zu entwirren;
Trägt mit seliger Geberde
Alle Noth und Schuld der Erde;
Am Geliebten jeden Flecken
Weiß sie sorgsam zu verdecken;
Ja, ihn völlig freizusprechen,
Lächelnd theilt sie sein Verbrechen.
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Unersättlich
Warum dein Kuß, so warm, so süß,
Doch meiner Seele Durst nicht stillt?
Weil immer neu der Liebe Born
Mir aus der tiefsten Seele quillt;
Weil unter meines Kusses Glut
Stets ros'ger deine Lippe blüht,
Dein Auge mir, dein lächelndes,
Stets leuchtender entgegen sprüht.
So zündet Stern an Stern sich an
Am Himmelsdom in nächt'ger Zeit,
Und brausend gießt dir in das Herz
Sich flammende Unendlichkeit.
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Liebesuhr
Wann ist zum Küssen die rechte Stunde?
Wenn der Morgen, von purpurnen Wolken bedeckt,
Sich hebt aus dämmerndem Sunde,
Dann rasch die Geliebte mit Küssen geweckt,
Dann koste, wie süß solch Morgenbrot schmeckt
Von dem rosig knospenden Munde!
Wann ist zum Küssen die rechte Stunde?
Wenn der Mittag auf dampfenden Feldern ruht,
Die Sonne brennt in der Runde,
Dann rücke du näher, dann liebt es sich gut,
Dann kühle mit Küssen das schäumende Blut
In der heißen, der lässigen Stunde.
Wann ist zum Küssen die rechte Stunde?
Wenn der Abend von blühenden Zweigen thaut,
Die Nachtigall flötet im Grunde,
Dann hältst du im Arme die schüchterne Braut,
Dann kost es, dann küßt sich's noch einmal so traut
In wonniger Dämmerstunde.
Wann ist zum Küssen die rechte Stunde?
Wenn die Sterne erglänzen in nächtlicher Pracht,
Mit dem Mond, dem getreuen, im Bunde;
O liebliches Dunkel, o selige Nacht!
Nichts rührt sich, nichts regt sich, die Liebe nur wacht,
Die Sterne machen die Runde.
Dann ist zum Küssen die rechte Stunde,
Wenn das Herz dich treibt, wenn die Sehnsucht glüht
Auf dem lieblich schwellenden Munde;
So liebe und küsse mit frohem Gemüth,
So lange das Leben, das goldne, dir blüht,
Es enteilet die flüchtige Stunde!
_____
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Liebesgedichte
von Robert Prutz
Gedichte aus: Robert Prutz Buch der Liebe
Leipzig Verlag von Ernst Keil 1869
Biographie:
Prutz, Robert Eduard, 30. 5. 1816 Stettin - 21. 6. 1872 Stettin;
Kaufmannssohn; Gymnas. Stettin; 1834-38 Stud. Philos., Geschichte und
Philol. Berlin, Breslau und Halle; ging 1840 nach Dresden, 1841 nach
Halle; 1843-48 Redakteur des ›Lit. Taschenbuchs‹ ebda.; 1845 wegen
Majestätsbeleidigung angeklagt, aber begnadigt; kam 1846 nach Berlin; 1847
Dramaturg des Stadttheaters in Hamburg; 1849-59 ao. Prof. der
Literaturgeschichte in Halle; 1851 mit Wolfsohn Gründer der Zs. ›Deutsches
Museum‹; zuletzt freier Schriftsteller in Stettin. - Stark polit.-sozial
tendenziöser Lyriker, Erzähler und Dramatiker. Behandelte in s. Dramen
meist hist. Themen; hatte mit s.sozialen Romanen und den meist
epigonenhaften patriot. Gedichten wenig Erfolg.
WERKE: Gedichte, II 1841-43; Der Goettinger Dichterbund, Abh. 1840 (n.
1970); Die politische Wochenstube, K. 1845; Geschichte des deutschen
Journalismus, 1845 (n. 1971); Das Engelchen, R. III 1851 (n. 1970); Der
Musikantenturm, R. III 1855; Oberndorf, R. III 1862; Herbstrosen, G. 1865;
Buch der Liebe, G. 1869. - Dramat. Werke, IV 1847-49; Schriften zur Lit.
u. Politik, hg. B. Hüppauf 1973; Ausw. H. Kircher, 1975, I. Pepperle 1981.
Aus: Autorenlexikon: Prutz, Robert Eduard, S. 1. Digitale Bibliothek
Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur
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