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Friedrich Rückert
(1788-1866)
Liebesfrühling
Du meine Seele, du mein Herz,
Du meine Wonn, o du mein Schmerz,
Du meine Welt, in der ich lebe,
Mein Himmel du, darein ich schwebe,
O du mein Grab, in das hinab
Ich ewig meinen Kummer gab.
Du bist die Ruh, du bist der Frieden,
Du bist der Himmel mir beschieden.
Daß du mich liebst, macht mich mir wert,
Dein Blick hat mich vor mir verklärt,
Du hebst mich liebend über mich,
Mein guter Geist, mein bessres Ich!
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Ich liebe dich, weil ich
dich lieben muß;
Ich liebe dich, weil ich nichts anders kann;
Ich liebe dich nach einem Himmelschluß;
Ich liebe dich durch einen Zauberbann.
Dich lieb' ich, wie die Rose ihren Strauch;
Dich lieb' ich, wie die Sonne ihren Schein;
Dich lieb' ich, weil du bist mein Lebenshauch;
Dich lieb' ich, weil dich lieben ist mein Sein.
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Liebst du um Schönheit,
O nicht mich liebe!
Liebe die Sonne,
Sie trägt ein gold'nes Haar.
Liebst du um Jugend,
O nicht mich liebe!
Liebe den Frühling,
Der jung ist jedes Jahr.
Liebst du um Schätze,
O nicht mich liebe!
Liebe die Meerfrau,
Die hat viel Perlen klar.
Liebst du um Liebe,
O ja mich liebe!
Liebe mich immer,
Dich lieb ich immerdar!
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So wahr die Sonne scheinet,
So wahr die Wolke weinet,
So wahr die Flamme sprüht,
So wahr der Frühling blüht;
So wahr hab' ich empfunden,
Wie ich dich halt' umwunden:
Du liebst mich, wie ich dich,
Dich lieb' ich, wie du mich.
Die Sonne mag verscheinen,
Die Wolke nicht mehr weinen,
Die Flamme mag versprühn,
Der Frühling nicht mehr blüh'n!
Wir wollen uns umwinden
Und immer so empfinden:
Du liebst mich, wie ich dich;
Dich lieb ich, wie du mich.
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Sagt mir nichts vom
Paradiese,
Es ist mir zu weit;
Vorgezogen hab' ich diese
Eng're Seligkeit.
Sagt mir nichts vom Paradiese,
Es liegt mir zu weit;
Vorgezogen hab' ich diese
Näh're Seligkeit.
Meiner Liebsten Kammer, diese
Nahe Seligkeit,
Liegt mit ihrem Paradiese
Nachts mir nicht zu weit.
Meine Liebsten Kammer, diese
Enge Seligkeit,
Schließt für mich neun Paradiese
In sich, himmlisch weit.
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Du bist die Ruh'
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du
Und was sie stillt.
Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug' und Herz.
Kehr' ein bei mir,
Und schließe du
Still hinter dir
Die Pforten zu.
Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.
Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll' es ganz.
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Ich denk' an dich, und meine
Seele ruht
In dem Gedanken aus an dich,
Dem Schiffer gleich, der aus bewegter Flut
Zum stillen Hafen rettet sich.
Als wie am Tag ein wilder Vogel fliegt,
Waldaus, waldein, nach seiner Lust,
Doch bei der Nacht ins weiche Nest sich schmiegt,
So schmieg' ich mich an deine Brust.
Ich ruh' in dir, in deiner Liebe ruht
Der Drang der Seele wild und scheu;
Unsicher ist des Lebensmeeres Flut,
Und du allein bist ewig treu.
_____
alle
Liebesgedichte
von Friedrich Rückert
Aus: Friedrich Rückerts Werke in sechs Bänden. Hrsg. von Dr. Conrad
Beyer (Band 1-4), Verlag Max Hesse 1900
folgende Gedichte:
Du bist die Ruh'
Du meine Seele, du mein Herz
Ich liebe dich, weil ich dich lieben muß
Sagt mir nichts vom Paradiese
So wahr die Sonne scheinet
Aus: Friedrich Rückert. Ausgewählte Werke. Hrsg. von Annemarie Schimmel.
Erster Band
Insel Verlag Frankfurt am Main 1988
folgende Gedichte:
Ich denk' an dich, und meine Seele ruht
Liebst du um Schönheit
Biographie:
Rückert, Friedrich, auch Freimund Raimar, Freimund Reimer, (1788-1866),
Schriftsteller und Orientalist. Mit seinen Übersetzungen machte er die
persisch-arabische Dichtung im deutschen Sprachraum bekannt.
Rückert wurde am 16. Mai 1788 in Schweinfurt geboren. Seine Kindheit im
bäuerlichen Milieu schildert die elegische Idylle Erinnerungen aus den
Kinderjahren eines Dorfamtmannsohns (1829). Im Anschluß an sein Studium
der Philologie promovierte Rückert 1810 in Jena, wo er anschließend über
zwei Jahre als Privatdozent für Altphilologie tätig war. Nach einer
gescheiterten Karriere als Gymnasialprofessor war er dann lange Zeit
Privatgelehrter. Zwischen 1815 und 1817 arbeitete er als Redakteur für
Johann Friedrich Cottas Morgenblatt für gebildete Stände. Gleichzeitig
entstanden diverse, zunächst in Zeitschriften publizierte Gedichte,
darunter „Amaryllis" (1812). 1814 wurden Rückerts während der
Befreiungskriege verfassten Geharnischten Sonette und Krieger. Spott- und
Ehrenlieder als Deutsche Gedichte gesammelt herausgegeben. 1817/18
verbrachte der Autor in Italien, wo er mit seinem absonderlichen Aussehen
– „langem, herabhängendem ungekämmtem Haar und Schnauzbart" (Dorothea
Schlegel) – die Einheimischen verschreckte. Mit der Trilogie Napoleon
(1815-1818) versuchte sich Rückert an einer Wiederbelebung der
Komödientradition eines Aristophanes. Der Zyklus Liebesfrühling (1821) war
der Braut Luise Wiethaus-Fischer gewidmet. Durch seine Dichtungen wurde
Rückert u. a. mit Friedrich de la Motte Fouqué, Jean Paul, Ludwig Uhland
und Friedrich von Schlegel bekannt.
Der Kontakt mit dem Orientalisten Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall
weckte 1818 Rückerts Interesse für die persische und arabische Sprache
bzw. Literatur. In Anlehnung an Goethes West-östlichen Divan übertrug er
in der Folge zahlreiche Schriften und versammelte in der Anthologie
Östliche Rosen (1822) vor allem Nachdichtungen zur Lyrik von Hafis. Durch
seine Übertragung von 44 Gedichten des Mystikers Djalal od-Din Rumi machte
er die in der orientalischen Literatur vorherrschende Gedichtform der
Ghasele, die Schlegel bereits 1803 nachgeahmt hatte, im deutschen
Sprachraum populär. 1826 wurde Rückert Professor für Orientalistik in
Erlangen. Im gleichen Jahr gab er mit al-Hariris Verwandlungen des Abu
Seid von Serug eine arabische Sammlung von 50 witzig-sprachgewaltigen
Texten (so genannten Makamen) heraus. Nach dem Tod zweier seiner Kinder
1833/34 verdüsterte sich sein psychischer Zustand zusehends. Von 1836 bis
1839 schrieb Rückert mit dem sechsbändigen Werk Die Weisheit des Brahmanen
eine in klassischen Alexandrinern gehaltene Zusammenfassung östlicher
Gottes- und Lebensweisheit in Sprüchen, Fabeln und Erzählungen. Ein
einschneidendes Leseerlebnis wurde die Lektüre der Werke Arthur
Schopenhauers 1845, die sein gesamtes späteres Leben und Schaffen
beeinflusste.
1848 ging Rückert in Pension und lebte abgeschieden auf seinem Landgut in
Neuses (heute ein Teil Coburgs). Dort starb er am 31. Januar 1866 an
Krebs. Seine 1872 aus dem Nachlass herausgegebenen Kindertotenlieder
wurden zwischen 1901 und 1904 von Gustav Mahler vertont. Rückerts Andenken
ist die Rückert-Gesellschaft in Schweinfurt verpflichtet. Im 20.
Jahrhundert wiesen u. a. Helmut Heißenbüttel, Karl Krolow, Oskar Loerke
und Hans Wollschläger auf seine Bedeutung als Lyriker hin. Weitere Werke
Rückerts sind die Haus- und Jahreslieder (1832-1838) sowie das historische
Drama Herodes der Große (1844), das auf Christian Friedrich Hebbel wirkte.
Aus: Encarta
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