Das
Liebes-Poetische Manuskript N° 39
Liebesgedichte und Bilder
Im Rosengarten von Schiras
100
Perlen der Liebe von Mohammed Schemsed-din Hafis (1320-1390)
(Teil 1: 1-50)
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Der Mond der Schönheit borgt
sein Licht Von deiner Wangen Strahlen, Der Glanz der Anmuth strahlet aus Von deines Kinnes Grübchen.
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Wessen Zunge die Lieb'
beseelet, stirbt nicht. Ewig bleibet mein Ruhm im Weltenbuche. |
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Was brauchts Palläste die zum Himmel reichen Für jenen der zuletzt im Staube schlummert? |
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Nähme mein Herz in die Hand
der schöne Knabe aus Schiras, Gäb ich fürs Maal Samarkand und Buchara. |
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Einen Vers vom
Schönheitskoran Hat mir dein Gesicht enthüllet. Deßhalb athmen meine Verse Hohe Schönheit, reine Anmuth. |
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Du steckst die ganze Welt in
Brand, Wenn deine Wangen leuchten, Sag' an, was hast du denn davon Daß du nicht milder herrschest? |
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Es blutet längst mein armes
Herz Durch deine Zauberaugen. O meine Theure blicke her Wie du mich hast ermordet! |
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Würde mein Haupt von der
Welt mit Schwerdtern und Kolben geschlagen, Nimmer schlüge man mir Treue für dich aus dem Haupt. |
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O es kommt noch ein Tag wo der Freund mit Wohlseyn zurückkehrt; Froher seliger Tag! Kommt er mit Wohlseyn zurück! |
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Deine Gedichte Hafis
beschämen die Blätter der Rose, Weil sie athmen das Lob rosiger Wangen des Freunds. |
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Die Frühlingstage und die
Jugend Die Zeit der Freude und des Weins, Vier Tage sind es nur o wehe! Benütze die Gelegenheit. |
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Der Garten deines Genusses Verleiht dem Paradiese Glanz. Das Feuer deiner Entfernung Entflammt der Hölle Gluth. |
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Zu deinem Gesichte und
Wuchse Hat sich geflüchtet Edens Flur, Von Tag zu Tage vermehre Sich ihrer Schönheit Preis! |
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Der Frühling hat die Reize Von deiner Schönheit nur erklärt, Das Paradies erinnert Mit jedem Schritt an dich. |
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Bey dem Geiste des Herrn,
beim alten Recht, und dem Bündniß Schwör' ich, es bleibet dein Heil immer mein Morgengebet. |
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Sey ich selber, sey mein Herz geopfert, Ists kein Schade, wenn nur Sie gesundet. |
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Schaut nicht auf Hafisens
äußre Armuth Denn sein Busen ist der Schatz der Liebe. |
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Vor vielen Tagen kam zu mir Von deinem Lockenschmuck ein Duft, Noch riecht das Herz von demselben. |
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Seit ich an dem Quell der
Liebe Mich nach Brauch gewaschen habe, Hab' ich ja mit einem Worte Allem übrigen entsaget. |
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Ehrenstellen verschmäht
Hafis aus höherem Sinne: Gold und Ehre reizt liebende Herzen nicht viel. |
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Bis an den jüngsten Tag wird
jener Nicht die Trunkenheit lassen, Der so wie ich am Tag des Looses Trank vom Becher der Freundinn. |
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O Morgenwind gehst du vorbei Beim Aufenthalt der Freundinn, Bring einen Hauch vom Wohlgeruch Des Ambrahaars der Freundinn. |
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Zwar durch den Rausch der
Liebe bin ich schon gänzlich zerstöret, Aber mein Daseyn blüht aus der Zerstörung hervor. |
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Ein Rubin, der nach Blute
dürstet, Sind die Lippen des Freundes, Sie beschaun und die Seele opfern Ist mein Geschäft. |
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Deinen Rubin zu beschauen,
wird ein Auge der Seelen erfordert, Ferne, o ferne davon stehet das irdische Aug. |
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Auf der Sonne wohn' ich, seit mein Gesicht Unter der Thür' meiner Freundinn lieget. |
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Wer das Bittere der Liebe Nicht genossen und Genuß wünscht, Will das Pilgerkleid anziehen, Ohne sich vorher zu waschen. |
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Gott hat deiner Augenbrauen Schöne Formen gebunden, Er hat meines Lebens Freude An dein Lächeln gebunden. |
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Deiner Strenge müde sprach
ich: Aus der Stadt will ich fliehen, Flieh Hafis, so sprachst du lächelnd, Flieh, dein Fuß ist gebunden. |
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Weh! die Freundinn ist
entflohen, Und in meiner Augen Thränen, Sind die Formen Ihrer Schönheit Zart auf Wasser hingemalet. |
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Unmöglich kann ein Blatt Nach Würden dich beschreiben, Weil du erhaben bist Weit über alle Schildrung. |
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Bereitet sind der Wein, die Sänger und die Rosen, Doch ohne den Geliebten wird Kein Freudenfest bereitet. Wo ist er? |
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Des Herbstwinds zürne nicht,
vernünftig sollst du denken, Hafis, wo ist der Rosenstrauch Der keine Dornen hat? Wo ist er? |
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Das Morgenlüftchen erquickt Die Seele mit frischen Düften, Fürwahr, fürwahr! verliebter Seelen Düfte sind lieblich. |
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Den Werth der Rose hat
allein Die Nachtigall erkannt; Nicht jeder, der ein Blättchen liest, Hat auch den Sinn erkannt. |
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Du der vom Buche der
Vernunft Die Liebe lernen willst, Ich fürchte, du hast diesen Punkt Nicht wie du sollst erkannt. |
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Die Nachtigall hat in dem
Mund Ein Rosenblatt gehalten, Und über dieses Blatt Genuß Der Reden viel gehalten. |
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Ohne deinen Wangenglanz Ist kein Tag für mich geblieben, Nichts als eine finstre Nacht Ist für mich zurückgeblieben. |
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Ach! ich weiß wohl, daß
Geduld Deiner Trennung Schmerzen lindert, Aber zur Geduld ist mir Keine Kraft zurückgeblieben. |
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Wenn du dein Herz der Liebe
giebst, Ists gute Zeit und gute Dinge, Brauchen nicht Rath erst. |
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An deiner Seite schwör' ich
es, mein süßer Abgott, Wie Kerzen will ich mich des Nachts für dich verbrennen. |
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Verbrannt ist zwar Hafis,
allein im Bund der Liebe Hält er stets fest, was Treue sich bedinget. |
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Dir mein Herz zu eröffnen
verlangt mich, Und von deinem zu hören verlangt mich. |
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Eine heilige Nacht, wie die Nacht Kadr, Ganz mit dir zu verkosen, verlangt mich. |
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Morgens und Abends werd' ich
Karawanen guter Gebete Kosend aus Osten und Westen dir schicken. |
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Manches Geheimniß, das ich
nie Geplaudert, noch plaudere, Vertraue ich dem Freund, als dem geheimen Rathe. |
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Aller Ertrag der Werkstatt
des Seyns ist Nichts. Bringe mir Wein, die Güter der Welt sind Nichts. Seele, wie Leib, begehren Genuß und Lust, Thäten sie's nicht, so wären sie beide Nichts. Glück ist nur das, was blutigen Schweiß nicht braucht, Denn mit Bemüh'n sind himmlische Fluren Nichts. |
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Außer deiner Schwelle hab'
ich Keinen Zufluchtsort, Außer deiner Thüre leg' ich Nirgends hin mein Haupt. |
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Lebenswasser ist ein Ausfluß Von dem Zuckermund des Freundes, Während daß die Sonn' ein Abglanz Seines Mondgesichtes ist. |
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Dein Gesicht zu bereun, hat
mir der Klausner befohlen, Schämt er sich nicht vor Gott, schämt er sich auch nicht vor dir! |
Alle Texte aus:
Mohammed Schemsed-din Hafis Der Diwan
Aus dem Persischen zum erstenmal
ganz übersetzt von Joseph von Hammer-Purgstall
Stuttgart und Tübingen
in der J.G. Cotta'schen Buchhandlung 1812
siehe auch: www.deutsche-liebeslyrik.de/hafis/hafis.htm