Das
Liebes-Poetische Manuskript N° 40
Liebesgedichte und Bilder
Im Rosengarten von Schiras
100
Perlen der Liebe von Mohammed Schemsed-din Hafis (1320-1390)
(Teil 2: 51-100)
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O Herz! schlürf wie Hafis Liebkosung in dein Innres ein, Denn die Liebkosungen Der Liebenden sind lieblich, süß. |
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Wenn vom Rosenbeet' deines
Genusses Duft mir wehet, Kann mein Herz sich nicht halten vor Lust, wie Rosenknospen. |
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Von jeher hatt' ich nichts
zu thun, Mit Weltgeschäften, Dein Angesicht hat mir die Welt, Geschmückt für meine Augen. |
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Nach einem Schatz, wie du,
sehnt sich Hafisens Herz, O wär' er nur ein Sklav, des Staubes deiner Thür. |
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Bescheidenheit, und Scham,
und Reue Verlange nicht von mir, Wer heischet gute Werke, Von Trunkenen und von Liebenden? |
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Wie der Glanz der
Morgenkerze ist mir Der Vorsatz klar geworden: All mein Leben will ich nur zum Geschäft Von seiner Liebe machen. |
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Verleg dich nicht auf
Künstelei, Denn Jedem, der in seinem Thun Nicht frey und offen handelt, wird Die Thür der Liebe zugemacht. |
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Sieh des Glückes Sonne wird
dir scheinen, Aber du musst erst dein Herz Einem Spiegel gleich geglättet machen. |
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Ich sprach: Was nützet wohl Dem Alten der Rubin der Lippen, Er sprach: Daß sie mit einem Kuß Ihn wiederum zum Jüngling machen. |
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Mädchen mit dem Duft der
Jasminen, Verscheuchen Gram, wenn sie sich setzen, Mädchen mit den Feengesichtern, Verscheuchen Ruh', wenn sie sich heben. |
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Du veracht' nicht
Liebesbettler, Diese Leute Sind Monarchen ohne Kronen, Ohne Thronen. |
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Sieh, mein Herz, das sich
zuvor gepriesen, Seiner freyen Unabhängigkeit, Siehe, wie es mit dem Dufte deiner Locken Tausendfach zu schaffen hat. |
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Die Sonne seines Angesichts Ist von dem Flaum des Barts versteckt. O Herr verleih' ihm ew'ges Leben, Weil er die ew'ge Schönheit hat! |
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Wenn dir die Rose freundlich
lächelt, O Nachtigall! so prahle nicht, Denn keiner darf der Rose trauen, Wenn sie auch Himmelsschönheit hat. |
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Rosen sind ohne Rosenwangen
nicht lieblich, Ohne den Wein sind Frühlingstage nicht lieblich. Reize der Flur, und laue Lüftchen des Hains sind Ohne der Tulpenflur der Wangen nicht lieblich. Mädchen mit Rosenwuchs und zukrigem Mund sind Ohne Umarmung, ohne Küße nicht lieblich. Siehe der Tanz der Ceder, die Ruhe der Ros' ist Ohne den Laut der Nachtigallen nicht lieblich. |
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Deine Schönheit aller Blicke
Sonne sey! Und dein Antlitz schöner als die Schönheit sey! |
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Jeden Augenblick ist meine Liebe frisch, Frisch auch deine Schönheit jede Stunde sey! |
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Jedes Herz, das
Trennungsschmerz nicht kennt, Vom Genußring ferne sey! |
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Das Haar, die Wang' sind ein
Gebet, Das stets mein Herz im Munde hat. |
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Vom Tag, wo ich aus Liebe Ins Grab mich lege, Bis zum Gericht mein Auge Bei deinem seyn wird. |
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Vernimm, daß ohne Lieb' die
Welt Für Seelen keinen Zauber hat, Und daß, wer nicht so denkt und fühlt, Fürwahr gar keine Seele hat. |
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Vor deinem Angesicht Der Mond nicht Schimmer hat, Die Rose keinen Glanz Vor deinen Wangen hat. |
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So oft mein Herz von der
Vernunft, Die Tief' ergründen wollte, Gab Liebe einen Kommentar Zu dem, was schwer gewesen. |
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Das Feuerwerk der Liebe ist Der Angedenken herrlichstes, Ein schöner's Denkmal giebt es nicht, Das hier zurücke bleibt. |
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Auf des Freundes süße Lippen Thue ich Verzicht, Doch wo ist die Fliege, die nicht Nach dem Zucker geht. |
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Zum Trunk Rubin, ein
Ruheplatz, Und einen Freund zum Schenken. Mein Herz! ist es dir nun nicht wohl, Wann wird's dir beßer werden? |
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Ich habe keine Kraft als
die, Im Stillen ihn zu lieben, Wenn ich ihn nicht umarmen kann, Was wird wohl aus mir werden? |
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Als in der Ewigkeit deiner
Schönheit Schimmer entglänzte, ward die Liebe, Die mit Flammen die Welten ergriffen. |
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Und hätte auch Hafis Zehn Zungen, wie die Lilien, er schwieg' Den Rosenknospen gleich, Weil durch die Lieb' sein Mund versiegelt ist.
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Schau' auf des Liebenden
Tugend, und nicht auf seine Gebrechen, Denn wer selber nicht tugendhaft ist, der schauet auf Fehler. |
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Welchen Geschmack von der
Frucht Des Paradieses hat der Mann, Der in den Apfel des Kinns Des Liebchens nie gebißen hat. |
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Klage nicht über den
Schmerz, Denn auf dem Weg der Liebe hat Keiner gefunden die Ruh, Der nicht zuvor gelitten hat. |
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Ich mahlte tausend Bilder
aus, Mit kunstgewandtem Pinsel, Wiewohl kein einziges davon Dem Bild des Freundes gleich kommt. |
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Das war die schöne Zeit, Die ich verlebte mit dem Freund, Indem die übrige Nur seelenlose Leere war. |
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Ich gab für einen Kuß Des Munds die Seele hin, Die Seele nimmt er nicht, Den Kuß, den giebt er nicht. |
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Ueber Jeden, der im Hause Nicht lebendig ist von Liebe, Betet nach meinem Kirchenbuche Sterb- und Grabgebete. |
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Du reichtest mit Liebkosung
Verliebten So einen Wundernektar zu trinken, Daß alle Kenntniß verlohren gegangen, Daß der Verstand ist sinnlos geworden. |
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Will die ganze Welt an
meiner Liebe mich hindern, Thu' ich doch nur das, was von mir heischet der Herr. |
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Mondengesicht sag' an, so sprach ich zu meinem Geliebten, Sage, was ist's, wenn ein Kuß Herzen die Ruhe verleiht. |
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Geht mein Herz den Schönen
nach, So ist es ihm zu verzeihen, Es ist krank, wie soll es denn Nicht nach Arzeneien gehen? |
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Es sproßet nicht Auf Fluren eine Cypreße dir ähnlich. Auf dieser Welt Giebt es kein schöneres Gebild, als du bist. |
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Was für Leiden tragen nicht In dem Winter Nachtigallen, In der Hoffnung, daß der Lenz Auf die Fluren bald zurückkommt. |
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Morgenwind, bringe vom Haus
der Freundinn Düfte, Ich leid' an Krankheit, Seelenruhe bring' mir! |
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Schlag' die Laute und sing'; Zag' nicht wenn es an Aloe fehlt, Lieb' ist Gluth, und das Herz Das Gewürz und das Rauchfaß der Leib. |
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Rose, aus Dank dafür, daß du bist der Schönheit Sultaninn Zeig' in der Liebe dich nicht gegen die Nachtigall stolz. |
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Cypreße der Schönheit, die
du Lieblich schwankend einher gehst, Um deine Liebkosungen flehn Mit jedem Augenblick Verliebte. Es möge der Schönheit Gewand Immer glücklich dich kleiden, Von Ewigkeit her wurde das Maaß Nach deinem Cederwuchse genommen. |
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Nach den Lippen bleibt mein
Wunsch Unerfüllt noch immer, Harrend deinem Glasrubin Trink' ich Gram noch immer. |
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Eines Tags entfiel dem
Freund Ungefähr mein Name, Seht mein Name haucht seitdem Seelenduft noch immer. |
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Ha! der Freund ist bei mir,
was ist nun andrer Besuch werth; Denn das Glück der Gesellschaft von diesem Trauten genügt mir. |
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Vergnügt bin ich, und wie
mein Hemde still, Wenn mir den Freund, statt des Kaftans, Erlaubt ist zu umarmen. |
Alle Texte aus:
Mohammed Schemsed-din Hafis Der Diwan
Aus dem Persischen zum erstenmal
ganz übersetzt von Joseph von Hammer-Purgstall
Stuttgart und Tübingen
in der J.G. Cotta'schen Buchhandlung 1812
siehe auch: www.deutsche-liebeslyrik.de/hafis/hafis.htm