Sonntags bei Sören

Aus den Tagebüchern von Sören Kierkegaard (1813-1855)
(7. August 2016)

 



1848
Wenn Kinder einen ganzen Tag zusammen sind, so spielen sie miteinander oder was sie sonst tun mögen, und diese Beziehungen zueinander, diese Relativität wird ihnen die Wirklichkeit, in welcher sie sozusagen ein jeder respektive ernstliche Größen sind. Aber dann kommt plötzlich Botschaft, der kleine Peter, Christian, Sören oder Hans oder wie er sonst heißen mag, solle heimkommen. So greift das Absolute störend ein. So auch mit den Älteren -: mit dem Religiösen im Zusammenleben mit den Älteren. Nun geht er hin und redet mit den anderen ernsthaften Männern darüber, was er in der Welt sein will, daß er das und das sein will, und es scheint den anderen ernsthaften Menschen, daß er ein ernsthafter Mann ist, fast genau so ernsthaft, wie die anderen. Aber dann kommt plötzlich Botschaft, daß er heimkommen solle -: das Gottesverhältnis macht sich geltend. Siehe, darum kann der wahrhaft Religiöse niemals es bis zu der besonderen Art von Ernst bringen, der der allgemeine ist in der Welt, dem, der das Gottesverhältnis ausläßt. Das Kind kann nicht die Erlaubnis bekommen, sich in dem Sinnesbetrug festzusetzen, daß das Verhältnis zu den anderen Kindern das Ganze sei - denn es kommt die Botschaft, daß es heimkommen solle. (S. 292)
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Aus: Sören Kierkegaard Die Tagebücher 1834-1855
Ausgewählt und übertragen von Theodor Haecker [1879-1945]
Hegner Bücherei Im Kösel Verlag zu München 1949


 

 


 

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siehe auch:

Sören Kierkegaard (1813-1855) - Aus: Leben und Walten der Liebe

Sören Kierkegaard (1813-1855) - Gebete

Sören Kierkegaard (1813-1855) - Aus: Liebe deckt der Sünden Menge




 

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