Das Liebes-Poetische Manuskript N° 28

Wie nenn' ich dich? ...

 Sandor Petöfi Liebesgedichte  -  Bilder ungarischer Maler 19./20. Jh.
 


Lajos Deak-Ebner (1850-1934)
Porträt einer Frau

 
 

Sandor Petöfi
(1823-1849)


Du bist ja mein, ich bin ja dein …


Du bist ja mein, ich bin ja dein,
Und unser ist die Welt!
Die Sonne schaut ob unsrem Haupt,
Wohin es ihr gefällt;
Allein, so weit ihr Auge reicht:
Sie sieht kein Glück, das unsrem gleicht.

Ein Mädchen klein, ist Julchen mein,
Hat Platz in meinem Schoß;
Ein Mädchen klein, ist Julchen mein,
Jedoch ihr Herz ist groß:
An Größe einem Reiche gleich,
Ja mehr noch: einem Feenreich!

Kommt mir mein Julchen in den Sinn,
Seh' ich im Finstern gar;
Es spendet Licht ihr lichtes Herz,
Ihr strahlend Augenpaar;
Bei dieser Doppelfackel Schein
Blick' ich ins Himmelreich hinein!

Denkst, gute Mutter, du daran,
Wie ich als kleiner Knab',
Im Hofe drauß', vor unsrem Haus,
Im Sand gespielt noch hab'?
Schon da lief's durch den Kopf mir quer:
O, wenn ich nur ein König wär!

Du hast mich damals ausgelacht,
Mich herzlich ausgelacht,
Daß mir so albern blödes Zeug
Im Kopfe sei erwacht;
Gott aber hat erhört mein Flehn:
Er ließ als König mich erstehn.

Seitdem mein Julchen ich besitz',
Sitz' ich auf einem Thron;
Nicht auf dem Haupt, am Herzen trag'
Ich meine goldne Kron':
Dich, Julchen, meiner Seele Seel'
Du meines Herzens Kronjuwel!

 

 

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Gedicht aus: Gedichte von Alexander Petöfi
Aus dem Ungarischen von Ladislaus von Neugebauer
Dritte, verbesserte und vermehrte Auflage
Leipzig Max Hesses Verlag 1910


weitere Gedichte unter:
www.deutsche-liebeslyrik.de/europaische_liebeslyrik/petofi.htm





 


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