Kaspar Stieler (1632-1707) - Liebesgedichte

Kaspar Stieler



Kaspar Stieler
(1632-1707)

 

Inhaltsverzeichnis der Gedichte:
 

 







Geharnschter Venus Viertes Zehen

VII.

Je dunkeler, ie besser

1.
Hab' ich was der Nacht zu danken,
gilt es dir drum, Föbe, nicht.
Deinetwegen, Gramhafft Licht,
hätt' ich ewig müssen kranken.

2.
Dein verrähtrisch Silber-feuer
hat mir offt geschnitten ab,
was mir Venus willig gab,
mir, mir sonst verlaßnem Freyer.

3.
Buhler suchen ihr Vergnügen
in der stillen Finstenüß,
durch dich hätt' ich nimmer diß,
was ich kriegte, können kriegen.

4.
Nu du deinen Straal verborgen,
und der Nebel dich umschloß'
hielt mich meiner Liebsten Schoß
eingehüllet biß an Morgen.

5.
In den wild- und wüsten Gründen,
wo kein Mensche dich verrieth,
durffstu wol, wie man dich sieht,
beym Endimion dich finden.

6.
Wo die Neyder Wache stehen,
kömmt der Schatten mehr zu paß,
will ein Reisender, so laß
ihn durch deine Blizze gehen.

7.
Was ich wüntsche zu erjagen
kann ich fangen sonder Licht.
Meinetwegen dürffstu nicht
Gold an deinen Wangen tragen.

8.
Wirstu aber ferner funkeln,
sprach' ich gar Medeen an,
die soll dich an deiner Bahn
auch in einem Hui verdunkeln.

9.
Nacht, du süße Nacht, mein Leben,
Leben, Nacht, du süsse Nacht,
du hast mich vergnügt gemacht,
ewig sey dir Dank gegeben!
(S. 76-77)

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Geharnschter Venus Viertes Zehen

VIII.

Amor, der Wieder-täuffer

1.
Verzeih' mir, daß von Rosilis,
und Mel' ich, Buschgen, hier was schreibe:
so lang' ich Filidor verbleibe,
bleibt meine Treu auch dir gewiß.
Was hier von einer ist gedichtet,
hab' ich auff drey auß Schein gerichtet.

2.
Wenn dein verliebter Zukkermund
mir die besüßten Küsse schenkte,
und mich mit solchem Labsal tränkte,
der alle Krankheit macht gesund
so wars Melinde, die ich schriebe
der süsse Honig meiner Liebe.

3.
Betrachtet ich den roten Schein
in welchem deine Wangen blühen,
wollt' ich es auff die Rosen ziehen,
denn mustestu Rosille sein.
doch wirstu wol mein Buschgen bleiben,
ich mag dich wie ich will beschreiben.

4.
Hätt' ich dich Buschgen stets genannt,
so möchte mancher auff dich sinnen,
der Leute spizziges Beginnen
ist mir mehr als zuviel bekannt.
Nu deinen Nahmen ich bescheinet,
weiß mancher nicht, wen ich gemeinet.

5.
So laß mich nu die Rosilis
die Mele gleicher massen loben:
Du, Buschgen, wirst allein erhoben,
ob ich dich schon Dorinde hieß',
ach! ach Dorinde! der zu Ehren
ich manches Lied auch lassen hören.

6.
Gedenkstu nicht, wie du mich auch
bald Oridor, bald Karpes nennest,
da du den Filidor nur kennest:
Sich, Schaz, das ist auch mein Gebrauch,
den ich zu erst von dir gesehen
dem pfleg' ich künstlich nachzugehen.

7.
Ein Herze hab' ich nur allein,
so ist mir ein Leib nur gegeben.
Ein einger Geist bewegt mein Leben,
so sollstu, Buschgen einig sein
die ich durch hundert tausend nennen
für meine Seele will bekennen.
(S. 77-78)

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Geharnschter Venus Viertes Zehen

IX.

Abschieds-gedanken

1.
O herber Todes-stich! O Dornen-wort!
Rosille, lebe wol, ich reite fort.
O Elend sonder End! O Zentner-Pein!
wird meine Seel' alsdenn auch bey mir sein.

2.
Lebt doch mein leben so, wie todt, in mir
da ich, mein Rosen-kind, bin neben dir.
wo meinen matten Geist dein Geist nicht regt,
bin ich ein kalter Leib und unbewegt.

3.
Zerreiß, verwirrtes Herz, und weiche hin
indehm ich noch bey ihr, der Schönen, bin.
Der Trauer-seuffzer den sie drüber läst
ist der des Charons Schiff bald überbläst.

4.
Gewünschte Sterbligkeit! besüßte Ruh!
drükkt Sie, Rosille, mir die Augen zu.
der Liebe lezter Dienst, ein kalter Kuß
wird machen, daß ich todt auch leben muß.

5.
Was wünschestu diß aber, Armer, so?
wird Rosilis dardurch auch werden froh?
wird ihrer Augen Brunn denn stille stehn,
und ihr dein Sterben nicht zu Herzen gehen.

6.
So lebe nu vielmehr, denn bleibt noch Trost
(wo dich das Glükke nicht ganz untertost)
daß einsten Wiederkehr das bring' herein
was dich vor Schmerzen nicht läst deine sein.
(S. 78-79)

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Geharnschter Venus Viertes Zehen

X.

Scheiden bringt Leiden

1.
Ich bin mein Tage so mit Schmerzen,
mit Ungedult und weichen Herzen
von iener Stat nicht abgereist.
Nu ich auff wenig Tage
der süssen Gegend Abschied sage,
verwirrt sich Herze, Muht und Geist.

2.
Ich bin ia nicht so hoch empfangen,
nicht auff so weichen Rosen gangen,
mit Gold und Silber nicht beschenkkt:
daß ich mich sollte drum zu sehnen,
mich so zu Leid und Angst gewehnen.
Ein anders ist es, das mich kränkt.

3.
Wo du es, Fama, nicht willst sagen,
mich durch die Mäuler nicht willst tragen,
will ich es wol vertrauen dir:
Es ist Melinde, meine Schöne,
wornach ich mich so hefftig sehne,
diß eine, dieses mangelt mir.

4.
Melinde, Ach! du liebe Seele,
wie hefftig ich mich um dich queele,
so bringt es dir doch mehr Verdruß.
Ich weiß es daß viel tausend Stähnen,
viel tausend Seuffzer, Leid und Trähnen
mein Scheiden dir erwekken muß.

5.
Was helffen mich nunmehr die Küsse,
die du, Melinde, mir, du süße,
du Zukker-kind gegeben hast?
Nun sind es Würme, die mich nagen,
nun sind es Pfeile, die mich plagen.
Ach Lust! wie wirstu so zur Last.

6.
Wo etwas nicht mich armen Kranken,
enthielt die Freude der Gedanken,
und ich auff Hoffnung nicht gedacht,
ich hätte mein verhaßtes Leben
auch vor dem Tode Preiß gegeben
und mir den Garauß selbst gemacht.

7.
Wie hundertmahl denk' ich der Stunde,
da ich, Melind', an deinen Munde,
mit halb zerteiltem Geiste lag.
Erinnestu dich wie vor allen
nur der mir wolte wolgefallen,
wie ich ihn offt zu rühmen pflag.

8.
Warum hastu denn nicht, Mein Leben,
mir nu dein Mündchen mit gegeben?
diß wäre mir ja noch ein Trost.
Umsonst. Ich muß es alles meiden,
der Himmel zwinget uns zu scheiden.
das Glükk ist allzusehr erboost.

9.
Ists müglich: daß es soll geschehen,
daß ich dich werde wieder sehen,
wie glükklich soll mir sein die Zeit.
Laß krösen den mit Golde laben
und ienen stehn durch Rom erhaben:
ich werde höher sein erfreut.
(S. 79-81)

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Geharnschter Venus Fünfftes Zehen

I.

Umb ihrent-wegen allein

1.
Man mag mich loben oder schimfen,
man seh mich süß und sauer an:
Genug, daß ich der schönsten Nymfen,
Rosillens Ruhm beschreiben kan.
Sprecht, stolze Neider, sprecht nur immer
ich sey veracht und ungelehrt,
wo mich ein eitels Frauenzimmer
nicht machte bey der Welt gehört.

2.
Recht. Durch Sie wil ich sein erhoben
durch ihren Glanz der Freundligkeit,
durch ihrer reiffen Tugend Loben
durch das, wormit Sie mich erfreut.
Es wird mir nicht zum Nachteil dienen,
daß ich ihr Wesen hier benennt.
Ihr Nachruhm wird mit meinem grünen
weil man der Liebe Hoheit kennt.

3.
Rosille, laß dich nicht bekümmern
daß mancher Böses von uns hält,
des Neides Anschlag geht zu trümmern,
ihn fängt der Strikk den er uns stellt.
Das ganze Reich der Pasirillen
Kupid' und Venus stehn uns bey,
die Musen sind uns selbst zu willen.
Uns schüzzt der Fürst der Dichterey.

4.
Der blaue Basilisken-Drache
schafft durch Verdruß ihm selber Noht.
Ihn stürzt die eingebildte Rache,
sein eigen Gifft bringt ihm den Tod.
So wird der Neider auch zerspringen,
wenn er uns länger lieben sicht,
wenn er mich ferner höret singen
und er es kan verwehren nicht.
(S. 84-85)

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Geharnschter Venus Fünfftes Zehen

II.

Der Wein erfreuet des Menschen Herz

1.
Auff! bringet Wein.
Mein Schmerze will ertänket sein.
Der edle Safft der Reben
muß mich des grimmen Leids entheben.

2.
Jachus Safft
hat manchen Kummer weggerafft:
er wird auch mein Verdriessen
durch seiner Trauben Blut versüssen.

3.
Spühlt Gläser auß,
ich soll versuchen, ob ein Schmauß
mög' ins Vergessen senken,
was mich so ungemenscht will kränken.

4.
Du harte Tühr,
verfluchet seystu für und für!
es müssen deine Pfosten
zu ihrem eignem Unheil rosten.

5.
Diespiter
stürm über deine Pforten her!
es müssen deine Schwellen
durch seinen Blizz in stükken schellen.

6.
So manche Nacht
hab' ich umsonst bey dir gewacht,
und andern groben Hachen
läßtu nu knarrend auff-dich-machen.

7.
Die Rosilis
ist mir bey Tage zwar gewiß:
doch stehn zu allen Zeiten
die schälen Wächter uns zur Seiten.

8.
So bald die Nacht
dem Tag' ein Ende macht,
muß ich denn Abschied nehmen,
denn fängt sich an mein Weh und Grämen.

9.
Der Teufel hat
erdacht den schlimmen Raht,
daß man mit blinden Schlössern
die Tühr verwahrt, mein Leid zu grössern.

10.
Der böse Hund
ist wachsam jede Stund'
er lauschet an der Schwellen
mit murren, rimpfen und mit bellen.

11.
So geh' ich blind
in blinder Nacht, ich armes Kind!
so offt durch beyde Gassen
und werde niemals eingelassen.

12.
Drum her! ihr Freund'
ich muß die Grillen heunt
im Wein zu tode schlagen.
Der Teufel möchte so sich plagen!

13.
So bringt nu Wein!
mein Schmerze will ertränket sein.
Der edle Safft der Reben
soll mich des grimmen Leids entheben.
(S. 85-86)

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Geharnschter Venus Fünfftes Zehen

IV.

Nacht-Lied

1.
Du blasser Mohn,
weistu auch was darvon,
daß ich hie unten klage?
Du silber-heer,
schaustu auch [auff] mein Meer
der Trähnen-Plage?

2.
Das weisse Licht
der Sternen achte nicht
mein unerträglichs Leiden:
sonst würd' ihr Guß
verwandeln diesen Fluß
in Lust und Freuden.

3.
Wie offters trug
der trübern Wolken-zug
Erbarmnüß mit mir Schwachen!
Mein Schmerzen-Lied
Kunt' ihr bewegt Gemüht'
auch weinend machen.

4.
Der Himmel riß'
auff mein Bekümmernüß
mit Hagel und mit Schlossen,
weil meine Brunst
von der Geliebten Gunst
wurd' außgestossen.

5.
Latern und Licht
entdekket mich nur nicht!
kehrt ab das Judas-Feuer.
Schaut mir nicht nach,
ihr Leute, was ich mach'
ich armer Freyer.

6.
Geht mich vorbey
und fragt nicht, wer ich sey,
doch, wird mich wer erkennen:
Der werde stumm.
ich wil mich hier kurz um
nicht lassen nennen.

7.
Schweert und beteurt
bey Ammon der da feurt
mit Blizz und Donner-schlägen:
es sey niemand,
als der euch unbekant
gewest zugegen.

8.
So wüntsch' ich euch,
daß ihr in Amors Reich'
erfreuet möget wohnen.
Es fall' euch Ruh,
Lust und Vergnügen zu
bey der Dionen!
(S. 88-89)

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Geharnschter Venus Fünfftes Zehen

V.

Besser ruhig lieben, als mühsam Kriegen

1.
Eh ich wolte deiner missen;
Karilis, mein schönstes Licht,
eh mir, deinen Mund zu küssen,
ferner solte werden nicht:
wolt' ich eh, daß alles Kriegen
müst in Pluto Pfülen liegen.

2.
Solt' ich gleich mit Sieges-Zweigen
fahren zum Kapitolin,
auff den göldnen Wagen steigen,
durch Kapenens Pforte ziehn,
mit der Römer Schaar umgeben
die mich, Sieger, hiesse leben.

3.
Solt' ich tausend Stäte haben,
fürchte mich der Szyten Land,
stünd' ein Königreich Araben
und der Nil in meiner Hand,
Solt' ich Indien beherschen
ehrte mich das Reich der Persen:

4.
Wolt' ich doch ohn dich Karille,
alles schlagen in den Wind:
Besser bey dir in der Stille,
als wo Kron und Zepter sind,
die man mit Unruhigkeiten
muß erhalten und bestreiten.

5.
Gerne wil ich bey dir pflügen,
gern' auff harten Gersten-stroh,
liebstes Kind, Karille, liegen,
gerne dreschen, hölzen: wo
ich bey dir nur möge leben
und zur Zeit ein Küßgen geben.

6.
Fahret hin, ihr eiteln Krieger,
Hochmuht, Beuten, fahret hin,
hin, ihr Bluht-besprengten Sieger!
Lieb' und Ruh ist mein Gewinn.
Forthin wil ich bey den Schaffen,
forthin bey Karillchen schlaffen.
(S. 89-90)

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Geharnschter Venus Fünfftes Zehen

VI.

Gedenk wie du es hast getrieben

1.
Gleich als du hättest still gesessen,
als dir annoch das junge Bluht
in deinem frischem Herzen wallte:
so schreib' und sing' ich dir nicht gut.
Seht, Kinder, wie der Alte, Kalte
die Heiligkeit nu hat gefressen!

2.
Wie kunnt' er doch in seiner Jugend
den jungen Mägdchen schleichen nach!
wie wust' er sie so schön zu grüssen!
wie hielt' er gern mit ihnen Sprach'
und kunnte weidlich sie zerküssen!
iezt ist er keusch und lehret Tugend.

3.
Hör', Alter, denk auff deine Zeiten,
und denk, daß ich in diesen bin.
ich werde mich auch ernstlich halten,
wenn einst mein runzel-striemig Kinn
in grauen Borsten wird veralten:
denn wil ich auch auff Erbar streiten.

4.
Wer weiß, was unter deinen Haaren,
dem alten Schnee, verborgen ist?
die Alten sein auch offters Gekken,
doch wissen sie mit Wizz und List
die Narren-Kappe zu verstekken.
Man hat der Torheit viel erfahren.

5.
Wir Jungen können nicht verschweigen,
wenn uns ein Glükk willkommen heist.
Straks müssens alle Leut wissen,
denn wird es an uns mißgepreist.
Wir folgen Alten auff den Füssen,
und man wil uns Lasters zeugen.
(S. 90-91)

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Geharnschter Venus Fünfftes Zehen

VII.

Treugeliebt, unbetrübt

1.
Es ist ein Ort in düstrer Nacht,
wo Pech und blauer Schwefel brennet,
deß holer Schlund nie wird erkennet,
als wenn ein Blizz ihn heiter macht,
mit Schlamm und schwarzen Wasserwogen
ist sein verfluchter Sizz umzogen.

2.
Megera denkt dar Martern auß
mit ihren Schwestern, denen Schlangen
um die vergifften Schläffe hangen.
Dar ist die Grausamkeit zu Hauß,
da wohnet Neid und Wiederwillen,
man höret dar des Zerbers Brüllen.

3.
Ixions Marter-rad ist da
und Tantalus zum Durst verbannet.
der Tyzius steht außgespannet
und wüntscht, sein Ende were nah.
Dar sind die außgehölten Fässer
in Letens dunkelm Tod-gewässer.

4.
Zu dieser Hölen ist bestimmt,
wer mit der zarten Liebe spottet,
wer gegen Amorn auff-sich-rottet,
und wieder Venus Waffen nimt,
treibt mit Verliebten Scherz und Possen:
wird hier in Ketten eingeschlossen.

5.
Hergegen ist ein grünes Tahl
wo die beblühmten Weste kühlen.
Hier höret man von Seiten-spielen
von Lust und Freuden ohne Zahl.
die Felder blühn in bunten Nelken
und Rosen, welche nie verwelken.

6.
Hier wehet eine Zimmet-Lufft,
man höret dar ohn Ende schallen,
den Schlag der muntern Nachtigallen,
hier ist kein Frost, kein Nebel-dufft,
kein Blizz, kein Donnerschlag noch regen
zieht schwarzen Wolken hier entgegen.

7.
Hier ist ein milder Liebes-streit,
das junge Volk spielt mit Jungfrauen
auff Elis bunten silber-auen.
Scherz, Liebe, Lust und Fröligkeit
Vergnügung, Ruh und süsses Lachen
verkürzt ihr unauffhörlichs Wachen.

8.
Wol dehm, der sich der Lieb' ergiebt!
der wird bekrönt mit Myrten-kränzen
geniessen dieses steten Lenzen.
Wol dehm, der keusch und treulich liebt!
Ihn wird mit Sieg, Triumff und singen
der bleiche Charon überbringen.
(S. 91-93)

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Geharnschter Venus Fünfftes Zehen

VIII.

Felder-Freyheit

1.
Die Freud' hat sich auffs Land begeben.
Was mach' ich in der Stadt?
Ein Narr ist, der allhier zu leben
sich überredet hat.
Auff! spannet an den leichten Wagen,
ich will hin zu Rosillen jagen.

2.
Das Lach-gesicht der Charitinnen
gibt ihr ein Lust-geleit.
Auff! trag mich Pegasus von hinnen
zu ihrer Freundligkeit,
was acht' ich dieser öden Gassen,
wenn sie die Rosilis nicht fassen?

3.
Selbst Venus wil zur Hirtin werden
nu sie der Schaffe wacht.
Der Amor fleuget um die Heerden
und treibet ein zu Nacht.
Er weiß mit melken unzugehen,
und lernt den schlanken Drüschel drehen.

4.
Sollt' ich mich denn des Pflügens schämen,
wenn sie mir Essen bringt,
mich um die Bauren-Arbeit grämen,
wenn sie zu Abend singt
ein Lied, das jene frohe Felder
der Echo schikken in die Wälder?

5.
Jezt brennt der Sonnen heisse Herze
im wildem Hundes-stern:
Was acht' ich Hizze, schrunden, schwerze?
ist nur mein Kind nicht fern,
Bey Ihr und ihres Hamels Glokke
schmekkt mir, was ich in Wasser brokke.

6.
Zu Delfos schwieg die Pyte stille,
als Föbus war entbrannt,
Ihm liebt' Admetus Schaaff-gebrülle
als Amor ihn verband:
Auß Liebe pflegt ein Gott der Heerden;
sollt' ich denn nicht ein Schäffer werden?

7.
Um Rosilis, um meine Schöne,
um welch' ich eine Stat
nicht nur, besondern alles höne,
was Wäll' und Mauren hat.
Weg Memfis, weg! weg alle Schlösser!
Rosillen Bauren-Hauß ist grösser.

8.
Die alte Welt wohnt' in den Hütten
und aß die Eichel-nuß,
Ihr Trunk stund' allen in der Mitten,
ein Brunn und heller Fluß,
da hat sich Fillis beygesezzet
und frey mit Koridon ergezzt.

9.
Da war kein Hüter, der die Pforten
in harte Riegel schloß,
die Freyheit war an allen Orten
in ihrer Freyheit groß,
Es liebt' und herzte sich ein Jeder.
Kommt, ihr Gebräuche, kommt doch wieder.
(S. 93-95)

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Geharnschter Venus Fünfftes Zehen

IX.

Die Schein-keusche

1.
Gaminde sieht so ernstlich auß,
sie kan für allen Junggesellen
sich so verzumfen stellen,
wenn sie ihr sprechen zu:
daß man sie vor die keusche Dirne,
die auß Diespiters Gehirne
gebohren, halten solt'.
Eh! keusche Pallas du,
weiß auff den Schild, ich weiß, er macht die Brüder starren,
macht dich und sie zu Narren.

2.
Gaminde, Stolze, meinstu wol
man werd' auff deine Keuschheit bauen?
der geile Schmukk der Pfauen
verräht dich wer du bist.
Du blössest die begriffnen Brüste,
die keusche bergen solche Lüste
und gehn beschnürt herein.
Wo Keuschheit in dir ist,
so laß doch einen Flor nur um die Ballen spielen.
Nein, dir gefällt das Fühlen.

3.
Gaminde liegt zum Fenster auß
und spottet aller Junggesellen
die sich verliebet stellen.
Schaut, Brüder, in die Höh,
seht, wie Gaminden keusche Wangen
im roten Feuer angegangen,
beschaut sie, forschet nach,
ob Pallas auch so seh',
ob ihr beernst Gesicht auß roter Menje blinke:
das Aas ist roht von Schminke.
(S. 95-96)

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Geharnschter Venus Fünfftes Zehen

X.

Was Musen, wo kein Geld ist

1.
Pakket euch, ihr Pierinnen,
wo ihr mir nicht helffen könt!
Föbus, Pallas weicht von hinnen,
nicht ein Blikk sey Euch vergönnt!
wo nicht euer Reimen-zwingen
sie zur Gunst vermag zu bringen.

2.
Eitle Feder, sey zerstossen,
sey verflucht, verlacht Papier!
Nu mich Kloris außgeschlossen,
nüzzt mir keiner Verse Zier.
Nu der Geiz sie hat verblendet:
ist mein Dichterwerk geschändet.

3.
Darum hat mir euer Feuer
meine Brust nicht auffgeflammt,
darum hab' ich zu der Leyer
meine Finger nicht verdammt,
daß ich wolte Mavors Helden,
Krieges-Zucht und Schlachten melden.

4.
Daß ich des Gestirnes Läuffe,
Größ' und Einfluß schreiben solt',
Meiner kleinen Hirten-Pfeiffe,
ist die Kloris der nicht hold:
wil ich sie in stükken schmeissen
und den Lorber-kranz zerreissen.

5.
Jupiter, schikk Blizz und Wetter
in den schnöden Goldes-schacht,
Seng, verbrenn, zerreiß, zerschmetter,
dehn, der um die Ufer wacht
auff die Perlen und Gesteine,
die uns Hirten ungemeine.

6.
Daher ist die Hoffart kommen
daher hat der grimme Neid
seinen Anfang erst genommen,
darum ward zur Abend-Zeit
erst die harte Tühr verschlossen
und ein Armer außgestossen.

7.
Daher wurd' ein Hund gehalten
der doch Augenblicklich schweigt,
wenn ihm eine Hand der Alten
Panken-tahler wird gezeigt.
So hat Zeus mit Goldes-tonnen
Danens Jungfrauschafft gewonnen.

8.
Aber du, der du mit Gaben
mich Verliebten stössest auß,
Feuer, Wind und Diebes-Raben
stürzen dein hochprangend Hauß,
biß es möge gleich der erden
und mit dir vertilget werden.
(S. 96-97)

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Geharnschter Venus Sechstes Zehen

I.

Verzweiffelte Liebe

1.
Hier ist das Herz, stoß, Morta, nach der Linken!
Parzen-Heer,
sezz an die Scheer,
indehm die müden Augen sinken:
ist doch schon mein Geist
auß der Leten-fluht gespeist.
Du süsses Sterben,
was wirstu mir vor Ruh erwerben!
Acheron!
ich wil auff dir darvon!
Was hab' ich armer Buhler hie
zu hoffen sonst, als tausend Todes-Müh.

2.
Denn hat sie sich, die Wilde, satt gerochen,
wenn der Todt
(die lezte Noht)
mein allzu treues Herz zerbrochen:
Stellt das Klagen ein,
laßt betrübtes Weinen sein!
Wer Liebe kennet
wie sie das arme Leben brennet,
wird mit Lust
das Blut auß warmer Brust
zusamt dem rohtem Herzen sehn
auß deß verliebten Bruders Körper gehn.

3.
Ach! hätte mich der Lebens-Schwestern eine
umgebracht
die erste Nacht,
als ich noch ohn Vernunft und kleine
an der Mutter sog
und mein Elend nicht erwog.
Ist diß der Frommen
daß ich zu Jahren bin gekommen,
stets in Pein
und unvergnügt zu sein?
Ach Liebe! herber Nater-stich!
Ach böse Liebe, worzu bringstu mich?

4.
Doch wird es ihr noch einst vergolten werden:
ist gewiß
nur Nemesis
allhier, und schaut das Tuhn der Erden:
ist nur Venus nicht
und ihr Amor ein Gedicht.
Gedenke, Schöne,
was ich iezt sterbend dir erwehne.
Reu und Schmerz
wird einst dein eifern Herz
ganz unbarmherzig greiffen an.
Denn denke, daß du mir es auch getahn.
(S. 100-101)

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Geharnschter Venus Sechstes Zehen

II.

Die Liebe ist blind

1.
So bildstu darum dir was ein,
Oenindchen,
leichtes Kindchen,
daß ich dich allein
zu der Schönheit Preiß und Pracht
vor dehm gemacht?
O nein. Die Worte sind nicht theur.
des Amors Feur
blendte mich,
daß ich
dich so ungleublich schön
angesehn,
da dir viel doch übergehn.

2.
Wie offt verglich' ich deinen Mund
Korallen,
die gefallen
auß Ozeans Grund,
da er doch kaum noch so roht
sah, als der Tod:
Die Augen musten Sonnen-schein
und Sternen sein,
dennoch war
es gar
offt um dich lauter Nacht.
Nu betracht,
hab' ich dich nicht außgelacht?

3.
Die Worte bließ mir Amor zu,
der Lekker,
Jungfern-Gekker,
und du Närrin, du
meinst, daß diese Gekkerey
die Wahrheit sey.
Ey nim doch nur den Spiegel für
du heßlichs Tiehr!
die gestalt
wird bald
verrahten deinen Wehrt.
Auff der Erd'
ist kein Mensch, der dich begehrt.

4.
Sey immer stolz, die Welt ist weit,
Oeninden
kan man finden
auch bey Abends-zeit.
Nunmehr seh' ich allzu klar
auff falsche Wahr'.
hin immer hin! die Schuld ist dein,
schlaff nun allein.
Mit der Zeit,
wird Leid
und Weh dich bald beziehn.
Fahr nur hin!
Gott Lob daß ich ledig bin!
(S. 101-102)

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Geharnschter Venus Sechstes Zehen

III.

Nacht-Glükke

1.
Willkommen Fürstinn aller Nächte!
Printz der Silber-Knechte,
willkommen, Mohn, aus düstrer Bahn
vom Ozean!
Diß ist die Nacht, die tausend Tagen
Trozz kan sagen:
weil mein Schazz
hier in Priapus Plazz'
erscheinen wird, zu stillen meine Pein.
Wer wird, wie ich, wol so beglükket sein?

2.
Beneidet himmlische Laternen,
weiß-geflammte Sternen,
mit einem schälen Angesicht'
ach! mich nur nicht.
kein Mensch, als ihr nur möget wissen,
wie wir küssen:
alle Welt
hat seine Ruh bestellt,
wir beyde nur, ich und mein Kind, sind wach,
und, Flammen, ihr an Bronteus Wolken-dach'.

3.
Es seuselt Zefyr auß dem Weste
durch Pomonen-äste,
es seufzet sein verliebter Wind
nach meinem Kind'.
Ich seh es gerne daß er spielet
und sie kühlet,
weil sie mir
folgt durch die Garten-Tühr,
und doppelt den geschwinden Liebes-tritt.
Bring, West, sie bald und tausend Küsse mit!

4.
Was werd' ich wenn sie kömmt gegangen,
an- doch erstlichst-fangen,
Küß ich die Hand, die Brust, den Mund
zur selben Stund'?
ich werd' (ich weiß) kein Wort nicht machen,
so viel Sachen,
die an Zier
den Göttern gehen für
und auff diß Schönchen sein gewendet an,
erstaunen mich, daß ich nicht reden kan.

5.
Komm, Flora, streue dein Vermügen
darhin, wo wir liegen.
Es soll ein bunter Rosen-hauf'
uns nehmen auff,
und, Venus du solst in den Myrten
uns bewirten,
biß das Blut
der Röht' herfür sich tuht.
Was Schein ist das? die Schatten werden klar.
Still! Lauten-klang, mein Liebchen ist schon dar.
(S. 103-104)

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Geharnschter Venus Sechstes Zehen

IV.

Sie liebet

1.
Soll denn, salzgeschmolzne Trähnen,
Kummer, Weh, Ach, Schmerzen, Unmuht, Klagen,
soll, Verzweiflung, Angst und stähnen,
ich einmahl von eurem Ende sagen?
Verschwindet! ich werde beglükkt,
die schöne Melene hat nach mir geschikkt.

2.
Sollte sie mich trösten wollen,
oder wird sie mir mein Urteil sprechen:
soll ich mit dem Leben zollen:
wil sie sich mit Spotten an mir rächen?
Verschwindet Gedanken! sie liebt,
sie schmerzt und beherzet, daß sie mich betrübt.

3.
Manchen Tag hab' ich geweinet,
wenn ihr nicht mein Leiden gieng zu Herzen,
wenn ihr Sinn so war versteinet,
daß sie nicht gedacht' an meine Schmerzen:
Nu ist es verkehret. Sie spricht:
sie liebe mich einig, sonst keinen mehr nicht.

4.
Soll ich mich darauff verlassen,
oder spielt sie nur mit falschen Worten?
Ach! so wolt' ich lieber blassen,
eh' ich kähm an ihres Zimmers Pforten:
Nein. Edeler Wahrheit Verstand
bekrönt sie und beut mir die liebende Hand.

5.
Nun fahr hin, Mord-bringend Leiden,
Furcht, Bekümmern, Zweifelzagen, weichet!
hin! ihr störer meiner Freuden!
forthin hat mein Antliz außgebleichet.
Bekränzt mich und ruffet: Glükk zu!
der Sturm ist vorüber, mir bleibet die Ruh.
(S. 104-105)

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Geharnschter Venus Sechstes Zehen

V.

Liebe und Aprillen-Wetter

1.
Sisyfus Gebirg' erreichen,
Tantalus Weger-trank erstehn,
auff dem Schlangen-rad' erbleichen
tausend Martern vor sich sehn:
ist Amors grimme Dienstbarkeit
die Kette der bejungten Zeit.
Ach, daß ich in Frühlings-Jahren,
muß solchen Zwang erfahren.

2.
Weint nu mit mir, die Ihr sahet,
wie ich vor beglükket stund'
als mein Kind sich zu mir nahet'
und mir boht den Rosen-mund:
Jezt heget sie den Wankelsinn,
sie gibt mich um ein leichtes hin,
Meiner Liebe treues Feuer
kömmt mir nu schlecht zu steuer.

3.
Selbst der Neid hat sich verwundert
wenn der Liebe Funken-gluht
in der Liebsten Herzen zundert'
und ihr heiß-entbrannter Muht
auff meinen Schwefel häuffig stieß
und Gegen-flammen in mich bließ:
Nun ihr Feuer außgegangen
vergeh ich für Verlangen.

4.
Ach! kein Elend ist zu schäzzen
gegen Liebe, die verbleicht,
kein Beschwernüß und Verlezzen
ist, das diesen Schmerzen gleicht,
wenn sich die Gunst verkehrt in Haß,
wenn uns der Spott macht sehnend-blaß,
wenn die Lust uns wird verschlossen,
der wir so offt genossen.

5.
Jezt wird mir nicht einst erleubet
um die dunkle Tühr zu stehn,
Lunen, so die Sternen treibet
darff ich nicht vergnüget sehn:
Um den sie mich nunmehr verlacht
der Neben-buhler steht zur Wacht,
um ihn hält der Neides-drache,
Mord, Eyfer, Zorn und Rache.

6.
Dennoch wil ich ab-nicht-lassen,
dennoch lieb' ich wie vorhin,
Solt' ich sie, mein Leben, hassen
ohne die ich Seel-loß bin?
Ach! eher müst' ein kalter Stahl,
verhindern solcher Falschheit Wahl.
Endlich wird sie mich den Treuen
mit Trähnen noch bereuen.
(S. 105-107)

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Geharnschter Venus Sechstes Zehen

VI.

Ueber der Liebsten Tod

1.
Ofnet euch, ihr Augen-güsse,
trähnet Blut-gefärbte Flüsse,
klagt, beweinet, was ich misse!
Meine Freud' ach! ist verblichen.
Helfft, ihr Götter meiner Noht!
Schönheit, Tugend, Zucht ist tod
und nach Leten hingewichen.

2.
Rauffet euch, Ihr Nymfen-schaaren,
ungemenschet in den Haaren,
heulet bey der Leichen-Bahren,
hüllet euer Angesichte
schlaget auff die blosse Brust,
saget Abschied aller Lust,
Meine Göttin ist zu nichte.

3.
Amor, lesche deine Flammen,
tritt mit Zyprien zusammen
alle Wollust zu verdammen,
weil das Bild der Treffligkeiten
deiner Fakkel wehrter Zwekk
nu ist auß dem Leben weg
und mit ihr der Trost der Zeiten.

4.
Pflükkt, ihr Musen, um Permessen
Amaranten und Zypressen,
die Melposens Zähren nässen,
wimmert um Asopus Wellen
einen kläglichen Gesang,
daß der raue Jammer-klang
mög' an Teben wieder gellen.

5.
Brecht, ihr Wolken, donnert, schüzzet,
schwizzet ganze Seen, schwizzet,
weil mein Nord-stern ist verblizzet.
Du vergöldtes Radt der Sonnen,
dunkle deiner Reise Bahn,
ziehe schwarze Kleider an,
Lune, weil mein Licht verbronnen.

6.
Pfeifft erbärmlich, Lufft und Winde,
Echo ächz es in die Gründe,
wo ich mich verzweifelt finde!
diese Faust ist schon gerüstet
mir zuthun den lezten Stoß.
Meine Marter ist zu groß,
daß mich nicht zuleben lüstet.

7.
Hohlt mich ab, ihr junge Hirten,
beyde soll ein Grab bewirten.
Leget uns in grüne Myrten,
die das Leben nie geschieden,
trennet auch die lezte Pflicht
und der Ritz der Parzen nicht,
der sonst alles kan zerglieden.

8.
Brechet auß den Marmor-steinen
von den allerreinsten einen,
drauff soll diese Schrifft erscheinen:
Die im Leben treu verharret
stets ein Geist und eine Seel'
Ach! die hat in diese Höl'
Amor selber eingescharret.
(S. 107-108)

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Geharnschter Venus Sechstes Zehen

VIII.

Urteil sonder Verstand

1.
Pöfel was soll das bedeuten,
daß du so Zelinden lobst,
daß du mit den tummen Leuten
wieder meine Schönheit tobst?
Lange Finger, weisse Hände,
Augen, als ein Demant-stein,
göldne Lokken, Armen Bände,
wie der Venus ihre sein.

2.
Rosen-Wangen, die Rubinen
ihre blässe werffen vor,
Lippen, würdig zubedienen
von dem ganzen Sternen-Chor:
Rede so die Pallas heget,
Freundligkeit der Charitinn,
Tugend, so Alzesten schläget,
Ikars Tochter keuscher Sinn:

3.
Pöfel, kanstu so beschreiben
deine Larve, wie ich tuh'?
als du wilst die Warheit treiben,
und nicht stimmst dem Scheine zu:
dürffstu diß nicht von Zelinden,
dem Tebaner Wunderthier,
dich zu rühmen unterwinden,
die nur Schminke trägt an ihr.

4.
Aller Tugend Bild, Rosille
aller Schönheit Trozz und Schimpff,
meine Fromme, meine Stille
nimt zwar dieses an im Glimpff.
Aber ich wil sie beschüzzen
wenn die kluge Dinte fleußt:
meine Feder soll sie stüzzen,
weil sie Lob und Ehre preist.

5.
Diß sey dir zum Ruhm gesezzet,
Rosilis, mein schönstes Pfand.
Lach es, was der Neid verlezzet,
durch den groben Unverstand.
Sollt' Itonis auff der Erden
in Astarten Schönheit stehn:
müste sie getadelt werden
und durch Pöfels Rachen gehn.
(S. 110-111)

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Geharnschter Venus Sechstes Zehen

IX.

Abschieds-Worte

1.
Telesill' hör' auff zu weinen!
worzu soll der Trähnen See?
weinstu doch als Niobe
eh bevor sie ward zusteinen,
wie die arme Briseis tahte,
da sie auß der Freyheit trate.

2.
Zwar mein Stern rufft mich von hinnen,
iezt zieht man die Segel auff,
iezt geh ich den Schmerzen-Lauff
denn die Parzen kläglich spinnen:
weil sie Leiden und Verdriessen
diese Reise drehen müssen.

3.
Dennoch sind wir nicht getrennet,
Filidor ist allzeit dein,
solt' er auch in Zimmern sein
wo man keine Sonne kennet,
deine Fakkel macht ihn lichte
bey dem schwarzen Nacht-gesichte.

4.
Bey dem günstigem Süd-westen
schweer' ichs, Telesille, dir:
dein verbleib' ich für und für.
Gib mein Schiff den Felsen-ästen,
Zefyrs Bruder wo ich liege
und mein liebstes Kind betriege!

5.
Was mich zwinget abzuscheiden,
weistu Seelchen, mehr als wol.
Der gestrenge Norden-Pol
wil mich dieser Zeit nicht leiden:
Ist sein Wüten denn verbrennet;
haben wir auch außgetrennet.

6.
Ich wil durch geheuffte Zähren
machen einen neuen Fluß,
der soll diesen Balter-Guß,
meiner Qwaal zum Zeugnüß, mehren.
Nacht und Tag wil ich beweinen,
biß ich wieder werd' erscheinen.

7.
Hab' indeß auff meine Treue,
Trautstes, keinen bösen Wahn,
weil mich sieht der Himmel an,
weil ich mich der Sternen freue,
weil mich wärmt mein schwaches Leben:
werd' ich dir nur sein ergeben.

8.
Hiemit steig' ich in den Nachen.
Schöne, halt bey alter Gunst,
laß dich keines Neides Dunst
von der Lieb abspenstig machen.
Nu es nehmen mich die Winde,
bleib geneiget deinem Kinde!
(S. 111-113)

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Geharnschter Venus Sechstes Zehen

X.

In die Scheure gehöret Stroh

1.
Neäre hält sich wakker,
sie schmükt und schminket sich.
Du alter Knochen-knakker,
meinstu, es sey vor dich?
Nein, Ehremes, laß dich lehren:
Man pfleget also nicht
den Husten zu verehren.
Was anders vor die Gicht.

2.
Und wäre sie voll Runzeln,
von schwarzbegeelter Haut
beliebt, als Schweine schmunzeln
und wäre dir getraut;
so wäre sie zur Frauen
dir dennoch viel zu schön.
Dem Teufel möcht' auch grauen,
Holz, mit dir umzugehn.

3.
Was soll der Kuh Muskaten,
Kaneel, Konfekt dem Schwein',
und Hunden Hirschen-braten?
ein abgefleischtes Bein
ist gut für ihren Hunger.
Das gleiche findet sich.
Die deine liebt ein Junger.
Die Vettel ist für dich.

4.
Du sizzest auff der Schleuder
und bist ein guter Mann.
Ihr schaffstu Sammet-Kleider,
dir stehn die Federn an.
Gib her die alten Tahler:
auch ich bedürff iezt Geld.
Ein grauer Wörter-Prahler
dient nicht ins Feder-Feld.

5.
Mein Ehremes, sey geduldig,
es findt sich einer wol,
der, was du Ihr bist schuldig,
der Frauen zahlen soll.
Du kanst es leicht gedenken,
es machs ein gelbes Haar,
daß sie sich wil behenken
mit Gold und Seiden-wahr'.

6.
Ihr habt ia sonst der Sparren,
ihr Alten, allzuviel:
wie seid ihr denn so Narren
und sucht der Liebe Spiel
bey einem frischem Feinde,
die Ihr entkräfftet seid?
doch was? Ihr suchet Freunde
in Eurer Winters-Zeit.
(S. 113-114)

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Geharnschter Venus Lezteres Zehen

I.

Nacht-Glükk

1.
Lyeus hatte mir den Sinn
durch seines Safftes Zug benommen,
ich gieng und wuste nicht, wohin,
indehm war ich zuweit gekommen.

2.
Der bleiche Monden hatte zwar
sein silbern Licht hell angestekket,
doch wust' ich recht nicht, wo ich war,
so hatte mich der Rausch bedekket.

3.
Ihr Götter, habet Dank, daß ihr
mich bracht zu diesem schönen Kinde,
(dacht ich) als in der Kammer-tühr
ich sach die himmlische Dorinde.

4.
Sie hätt' ihr auffgelöstes Haubt
unachtsam auff dem Arme liegen,
das Haar, das meinen Sinn geraubt
sach ich um ihre Wangen fliegen.

5.
Sie zog den süssen Zimmet-Geist
bald ein, bald haucht sie ihn zurükke,
was schön und liebwehrt ist und heist
sach ich in diesem Augenblikke.

6.
So mein' ich, war Andromede
Als Perseus ihr zu Hülffe kahme,
So die entblößte Zyprie
als sie den göldnen Apfel nahme.

7.
Diane hatte selbsten Lust
mit dieser Schönheit beyzuschlaffen,
sie küßte die geballte Brust,
die auch das Helffenbein kan straffen.

8.
Hie stritte bey mir die Begier,
die Schaam und brünstiges Verlangen:
sonst hätt' ich diese Götter-Zier
so, wie sie lag, entblößt umfangen.

9.
Der hohe Geist und Ernstligkeit,
die schlaffend auch nicht von ihr schieden,
die machten, daß ich lange Zeit
allein mit Ansehn war zufrieden.

10.
Nicht Argus gab so eben acht
auff die ihm anvertrauten Kuhe,
die er mit hundert Augen wacht':
als ich auff ihre süse Ruhe.

11.
Wie offt scholt' ich den Traum-Gott auß,
wenn sie ließ einen Seuffzer hören,
beförchtend daß durch einen Grauß
er ihre Ruhe möchte stören.

12.
Doch liesse mich die Liebe nicht
den guten Vorteil so verseumen,
daß ich ihr Liljen Angesicht
nicht rühren solt' in ihren Träumen.

13.
Dann öffnet' ich den Busen ihr
und weil der Schlaff sie noch umschlossen,
hab' ich ein Küßchen oder vier
in solcher stillen Nacht genossen.

14.
Diß sach der Eyffer-volle Mohn
und ward entrüst ob meinen Freuden.
So schöner Liebe reicher Lohn
macht auch die Sterne selber neiden.

15.
Er schoß' ihr einen Demant-straal
in die verschloßnen Augenlieder,
darb erseuffzte sie einmahl
und rühret' ihre Marmor-glieder.

16.
Sie schlug die müden Lichter auff,
die auch die Sonne können hönen,
Ich dachte schon auff Flucht und Lauff
besorgt des Zornes dieser Schönen.

17.
Hab' Amor Dank und Venus, du
daß ihr mir damahls Gunst erworben,
ich were sonst in selbem nu
für ihrer Lager-stadt gestorben.

18.
Ihr habt es nur allein gemacht,
daß Sie mich freundlich angenommen,
daß sie mich lieblich angelacht,
und hiesse zu dem Bette kommen.

19.
Zwar sprach sie: durffstu diese Zeit
dich, mich zusprechen, unterwinden?
hastu nicht satt Gelegenheit
bey Tage dich bey mir zu finden.

20.
Doch drukkte sie mich sanfft an sich
und küßte mich zu vielen mahlen:
da dacht' ich, Elend, nicht an dich,
noch meiner ersten Liebes-Qwaalen.

21.
Halt, Bette du nur reinen Mund,
und sey, gleich wie du pflegst, verschwiegen,
so soll dein Pfeil sein Blumen-bunt
und mitten in den Rosen liegen.

22.
Ich und Dorinde, schweigen auch.
Wirst aber du ein Wort bekennen
so sollstu sein ein Schwefel-rauch
und ganz zu Staub und Pulver brennen.

23.
Wenn einer fragt, was mehr geschach:
so sprich, wie ich, ich sey geschieden
So bald Dorinde wurde wach,
weil sie mit mir nicht war zufrieden.
(S. 117-120)

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Geharnschter Venus Lezteres Zehen

II.

Ein Degen hält den andern in der Scheide

1.
Die buhlerische Nacht trug ihr gestirntes Band,
Dianen tanzte für der Venus Diamant.
die still-verliebte Krafft straalt' auff die Erden-Bahn,
und rühret' einen Held mit tausend Stürmen an.

2.
Was solte Morfeus tuhn? er brach den braunen stab
und schmiß der Treume Saat ins düster Meer hinab.
Der Held erwacht' und fühlt' den Wundersahmen Trieb,
fort war noch Lager-stat noch Schlaff ihm weiter lieb.

3.
Er schliche leis' hinab nach Fillis Kammertühr,
vor Kloris Schlaaff-gemach stak stets ein Riegel für
dabey der Hund, doch hätt' er dieses schlecht geacht,
wo Kloris Mutter nicht die Tochter mehr bewacht.

4.
Die Magd solt' iezo dran, die sonst alleine lag
biß auff ein ziemlich Kind, das sie zu warten pflag.
Der Traum-Gott hatte sie im Schlaaffe grob erschrekkt,
drum lag sie Sinnloß auff den Rükken außgestrekkt.

5.
Er rührt' sie sachtlich an. Schlafft oder wachet ihr?
sie aber, sie erseuffzt' und sprach: wer ist bey mir?
Ich bin es, liebster Schaz, ach laßt mich zu euch ein,
ich bin verirrt und nakt, ich möcht' erfroren sein.

6.
Sie merkte bald die Kreyd' und nahm ihn ein zu sich,
das Bett auff einen Mann gemacht, hielt nicht den Stich
als hie der dritte kam, die Last würd' ihm zu schweer,
es bog sich ziemlich ein und wakkelt' hin und her.

7.
Das Kind, das lange schon der wiege war entwehnt
als das geplagte Bett' ohn Ende wankt' und tröhnt'
erwacht', und ließ ob man ihm freundlich zu schon sprach,
dennoch nicht sein Geschrey und furchtsam weinen nach.

8.
Die Mutter: Kloris, geh geschwind und nim ein Licht,
ohn Ursach pflegt das Kind so hart zu weinen nicht.
Die Tochter merkte bald, es hätte nicht Gefahr
dieweil sie ziemlich sonst auch mit Katolisch war.

9.
Doch schlug sie feuer an. Der Argwohn rührt sie sehr,
sie lieff die Stiegen ab und gukket hin und her,
biß Sie zur Kammer kahm, da, wo die Fillis schlieff
der sie auß Zorn entbrannt diß harte Wort zurieff:

10.
Was machstu, Raben-aaß? wer lieget hie bey dir?
schämstu dich, Schandbalg, nicht zutreiben solches hier,
wordurch diß ganze Hauß in Spott und Unehr fällt,
Schämstu dich nicht für Gott, so fürchte doch die Welt.

11.
Was solt' auff solchen Fang begehn das arme Kind?
bald kroch sie ein, bald auß. Nicht Mars und Venus sind
mit solcher Schaam ertappt, wie diß verliebte Paar,
in seiner besten Lust so schlau betroffen war.

12.
Der sonst beherzte Held war selbst ohn alles Herz,
kein Sebel schrekkt' ihn nie so sehr als hier die Kerz
so diese Kloris trug. Hier stritte Zorn und Schaam,
biß endlich Ehr und Glimpff die oberhand bekahm.

13.
Die Fillis must' herauß, wie lieb der Nachbar war,
der Held verblieb umhüllt mit Federn einsam dar.
Hier hätte Kloris erst den Eyffer lassen sehn
wo Fillis nicht gewußt, was ihr auch vor geschehn.

14.
Drum ward auff beyden Theil' ergriffen Stillestand,
ihr ward die Fillis, und Kloris der bekannt.
So hält ein Degen offt den andern in der Ruh'
biß macht, des Kloris hier auch täht ein Auge zu.

15.
So selzam geht es her, wenn Amor Meister ist,
so bleibt die Jungfer stehn und wird die Magd geküßt.
Schaff nur die Mutter ab, laß Hund und Riegel sein:
So, Kloris, wird der Held bey dir auch kehren ein.
(S. 120-122)

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Geharnschter Venus Lezteres Zehen
 
IV.

Ehren-Griffe

1.
Was zükkstu denn zurücke,
wenn diese meine Hand
versuchen wil ihr Glükke?
fällt sie zu weit ins Land,
Rosille, wenn sie rühret
was ihr ihr Jungfer Volk verdekket führet?

2.
Es wird einmahl doch kommen,
daß dir die große Scheu
zu halten wird benommen.
Was meinstu? tieffe Reu
wird dich alsdenn umfassen,
wo du mir meine Lust auch hast gelassen.

3.
Die unkostbahren Tücher,
so du um dich getahn,
betasten frey und sicher
die süsse Wollust an:
den Händen, die doch beben
wird so ein linder Strich nicht zugegeben.

4.
Ey! wärstu auß der Erden
in Indien erbaut,
wo alle Weiber werden
ganz nakkend angeschaut:
wollstu dich dar auch schämen,
und einen schlechten Griff vor übel nehmen.

5.
Die Haut am ganzen Leibe,
ist dünkt mich einerley,
ob ich mich hieran reibe
und gehe dort vorbey,
ist schlecht zu unterscheiden
sollstu denn einen Drukk nicht können leiden.

6.
Die Haut wird doch nicht ringer
und bleibet unbeflekkt,
ob sich schon je ein Finger
darüber außgestrekkt.
Man wird diß an nicht sehen,
ist schon ein Ehren-griff wohin geschehen.

7.
Du weißt, ich bin verschwiegen
wo dir es darum ist
man möcht zuwissen kriegen,
daß meine Hand dich küßt:
so wil ich hoch verschweeren,
den Zulaß soll kein Mensch je auß mir hören.

8.
Drum zukke nicht zurükke,
wenn diese meine Hand
versuchen wil ihr Glükke.
Es ist doch nur ein Tand
zu fühlen das, sich wehren,
was bald ein ander wird mit Macht zerstören.
(S. 125-126)

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Geharnschter Venus Lezteres Zehen

V.

Das mißtrauliche Alter

1.
Wo der teufel nicht kommt hin,
muß er alte Weiber senden,
jezo stünd' erfüllt mein Sinn,
und das Glükk in meinen Händen,
kommt ein alter Höllen-Hund
und verstört mir alles Wesen.
In Avernus roten Schlund
mit dem dürren Donnerbesen.

2.
Alter schimpfft zwar niemand nicht,
wo es nu den Jungen traute,
wo sein sorgliches Gesicht,
so nicht alles Ding beschaute.
Meiner Schönen zarter Mund
fiel auff mich mit tausend Küssen,
was mir weiter war vergunnt,
muß ich um der Alten missen.

3.
Kunnstu denn nicht dißmahl ruhn,
daß du uns zerreist die Karten?
hastu weiter nichts zu tuhn,
nicht der Spindel abzuwarten?
Flikk den alten Belz vielmehr
und bestell das Todten-Hemde.
Was verbeutstu, daß wol ehr
dir nicht ist gewesen fremde.

4.
Laß die Jugend frölich sein,
weil die Geister noch sich rühren.
Wenn die Wangen fallen ein
und die Zähne sich verlieren,
wenn die Brust verwelket steht,
und der Glieder Blut erkaltet
aller Muht zu drümmern geht
und der ganze Leib veraltet.

5.
Werden wir wol anders sein
und auff heylgern Knieen liegen,
weil uns blüht der Schönheit Schein,
suchen wir auch ihr Vergnügen.
Trozz! und tuh uns dieses nach,
was wir offt ergezlich treiben,
das nur bringt dir Ungemach,
daß dus selbst must lassen bleiben.

6.
Ungewitter, Teufels-Braut,
Zahn-bruch, Neid der guten Tage,
Schatten-körper, Runzel-haut,
Bein-hauß, Zorn-faß, Todten-klage.
Alte. Pakk dich, wie du tuhst,
zu den schwarzen Abgrunds-Geistern
und verwehr mir keine Lust.
Ich kan mich wol selber meistern.
(S. 126-128)

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Geharnschter Venus Lezteres Zehen

VI.

Vergeblich verwachstu die Liebe

1.
Alter, ich muß deiner lachen,
daß du wilt des Amors Gluht
durch dein Auffsehn kälter machen,
Liebe tuht doch, wie sie tuht.
Wacht man sie, sie birgt ihr Feuer
stellet sich wol gar als Haß,
Griffgen sind bey ihr nicht teuer.
Du verbeutst, und weist nicht was.

2.
Sie weiß mich doch wol zu halten
meine schönst[e] Argine.
Du magst wie du wilst verwalten
Wächters Amt. Uns thut nicht weh:
daß du uns mit deinem schleichen
manche schöne Lust nimst hin,
Ich und Sie kan doch erreichen,
was beliebet unsern Sinn.

3.
Magstu wol so viel verhüten,
daß ich Sie nicht sprech' allein.
Dein so Argwohn-volles Wüten,
kan es auch genugsam sein:
daß sie mir nicht manches Stündchen,
wenn, du Gramhafft, nicht bist dar,
gönn' ihr zartes Wollen-mündchen
sonder schelten und Gefahr.

4.
Nu nur hielt' ich sie umfangen,
mein Mund küßet' ihren Mund,
Ihre Wangen meine Wangen:
Weistu das auff diese Stund'?
Ach! was woltestu doch rathen,
was auff einen Abend spat
in geheim wir beyde tahten,
als sie mich, wie folget baht.

5.
Herzgen, wo ich so darff nennen
dich mein allertrautstes Kind,
kanstu meine Brunst erkennen
die sich täglich mehr entzündt.
Ey, so linder meine Flammen
laß mich deine Liebste sein.
Jezt sind wir allein beysammen
was du wilst, räum' ich dir ein.

6.
Drauff entblößte sie die Gassen
ihrer weisen Silber-brust,
ach! was gab mir ihr umfassen
für viel tausend Götter-Lust!
Ich drukk' ihr, Sie mir die Hände,
und beküßten uns auffs neu.
Wir versprachen sonder Ende
uns mit Schwüren stete Treu.

7.
Nu, was denkstu, wenn damahlen
ich ihr hätte gut gemacht,
was Verliebte können zahlen,
hättestu sie auch bewacht?
darum laß uns nach Vergnügen,
Alter, lieben sonder Wehr,
wolt' ich sie, wie dich, betriegen:
hättstu wol ein Kind noch mehr.
(S. 128-130)

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Geharnschter Venus Lezteres Zehen

VIII.

Das kranke Buschgen

1.
Buschgen henkt' ihr Häuptchen nieder
und ließ herbe Seuffzer gehn,
die sonst muntern Augen-lieder
hatte sie halb offen stehn,
wie sie die verzukkten mahlen
in Dionen Saalen.

2.
Der gehemmte Pulß der Hände
schlug ganz sacht und langsam an,
wie, wenn einer nah' am Ende
kaum das Herze rühren kan.
Ihrer Wangen Rosen blichen
Geist und wärme wichen.

3.
Seban hatte sich geleget
auff der liebsten Doris Mund
und, wie ein Verliebter pfleget,
als, dehm alles war vergunnt,
durfft' er sich mit tausend Schmäzzen
öffentlich ergezzen.

4.
Ich vermerkte bald die Kreide,
daß diß treu-verliebte Paar,
zu des Buschgen stillem Leide
einig nur der Anlaß war,
drum wolt' ich sie gleicher massen
küssend auch umfassen.

5.
Bald ward ihr Gesichte helle,
rötlich ihrer Wangen Saal,
Muht und Leben kam zur Stelle:
doch erseuffzt sie noch einmahl,
dieses machte, daß ich fragte
was sie heimlich plagte.

6.
Nichts nicht (sprach sie) mich betrübet,
daß ich nicht zu Hause bin.
Meine Mutter, die mich liebet,
kränket sich in ihrem Sinn,
wenn allein ich ohn begleiten
geh bey späten Zeiten.

7.
Töhricht müst' ich sein gewesen,
wenn ich nicht errahten solt'
ihre Krankheit und genesen,
und was sie von mir gewolt,
Doch verbarg ich diß mein wissen
mit gehäufften Küssen.

8.
Unter diesen Liebes-Freuden
fing ich sachtlich zu ihr an:
Schönes Kind, ach! daß uns beyden
gleiche Lust nicht werden kan
die den zwey Verliebten heute
Venus schenkt zur Beute.

9.
Wenn es Gottes Wille wäre,
würde bald gemacht der Kauff,
ich entsage keiner Ehre
gab sie mir zur Antwort drauff.
Und so ward diß scheinsam Lieben
küssend unterschrieben.

10.
Doch, was kunnte das verschlagen,
Küssen leschet nicht genug.
Ihre Schwermuht abzutragen
war auch hier nicht Zeit noch Fug,
weil man bey der Lichten brandte
uns zu sehr erkandte.

11.
Magd, wo bleibstu doch so lange
Komm, und zünd' die Fakkel an,
denn man in dem dunkeln Gange
leichtlich sich vertreten kan.
(rieff sie) und verließ die beyden
in vergunnten Freuden.

12.
Fragstu, ob ich mit ihr gangen?
freylich. Sollte das nicht sein?
Ihr bedrükken und umfangen
machten mir den Weg zu klein,
daß, eh wir es kaum vernahmen
wir zur Haußtühr kahmen.

13.
Dehm, was weiter sich begeben,
hastu nicht zu forschen nach,
sie lescht selbst das Licht, mein Leben,
boht mir an ihr Schlaaff-gemach.
Wär' die Mutter nicht gewesen
hätte sie genesen.
(S. 131-134)

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Geharnschter Venus Lezteres Zehen

X.

Blinzel-Mauß

1.
Eins hab' ich noch bißher verschwiegen
auch wolt' ichs sagen nimmermehr,
wie sich Florind' um Zucht und Ehr
ließ lieder-liederlich betriegen,
weil aber sie mich stets verachtt,
so sey es in die Welt gebracht.

2.
Die Sonne war zur See gegangen
die Lufft sach schwarzen Kohlen gleich.
Man merkte kaum der Sternen Reich
und Zyntien verblaßte Wangen.
Die Ober-Erde ging zur Ruh
und hatte Sinn und Augen zu.

3.
Da kahm das stolze Tier Florinde
durch einen finstern Gang daher.
Ich hatte mich gleich ungefehr
gestrekket auff ein Heu-gebünde,
als diese geile Schäffer-magd
Seid ihr allhier, Chorambus, sagt.

4.
Sie hatte den, der sich so nannte,
den Abend auff den Ort bestellt:
die Tühr war aber zugekrellt,
Ich, der sie straks an Reden kannte,
sprach leise: Schäzgen, der nach dir
so sehnlich seuffzet, der ist hier.

5.
Da hättstu Sprünge sollen sehen,
wie sie so plötzlich zu mir kahm,
wie sie mich in die Arme nahm:
Ich ließ es unerkant geschehen,
und küßt' als hätt' ich grosse Lust
an ihr, die ganz entblößte Brust.

6.
Da war der Schaam nicht zugedenken.
Sie stekkte meine Hand wohin.
Mich wundert, daß damaal mein Sinn
sich nicht zur Eitelkeit ließ lenken.
Gelegenheit hat den Verstand
offt auff verbotne Lust gewannt.

7.
Doch war diß schlecht mich zuberükken.
Ich weiß nicht, was am Rokke hing,
daß sie mit grosser Brunst umfing.
Da hört' ich Seuffzer, fühlt' ich drükken.
Was meint ihr, wäre da geschehn
hätt' ich auff Tugend nicht gesehn?

8.
Drum stieß ich Sie gemach zurükke,
indehm so boll' in guter Stund',
Melampus, unser Hirten-Hund:
und dieses war mein höchstes Glükke
sonst must' es werden offenbahr,
daß ich nicht ihr Chorambus war.

9.
Indehm sie zu dem Hunde ginge
und streichelnd ihn zufrieden sprach:
barg ich mich heimlich unters Dach,
das über einem Stalle hinge:
weil sie mich nacher dar nicht fand,
erhub sie sich ins Feder-land.

10.
Wer schleußt nu nicht auß diesen allen,
Chorambus sey das erste mahl
nicht kommen in Florinden Stall,
und was für Heu alldar gefallen.
Wer klug ist, kan es leicht verstehn,
was offt Florinden sey geschehn.
(S. 135-137)

_____



Geharnschter Venus Sinn-reden

I.
Der erste Griff der Liebe
geriethe mir durch Diebe,
nun stehl ich immer zu.
Der schlauen Diebereyen
kan sonst mich nichts befreyen,
als Unruh und die Ruh.
(S. 140)

II.
Du Morfeus hast mich kühn gemacht,
hätt' ich dein Spielwerk nicht erfahren:
wir wären noch, als wie wir waren.
Hätt' ich diß Ding doch längst bedacht.
(S. 140)

III.
Ich hielt' auß Scherz ein liebes Kind umfangen,
die Eyfer-sucht verfärbte Mund und Wangen,
als sie diß Spiel von ungefehr ersach.
Hätt' Eyfer nicht den Eyfer lassen sehen,
ich würde nicht so wol mit Buschgen stehen,
Nu wird es Ernst, was vor auß Scherz geschach.
(S. 140)

IV.
Ein grosser Sturmwind kahm geflogen
bey mir kahm Amor eingezogen
und stürmete viel härter an.
hätt' ich ihm damahls Plazz gegeben,
so möcht' ich wol vergnügter leben.
Ach! daß ich mich nicht schikken kan!
(S. 140)

V.
Die Nacht, die Tühr, die Gunst, verborge, machte, gabe,
mein Glükk, mich froh, was ich so offt verlanget habe.
Sey stille Nacht geküßt, ihr Pforten bleibt geehrt,
und du geliebte Gunst werd' je und je gemehrt!
(S. 140)

VI.
Von einem Kusse kahm mir alles Leiden,
auß einem Kuß' entstunden mir die Freuden,
dergleichen ich mein Tage nie genoß.
Die Lust erregt' ihr Lenz der roten Wangen.
Es hat der Nord das Leid erst auffgefangen.
So ist die Freude niemahl Leiden-bloß.
(S. 140)

VII.
Ich laß' ein gutes Pfand,
und mir ists unbekannt.
Ach! solt' ichs einst erkennen!
Mein Unglükk aber treibt mich fort,
ich weiche von dir, liebster Ort,
den ich ohne Schmerzen kan nimmermehr benennen.
(S. 141)

VIII.
Ich hielt' einmahl ein Kind umfangen,
ein Kind das kahm herab gegangen
zu holen vor ein Kind der Zeres Safft,
da must' ich als ein Kind verkriechen,
und wo das Kind es können riechen:
so hätte mir das Kind viel Leid geschafft.
(S. 141)

IX.
Wiltu, Närrin, schelten
laß die Pausen gelten
und nim den Takt in acht,
Kein Lied ist wol gemacht,
daß nur Schwänze heget
und den Atem leget.
(S. 141)

X.
Rosill' ist zwar Filandern fest verbunden,
doch gönnt sie mir die ersten Freuden-stunden,
Ich bin es, der die vollen Trauben brach,
hernach, so mag Filander lesen nach.
(S. 141)

XI.
Seht, was der Hochmuht kan!
Nicht stets ein Oberman
sprach Fillis und ging oben.
Die Hoffart ist zu loben.
(S. 141)

XII.
Was die Venus bükkend hat gelesen,
hab' ich bükkend wieder eingebracht
als der Tag bezwang die müde Nacht,
Bin ich nu nicht dankbahr satt gewesen.
(S. 141)

XIII.
Amor hatte mir die Spizze
mich zuwehren, stumpf gemacht.
werd' ich schuldig außgelacht,
nu mein Schwert mir nicht ist nüzze?
Nein. Kein Fechter darff es wagen,
gegen zwey zugleich zu schlagen.
(S. 142)

XIV.
Durch Schwachheit ist mir meine Stärke kommen,
durch Schwachheit ward ich meiner Krafft entnommen,
Nu bin ich durch die Schwäche worden schwach,
doch läßt auß Schwachheit meine schwäche nach.
(S. 142)

XV.
Wiltu, Reuter, mich nicht reiten lassen,
warum gönnst du mir denn Zeug und Feld?
wil dein Sattel nur mir an-sich-massen,
wett' ich, wer den besten Ritt erhält.
Stich dein Klepper an, und renne zu,
ich bin so ein Kavalier als du.
(S. 142)

XVI.
Wär' ein Licht nicht außgegangen,
wär' ich, Blinder, nicht gefangen,
Nu verloschen ist das Licht,
hab' ich kein Gesichte nicht.
(S. 142)

XVII.
Was meiner Schönen nicht gefiel,
entzog mir offt des Schusses Ziel.
Und dieses hat allein gemacht
daß ich den Pfeil ins Ziel gebracht.
(S. 142)

XVIII.
Hastu, Schöne, niemals nicht gelesen,
daß die Venus nakkend sey gewesen,
als sie den Gradiv entwehret macht.
Warum greiffestu, Kind, denn nach der Wehre,
sichstu, nu verlescht des Sieges Ehre.
Weine. Ja hättstu es vor bedacht!
(S. 142)

XIX.
Was Amor kaum gewußt, als er zwey Herzen zwunge,
und ihm des Bogens Krafft durch Streit und Sieg gelunge,
erfahr' ich selbst durch ihn. Ich sag' es Amorn an,
Nu Amor in mir wohnt, was er mir kund gethan.
(S. 143)

XX.
Ich dachte bald so lang' ich von ihm ferne bin
wil ich, als Siegerinn wol mit dem Lorbeer prangen,
(Sprach Rosilis) sie war mir allzu nah gegangen,
und ohne Sinn und Macht ins Graß gesunken hin.
(S. 143)

XXI.
Ein Demant, als ein Wachs, ist Rosilis, mein Licht,
auß der so mancher Straal der Liebes-funken blikket.
Sie ist so hell und rein, so steinern aber nicht,
sonst hätt' ich meine Form nicht in ihr Wachs gedrükket.
(S. 143)

XXII.
Der Sieger hohe Pracht, der Tichter Angemerke
der Jungfern Ruhm und Lust nahm mich in seinen Kreyß.
Wiewol erging mirs dar Mein Amor kahm zu Werke
und stach mich tapfer an. Du Glükk verwendte Reif'
erteilst mir alle Lust, und meine Lust-gefehrden
verhindern, daß ich nicht der Lust kan fähig werden.
(S. 143)

XXIII.
Ich dank' es dir allein, du Weyser von Stagyr,
daß ich durch deinen Wizz zu solchem Wizze kommen,
der einen Zweiffel mir, den du nicht weist, benommen.
Nu wiltu klüger sein, komm lerne was von mir.
(S. 143)

XXIV.
Das Eyß zerbricht. Die Schönheit läst sich sehen.
Der Amor fleucht auß Tetis Schoosse her.
Mein' erste Funk' entzündt sich auß dem Meer'.
Ists müglich, auch im Wasser glüend stehen?
(S. 143)

XXV.
Mich träumt' als Rosilis auff meine Lippen fiele,
Ihr süsser Zukkermund gab mir so manchen Kuß,
die Seel' erhube sich ob dem beliebten Spiele.
Ich wacht': Indehm entwich der bunte Fantasus.
Da stunde Rosilis für mir mit Leib und Leben.
Hat Morfeus nu den Kuß mir, oder Sie gegeben?
(S. 143-144)

XXVI.
Durch einen Unterschlag ward ich der Liebsten gleich,
und hätt' es sie geglaubt, nicht in der Taht erfahren,
daß ich und Sie, wir zwey so gleich einander waren.
Jezt lebt' ich nicht vergnügt. Jezt wär' ich nicht so reich.
(S. 144)

XXVII.
Die Venus kan man nicht, als in dem Hellen sehen,
doch kan die Venus nie beym hellen glükklich sein.
Wie gerne wolt' ich stets auff Amors Posten stehen:
schien' Ach! Vulkanus Lunt' in Rükken mir nicht ein.
(S. 144)

XXVIII.
Was mir in der Nähe war, kunnt die Nähe mir nicht schenken,
biß ich in die Ferne kahm, da wurd' erst das Ferne mein.
Nahe kinnt das Nahe nicht meinem Herzen nahe sein.
O du süsses Ferne du, ewig werd' ich dein gedenken.
(S. 144)

XXIX.
Diane wusche sich in reinem Bade,
ein junger Jäger kahm darzu gerade,
den halben Leib bedekkt die Silber-Fluht,
die Helffte sah' er bloß ob Tetis Wellen.
Hie war der Klippen Bild, und dort der hellen,
Ein ander trug darvon Akteons Hut.
(S. 144)

XXX.
Wer mit Kalisten wil vergünt in Freuden leben,
Der muß Kleandern sich verschweren als ein Freund.
Lysandern hätte nie das Glükk ein solches geben
was er so offt erhielt, Wer er Kleanders Feind.
(S. 144)

XXXI.
Verrähtrisch Licht, du hast mich zwar betrogen,
daß ich so offt den Kürzeren gezogen:
doch dißmahl ist dein Feuer spat entbrant.
Ich hab' es schon, worauff ich ging, empfangen.
Nu hinderts nicht, daß du bist angegangen.
Ich schlaffe fest. Sie hat mich umgewandt.
(S. 144-145)

XXXII.
Der Rauch vertreibt den Schwarm der Bienen
daß man den Honig brechen kan.
Daß mir mein Honig-glükk erschienen,
hat, Trozz dem Neid! auch Rauch getahn.
(S. 145)

XXXIII.
Du sichst mit zu, Vulkan,
wie ich die Venus herze,
und, weil du meinst, ich scherze,
wie wirstu heissen? Pan.
(S. 145)

XXXIV.
Ich bahte sie auff Brodt und Wein
und Rosilis verschwur zu kommen,
Sie hat den Grauen angenommen,
seit wir so kurz vonsammen sein,
da wir uns doch so freundlich hatten,
als Luna spielte mit dem Schatten.
Nu Föbus mahlt der Lüffte Tohr,
stellt sie sich fremde, wie zuvor.
Ich lob' es, wo durch scheinsams hassen
man nur nicht Argwohn möchte fassen.
(S. 145)

XXXV.
Hier ist dein ödes Bette nicht,
hier darffstu, Dulus, mir nicht dienen.
Seht, wie uns kan der Schlaaff erkühnen.
Es greifft mir Dulus ins Gesicht',
ich schweige still, und bin zu frieden,
daß ihn der Traum und Nacht verblendt.
ach! würde doch so einem Jeden
sein schäler Eyfer abgewendt.
(S. 145)

XXXVI.
Wie würdestu dich stellen,
wenn, Rose, den Gesellen
du bey mir solltest treffen an?
du bist zu langsam kommen,
sonst hätt' ich dich genommen.
Du weist, daß Brunst nicht harren kan.
(S. 145-146)


XXXVII.
Kupido gibt mir, was ich wil,
und, was ich wil kan er nicht geben,
Diß machet, daß ich Telesill'
iezt deiner muß beraubet leben.
(S. 146)

XXXVIII.
Mein Lieben fing sich an im Schnee,
weil ich zuviel den Schnee beschauet.
Auch ists der Schnee, vor dehm mir grauet,
der Schnee, den ich stets vor mir seh.
Schnee komm, Schnee weich, so wil ich sagen,
daß dich der Himmel hat getragen.
(S. 146)

XXXIX.
Du schweerst, du wolltst dein Leben vor mich lassen,
du wolltst um mich auch deine Seele hassen,
Chorambus. Recht: daß du so liebest mich,
denn niemand ist dir mehr verwandt, als ich.
(S. 146)

XL.
Der verfluchte Hagels-Neid
hat ein allzu scharff Gesicht:
drum hat Rosilis das Licht
allzunährlich abgemeyt.
Weil der Neid nach Schwefel-tacht,
Feuer-zeug und Zunder gehet,
hat die Rosilis verbracht
was ein ieder nicht verstehet.
(S. 146)

XLI.
Wir singen. Fillis spielt die Flöten,
den Schall merkt Sie und ich allein.
Laß, Fillis, laß dein Fingern seyn,
sonst wirstu mich durch Sehn-sucht tödten.
Soll aber ich die Laute schlagen,
so wil ich wol ein Stükkgen wagen.
(S. 146)

XLII.
Rosilis ich bin dein Gast,
soll ich recht bewirtet sein
denn so laß uns beyd' allein.
Zeugen sind mir ganz verhaßt,
die auff einen jeden Bissen
den wir ich und du geniessen,
so genau geben acht.
Rosilis hats gut gemacht,
der holt Licht und der Tobak
den wil sie nach Milch außschikken,
der bringt Bier, der fünffte mag
bleiben, weil er geht auf Krükken.
(S. 147)

XLIII.
Der Orfeus drang
Durch seiner Seiten zwang
in Pluto Höllen schlund.
Mir ist es auch gelungen,
daß ich zum schwarzen Grund
durch meine Leyer hingedrungen.
(S. 147)

XLIV.
Die allerbeste Venus-Gabe
die ich ie zu verschenken habe
verschüttet Fillis mit der Hand.
viel besser wär' es angewandt,
wenn, was sie dißfalls mir genommen
ihr selbst zu gute möchte kommen.
(S. 147)

XLV.
Der Tag war annoch blaß,
und Fillis wiese was,
daß ich nicht darff berühren.
Hätt' ich, was drunter war
ich wolt' auch um ein Haar
mich nicht darob verführen.
(S. 147)

XLVI.
Das Frauen-zimmer ist ja sonst dem Geize zugetahn.
wie kömmt es denn, daß Fillis nicht so viel einnehmen kan,
ich habe wenig. Dennoch ist ihr diß mehr angenehm
als wenn mit Amaltäen Horn selbst ihr Filander kähm.
(S. 147-148)

XLVII.
Ein wahres Wort, wer nicht wil kühne seyn
der stelle nur den Liebes-handel ein.
Man träget mir die vollen Wahren an
und ich kan mich nicht in die Nahrung finden.
Wers auff Verlust nicht wagen wil noch kan:
was Wunder? daß er allzeit bleibt dahinden.
(S. 148)

XLVIII.
Rosille hat mir was gesagt
daß Neid und Streit in mir erreget,
auch wird die scheel-sucht nicht geleget
biß sie ein gleiches mit mir wagt.
(S. 148)

XLIX.
Ich hätt' es Fillis dir versprochen,
und Dule hat es unterbrochen.
Ach zürne, Fillis, zürne nicht:
Im dunkeln treugt uns das Gesicht.
(S. 148)

L.
Solt' ich, Dule, nicht zu dir zur Hochzeit kommen,
ey, so wär' ich deines Manns Verwandter nicht?
Hastu mich doch ehr als Gast wol auffgenommen.
Jzt stell' ich mich ein, wer weiß, was mehr geschicht.
(S. 148)

_____




Zugabe


1.
Der Vorraht in Saturnus Welt
war Korn und reiche Wolle,
ein grüner Busch, ein Brunn ein breites Feld:
dar lebte man ohn allen Neid und Grolle.
Sint daß der Geiz und Hoffart kahm
und Herrschafft nahm:
entstund' ein Reich des Eisens.
Man wolte Gold und Sammet tragen,
die Einfalt samt der Tugend golte nicht.
Die Sucht hält nu die Jungfern auch gefangen
darum werd' ich vorbey gegangen.
Man liebt die Runzel-haut den Husten und die Gicht.
(S. 149)

2.
Weil Hektor in dem Harnisch schwizzt
liegt Paris in den weichen Federn
und wird in Venus-Krieg erhizzt.
Ich lobe diesen Streit,
wo Lieb' und Freundligkeit
sich scherzend zwakken,
mehr, als wenn mir der Feind ist auf den Hakken.
Warum solt' ich um Reichtuhm kriegen,
da Lieb' und Lieb' im Bette nakkend liegen?
(S. 149)

3.
Komm, Pylades, zu mir,
es steht dir meine Tühr
zu allen Zeiten offen.
Ich teile mit dir Brot und Wein,
das Hauß ist mein und dein.
Ich gebe dir auch gar den Schlüssel zu dem Gelde.
Diß alles sey gemeine:
die Liebste bleibe mein alleine,
Greiffstu mir hie zu weit, so sag' ich lieber Gast,
Geh hin, du bist mir eine Last.
(S. 149)

4.
Der sagt er sey mit dir aufs Land gefahren,
er hab' auff weicher Streu'
einsmahls mit dir sich dürffen paaren.
der hat mit dir zu Nacht gesessen,
der hat mit dir allein gegessen,
und iener hat wol ehr
dich nakkend angesehen,
er weiß an dir ein schwarzes Wärzgen,
Was ist denn daß nun mehr?
Ich laß es geschehen.
Ein guter Wein
wil ja getrunken sein.
Drum fürcht dich nicht, daß ich dich werde hassen,
ich würde dich, werstu der sauren, stehen lassen.
(S. 149-150)


5.
Ich wiche hin zum strengen Norden,
und dennoch fühlt' ich Liebe.
Ich bin Gradivens eigen worden,
ich pflügt' ein hartes Feld,
ich schiffte durch Ozeans Wellen-welt,
und dennoch fühlt' ich Liebe.
Woher? ist denn vor Liebe nicht ein Raht?
Ach! jezt besinn' ich mich, daß Amor Flügel hat.
(S. 150)

6.
Was rühmstu alte Tichter-welt,
du habest durch dein Singen
die Löuen können zwingen,
und Föben auß den Flammen bringen,
du habest manchen Stein an Tebens Mauer-werk
durch einen Leyer-klang gestellt!
Kupido zog mir Seiten auff
und reichte mir den Fiedelbogen,
der hat die Rosilis bewogen,
daß sie verliebet worden ist.
Kupido sey geküßt,
du Herzen-dieb.
Dein Fiedelbogen machts, sonst wär' ich ihr nicht lieb.
(S. 150)

7.
Ach ja! Es ist ein greiser Bahrt,
dem meine Venus nicht gefället,
der ist keuscher Art.
die Keuschheit stekket in den Runzeln,
ich habe keine Runzeln nicht,
ein schwarzes Haar erhellet mein Gesicht.
Die jungen Leute schmunzeln,
wenn sie die Venus lesen:
du Bleicher bleichst, wenn du mein Singen hörst,
das ist ein tolles Wesen.
Jezt fällt mirs ein, woher es kommen mag:
du blässest, weil du fürchtst den Jüngsten Tag.
(S. 150-151)

8.
Verzweiflung, Sorge, Furcht und Schrekken,
Schmerz, Leiden, Angst und Quaal,
ein Regiment von Gekken,
Verspottung ohne Zahl,
das ist der Liebe Leib-gedinge.
wer das nicht kennt, der weiß auch nicht, was Amor ist.
Sey nu geehrt, geliebt, geküßt,
und sey darbey ein Haubt der Narren.
Wißt ihr, wem ich das Lieben wolte gönnen?
dem (mein' ich) der mich nie hat lieben können.
(S. 151)

9.
Die Nas' an dir ist Spannen-lang,
das Maul steht als ein Tohr-weg offen,
die Zäne sind zwey Daumen breit,
der Wangen Schwärz' ist Qwittengeel beloffen.
Der Augen Glanz sicht wie die teure Zeit:
doch bistu stolz und hältst dich trefflich schön,
das macht: ein Mahler hat die Venus abgerissen
und Mopsa oben angeschrieben,
Das Bild hastu vor deines angesehn
und meinst es müß' in dich sich jederman verlieben.
(S. 151)

10.
Einst sah' ich einen alten Narren
die grauen Haare reissen auß
vor einer Schönen Hauf'
und wer alldar vorüber gieng
hub weidlich an zulachen,
daß er erst an-im Alter -fieng
die Liebe mit zu machen.
Sich, Alter, das steht dir nicht an
und deines gleichen.
Der Jugend, die mit Rechte lieben kan,
und ihrer Liebe Zwekk erreichen,
der geht das Lieben hin.
Drum lache nicht, daß ich verliebet bin.
(S. 151-152)

11.
Es ist nicht wahr,
daß Amor den und die verzaubern kan.
hier komt es nicht auf einen Segen an,
nicht auf ein wächsern Bild.
Kein Kraut hegt Tessalis das zu dem Lieben gilt,
kein Laubfrosch tuhts, kein Jungfer-Haar.
es ist nicht wahr.
Die Zauberey sizzt in den Augen
sie läßt sich durch den Kuß einsaugen.
Sich sie nicht an die Eitelkeit,
verschweer das Küssen,
so wirstu nichts vom Lieben wissen.
(S. 152)

12.
Du sprichst: Ich liebe nicht,
und dein hoffertiges Gesicht
hat bald den Spiegel durchgebohret.
Du gehst durch alle Gassen schwänzen
und findst dich gern bey Hochzeit-tänzen.
Sonst stehstu an der Tühr
und liegst am Fenster für und für.
Florille, Mein! sind diß der keuschheit Werke,
die Buhler durch die Augen anzulokken?
Mein! bleibe bey dem Rokken.
Doch nein. Solltstu dich nicht den Leuten weisen,
wer kennt' und würde dich vor eine Keusche preisen?
(S. 152)

13.
Gaminde weiß an allen einen Tadel,
der ist ihr allzuklug und der ein Gekk,
der ist zu still' und der zu kekk,
der andre pflegts zurisch zuwagen
und dieser läßt sich schlagen.
Die Arme müssen Kurz um weichen,
sie lebet um Verdienst die Reichen.
Und keinem ist sie doch getreu.
Gaminde sich dich für. Die Zeit fleugt fort,
wie bald ist deine Schönheit fort.
Was achts Gaminde: die der Leute lachen,
kan man zulezt zu Kupplerinnen machen.
(S. 152-153)

14.
Verschließ die Tühr mit hundert Schlössern,
der Hund steh auff der Macht,
die Mutter schlaf' auch selbst bey ihr zu Nacht,
laß sie nicht an der Pforten stehen,
verbiet ihr das Spazieren gehen:
Es ist umsonst.
Die Geilheit ist als eine Mauß,
sie weiß wol tausend Löcher,
und übet mehr, als eine Kunst,
verwahrt die tugend nicht das Hauß.
(S. 153)

15.
Es ist wol ehr geschehn,
daß eine hat geweinet,
wenn ihr die halb-verfaulten Zähn'
auß ihrem Munde Fleisch-loß blekken.
Und niemand hat sie denn gemeinet.
Es hat noch keiner dich genommen.
Die Zeit kan an dich kommen,
daß man dich fragt:
weistu vor mich kein schön Gesicht,
denn dich begehr ich nicht?
(S. 153)

16.
Nim Gold einmahl, und leg es in das Bette,
Versuch es ob es Wärme gibt
und ob dichs wieder liebt.
Ein frisches Bluht, ein Mund mit Rosen außgeäzzet,
das ist, daß Lieb' und Lieb' ergezzet.
Vom Gelde mustu Alten sagen,
die sonst nichts liebens wehrt an ihren Leibern tragen.
Nim einen Alten hin:
was gilts? du wirst einst klagen:
Ach! hätte mich mein junger Sinn
zu meines gleichen hingetragen!
(S. 153-154)

17.
Ich lobte dich durch meine Leyer,
das macht' ich meinte niemand wäre treuer.
Nun fluch' ich auf der Feder schnelle fahrt.
Gebt Feuer her. Ich wil den Vers verbrennen!
Nicht zu geschwinde! Nein.
Wie wolte man denn sonst erkennen,
daß, was ich schrieb, solt' ein Gedichte sein.
(S. 154)

18.
Wärstu nicht schön, wie hätt' ich dich geliebet?
nu bistu schön so hasset mich der Neid,
und gönnet mir nicht deine Freundligkeit.
Wärstu nicht schön, so haßte dich ein Jeder:
nu, bistu schön, so liebt dich jeder wieder.
Ach! möchtestu doch mir nur schöne sein
so nenne sich kein ander deinen Knecht.
daß du nu schöne bist, ist recht und auch nicht recht.
(S. 154)

_____

aus: Kaspar Stieler [Jacob Schwieger]
Geharnschte Venus oder Liebes-Lieder
im Kriege gedichtet,
Verfertigt von Filidor dem Dorfferer. 1660.
Hrsg. von Th. Raehse Halle a.S. Max Niemeyer 1888


siehe auch Teil 1 und Teil2




 

 


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