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3.
März 2010:
Frieda Port (1854-1926)
1.
März 2010:
Carl Busse (1872-1918)
26.
Februar 2010:
Johann Georg Fischer (1816-1897)
25.
Februar 2010:
Anton Wildgans (1881-1932)
24.
Februar 2010:
Arthur Fitger (1840-1909)
22.
Februar 2010:
Gustav Falke (1853-1916)
16.
Februar 2010:
Anton Noder (Ps. A. de Nora)
(1864-1936)
14.
Februar 2010:
Bruno Wille (1860-1928)
13.
Februar 2010:
Georg Busse-Palma (1876-1915)
11.
Februar 2010:
Peter
Cornelius (1824-1874)
und zusätzlich eine Auswahl seiner Liebesgedichte
in der Rubrik
Das Liebes-Poetische Manuskript Nr. 49
3.
Februar 2010:
In der Rubrik: Liebeslyrik der Gegenwart
Volker Knapp-Diederichs Wenn du bei mir liegst ...
2.
Februar 2010:
Emilie Ringseis (1831-1895)
1.
Februar 2010:
Karl Ernst Knodt (1856-1917)
30.
Januar 2010:
Gustavo Adolfo Becquer (1836-1870)
28.
Januar 2010:
Minna
Kleeberg
(1841-1878)
26.
Januar 2010:
Karoline
von
Fidler
(1801-1874)
25.
Januar 2010:
Hugo Salus (1866-1929)
19.
Januar 2010:
Ludwig
Jacobowski (1868-1900)
12.
Januar 2010:
Paul Wertheimer (1874-1937)
9.
Januar 2010:
Vom Freund und dem Geliebten
von Ramon Llull (1232-1316) Teil 2
8.
Januar 2010:
Vom Freund und dem Geliebten
von Ramon Llull (1232-1316)
(in der Rubrik Das Liebes-Poetische Manuskript Nr. 47)
(Teil 1; Teil 2 folgt demnächst)
7.
Januar 2010:
Jeanne-Marie Guyon (1648-1717)
französische geistliche Dichterin und Mystikerin:
Meine Lieb' ist meine
Wonne! ich besing' ohn' Unterlaß
Ihren Ruhm und ihre Siege, daß ich so glückselig bin:
Liebe nur kann mich vergnügen, Liebe ist mein Himmelreich,
Ohne Liebe ist mir alles fremd und widrig und zur Last.
Liebe, die mein Herz besessen, mein Verstand ihr Eigenthum:
Liebe ist sich selbst genugsam, sie bedarf kein fremdes Gut.
Mein Heil, Reichthum, meine Wonne schließt sie alles in sich ein:
Ohne sie kann ich nicht leben: Liebe ist mein Heiligthum.
Liebe macht mir Freud' und Wonne; Liebe macht mir Pein und Schmerz;
Liebe schaffet mir Vergnügen; Liebe legt mir Leiden auf:
Ohne sie hab' ich kein Leben, kein Vergnügen und kein Herz,
Ohne diese reine Liebe sink' ich bald in Ohnmacht hin.
_____
Glückselige Zufriedenheit,
Daß meine Liebe jederzeit
Allein auf meinen Gott gericht:
Das andre acht ich nicht!
Die reine Liebe hat kein Ziel,
Das ganze Herz sie haben will;
Getheiltes Herz ist ihr zur Last,
Der Eigennutz verhaßt.
Sie achtet Tod und Leben nicht,
Höll', Himmel giebt ihr kein Gewicht:
Was Gott nicht ist, ist nur ein Tand,
Der Liebe nicht bekannt.
Sie selbst an allen Orten gleich,
Ist Seligkeit und Himmelreich,
Dem Herzen, das recht opfern kann,
Giebt alles willig dran.
______
und vieles mehr
...
4.
Januar 2010:
Jeanne-Marie Guyon (1648-1717)
Betrachtung über die in der ganzen Natur geoffenbarte,
und in allen Kreaturen eingeprägte Merkmale
der göttlichen Liebe.
Der Liebe grosse Kraft durchdringet alle Wesen,
In allem glüht ihr Feu'r, wirkt in der ganzen Welt;
Sie tödet, schlaget wund, auch heilet, macht genesen;
Sie schaffet und gebiet, zerstöret und erhält.
Von ihr fließt alles aus, als Urgrund aller Dingen;
Giebt dem das noch nicht ist ein Daseyn, Wesenheit,
Erhält dieselbe stets: ihr muß es noch gelingen
Das alles werde rein im Reich der Herrlichkeit.
Ohn' ihren Lebensgeist muß alles bald verschmachten,
Im Himmel selbst kann man ohn' sie nicht selig seyn:
Wer sie liebt trift kein Blitz, wer aber mag verachten
Die reine Gotteslieb, auf den fällt harte Pein.
In allem weiß sie auch gar sanfte einzudringen;
Sie ist ein großer Geist, der alles neu belebt:
Wo Liebe einmal fehlt, da ist kein frohes Singen,
Sie ist es allezeit die das Gemüth erhebt.
Ohn' sie ist alles tod, ohn' Licht und ohne Leben;
Sie träget alle Ding durch ihre große Macht:
Mit ihr kann Geist und Herz durch Gnade sich erheben
Zu ihrem Urgrund selbst, mit Innbrunst, Licht und Pracht.
In allem ist sie auch die Schnellkraft zum bewegen,
Ohn' ächte Liebe bleibt Natur auf ewig tod;
Die Gnade schenkt sie auch, sie allein kann sie geben:
Wann Liebe bey uns bleibt, so hat man keine Noth.
Auch ihre Fruchtbarkeit thut alles hervorbringen,
Was lebt und Athem hat ewig durch sie besteht;
Durch ihre Allmachtshand schaffet sie Wunderdingen
Was sie nicht stets belebt, gar bald zu Grunde geht.
Auf ewig hat sie nie kein Anfang, kein Vergehen,
Sie bleibet immerdar in die Unendlichkeit;
Ihr Urgrund ist zu tief, kein Geist kann je einsehen
Was sie den Ihrigen für Wollust hat bereit.
Denn diese Liebe ist die Quelle reiner Lüste,
Und ihr Zusammenfluß durchströhmt die Ewigkeit:
O Lieb! o süße Kost, wer dich zu schmecken wüßte,
Der hätte auch schon hier die Freude jener Zeit.
Auch ist sie meine Lust, sie thut mich stets ernähren,
Nur Liebe athme ich, aus ihr die Wollust fließt;
Die Liebe mich erwärmt, sie thut mich ganz verzehren,
Die Liebe hab' ich mir zum Bräutigam erkießt.
Der Liebe Tugendkraft hat keine andre Grenzen,
Als die der Ewige ihr allein setzen kann:
Weil er unendlich ist, so kann sie wie Gott glänzen:
O daß ich ewiglich ihr möchte hangen an!
Wer wird die Eigenschaft der Liebe ganz ergründen,
Was sie war, was sie ist, und was sie stets wird seyn?
Wer wird den Anfangsgrund, oder ihr Ende finden,
Wie hoch ihr Adel sey, wie heilig, klar und rein?
Wahr, ewig ist die Lieb', groß, einig und erhaben,
Allgütig von Natur, ganz lauter, zart und fein;
Von ihrer Großmuth nur entspringet was wir haben,
Von ihr kommt alles Gut vollkommen ganz allein.
Die Unermeßlichkeit hat bey ihr keine Schranken,
Weil der Unendliche sich stets in ihr ergießt:
In dir verlier ich mich mit Sinnen und Gedanken,
Weil du o reine Lieb' mein Ein und Alles bist.
Wann ich die Eigenschaft der Liebe wollt ausdrücken,
So sagte ich ganz kurz, daß sie Gott selber ist:
In Gott ist alles Gott, was kann uns mehr entzücken,
Als lieben ohne End, stets und zu jeder Frist!
Wo ich mich kehre hin, erblickt ich nichts als Züge
Von der fruchtbaren Lieb' die alles füllet an;
Im vernunftlosen Thier entdeckt ich zur Genüge;
Bey allen spricht sie laut: ich Liebe hab's gethan.
In allem ist sie schön mit Glanz und Pracht geschrieben,
Gepräget ist sie tief in jedes Element;
In jeder Kreatur ruft sie mir: du sollst lieben;
Wie tod muß der nicht seyn, der ihre Stimm verkennt!
Wo ich nur wend' mein Aug, kann ich dieselbe schauen,
Im Himmel und auf Erd steht sie geschrieben ein,
Was lebt und Athem hat auf Liebe thut vertrauen,
Gegraben ist sie tief, in Feu'r, Wasser und Stein.
Und wann ein Gegenstand, der lieblich anzusehen,
Mir zur Bewunderung vor Augen wird gestellt,
So find ich alsobald daß ich draus soll verstehen,
Wie herrlich da die Lieb' zu glänzen ihr gefällt.
In diesem ganzen Rund, thut Lieb' die Liebe preisen:
Ein jegliches Geschöpf so stets neu wird geschafft
Mit Stimmen ohne Zahl, mit angenehmen Weisen,
Verkündigen ohn' End der Liebe hohe Kraft.
Hier ist das große Buch, daß man die Werke nennet,
Die Liebe durch ihr Wink aus Nichts entstehen macht;
Ein All aus welchem Gott sein Wesen selbst bekennet,
Wo alles ist geschmückt mit höchster Liebestracht.
O hätte ich den Sinn, daß ich tief könnt' betrachten,
Wie jede Kreatur ihren Karakter trägt:
Denn obschon viele schwach, sind sie doch hoch zu achten,
Weil sanfte Liebe sie stets all' zu schaffen pflegt.
O Mensch, heb auf dein Haupt, blick an der Sonnen Größe,
Den Mond in seinem Lauf auf der gestirnten Bahn;
Beschau die Liebe hier in ihrer Pracht und Blöße,
Ihr Licht, ihr Feuersball, merk ihre Wunder an.
Schaut wie aus ihrem Meer so helle Strahlen ströhmen,
Wann sie gleich wie ein Held aus ihrer Kammer tritt:
Mit was vor Himmelsglanz wirst du o Liebe krönen,
Der dich alleine ehrt, und über alles liebt!
Wie herrlich und wie groß o Wort sind deine Werke,
Wie hoch erhaben ist o Ewiger dein Ruhm!
Dir gebührt ewiglich, Lob, Herrlichkeit und Stärke,
Weil du uns hast erwählt zu seyn dein Eigenthum.
Schaut auf das Himmelsheer, so Liebe hat geschaffen,
Blickt an die Sternenbahn die durch ihr Wink entsteht;
Die Welten ohne Zahl sind ihre Siegeswaffen:
Sagt nun ob ihre Macht nicht über alles geht!
In allem kann ich dich o Allweisheit anbeten,
Weil reine Liebe sich in allem hat gesetzt;
Deine Abwesenheit o Gottwort sie vertreten,
Auch lindre sie die Pein, die unser Herz verletzt.
In Felsen, Berg und Thal, in Brunnen und Abgründen,
Auf Feldern welche reich von ihr begabet sind,
Kann ich die edle Lieb' in ihrem Glanze finden;
Am schönsten strahlet sie wann sie das Herz entzündt.
Am reichsten aber ist der Mensch von ihr begabet,
Er ist die kleine Welt, so Liebe hält und trägt;
Die Liebe ihn erzeugt, ernähret, stärket, labet;
Sie leitet, lehret ihn, wann sie ihr Bild einprägt.
Wie prächtig ist auch hier der Liebe Ernst zu kennen,
Wenn Himmel für ihn spricht, wann Blitz und Donner kracht!
Wie majestätisch thut die Erde ihn bekennen,
Wann alles auf ihr blüht, wann Feld und Garten lacht!
Seht wie dort auf dem Feld so schön und lieblich pranget
Der Blumen alle Zahl, in hohem Glanz und Schein:
Wie glänzend mußt du Lieb', die meine Seel' verlanget,
Wie herrlich und wie zart in deiner Schönheit seyn!
Aus jedem Blümchen strahlt ein Funken reiner Liebe,
Ihr lieblicher Geruch von ihrer Güte zeugt:
Wer pflanzte dieß Gefühl, Empfindung, sanfte Triebe?
Wer streute dieses Gold, das so hell blitzt und leucht?
Wer schmückte jede Blum, wer sie so reich bemahlen?
Wer gab ihr solchen Glanz, und zugleich diese Zierd?
Ist's reine Liebe nicht, die Maaß, Gewicht und Zahlen
In jedem Werk und Ding verwendet für und für?
Sieht man wie hier die Ros' in hoher Röthe blühet,
Die Lilien neben ihr, wenn Perlenthau sie netzt:
So funkelt auch die Lieb' wann sie im Grunde glühet,
Wann sie mit Freud und Lust das zarte Herz ergötzt.
Und wann der schwüle Tag sein Ende hat erreichet,
Wenn sich vor uns verbirgt das Auge dieser Welt;
Welch ein lieblicher Duft, wann Westwind sanft durchstreichet,
Empfinden wir alsdann im bunten Blumenfeld!
Ich schau mit Wollust an die Schönheit deiner Werken,
Die du o Liebe schufst, und hast hervorgebracht;
In allem was besteht kann ich gar deutlich merken,
Daß du allein für dich, dieß All hast ausgedacht.
Drum soll die Schöpfung mich alsbald zurück stets führen,
Zur ersten Grundurquell, aus welcher alles fließt:
Halt ich nicht diesen Weg, so werd' ich bald verirren,
Wann ich in der Natur betrachte was Gott ist.
Wann von der Kreatur so viel Anmuth kann fliessen,
Was mußt du dann nicht seyn dem der dich allein liebt!
O welch ein Gradenstrohm muß sich in dem ergiessen,
Der nur von Liebe lebt, und sich dir stets ergiebt!
O Himmel welch ein Glanz der fruchtbaren Geschlechter!
O Wohnplatz welcher nur dem Liebesvolk gebührt!
Ihr Wesen ohne Zahl, ihr seyd der Liebe Töchter:
O himmlische Musik, von Liebe aufgeführt!
O Liebe, Liebessonn'! wie schön sind deine Strahlen,
Wie glänzend ist dein Licht in diesem grossen All,
Wo du Unendlicher! dich selbst hast abgemahlen,
Durch dein allmächtig Wort, groß, weise überall!
Wer sollte dann hier nicht dich überall erblicken,
Wo majestätisch du dich uns hast offenbart?
In allem siehet man was niemald kann ausdrücken,
Wie unermeßlich sey, Gott, deine Gegenwart.
O Liebe, du bist Gott, wer wagt es auszusprechen,
Was dich ganz lieben sey! wenn die Erfahrung fehlt,
Was sey der Liebe Gunst, die niemand kann bestechen:
Das hat kein Sterblicher, das hat kein Mund erzählt!
Wie groß muß Liebe seyn, erst denen die dich fassen?
Entzückend angenehm, wie reich und anmuthsvoll?
Ja viel unendlicher, wie könnt ich dich denn lassen!
Du bist es ewig nur die ich begehren soll!
O Gott, o reine Lieb', wie groß ist meine Freude!
Ich lieb' und bin geliebt, als meines Liebsten Theil:
Schon jauchzt die Liebe frey, obschon noch hier im Leide,
Geniesset wollustvoll das höchste Glück und Heil.
O Himmelsköniginn, o laß mich dich erreichen!
O Liebe laß mich einst dein holdes Antlitz seh'n!
Eh' mein Herz von dir weicht, eh' sollen Berge weichen,
Und mit der Hügel Fall der Weltbau ganz vergeh'n!
aus: Der
gottseligen Frau La Mothe Guyon geisterhebende Beschäftigungen
des Herzens mit Gott durch die lebendige Erfahrungs-Erkenntniß
der göttlichen Liebe.
Auszüge aus sämmtlichen poetischen Schriften der seligen Frau,
zur Beföfderung des inneren Lebens.
Durch G. Teerstegen und andere ins Deutsche übersetzt.
Erster Theil Frankfurt und Leipzig 1802 (S. 56-62)
2.
Januar 2010:
20 spanische Dichter vom 16. bis zum späten 19. Jh.
In Zusammenhang gebracht mit Frauen-Porträts
meistens des 19. Jh.s. (in der Rubrik:
Das Liebes-Poetische Manuskript N° 46)
Ab
sofort (2. Januar 2010) will ich wieder regelmäßig
an dieser Stelle über alle Neuigkeiten auf der Homepage
unterrichten.
Des weiteren möchte ich hier vereinzelte Liebesgedichte
präsentieren, die mir während meiner Arbeit und Recherche
ins Auge fallen und ich diese noch nicht sofort in entsprechende
Rubriken einordnen kann.
Für den Anfang Gedichte einer spanischen Dichterin Luisa Arroyo,
über die ich bisher nicht viel mehr herausgefunden habe, als dass sie
dem 19. Jh. zugehört.
O süsse Liebe
O süße Liebe, die durchs ganze Leben
Als goldnes Ziel vor meiner Seele schwebt,
Zu der mein Herz in stolzem Flug sich hebt,
Nur du vermagst mir Weih' und Kraft zu geben.
Nach dir allein, der reinen, will ich streben,
Die mit dem Himmel unser Herz verwebt,
Die alles, was am niedern Staube klebt,
Zu ihrer Hoheit nimmer mag erheben.
O, gib mir Kraft, daß ich mit ganzer Seele
Und lauterm Sinn vor deinen Altar trete
Und nur zu dir, der himmlischen, mich wende.
Um deinen Segen falt' ich fromm die Hände
Und meine Seel' erhebt sich zum Gebete,
Daß ich zu dir doch nie den Weg verfehle.
_____
Geisterstunde
Vom Turme schallt die mitternächt'ge Stunde,
Und klangbewegt erzittern leis die Föhren.
Nun ist es still. Kein Laut ist mehr zu hören,
Und heil'ges Dunkel herrscht in weiter Runde.
Wie regt mein Herz sich wohlgemut im Grunde!
Das fremdes Treiben nicht vermag zu stören,
Kann sich nun ganz und ungeteilt gehören
Und lebt mit Geistern in vertrautem Bunde.
Doch nicht mit solchen, die der Gruft entschweben,
Die, aufgeschreckt von des Gewissens Plagen,
Um öde Gräber luft'gen Reigen weben;
Zu denen nur liebt es sich hinzuwagen,
Die in befreundet gleichgestimmtem Streben
Nach der Entfernten jetzt die Sterne fragen.
_____
Sommernacht
Schon hat die Rose ihren Kelch geschlossen,
Süß träumt die Nachtigall von ihr im Flieder;
Wie Schlummer senkt sich's auf die Erde nieder,
Die zaubermild vom Mondenlicht umflossen.
O Sommernacht! Wie duft'ge Blumen sprossen
Am Herzen mir der Sehnsucht weiche Lieder,
Ja selbst die stille Thräne rinnet wieder,
Die ach, so lang mein Auge nicht vergossen!
Doch wie in der Empfindung Überschwange
Die schwere Wimper reichre Tropfen spendet,
Glüht plötzlich schamerrötend mir die Wange.
O, welcher Wahn hat mir den Sinn verblendet,
Daß ich so lang, bestrickt vom falschen Zwange,
Dir, o Natur, mich fühllos abgewendet!
_____
Herbst
Bang seufzt der Wind durch die verblaßte Heide,
Stumm ist der Wald, und öde steht die Flur.
Kein Lied! Kein Klang! Von Leben keine Spur!
Allüberall das Bild von tiefem Leide!
Ach, jede Blüt' im buntdurchwirkten Kleide
Der süßen Herzenströsterin Natur
Welkt' hin und starb! An ihrem Grabe nur
Stehn einsam noch Cypress' und Trauerweide.
Ach, auch das Herz ist einsam und verlassen
Und trauert blutend an der Liebe Grab
Und weiß den Schmerz, den großen, nicht zu fassen.
Zerbrochen liegt des Trostes treuer Stab!
Wohin das Auge thränenvoll sich wendet,
Springt nur ein Quell, der neue Thränen spendet!
übersetzt von
Otto Braun (1824-1900)
aus: Aus allerlei Tonarten von Otto Braun
Zweite vermehrte Auflage Stuttgart 1898 (S. 42-45)
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